jump to navigation

Von Viren und Tieren März 8, 2017, 20:52

Posted by Lila in Katzen, Kinder.
trackback

Der dritte Virus dieses Winters hat mich kalt erwischt, so lange nacheinander war ich schon lange nicht mehr krank. Nach wie vor bin ich stockheiser, mußte sogar zwei Vorträge absagen, andere habe ich aber gehalten, was mir natürlich hinterher leid tat. Ich krächze nach wie vor.

Ärgerlicher ist, daß Quarta vor ein paar Tagen unvermittelt von einer Straßenkatze angefallen und gebissen wurde. Der abgemagerte und ungesund aussehende junge Kater lungert bei uns in der Straße rum und hat immer ein Auge auf unseren Kompost. Er tut uns allen leid, und eigentlich ist er freundlich, aber beim Betteln um Futter sprang er Quarta unvermittelt ans Bein und biß kräftig durch – und zwar durch die Jeans hindurch. Quarta zeigte uns abends die Bißspuren eher nebenbei, denn sehr weh hatte es nicht getan, aber der Abdruck der vier Zähne war ein spektakulärer Anblick.

Primus (der gerade zu Besuch war und morgen fliegt – sagt nichts, fragt nichts…) und ich sahen uns nur an. Wir wußten, daß wir beide dasselbe denken. Tollwut! Wir wohnen in tollwutgefährdetem Gebiet. Obwohl Quarta und auch Y. meinten, wir spinnen, konnten wir Quarta überzeugen, zu unserem Hausarzt zu gehen. Der wurde auch gleich ganz ernst – im Moment geht hier in der Gegend wohl die Tollwut um. Er impfte Quarta gegen Tetanus und schickte uns zum Gesundheitsamt in Akko, wo eine Tollwutklinik ist.

Am nächsten Tag fuhr ich also mit Quarta nach Akko. Dort saßen sämtliche Kindergartenkinder aus Arab el Aramshe, wo wohl gerade Tollwut entdeckt wurde – und wegen Überlastung schickte die Ärztin uns nach Hause. Wir sollten am nächsten Tag wiederkommen.

Am nächsten Tag fuhr Y. mit Quarta zum Gesundheitsamt. Diesmal meinte die Ärztin, wir sollten erstmal versuchen, die Katze zu fangen, und nur wenn uns das bis Freitag nicht gelingt, würde sie Quarta gegen Tollwut impfen. Doch doch, es bliebe noch genug Zeit. Sie drückte Quarta die Telefonnummer des Tierfängers in die Hand, der mit Gesundheitsamt und der Tierärztin unseres Bezirks zusammenarbeitet.

Die ganze Zeit über war Quarta die Tollwut ganz egal, das einzige, was ihr im Kopf herumspukte, war der Purimball (heute abend) und ihr Purimkostüm. Dieses Jahr lautet das Motto in der Schule nämlich Arche Noah, und Quarta und ihr bester Freund gehen als Füchse. Während ich mir also Sorgen machte, wann sie denn nun diese Impfung kriegt und wie wir einen Straßenkater einfangen, den wir nur ein paarmal gesehen haben (und dem unsere Katerbrigade sofort den Standpunkt klarmachen würde, sollte er sich an unser Haus trauen), dachte Quarta nur an Fuchsohren und Röckchen und Make-up. Sie spielte sogar mit dem Gedanken, im Kostüm zu der nervigen Lehrerin zu gehen, die ihr den Katzenbiß und die darauf folgende Saga nicht geglaubt hatte, und so zu tun, als würde sie nun zu einer Art Wer-Fuchs.

Heute kam der arme Kater tatsächlich wieder in die Nähe. Wir lockten ihn mit Futter, Quarta rief den Katzenfänger, und mit schlechtem Gewissen ließen wir den armen Kerl fangen. Er wird nun zehn Tage in Quarantäne gehalten, kann sich füttern lassen und kriegt hoffentlich was gegen seine Flöhe, Läuse und Zecken. Nach zehn Tagen soll er freigelassen werden, wenn er gesund ist.

Quarta hat ihre Impfung immer noch nicht. Ich halte euch auf dem Laufenden. Sie ist vorhin zum Purimball abgezogen. Noch im letzten Moment habe ich ihr das Fellröckchen auf den Leib genäht, während sie sich ein wunderbares Fuchsgesicht schminkte. Als der Bus kam, ist sie barfuß mit den Schuhen in der Hand zur Haltestelle gerannt – hoffentlich hält der Schwanz, den ich mit viel Kunst und Sicherheitsnadeln an das Röckchen genäht habe. Wohlgemerkt, alles selbstgemacht, sogar für ihren Schulkameraden haben wir einen Teil des Kostüms übernommen.

Morgen fahren wir mit den Katzen zur Tierärztin, impfen lassen bzw Impfungen auffrischen, kastrieren und sterilisieren lassen. Ja, während meiner Blogpause hat mein berühmtes selektiv weiches Herz mich dazu verführt, ein Straßenkätzchen aufzunehmen, dessen manierlichen Bruder Milo Quarta adoptiert hatte. Unsere alten schwarzen Kater Leo (ohne Schwanz) und Luzifer (Snob und Kampfkater) haben das Geschwisterpaar gnädig aufgenommen, aber niemand außer mir kann die häßliche kleine Katze leiden, der ihres Bruders Charme gänzlich abgeht. Wie um allen zu zeigen, wie sie es mit uns meint, wurde Fräulein Fleck auf der Stelle schwanger, was man ihr erst ansah, als sie schon im Wochenbett lag und alles zu spät war.

Ein Wurf von vier weiblichen Kätzchen! Eins konnten wir abgeben, die anderen drei (Bonnie, Charlie und die schwarze Mia) blieben uns ebenfalls erhalten, sehr zu Y.s Grimm, der von Anfang an gegen Fräulein Flecks Aufnahme in den Kreis der Familie gewettert hatte. Er kann sie nicht leiden und sie ihn auch nicht.

So hatten wir auf einmal sieben Katzen. Sieben! Davon drei pechschwarz. Eines Tages schmuggelte sich ein fremder schwarzer Kater noch mit rein, der mir erst auffiel, als er mir auf den Schoß sprang und mir mitteilte, daß er mich adoptiert, weil ich ihm so feines Fressi-Fressi gegeben hatte.

Spontan habe ich ihm den Namen Karma gegeben, weil ich doch immer gedacht hatte, eine crazy cat lady werde ich nicht, und nun bin ich es doch, und Karma ist keine Hündin, sondern ein Kater.  Ein sehr lustiger und netter Kater, der sich allen anderen Katern im Haus willig unterordnet und klugerweise von Anfang an darauf bedacht war, Y. mit schmeichelnder Ehrerbietung zu begegnen.

So kamen wir zu acht Katzen. Es ist mir etwas peinlich, als Katzenportier werde ich nicht bezahlt, und sie machen auch viel Arbeit. Y. stöhnt, daß sie ihn nachts wecken und ihn aus jeder Ecke und jedem Regal ein Katzenkopf anguckt, aber ich habe trotzdem Spaß an meinen Katzen. Am liebsten würde ich ein Asyl für schwarze Katzen aufmachen, denn die sind hier nicht beliebt. Ich fühle mich wie die potnia theron, die Herrin der wilden Tiere, wenn ich so umkatzt und bemaunzt zum Futterplatz schreite, muß jedoch aufpassen, daß ich nicht über eines der Viehcher stolpere.

Aber wie soll ich zu etwas Vernünftigem kommen, wenn ich Fuchsschwänze nähen muß und Quarta dauernd zum Arzt muß und ALLE Katzen zur Tierärztin und ich selbst krächze wie der Rabe Abraxas? Das ist doch rundherum viel zu viel Tier.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Kommentare»

1. Paul - März 9, 2017, 5:51

Hallo, liebe Lila,
was ist denn in Dich gefahren? Hast Du so sehr Angst vor einem leeren Haus wenn die Kinder weg sind. Aber dann gleich 8 statt 4? Ist das nicht ein bischen viel?

Zu dem krächzenden Hals möchte ich Dich an die Zwiebel in Zucker erinnern. Kann sein, sie hilft etwas. Oder hast Du Angst, das dann die Katzen verschwinden?

Liebe Grüße an Y. Er tut mir richtig leid. Aber er soll die Hoffnung nicht aufgeben, dass das Krächzen verschwindet und vielleicht auch ein Teil der Katzen. Welches Mittel hatte Y. gegen die Rattenplage? Das war nach meiner Erinnerung sehr human. Vielleicht hilft das auch gegen Katzen? 🙂

Herzlich, Paul

2. vered - März 9, 2017, 16:07

Liebes Weichherz Lila,

beim Lesen deiner dollen Katzengeschichte ist mir das Stormsche Gedicht VON KATZEN eingefallen, das ich hier zu deiner (wohl vergeblichen) Warnung hier in extenso anführe:

Von Katzen

Vergangnen Maitag brachte meine Katze
Zur Welt sechs allerliebste kleine Kätzchen,
Maikätzchen,alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.
Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen!
Die Köchin aber, Köchinnen sind grausam,
Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche –
Die wollte von den sechsen fünf ertränken,
Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen
Ermorden wollte dies verruchte Weib.
Ich half ihr heim! – Der Himmel segne
Mir meine Menschlichkeit! Die lieben Kätzchen,
Sie wuchsen auf und schritten binnen kurzem
Erhobnen Schwanzes über Hof und Herd;
Ja, wie die Köchin auch ingrimmig drein sah,
Sie wuchsen auf, und nachts vor ihrem Fenster
Probierten sie die allerliebsten Stimmchen.
Ich aber, wie ich sie so wachsen sahe,
ich preis mich selbst und meine Menschlichkeit. –
Ein Jahr ist um, und Katzen sind die Kätzchen,
Und Maitag ist’s! – Wie soll ich es beschreiben,
Das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet!
Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel,
Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!
Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen,
In Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen,
Die Alte gar – nein, es ist unaussprechlich,
Liegt in der Köchin jungfräulichem Bette!
Und jede, von den sieben Katzen
Hat sieben, denkt euch! sieben junge Kätzchen,
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzem Schwänzchen!
Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut
Nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers;
Ersäufen will sie alle neunundvierzig!
Mir selber, ach, mir läuft der Kopf davon –
O Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren!
Was fang ich an mit sechsundfünfzig Katzen! –

Mit herzlichen Wünschen für rasche Genesung Vered

3. René - März 9, 2017, 17:17

krächzen, gegebenenfalls Schniefnase … Katzenallergie? 🙂

4. Ĵürgen - März 9, 2017, 22:34

ist uns auch schon passiert, der große Sohn kommt vom Landbaupraktikum nach Hause und hat ein Katzenbabyfoto dabei…die Frau fährt mit den Mädels direkt hin und bringt dann gleich ZWEI mit nach Hause („die zweite wäre sonst alleine gewesen…, es gab nur noch zwei Kätzchen dort…“). Einige Wochen davor : die Stallkatze im Reitstall wird überfahren, rate mal wer eines der Babys nach Hause schleppt…. 😉

und ja, ich habe ’ne Katzenallergie (aber zum Glück nicht so schlimme)

5. Lila - März 9, 2017, 23:00

Liebe Vered, genau das Gedicht ging mir die ganze Zeit im Kopf herum… ich kann es noch aus Kinderzeiten auswendig 🙂

Es lungern leider viele arme Katzen hier rum, denen ich gern helfen würde – in Nahariya gibt es eine Organisation, die Straßenkatzen fängt, um sie steriliseren bzw kastrieren zu lassen, um wenigstens weiteres Elend zu verhindern.

Neben unserem Haus brachte eine kleine Katze drei Junge zur Welt, von denen sich Quarta eines aussuchte, eben den charmanten Milo. Er hatte zwei scheue Schwestern, die wir nicht aufnahmen. Eines dieser Kätzchen starb einen qualvollen Tod, wohl vergiftet – obwohl wir sie zum Tierarzt brachten und sie sich erstmal erholte. Nach ihrem Tod nahm ich das andere Schwesterchen auf, weil es so allein war, und das war das häßliche, anfangs panisch scheue, jetzt aber rührend anhängliche Fräulein Fleck.

Und die hat uns eben, weil wir nicht erkannt haben, daß sie schwanger war, Mia, Bonnie und Charlie geboren. Wir haben alles versucht, um Abnehmer zu finden, aber keiner wollte sie. Was hätten wir tun sollen? Sie ertränken oder aussetzen? Ich bin doch keine Köchin 🙂

Daß dann Karma noch dazukam – tja, das war nicht geplant. Aber nicht einmal Y. hat etwas dagegen – er mag alle unsere Kater gern, von den Weibchen allerdings nur eines.

Mir tut es aber nach wie vor nicht leid, daß ich das arme Fleckchen aufgenommen habe – niemand anders hätte so ein häßliches, scheues Tier auch nur gefüttert. Und sie ist jetzt sehr anhänglich und lieb.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s