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Eilig, eilig, Juli 16, 2007, 15:27

Posted by Lila in Land und Leute.
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eigentlich sollte ich auch gar nicht kommentieren, ich bin gerade in einer ganz anderen Abteilung meines Laptops am rum am brasseln.

Aber diesen Artikel konnte ich nicht lesen, ohne an meine Leser zu denken.

Im Dezember 2006 veröffentlichte die Weltbank eine Studie über die Rolle und Leistung der palästinensischen NGOs. Das Ergebnis ist nicht erschütternd, aber dennoch besorgniserregend: Die wirklich Bedürftigen unterhalb der Armutsgrenze werden kaum erreicht, die Personal- und Entscheidungsstrukturen sind wenig demokratisch, die Transparenz bei der Verteilung der Gelder lässt zu wünschen übrig und die Ergebnisse der eigenen Arbeit werden nicht ausreichend untersucht und dokumentiert. Das Potenzial aus Popularität und Geld werde nicht völlig ausgeschöpft, so das Fazit der Studie.

Auch mit ihrer Medienpräsenz gehen manche NGOs verantwortungslos um. Sie ergreifen in den Konflikten mit Israel und innerhalb der Palästinenser einseitig Partei und tragen so zur Verhärtung der Fronten bei. So bezeichnet manche NGO palästinensische Selbstmordattentäter euphemistisch als „Aktivisten“, „Friedenskämpfer“ oder „Märtyrer“, wohingegen sie für die israelische Seite und deren Taten dämonisierende Worte verwenden. Gerne wird das Bild vom brutalen Goliath und hilflosen David verwendet, auch wenn die Wirklichkeit viel komplizierter ist.

In der Tat. (Weydt hat Israel nicht sehr gern, das zieht sich durch all ihre Artikel – sie bemüht sich, so gut sie kann, „evenhanded“ zu schreiben…)

Es gab EU-finanzierte Schulbücher, die gegen Israel hetzen, oder Mittel für NGOs, die die israelische Politik als „ethnische Säuberung“ bezeichnen, wie z.B. das Palestinian Center for Human Rights, das 2004 fast 300.000 Euro von der EU erhielt. NGO-Monitor, eine israelische Gruppe, hat in diesen Fehlern anderer NGOs eine Marktlücke entdeckt und es sich zur Aufgabe gemacht, deren Vertreter auf der anderen Seite kritisch zu beobachten und anzuprangern.

Vor einigen Jahren hätte Samer Kokaly, ehemaliger Steinewerfer aus der ersten Intifada, mit Sicherheit durch keine noch so große Nachlässigkeit Gelder von der EU bekommen. NGO-Monitor gab es zwar noch nicht, aber er stand auf der schwarzen Liste der israelischen Regierung. Heute wird seine mittlerweile politisch-korrekte Arbeit international ausgezeichnet und finanziert. Kokaly organisiert in Beit Sahour nahe Bethlehem „sozialverantwortliche“ Aufenthalte in Palästina für die Alternative Tourism Group. Politisch interessierte Urlauber können in Familien um Bethlehem übernachten, mit Palästinensern und Siedlern sprechen und so einen unmittelbaren, unverfälschten Eindruck von der Besatzung erleben. Richard Gere und der Graffiti-Künstler Banksy saßen angeblich schon im Van der NGO. So etwas helfe mehr als Katjuschas, sagt Kokaly: „Unser Aufstand während der ersten Intifada war fast friedlich im Vergleich zu den Selbstmordattentaten. Trotzdem haben wir Steine geworfen, es sind Leute gestorben; auch einige Freunde von mir. Gewalt ist dumm, sie macht alles nur noch schlimmer. Aber ich kann die Wut der jungen Generation nachvollziehen.“

Falls Natasha voller Wut ist, so kann sie diese gut verstecken. Für diesen Sommer plant die palästinensische Friedensaktivistin ihre zweite Reise nach Deutschland, um dort an Schulen über die „palästinensische Sache“ zu sprechen. Von der ersten Reise war sie sehr angetan. Die Kinder waren interessiert und ergriffen, wollten wissen, was sie tun könnten. Was hat sie ihnen gesagt? „Sie sollen nach mehr Informationen verlangen. Sie sollen den Zeitungen schreiben, dass sie mehr erfahren wollen oder sie sonst als Kunden verlieren würden. You know: after all its business.”

Und aus solchen Quellen speist sich dann das Wissen der Leute, die Gift und Galle gegen Israel speien.  Demnächst an Eurer Schule!

Kommentare»

1. Ostap Bender - Juli 16, 2007, 17:05

Immerhin räumt der Artikel mit dem Mythos Boykott auf. Und es gab schon viel schlimmeres bei der Zeit (Stichwort Johannes Zang)

2. Carsten - Juli 17, 2007, 0:39

Zumindest der Absatz ist doch wahr:

„Sie sollen nach mehr Informationen verlangen. Sie sollen den Zeitungen schreiben, dass sie mehr erfahren wollen[…]“

Immerhin könnte sie das auch hierher bringen 😉

Und ich wollte ja noch die Gespräche mit den Palästinensern bloggen, die mich irgendwo zwischen Entsetzen und Freude zurückgelassen haben…

Aber zumindest der Satz des Ägypters ist kurz genug, um ihn hier zu wiederholen. Dem gegenüber wunderte ich mich, dass es ausgerechnet die drei Abrahamsreligionen sind, die so schlecht miteinander auskommen – und er wunderte sich mit, vor allem über den muslimisch-jüdischen Konflikt. Da seien sich ja sogar die Sprachen ähnlich. Folgendes war seine Erklärung: „Ein Brüderkampf. Kenn ich von zuhause. Wenn man Schwestern hat, ist alles gut. Aber mit Brüdern geht schnell der Kampf los, wer denn jetzt das Familienoberhaupt ist.“

3. Ickke - Juli 17, 2007, 0:51

“Ein Brüderkampf. Kenn ich von zuhause. Wenn man Schwestern hat, ist alles gut. Aber mit Brüdern geht schnell der Kampf los, wer denn jetzt das Familienoberhaupt ist.”

ich denke das ist eine nette aber falsche Erklärung. Das Zeitalter der Patriachen ist in Israel schon lange vorbei. Aber folgender Scherz erklärt vielleicht, warum eine Seite so kompromisslos agiert: Wenn man nur für einen Sohn ein halbwegs etabliertes Leben organisieren kann, damit der danach soviele Frauen wie Schwestern haben könnte, dann überträgt man(!) vielleicht eher dieses Lebensbild auf die Politik.

4. Carsten - Juli 17, 2007, 1:56

Ich halte diese Erklärung auch nicht unbedingt für richtig. Interessant ist sie dennoch. Vielleicht noch mehr, wenn man bedenkt, wie er sich noch mit seinen Landsleuten über ihre familiäre Situation unterhalten hat. Da war die Rede vom älteren Sohn, der es schwer hat, sich durchzusetzen gegn den Vater und vom jüngeren, der die beiden in einem schon abgekämpfteren Zustand erwischt, außerdem ist der Vater ja auch älter und wahrscheinlich milder geworden…

5. Jean-Marc - Juli 17, 2007, 9:34

@Carsten
Das es drei Abrahamsreligionen geben soll, scheint mir immer fragwürdiger. Im Islam wird die Deutung der Person Abrahams dermaßen umgebogen (Gründer Mekkas) daß ich nicht mehr den Eindruck habe, hier würde von derselben Figur gesprochen. Allein die christlich-jüdische Seite setzt Abraham als ein Motiv für den interreligiösen Dialog ein. Die Muslime lassen uns darüber reden und denken sich ihr eigenes dazu.

6. Carsten - Juli 17, 2007, 17:09

Ich bin nicht so firm in muslimischer Mythologie, dass ich dazu jetzt groß etwas sagen könnte 😉 Von daher glaub ich dir einfach mal.

Menschenskinder, müsst ihr einem denn jede Hoffnung nehmen?

7. willow - Juli 19, 2007, 22:31

Heute vor der Glotze hängengeblieben, gezappt, und was lief auf Phoenis? „Warkids, eine Jugend in Palästina“

Ich bin einiges gewohnt, aber dieser „Dokumentarfilm“ ist eine Klasse für sich… viel bösartiger kann ein Film die „Israelis“ nicht diffamieren. Bissel gegoogelt, Herr Casula fand den Film wohl auch äußerst bemerkenswert:

http://spiritofentebbe.blogspot.com/2006/05/1001-nacht-im-lager-bethlehem.html

Aber natürlich wird immer und überall ganz ausgewogen berichtet… „Im Pressetext des WDR wird das so beschrieben: „Distanziert, aber präzise, lakonisch, aber intensiv, entsteht ein aufwühlendes Bild vom Leben in einem unheiligen Land.“


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