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Ein herrlicher Tag März 30, 2012, 12:06

Posted by Lila in Presseschau.
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für einen Ausflug. Es ist richtiges Frühlingswetter bei uns. Noch ein bißchen kühl, aber ich habe im T-shirt den Hof gefegt und meinen sisyphischen Kampf gegen das winterliche Unkraut weitergeführt. Schade, daß die drei Großen nicht zuhause sind, sonst würden wir eine kleine Fahrt machen, vielleicht nach Yechiam, da waren die Großen noch gar nicht.

Auch die Hamas scheint von Frühlingsgefühlen beseelt zu sein. 120 Busse setzt sie ein, um Libanesen und Palästinenser zu den Demos zu transportieren, die heute stattfinden werden. Selbst mir ist klar, daß 120 Busse noch keine Million Menschen ausmachen, aber der Rest kommt vermutlich privat oder zu Fuß.

Irgendwie drängt sich mir der Vatertags-Ausflug aus Kästners kleinem Roman “Die verlorene Miniatur” auf. Kindertrompeten und Pappnasen werden wir zwar nicht sehen, aber trotzdem erinnert mich die ganze Aktion irgendwie daran. Seltsame Assoziationen.

In Qalandia bringen sich die Palästinenser in Form, werfen ein bißchen Steine und verbrennen Reifen. Irgendwo müssen die Energien ja hin. Arme Nachbarstochter, die in Qalandia am Checkpoint Dienst tun muß, obwohl sie sich ihre Armeezeit anders vorgestellt hat.

Mal gucken, wie der Tag weitergeht.

Bei der Berichterstattung lohnt es sich übrigens, diesen ausgezeichneten Artikel der ZEIT im Hinterkopf zu behalten. Keine Ahnung, wie der es in die ZEIT überhaupt geschafft hat – über Manipulationen in der Pressefotografie.

Kommentare

1. grenzgaenge - März 30, 2012, 13:35

Ja, die Zeichen stehen wirklich auf Sturm, Ich weiss nicht, ob der Millionen-Grenze wirklich eine faktische Bedeutung zukommt. Mir scheint, diese Grenze ist eher für das Palästinensische Narrativ wichtig. Oder?

Die Soldatinnen und Soldaten sind wirklich zu bedauern. Die randalierenden Nichtsnutze vor der Nase zu haben und nicht (!) zu schiessen, würde mir verdammt schwerfallen. Aber israelische Soldaten dürfen sich ja leider erst wehren, wenn akute Lebensgefahr besteht. (Selbst dann wird, in deutschen Medien, noch über die Lebensgefahr diskutiert.)

Ein bisschen fühle ich mich an deutsche Polizisten erinnert. Die dürfen sich auch erst wehren, wenn sie tot sind. Sonst fühlt sich der linke Mob der Berufsrandalierer genötigt, zur nächsten Mahnwache aufzurufen.

2. Lila - März 30, 2012, 13:48
3. Silke - März 30, 2012, 14:08

EoZ fragte bereits, ob Hamas, die angeblich kein Benzin mehr für Ambulanzen haben, welches für Busse finden werden.

Lt. Lila’s Post fanden sie …

http://elderofziyon.blogspot.de/2012/03/ambulances-in-gaza-run-out-of-fuel.html

4. grenzgaenge - März 30, 2012, 14:14

@Lila: Gut, das ich seit heute Morgen nichts mehr gegessen habe. Ich finde gerade den Eimer nicht.

Einen Vorgeschmack auf den heutigen Terror gab es schon gestern in Jerusalem

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4210074,00.html

5. Claudia Sperlich - März 30, 2012, 15:38

Silke, solange Israel so vorbildlich für alle Kranken sorgt, können Palästinenser völlig bedenkenlos Ressourcen für andere als menschenfreundliche Zwecke verballern.
Lila, Dank für den Link zum Zeit-Artikel! Das ist ja entlarvend – und sehr erschreckend. Mir erklärt es übrigens auch etwas anderes – ich frage mich schon lange, was für unfaßbare Nerven Leute haben, die mitten in Schlachten perfekte, unverwackelte Bilder machen. Tja, Kunststück!

6. Culatello - März 30, 2012, 15:39

“Bei der Berichterstattung lohnt es sich übrigens, diesen ausgezeichneten Artikel der ZEIT im Hinterkopf zu behalten. Keine Ahnung, wie der es in die ZEIT überhaupt geschafft hat – über Manipulationen in der Pressefotografie.”

Der Artikel plus Fotos ist wirklich interessant.
Dasselbe Foto bzw. derselbe Filmausschnitt kann übrigens auch durch entsprechende Kommentierung vollkommen Gegenteiliges aussagen.
Vor Jahren stürzte hier mal ein Kleinflugzeug ab. Mein Bruder musste beruflich auf das Trümmerfeld (er war in Zivilkleidung) und wurde dort beim Herumstaksen in den Trümmern von der Tagesschau gefilmt.
Kommentiert wurde der Filmausschnitt in der Nachrichtensendung dann in etwa so: “Fachleute suchen in den Trümmern nach der Unfallursache.”
Einige Monate später habe ich denselben Filmausschnitt (Bruder stakst über das Trümmerfeld) durch Zufall wieder im Fernsehen gesehen; diesmal wurde er kommentiert mit der genau gegenteiligen Aussage: “Oftmals behindern Neugierige die Arbeit der Polizei…”

7. Yael - März 30, 2012, 15:42

Den Artikel von Ruben Salvadori habe ich schon vor ein paar Tagen gelesen. Super, dass sich damit Journalisten beschäftigen.
Gestern lief im Fernsehen eine kurze Reportage über wahrscheinlich manipulierte Filme aus Syrien. Leider beschäftigt sich der Journalismus damit zu wenig.

8. Paul - März 30, 2012, 15:43

Vielen Dank für den Link zur ZEIT.
Meine Oma sagte immer:”Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich.”

Unter Nummer 8 hat ein Kommentator dort einen Link eingestellt:
http://www.virus4fun.ch/spiel-mit-dem-tod-dokumentation/

Es lohnt sich das Video anzusehen. Überwinde Deinen Anfangswiderwillen und schau es bis zum Ende an. Du wirst staunen, was man mit relativ primitiven Mitteln schon alles machen kann.
Welche Möglichkeiten Fernsehgesellschaften haben ist schon eindrucksvoll demonstriert worden. Ich denke an den Jungen mit dem Vater an der Mauer. (Wegen meines schlechten Gedächnisses habe ich den Namen nicht parat.)

Der heutige Tag wird für mich erst ein herrlicher Tag, wenn ich Abends als Resuemee der Aktion der PA-Araber schreiben kann:
“Außer Spesen, nichts gewesen.”

Ach so, hätte ich vor lauter Aufregung bald vergessen.

Shabbat Shalom, Dir und Deiner Familie und besonders dem Mädchen aus der Nachbarschaft.

9. Yael - März 30, 2012, 15:43

PS: Hier ist der Film über Syrien, wenns jemanden interessiert.

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/media/zapp4431.html

10. Paul - März 30, 2012, 16:02

Ist mir gerade aufgefallen.
null

Warum werden angeblich verletzte Palästinenser immer so getragen, dass Fotoreporter freie Sicht haben? Notfalls trägt man ihn nur an einem Bein.
Ist mir nur schön öfter aufgefallen.

Wenn meine obige Kopie nicht funktioniert, schaut bitte hier. Etwas nach unten rollen. Das Bild von Reuters.
http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4210176,00.html
Watch live from Nablus Gate in Jerusalem

Ständig sieht man solche Fotos und Videosequenzen mit solchen “Ereignissen”. Selbst “Tote” sollen so schon durch die Gegend geschleppt worden sein.

Na ja, wenn’s denn der “Guten Sache dient” ist wohl alles erlaubt?

11. Lila - März 30, 2012, 16:06

Natürlich kann man mit Bildern in jede Richtung lügen. Aber ich weiß auch nicht wieso – aus unverständlichen Gründen ist es sehr oft Israel, das mit Bildern an den Pranger gestellt wird, die einen ganz anderen SAchverhalt zeigen. Manchmal reicht eine Bildunterschrift, um ein Bild vollkommen zu verdrehen.

Ein bekanntes Beispiel ist das hier:

null

Der brutale israelische Polizist, der einen jungen Palästinenser blutig prügelt! Oh dieser Bösewicht.

Die Erklärung ist ja inzwischen allgemein bekannt. Der blutende junge Mann heißt Tuvia Grossmann, ein junger Jude, der fast gelyncht wurde von einer Gruppe Palästinenser. Der israelische Polizist kam ihm zur Hilfe und drohte den Angreifern mit der Keule.

Wikipedia beschreibt den langwierigen Prozeß, bis die NYT sich endlich dazu durchringen konnte, das Bild korrekt zu identifizieren.

In arabischen Medien wird es nach wie vor als Beispiel für das brutale Vorgehen Israels gewertet. Oh, der Polizist ist übrigens Druse. Und auf dem Tempelberg war es auch nicht. Tja, aber sonst – korrekte Bildunterschrift:-)

12. Yael - März 30, 2012, 16:14

Ich muss ehrlich sagen, ich traue fast keinen Bildern mehr. Ich hätte früher nicht gedacht, dass Journalisten, außer in Diktaturen, mit Absicht Bilder manipulieren.

13. Lila - März 30, 2012, 16:21

Da müssen wir bildersüchtigen Verbraucher uns selbst an der Nase packen. Ohne unseren Hunger nach immer neuen, “authentischeren” Bildern gäbe es weder die Paparazzi-Unkultur noch diese ganzen bebilderten Lügengeschichten. Die Redaktionen wollen bestimmte Bilder, die Fotografen und Journalisten liefern sie.

Es ist immer leicht, die Produzenten von Junkfood jeder Art an den Pranger zu stellen. Aber wir kaufen das Zeug. Also machen sie es. Und so halten wir uns gegenseitig wunderbar in Trab.

Ein Artikel wie der in der ZEIT ist wichtig, denn er macht skeptisch. Und Skepsis ist gesund.

14. Yael - März 30, 2012, 16:27

Naja, ich kaufe eigentlich keine Zeitungen und Zeitschriften, aber im Grunde hast du Recht. Im Boulevardjournalismus nehme ich sehr wenig ernst und das interessiert mich sehr wenig.
Wenn ich aber Nachrichten sehe, will ich, so weit möglich ein objektives Bild und keine mit voller Absicht manipulierten. Wir sind ja nicht dabei und wissen nicht wie die wirkliche Situation vor Ort ist.
Ich erwarte vom seriösen Journalismus einfach etwas anderes und das muss man auch, ansonsten brauche ich mir keine Nachrichten anzusehen.

15. Lila - März 30, 2012, 16:41

Ob jemand nah dabei ist oder nicht, das spielt nur eine sekundäre Rolle. Natürlich ist es einfacher, eine Situation zu beurteilen, wenn man näher dran ist. Aber was hilft die geographische Nähe, wenn man mit Vorverurteilungen und einem festen Schema an die Sache herangeht? Guck Dir die deutschen Nahostfritzen nur an. Für viele sind doch, noch bevor sie überhaupt nach Israel kommen, die Rollen fest verteilt. Und so berichten sie. Nicht alle, aber viele.

16. Justme - März 30, 2012, 16:57

“Wenn ich aber Nachrichten sehe, will ich, so weit möglich ein objektives Bild und keine mit voller Absicht manipulierten.”

Mit voller Absicht manipulieren ist schlecht. Aber je mehr ich Nachrichten schaue, desto mehr wird mir bewusst, dass viele wichtige “Details” nicht erwähnt werden. Wahrscheinlich liegt das daran, dass das Publikum berieselt werden will und keine wissenschaftlichen Expertenberichte hören will.

Die Berieselung ist meist so gut gestaltet, dass kaum Fragen übrig bleiben, besonders wenn man das Thema nicht näher kennt. Aber wenn man mal genauer hinschaut, merkt man doch, wie wenig die gezeigten Filmchen letztlich sagen und wie viele Fragen offen bleiben…

Nur ein ganz doofes Beispiel: alle Medien sprachen vom “Euro-Rettungsschirm”. Dass das Ding in Wirklichkeit EFSF hiess, wurde nirgends erwähnt. Für wie dumm hält man uns eigentlich?

17. Paul - März 30, 2012, 17:56

Guck mal, Justme heißt “Nur ich”.
Du regst Dich über “Rettungsschirm” auf?

EFSF ist besser? Wirklich?
Es heißt: European Financial Stability Facility (EFSF). Da habe ich aber Pech, weil ich leider kein Englisch kann. Da ist mir “Rettungsschirm” schon einleuchtender!

Auch die “deutsche Übersetzung” –
Europäische Finanzstabilisierungsfazilität – hilft dem Nichtfachmann zur Verständigung nicht weiter.
Da bleibe ich lieber bei “Rettungsschirm”. Das trifft’s, das versteht jeder und nicht nur der eingebildete Bildungsbürger.

Aber Du hast recht, ist wirklich ein doofes Beispiel und ich bin wirklich so dumm!
Für wie schlau hältst Du Dich eigentlich?
Noch Fragen Justme?

18. Lila - März 30, 2012, 18:13

Oh Paul, ich glaube, Justme hat es nicht so gemeint. Aber im Wort Rettungsschirm schwingt eben mehr mit als im ursprünglichen Wort (das mir auch kein Begriff ist). Es wäre wohl sinnvoller, in jedem Artikel zum Thema nicht nur Rettungsschirm zu schreiben, sondern eben auch eine vernünftige deutsche Übersetzung dieser englischen Abkürzung. Es können nämlich viel weniger Leute Englisch, als man gemeinhin denken sollte. Von Zeit zu Zeit gibt es ja Untersuchungen, was die Leute sich unter den verschiedenen “denglischen” Werbesprüchen vorstellen. “Come in and find out” – Kommense rein, dann könnense rausgucken und so…

Es ist keine Schande, eine Fremdsprache nicht zu beherrschen, auch wenn sie heute flächendeckend gelehrt wird. Justme hat bestimmt nicht sagen wollen, daß, wer kein Englisch kann, auch ein dummer Mensch ist. Dann müßten wir alle von Idioten abstammen, denn in unserer Großelterngeneration war Englisch noch längst nicht so verbreitet.

19. willow - März 30, 2012, 19:04

Aber was hilft die geographische Nähe, wenn man mit Vorverurteilungen und einem festen Schema an die Sache herangeht? Guck Dir die deutschen Nahostfritzen nur an. Für viele sind doch, noch bevor sie überhaupt nach Israel kommen, die Rollen fest verteilt.

Hmmm, also ich habe tatsächlich die Erfahrung gemacht, daß Leute. die es nach Israel verschlägt ziemlich schnell mitbekommen “Da stimmt doch etwas nicht, das Land ist ja völlig anders, als mir erzählt wurde, völlig anders als in den Büchern beschrieben, völlig anders als von den Nachrichtenfritzen geschildert”.

Ich fürchte, selbst Journalisten sind nicht so dumm und blind, daß ihnen diese Erkenntnis nicht auch kommen muß – wenn sie also dennoch “schwarz” berichten wo eher “grau plus sehr viel Weiß” ist, unterstelle ich zunehmend böse Absicht. Vielleicht auch Resignation “wenn ich realistisch berichte wird mir der Beitrag nicht abgenommen, also verteile ich die Rollen so wie das die Käufer wollen…” wie auch immer, ob “böser Wille” oder “jounalistische Prostitution”, der Medienkonsument wird bewußt belogen und manipuliert.

20. grenzgaenge - März 30, 2012, 19:13

Ach ja, die Juden sind mal wieder selbst schuld.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,824823,00.html

Woher auch immer der Spiegel diese Informationen hat: Ich fände es gut, wenn dieser Plan in der Realität existieren würde. Ich würde mich freuen, wenn dieser “massive Ausbau” der Siedlungen schnell umgesetzt werden würde.

21. Justme - März 30, 2012, 19:18

“Europäische Finanzstabilisierungsfazilität – hilft dem Nichtfachmann zur Verständigung nicht weiter.”

Ich glaube, damit hast du das wichtigste Problem der grossen Publikumsmedien herausgearbeitet: es muss immer so einfach bleiben, dass es auch der Nichtfachmann verstehen kann. Gleichzeitig hat man nur beschränkt Zeit, quasi nur eine beschränkte Wortzahl, um alles zu erklären.

Folglich muss vereinfacht werden, folglich müssen “Details” auf der Strecke bleiben, folglich müssen die “fortgeschrittenen” Fragen unbeantwortet bleiben.

Es geht bei den Fernsehnachrichten nicht primär darum, Information zu vermitteln, dafür ist das Zeilpublikum zu breit, es geht darum, Gefühle zu vermitteln. Das Gefühl, informiert zu sein. Das Gefühl, dass man weiss. Das Gefühl, dass irgendetwas, was irgendwo passiert skandalös ist (schliesslich liebt es das Publikum, sich zu ereifern).

“Da bleibe ich lieber bei “Rettungsschirm”. Das trifft’s, das versteht jeder und nicht nur der eingebildete Bildungsbürger.”

Gut, bleib bei Rettungsschirm. Fragen wir was einfacheres. Wie hoch ist eigentlich diese Verschuldung von Griechenland, so aus dem hohlen Bauch, in absoluten Zahlen? Seit Monaten wird in den Medien von nichts anderem gesprochen, und doch vermute ich, dass 80% der Tageschau-Schauer diese Zahl nicht im Kopf haben. Ein Detail? Oder doch nicht?

PS: Justme heisst tatsächlich “nur ich”. Gemeint ist aber nicht “ausschliesslich ich”, wie du es vielleicht verstehst, sondern “einfach ich”.

22. Silke - März 30, 2012, 19:43

Lila 18

Justme hat vollkommen recht, daß er was gegen Rettungsschirm hat, klingt so niedlich. Es ist auch auf Englisch derzeit Mode, die Öffentlichkeit mit Fachausdrücken/Buchstabensalat zu überziehen/zu verkackeiern.

Mein Liebling ist Quantitative Easing (abgekürzt: QE1 oder QE2 genannt), wörtlich mengenmäßige Erleichterung oder als krude allgemeinverständliche Übersetzung: Geld Drucken, was gern mal zur Inflation führt (nur dieses Mal nicht, sagen sie, dieses Mal haben sie alles im Griff, dieses mal sind sie viel schlauer als alle anderen vor ihnen) und ich hab’s für die Euro-Saga nicht nachgelesen, doch würde ich ziemlich viel wetten, daß sich hinter dem “Rettungsschirm” genau das verbirgt.

Ich weiß nicht, ob Arbeitgeber heute noch vom “Synergien heben” sprechen, doch in seiner Hochzeit bedeutete es Arbeitsplatzabbau. War für die Synergie Gehoben Werdenden ganz schön schmerzhaft

Beides hat es immer gegeben, harmlose, liebe und niedliche “Übersetzungen” wie “Rettungsschirm” und den Tatbestand verschleiernde Wortneuschöpfungen mit Hilfe von gelährt klingendem Antiken.

Ich glaube auch der real existierende Sozialismus konnte das ganz gut, wenn auch vermutlich unter Vermeidung des Rückgriffs aufs Englische.
———

und leider hat Justme laut Wikipedia auch noch Unrecht, dieses bereits als EFSF byzantinisch anmutende Etwas ist nicht das Einzige Konstrukt, was Teil des Rettungsschirms ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Euro-Rettungsschirm

Zum Glück gibt es heute Wikipedia, aber dennoch ist das eine äußerst mühselige Art, Nachrichten verstehen zu wollen.

Als die “Krise” los ging (2007/2008), habe ich sehr viel Grundwissen in einigen Videos von Matt Taibbi bei Rolling Stone gelernt (leider nur auf Englisch) und heute ist Taibbi in seinen Kolumnen anscheinend nur noch wütend und polemisch. Sollte er aber weiterhin mit seinen Fakten sorgfältig umgehen, dann bleibt einem nur noch die Spucke weg.

Als was Verständliches gut Lesbares für Paul auf Deutsch fällt mir nur Michael Lewis’ “Boomerang” ein und ja das ist der Titel der deutschen Ausgabe (tut mir leid, aber ich kenne noch keinen deutschen Autoren, der’s so gut laiengerecht aufarbeiten kann)

http://www.amazon.de/Boomerang-Europas-Landung-Michael-Lewis/dp/3593394715/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1333128281&sr=1-1

Sehr viel gelernt habe ich auch von John Lanchester’s Whoops!, das es leider nicht auf Deutsch zu geben scheint. Von Niall Ferguson’s Der Aufstieg des Geldes würde ich eher abraten, man merkt ihm die Verwandtschaft zur Fernsehserie zu sehr an und er nutzt ständig Shylock als Aufhänger.

Derzeit lese ich “Die Herren des Geldes:Wie vier Bankiers die Weltwirtschaftskrise auslösten und die Welt in den Bankrott trieben” und mag es sehr, weil es die Zwickmühlen, die überall lauerten durch den Rückblick viel klarer macht, als es heute während wir mittendrin sind möglich ist zu sehen. Ich hab’s gekauft, weil ich endlich mal mehr über Hjalmar Schacht wissen wollte, aber das Buch bietet viel viel mehr und erweist sich für mich als großer Augen-Öffner.
http://www.amazon.de/Die-Herren-Geldes-Weltwirtschaftskrise-auslösten/dp/3898795780/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1333128657&sr=8-1

Und falls ich Justme richtig verstanden habe, so teile ich sein Gefühl, daß wir für doof verkauft werden sollen, uneingeschränkt.
Würde man uns nämlich im Klartext erklären, was abgeht, so würden wir daraus schließen, daß Geld gedruckt aka mit der Inflation geflirtet wird. Vielleicht ist es notwendig, sofern die Lehren aus 1929 noch Gültigkeit haben, aber dieses für Doof verkauf werden, nervt schon ungemein.

Andererseits glaube ich, daß Merkel et al gar keinen Klartext reden können, weil es so viel Geld nach der Suche von lohnenden Wetten auf der Welt gibt, daß sobald sie sich in die Karten schauen ließe, die Wetterei losgehen würde und angeblich hat ja ein Mr. Soros mit Wetten gegen das Pfund die Währung mal beinahe in den Bankrott getrieben.

23. Silke - März 30, 2012, 19:46

Paul 17

EFSF führt Dich zu Wikipedia und der englischen Langschrift der Alphabetsuppe und wenn Du dann auf der linken Seite auf Deutsch klickst, dann kriegst Du die deutsche Entsprechung einschließlich Erklärung.

Und nein daran ist nicht Justme schuld, da müssen wir alle durch, sofern wir noch den Rest einer Ahnung von dem behalten wollen, was abgeht.

24. Marlin - März 30, 2012, 20:16

Ein Schirm, sie zu knechten..

25. Silke - März 30, 2012, 22:27

Lila
ich vermute, Errol Morris ist Dir ein Begriff?

ich habe mal in der NYT einen langen langen Bericht von ihm gelesen, wo er versucht hat, rauszukriegen, ob die Fotos von der berühmten Charge of the Light Brigade manipuliert worden sind:

http://opinionator.blogs.nytimes.com/2007/09/25/which-came-first-the-chicken-or-the-egg-part-one/

und hier das Post über die Kinderspielzeugfotos vom Libanonkrieg:

ERROL MORRIS: But the picture of Mickey is powerful because it is vague. Its vagueness allows us to imagine all kinds of diverse scenarios, depending on our political sensibilities. It’s one of the things that’s fascinating about photography: photographs are both specific and vague.

http://opinionator.blogs.nytimes.com/2010/01/03/it-was-all-started-by-a-mouse-part-1/#more-33921

Zeit, daß ich den Mann mal wieder lese

26. Paul - März 30, 2012, 22:30

Zu 18 Ach Lila, Du bist wirklich eine Liebe.
Komme gerade von einem Stammtisch zurück und habe das gleich als Erstes gelesen.
Darauf musste ich, bevor ich das andere lese einfach antworten.
Habe mich auch schon abgeregt.

27. Paul - März 30, 2012, 22:43

Zu 21 Justme, nun sind wir wieder beisammen. Das meine ich auch.
Ich stelle mich auch als “Versuchskaninchen” für Deine Frage zur Verfügung.
Habe nicht nachgesehen, sondern antworte aus dem verfügbaren Wissen heraus.
Die Verschuldung Griechenlands beläuft sich auf 100 Milliarden?

Ganz ehrlich, ich verstehe diese ganze Situation überhaupt nicht.
Bin aber ein ganz rigoroser. Wer die Kriterien nicht einhält muss die Sanktionen erdulden. Was immer vorgesehen ist. Es kann nicht sein, dass die Vorteile der Überschuldung konsumiert werden und die Lasten ausgelagert. Wer den Vorteil hatte, muss auch mit dem Nachteil leben.
Das ist meine Meinung dazu. Gebe aber zu, dass ich die sich daraus auch für uns ergebenden Folgen nicht einschätzen kann. Es kann sein, dass ohne diesen “Rettumgsschirm” die Folgen für uns noch größer wären.
Mein Eindruck: Niemand weiß das wirklich. Irre ich mich?

28. Paul - März 30, 2012, 22:47

Ach so, Justme, beinahe hätte ich es vergessen, “einfach ich” ist mir bedeutend sympathischer.

29. Silke - März 30, 2012, 23:25

der erste Staat, der gegen die Maastricht-Kriterien verstieß und ohne die darin vorgesehenen Sanktionen davon kam, war Deutschland.

30. Paul - März 30, 2012, 23:55

Zu 21 Justme:
So, ich habe mich schlau gemacht. Ist nicht so einfach, weil viel in Prozenten ausgewiesen ist. Diese Zahlen sind auch aussagefähiger als die absoluten Zahlen, weil sie die Gewichtung zum BIP ausweisen.
Griechenland hat 366 Milliarden € Schulden. Ob das stimmt? Die
Zahlen der Rettungsschirme mit 440 und 750 Milliarden erscheinen mir dann zu hoch.
Aber lassen wir es dabei, weil das hier nicht zum Thema gehört.

31. Paul - März 31, 2012, 0:14

Silke 23

Danke für den Hinweis. Habe mich inzwischen schon selber umgesehen.
Bleibe aber bei meiner Aussage in 27.
Wer sich die Suppe einbrockt, muss sie auch auslöffeln.

Zur Inflation:
Bin schon lange der Meinung, dass wir darauf zu steuern. In meinem nächsten Leben werde ich Gelddrucker. Ein Beruf mit Zukunft.😆 Krisenfest.

Das größte Problem der Finanzwirtschaft scheint mir das Zocken zu sein. Die Börse müsste eigendlich eine Glücksspiellizenz haben. Das ist der Fluch des Computers, der es ermöglicht in Sekundenbruchteilen Riesengeldmengen virtuell über den Globus zu jagen und aus Kommastellenprozenten Riesengewinne zu realisieren. Aber irgendwo sitzt immer am Ende eine “alte Oma” oder ein “Paul”, der alles bezahlen muss.

32. Silke - März 31, 2012, 12:23

außer Griechenland gibt es Portugal, Irland, Italien, (Griechenland), Spanien, die mehr oder weniger hilfsbedürftig sind.

Zuerst tauchten sie in den Medien als PIIGS auf.

Wie und Wo Island über die Runden gebracht wurde, weiß ich nicht, ich vermute mal, es war der IMF, deutsch IWF, in den Deutschland aber auch kräftig einzahlt.

Wenn man den Engländern glauben darf, sind die Franzosen näher an den PIIGS als an Deutschland.

Deutsche Banken sollen sich laut ausländischen Medien auch in einem Furcht erregend wackligen Zustand befinden und werden bereits jetzt geholfen.

Michael Lewis beschreibt es so:

The German government gives money to the European Union rescue fund so that it can give money to the Irish government so that the Irish government can give money to Irish banks so the Irish banks can repay their loans to the German banks.

http://www.vanityfair.com/business/features/2011/09/europe-201109

(PS: wer Englisch kann, die Länderberichte im Buch Boomerang sind ziemlich alle online und soweit ich mich erinnere alle bei Vanity Fair.)

33. Silke - März 31, 2012, 12:32

Paul 31

1929 und bei allen anderen Börsencrashs davor bis zurück zur Tulpenmanie haben sie es auch ohne Computer prima hingekriegt.

Und was das sich Einbrocken anlangt, ich würde gern mal die Buchhalter zu fassen kriegen, die bei der EU die griechische Selbstdarstellung beim Beitritt zum Euro geprüft haben.

Daß da keineR was gemerkt haben will, ist so rundum unglaubwürdig (Buchalter waren meine Kollegen mein Leben lang, in der Branche wimmelt’s von ausgeschlafenen Burschen und Mädels, daß ich es mir nur damit erklären kann, daß es militärische Gründe gibt, warum Griechenland unbedingt mit allem Drum und Dran rein mußte und die also Befehl “von oben” hatten, die Scheuklappen anzuziehen. (die Amis wollen ja auch gern die Türkei rein haben – verständlich, wer auf’m Bosporus hockt, ist eben immer noch bedeutend und ich glaube in 1000 Jahren nicht, daß wir den militärischen Schutzschirm von denen ohne Gegenleistung gekriegt haben und kriegen.)

Was die Griechen anlangt, so finde ich es hochgradig unanständig, daß ausgerechnet die Deutschen sich so auf die Griechen konzentrieren (die bei der “Wiedergutmachung” sehr schlecht weggekommen sind) und alle anderen medienmäßig behandeln, als wären da nix als Chorknaben unterwegs.

Über Island z.B. lese ich keine Beschimpfungen und was die getrieben haben und wofür wir alle löhnen, läßt die Griechen wie Anfänger aussehen.

34. Silke - März 31, 2012, 18:05

PS:

und als Lehman Brothers auf der Kippe standen, plädierten alle von der die Suppe-auslöffeln-Fraktion lauthalsestens und wohlstbegründetst, daß man nicht eingreifen solle. Als dann die Folgen den Ventilator trafen (sh*t hit the fan) waren sie auf einmal alle alle der Meinung, das hätte die Regierung aber doch verhindern müssen. Seitdem habe ich alle die genau wissen, wie’s zu gehen haben und dabei von Zwickmühlen nix wissen wollen, schwerstens auf’m Kieker.

http://de.wikipedia.org/wiki/Zwickmühle_(Mühlespiel)

——-
Nachsatz:

was hat das alles mit Israel zu tun? – nun so lange es den Völkern gut geht, sind sie weniger bissig, als wenn man ihnen zu sehr in die Tasche greift. Wenn sie aufmüpfig werden, suchen sie nach Schuldigen und dann werden sich sicher Vorturner finden, die bereitwilligst ne Richtung vorschlagen.

35. Yael - April 1, 2012, 16:32

“Ob jemand nah dabei ist oder nicht, das spielt nur eine sekundäre Rolle. Natürlich ist es einfacher, eine Situation zu beurteilen, wenn man näher dran ist. Aber was hilft die geographische Nähe, wenn man mit Vorverurteilungen und einem festen Schema an die Sache herangeht? Guck Dir die deutschen Nahostfritzen nur an. Für viele sind doch, noch bevor sie überhaupt nach Israel kommen, die Rollen fest verteilt. Und so berichten sie. Nicht alle, aber viele.”

Das meine ich doch, Lila. Und deswegen will ich so weit es geht, obkjektiv infomiert werden und weniger bis gar nicht durch die Brille eines Journalisten, der darüberhinaus dem eben beschriebenen entspricht.

36. Lila - April 1, 2012, 16:51

Ein gutes Beispiel für faire und kompetente Berichterstattung ist meiner Meinung nach Gisela Dachs.

37. Yael - April 1, 2012, 17:03

Danke für den Tipp. Den Namen werde ich mir merken.
Ich wünsche Dir eine wunderschöne, und vor allem raketenfreie Woche.


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