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Freude und Leid Februar 23, 2014, 13:23

Posted by Lila in Katzen, Kinder, Uncategorized.
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Am Wochenende hatten wir eine richtig große Familienfeier, mehrere Geburtstage zusammen und viele Gäste. Ich hatte alles richtig strategisch geplant und zwei Tage lang in der Küche gestanden. Nichts macht mich ja froher als um mich herum Leute zu sehen, die sich mit meinem Essen vollstopfen.

Die junge Generation hat ja inzwischen kleine Kinder bekommen, und zu meiner großen Freude fühlten die sich im Garten sehr wohl und buddelten fröhlich in der Erde herum. Daß der Garten (trotz fast regenloser Wintermonate) voller Unkraut ist, störte weder die Kleinen noch ihre Eltern und mich ehrlich gesagt auch nicht. Ich bemühe mich, jeden Tag eine halbe Stunde Garten einzuschieben, aber das klappt nicht immer.

In Y.s Familie ist es eigentlich üblich, sich zu einer festen Stunde zu treffen und auch relativ schnell wieder zu verschwinden – noch ein Überbleibsel aus Kibbuz-Zeiten, wo wir uns ohnehin jeden Freitagabend im Speisesaal und jeden Samstagabend bei der Oma trafen. Aber ich habe wegen der vielen jungen Familien und der langen Fahrtzeit flexible Zeiten angesagt. Ab mittags war offenes Haus, jeder kam, wann es seinen Kindern oder ihm selbst am besten paßte.

Ich hatte zwei Buffets vorbereitet, eins mit salzigen Sachen und eines mit Kuchen. Und weil wir endlich Platz genug haben, saßen überall die bereits erwähnten futternden Grüppchen. Zu meiner sehr großen Freude. Und zu meiner noch größeren war diesmal auch ein lieber Verwandter von mir dabei, der durch Zufall ausgerechnet an diesem Tag ein paar Stunden von einer Dienstreise abknapsen konnte.

Ja, das war ein schöner Tag und ich habe mir vorgenommen, daß wir jedes Jahr im Frühling so eine große Familien-Einladung machen.

Und das Leid. Ach, wer keine Haustiere hat, weiß nicht, wie man an so einem Tier hängen kann. So viele Menschen leiden in der Welt, daß man sich fast schämt, um ein Tier traurig zu sein – aber nur fast.

Achtzehn Jahre haben wir unsere Mini, treu und etwas barschen Charakters. Sie hat mehrere Umzüge gleichmütig verkraftet und jedes neue Revier ohne Anpassungsschwierigkeiten übernommen und beherrscht. Daß ihre Lieblingsmenschen einer nach dem anderen nur noch unregelmäßig auftauchten, noch dazu  in seltsam riechenden Uniformen, hat sie irritiert hingenommen, dann aber ihre Zuneigung auf mich übertragen.

In den letzten Jahren war sie immer in meiner Nähe. War ich in der Küche, dann saß sie auf dem Kratzbrett und guckte mir zu. War ich im Garten, saß sie unter der Bougainvillea und guckte mir zu. Saß ich am Schreibtisch, dann fläzte sie sich mit dem unfehlbaren Instinkt der wahren Katze genau über die Bücher, Artikel oder Blätter, die ich brauchte – oder über die Tastatur. Ja, sie hat sogar mehrmals Dokumente gedruckt, indem sie auf die entsprechende Taste gedrückt hat. Wenn ich Wäsche aufhänge, muß ich mich nicht umgucken, um zu wissen, daß sie hinter mir her stolziert.

Achtzehn Jahre. In dem Sommer, als wir sie adoptierten, kam Primus ins erste Schuljahr und ich fing mein Kunstpädagogik-Studium an. Heute ist Primus ein junger Riese von fast 24 Jahren, und ich unterrichte längst in den Sälen, in denen ich einst studiert habe. So vieles hat sich verändert, aber die bescheidene, manchmal etwas mürrische Tigerkatze, die den Katern im Haus von Anfang an zeigte, wer die Oberpfote hat, war immer dabei.

Wir haben über sie gelacht – wie jämmerlich sie uns anguckte, um zur Terrassentür rausgelassen zu werden, als hätte sie ihr Leben lang darauf gewartet. Und wie rasend schnell sie von der Terrasse nach vorne rannte, den Baum raufkletterte,  um auf den Balkon zu springen und dort ebenfalls mit sehr betrübtem Gesicht kläglich an der Tür zu kratzen, als hätte man sie ausgesperrt. Oft kamen wir die Treppe nicht so schnell hoch, wie die Katze vom „ach laßt mich doch raus“ zum „ach laßt mich doch rein“ wechselte.

Sie hat schon lange abgebaut, wurde magerer (obwohl wir für das ihr genehme Fressen pro Tag mehr ausgaben als für die anderen Katzen  in der Woche) und ruhiger, aber machte einen fitten und wachen Eindruck. In der letzten Woche aber ist sie ein Schatten ihrer selbst und es ist sehr traurig, sie so zu sehen. Der Tierarzt macht uns keine Hoffnungen mehr. Sie ist stoisch wie alle Katzen, aber wir haben den Eindruck, sie leidet. Heute abend fahren wir alle zusammen noch einmal mit Mini zum Tierarzt. Die Großen haben sich dafür freigenommen. Alle Optionen sind offen.

Kommentare»

1. Georg - Februar 23, 2014, 14:12

Nein, ich sage jetzt nicht, dass es unbedingt immer so sein muss, aber zwei Mal musste ich erleben, dass ein „Einschläfern“ fehlschlug: Bei unserer dreibeinigen Katze „Capt. Flint“ im Alter von ebenfalls rund 18 Jahren und bei meinem RoDoSch (Rottweiler-Dobermann-Schäferhund) „Herrn Müller“. Die Katze schrie nach der zweiten Spritze herzzerreißend durch und durch bis ins Mark hinein und bis zu ihrem Tod. Der Hund winselte und rannte in seinem Todeskampf in einem Alptraum vor etwas davon oder zu jemandem hin, was ich natürlich bis heute nicht weiß. Nie, nie, nie mehr werde ich ein Tier einschläfern lassen, das nicht von andauernden und unerträglichen Schmerzen gequält wird. Der Todeskampf der Beiden verfolgt mich bis heute und treibt mir die Tränen noch jedes mal in meine Augen.

Andere erleben anderes, ein friedliches Einschlafen, meine Erfahrungen sind dies nun mal leider nicht. Vielleicht hat es mit einer unzureichenden Menge der zuvor verabreichten Narkotika oder des zum Tode führenden Giftes zu tun; der Tierarzt konnte es letztlich auch nicht mit Gewissheit sagen. Nicht jedes Einschläfern birgt die Gewissheit, dass alles wie gewünscht verläuft. Ich finde nur, man sollte dies vorher wissen, denn hätte mich jemand darüber informiert, so wäre ich vorgewarnt gewesen (auch, dass dies sogar zwei Mal geschehen kann). Was ich sagen möchte ist, selbst bei einem „ist ja nur ein Tier“ sollte eine solche Entscheidung doch der allerletzte Ausweg aus schlimmen Leid sein.

Meine Gedanken sind jedenfalls bei euch, und ich bin sicher, du wirst verantwortungsvoll und richtig entscheiden. Und ich wünsche eurer Katze, wenn es denn so kommen sollte, ein friedliches Entschlafen aus dieser Welt.

2. willow - Februar 23, 2014, 14:19

Oh wie traurig … wenn ich nur daran denke, wie schwer es war, von unserer heißgeliebten Katze Abschied zu nehmen, dann kommen mir auch schon die Tränen 😦

3. Marlin - Februar 23, 2014, 15:04

😦 Oh nein.

Aber es ist schön, dass sie so lange bei Euch sein konnte. Jetzt bin ich traurig, obwohl es nichtmal meine Katze ist…

4. Barbara - Februar 23, 2014, 16:42

Immer traurig wenn die Liebgewonnenen gehen. Unseren letzten schwarzen Elegantkatz gibt es seit zwei Jahren nicht mehr und noch immer mache ich im Bad einen großen Schritt, um nicht in die vermeintlich dort stehende Trinkschale zu steigen.
Georg: der Tierarzt gibt zunächst ein Narkosemittel und innert Sekunden schläft das Tier. Die erlösende Spritze wird erst dann gesetzt. Alles andere ist Pfusch.
Leider mußten wir bisher noch jede Katze erlösen, zum Ende hin wurde es immer dramatisch. Und nach 18 langen schönen Jahren schmerzt das unendlich.

5. Eva - Februar 23, 2014, 19:49

Viel Kraft!
Stimmt Barbara, ich habe leider schon vielen Katzen den Weg in den „Katzenhimmel“ ebnen müssen.
Aber auch grundsätzlich immer mit vorheriger Narkose …
Am 7.1. u. am 10.1. musste ich mich von meinem geliebten Killerkater, Killy (19) und der kleinen Glücki (16) verabschieden. Sehr schwer. Was bleibt als Trost?
Ich habe immer alles für meine Katzen getan – sie hatten ein gutes Leben in Freiheit. Also haben sie es auch „verdient“, von ihren Schmerzen erlöst zu werden – auch wenn mir ihr Tod wiederum Schmerzen bereitet.
Nochmals viel Kraft!

6. Carina - Februar 23, 2014, 22:10

Liebe Lila, ich bin gerade sehr traurig geworden und weine etwas mit. Auch ich mußte den Schmerz erst kürzlich wieder erleben. Aber wir sind dankbar das sie uns ein Stück im Leben begleiten. Auch jetzt ist meine Alte Dame etwas über 18 Jahre alt. Aber fit. Trotz allem wissen wir wie schnell das gehen kann.
Ich denke an euch und hoffe das es trotz allem gut ausgeht.

7. G. - Februar 24, 2014, 3:13

Tut mir leid um Deine Katze, @lila. Ich hoffe, Ihr habt noch ein paar gemeinsame Tage.

Ich werde nie den Unterricht eines unserer Lehrprinzen vergessen. „Wenn Euer Jagdhund nicht mehr kann, wenn die Zeit gekommen ist, zu der er sich nicht einmal mehr schmerzfrei zum Futtertrog schleppen kann, dann erlöst ihn. Lasst das keinen Tierarzt machen, macht es selbst. Das schuldet ihr dem Hund. Geht mit ihm ein letztes Mal zur Jagd. Alles was er an diesem Tag macht ist super! Und wenn er sich losschleppt, haltet ein wenig kürzer.“

Ich habe mir nie einen Jagdhund zugelegt. Jagd ohne Hund mag Schund sein. Aber ich habe andere Jäger gesehen nach dem Ableben ihrer Hunde. Ohne mich. Deiner Katze Alles Gute.


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