jump to navigation

Gelandet August 27, 2006, 0:56

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
trackback

sind wir physisch schon am Donnerstag, Tertias Geburtstag. Y., der ja schon vorausgeflogen war, hatte ihr einen abendlichen Feiertisch aufgebaut, ganz gegen unsere sonstigen Familiensitte. Es war ein ziemlich verwirrender Tag, das geht einem ja immer so. Einerseits ist der Flug endlos, die viernochwas Stunden dehnen sich, wenn man die Beine nicht ausstrecken kann, den Gang zur Toilette vermeidet (ich reise noch mit Sagrotantüchern, wegen Quarta…) und vor Trockenheit die Augenlider nur so knirschen.

Und dann ist doch der Übergang von einem Leben, von einem Zuhause zum anderen jedesmal kraß, allzu rasch und geradezu erschreckend. Als wir in Tel Aviv aus dem Flieger stiegen, schlug uns die heiße, feuchte, von Staub durchsetzte Luft wie ein kochendheißer, nasser Lappen aufs Gesicht. Und in Deutschland war es so angenehm kühl und gerade richtig sonnigfrisch-regenfrisch gewesen! „Mensch, hier gibt es ja gar keine Luft“, stöhnte Secundus, und Tertia meinte, „ist es hier immer so heiß, oder kommt mir das jetzt bloß so vor?“

Ich hatte mir diesmal ein besonderes Meisterstück geleistet, wie ist mir das bloß passiert? Auf die Reise nach Holland hatte ich meinen Paß mitgenommen, einfach so, na ja, Niederlande sind ja auch Ausland. Bei der Rückkehr hatte ich ihn dann in unserem Zimmer auf einen bestimmten Platz gelegt, und von da verschwand er dann rätselhafterweise. Ich vermißte ihn nicht mal. Weil er ja eigentlich in der Tasche mit den Pässen der Kinder hätte sein müssen, nicht wahr. Nur daß er da nicht war.

Gut, daß mir in der Nacht vor der Abreise einfiel, diese Tasche zu prüfen. Da kriegte ich aber einen Schrecken. Ich war schon fast mit Packen fertig und wollte eigentlich schlafen. Da wurde dann nichts draus, ich verbrachte die Nacht mit Auspacken, Durchwühlen, Suchen, bis der Morgen graute. Meine Mutter meinte dann, als sie aufgestanden war und meinen Paß ebenfalls nicht finden konnte, „ruf doch einfach mal bei der Fluggesellschaft an, vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm und sie lassen dich trotzdem mit“.

Uh, ich telefoniere gar nicht gern, aber der Rat meiner Mutter war gut. Alle sicherten mir zu, in Düsseldorf und Tel Aviv, daß sie mich auch ohne Paß mitnehmen, und so war es dann auch. Jede Abfertigung dauerte noch ein bißchen länger als sowieso schon, und vor Müdigkeit war ich ganz matschig, aber ich bin tatsächlich ohne Paß nach Israel eingereist, nur mit meiner israelischen teudat zehut, dem Personalausweis. Jetzt muß ich also schon wieder einen neuen Paß beantragen. Der alte hat sich nicht gefunden. Irgendwann wird er mir genauso unerwartet, wie er verschwunden ist, wieder in die Hände fallen, hoffe ich. (Ich sag euch dann, wo er war, versprochen.)
Quarta weint nachts nach meiner kleinen Schwester, in deren Zimmer und Bett sie geschlafen hat – sie hat Sehnsucht. Die Großen haben sich gefreut, ihre Freunde wiederzusehen und die Katzen, sind aber schon wieder bereit, zum großen Haus der deutschen Oma zurückzukehren, wo man sich so gut aus dem Weg gehen kann und wo es immer was zu tun gibt. Alle Taschen sind ausgeräumt, für alle neuen Bücher ist ein Platz gefunden, morgen will ich die Bilder hochladen, morgen fängt hier auch die Woche an. Ich habe keine Ausreden mehr, der Krieg ist vorbei (obwohl ich mich in Gesprächen über den Krieg, wie mit meinem Schwiegervater heute, total unwissend fühle, mir fehlen einfach diese drei Wochen Miterleben) und ich muß etwa fünfzehn offizielle Anrufe machen, bäh.

Die Kinder haben noch eine Woche Ferien, müssen aber schon Schulbücher abholen, wir müssen den üblichen Schulkram kaufen und besorgen, aber ich habe noch ein bißchen Zeit. Erst Mitte Oktober fängt das Semester wieder an. Bis dahin muß ich mehrere nagelneue Kurse aus den Tiefen meines Hirn-Grabbeltischs fischen und zusammensetzen. Wie leichtfertig habe ich die Ideen dazu skizziert und wie unmöglich kommt es mir nun vor, daraus Unterrichtsstunden zu machen! Aber es muß sein. Also ab morgen strenges Regime, die Zeit ist schon verplant.

Richtig gelandet bin ich trotzdem noch nicht. Wenn ich nachts aufwache, weiß ich nicht, ob ich in unserem Zimmer im Haus meiner Mutter bin oder im ehelichen Schlafzimmer im Kibbuz. Mal gucken, wie lange das diesmal dauert.

Kommentare»

1. mischpoke - August 27, 2006, 1:11

Välkommen hem till Israel oder wie war dasauf Hebräisch: Bruchim habaim veIsrael! Schön, dass Ihr wieder da seid!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s