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Weil wir morgen fahren, August 2, 2006, 14:53

Posted by Lila in Uncategorized.
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liegt vor mir ein riesiger Berg Arbeit, und ich habe mir zwar eine riesige Menge Artikel notiert und zugeschickt bekommen, die ich alle gern verwursten würde, aber es geht nicht, die Uhr tickt. Heute um 12 bekam ich auch von Yair, dem Sekretär des Kibbuz Saar (der neulich von der Süddeutschen interviewt wurde und den ich von der Arbeit kenne), einen Artikel zugeschickt, auf Ivrit (grrr), mit der Bemerkung, daß zwar bei ihm die Raketen pausenlos fallen, er aber keineswegs hinter der Entscheidung steht, weiterzukämpfen. Der Artikel war noch nicht auf Englisch raus, ich machte mir also einen Knoten ins Ohr, „nachgucken“!, und arbeitete weiter. (Er ist immer noch nicht raus, müßte auf Ynet erscheinen, von Zvi Maoz.)

Nun mache ich gerade den Fernseher an: Volltreffer in Kibbuz Saar, ein Mann tot. Yair als Sekretär des Kibbuz ist vermutlich vollbeschäftigt, so daß ich ihn nicht mit Anruf oder ähnlichem nerven will – aber Sorgen macht es mir doch. Ich warte nun, ob Yair im Fernsehen gezeigt wird.

Die ganze Lage, zwischen dringendem Wunsch nach Ende des Krieges und gleich starkem Bedürfnis, es Nasrallah so schwer wie möglich zu machen, sich als Sieger auszurufen, überfordert mich fast. Ich habe gestern abend darüber geschrieben, aber noch nichts veröffentlicht.

Y. ruft an, sein Kollege hat einen Anruf bekommen: sein kleiner Bruder ist sehr schwer verletzt, er muß schnell ins Krankenhaus. Der kleine Bruder ist Soldat, der große Bruder hat alles stehen und liegen gelassen und ist losgefahren.

Ich hatte gewünscht, daß die Situation sich entspannt, bis ich wegfahre, das war natürlich Unsinn. Ich weiß nicht, ob Olmert unser Taschen-Churchill ist und wir eines Tages darüber bitter lachen werden, oder ob wir eines Tages sagen werden, „Donnerwetter, wir haben ihn unterschätzt“. Wir wissen nicht genug. Wir wissen nicht, wie die Kämpfe laufen, wir wissen nicht, wie lange es noch dauern wird. Ich habe das Gefühl, immer stärker, daß es keinen einzigen Toten mehr geben darf, egal wie. Wie läßt sich die Lage stabilisieren, der nächste Angriff verhindern? Ich weiß es nicht.

Ah, ich sehe gerade ein Interveiw mit ihm, und Olmert meint, er hält an seinem Plan fest, die Westbank zu räumen. Ich glaube, das ist prinzipiell die richtige Entscheidung, mir werden es anders anpacken müssen, als gedacht – gibt es eine internationale Truppe, die bereit wäre, die Westbank von iranischen Raketen freizuhalten? Denn nach den Erfahrungen von Gaza und Südlibanon können wir wohl keine weiteren Risiken mehr eingehen…

Kommentare»

1. hophnung - August 2, 2006, 19:40

liebe lila..

ich wünsch dir eine gute reise..auch wenn du gerade nicht wirklich wegfahren möchtest. komm gut an..und komm gut wieder heim 🙂

ich werd ganz oft an dich denken.

2. grenzgaenge - August 2, 2006, 20:03

liebe lila,

ich wuensche dir eine wunderschoene und sorgenfreie reise !

erhole dich gut 🙂

liebe gruesse,
dein grenzgaenger

3. Lila - August 2, 2006, 20:08

Danke, das ist lieb. Ich habe immer bei diesen Übergängen ein komisches Gefühl, ich fliege von Heimat zu Heimat und freue mich eigentlich immer. Diesmal scheint mir, es wird schwierig sein, sich loszureißen, vom Land, von Y., und überhaupt. Na ja, ich habe ein volles Programm in Deutschland, und nach ein, zwei Tagen gewöhne ich mich sogar wieder ans Deutsch-sprechen…

4. anmerker - August 2, 2006, 21:53

Magst Du Regen eigentlich auch so wie Schnee?

5. Lila - August 2, 2006, 22:06

Ah, ich liebe Regen. Alle Arten Regen: Prasselregen, Nieselregen, Pladderregen, kalten Regen, Sommerregen, wilden Regen, grünen Regen, Nachtregen, Dauerregen, intermittierenden Regen, windigen Regen, Sturmregen, peitschenden Regen, stillen Regen, nur naß muß er sein. Her damit!!!

6. anmerker - August 2, 2006, 22:29

Könntest Chancen haben, wenn Du morgen in diese Breiten kommst. Nach dem Hier und Heute zu urteilen. Regen ist nicht weniger melancholisch als Schnee, und er ist musikalischer, nicht?

7. frauindica - August 3, 2006, 0:24

Gute Reise, liebe Lila. Ich denke in den letzten Wochen unentwegt an euch. Kommt alle gut von der einen Heimat in deine andere. Und wieder zurück.

8. goysworld - August 5, 2006, 20:40

Ein schöner Blog, weiter so! Man erfährt ja sonst nicht allzuviel vom aktuellen alltäglichen Leben im Norden Israels. Danke für die vielen guten Beiträge!

Gruß,
Christoph


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