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Ausgeblieben Februar 10, 2009, 23:37

Posted by Lila in Land und Leute.
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ist der klare Rechtsruck, der mit wohligem Grausen schon vorhergesagt wurde. Die beiden „Blöcke“, rechts und links, sind fast gleich groß, und da in den letzten Jahren mal dieser, mal jener ein bißchen zugelegt hat, kann man nicht von einem Erdrutsch oder so sprechen. Kadima scheint größer zu sein als unter Olmert, und die Likud hatte letztes Mal so ein mieses Ergebnis, daß sie mit ihrem Erfolg eigentlich nur auf ihre alte Größe zuruckgewachsen ist. Und sie sah noch vor ein paar Monaten wesentlich kräftiger aus. Netanyahu hat viele Stimmen an Lieberman abgeben müssen.

Doch Lieberman ist nicht ganz so groß geworden, wie viele, auch ich, es gefürchtet hatten. 15 Mandate ist beachtlich, und er wird Königsmacher, aber es schwirrten in den letzten Tagen Zahlen über 20 durch die Luft.

Shas ist weggebrochen, es kann auch sein, daß das eine Reaktion auf ihr Verhalten im Oktober ist. Als die Shas Livni auflaufen ließ, beim Versuch, eine Koalition zu bauen. Livni ging auf die Forderungen der Shas nicht ein, und darum haben wir heute die Wahlen. Shas hätte uns die ersparen können, hätten sie auf den Erpressungsversuch  verzichtet.

Auch Avoda und Meretz haben schwer verloren. Meretz hat einen blassen Wahlkampf gemacht, und wenn am Wahltag Raketen im Süden fallen, lassen sich imt Friedensparolen keine Stimmen holen. Selbst in den Kibbuzim hat Kadima mehr Stimmen geholt als Avoda und Meretz. Baraks relativer Erfolg als Verteidigungsminister hat nicht geholfen  – sein negatives Image sitzt zu fest, und sein militärischer Ruhm verträgt sich schlecht mit seiner Rolle als Taube im Trio mit Livni und Netanyahu. Unstimmigkeiten allüberall. Wenn die Arbeiterpartei eine Renaissance erleben will, wie Netanyahu es geschafft hat, muß sie sich neu erfinden.

Die arabischen Parteien sind, soweit es bisher zu beurteilen ist, in etwa gleich groß geblieben. Das bedeutet hoffentlich, daß der Wahlboykott ausgeblieben ist, den ich ja für ein untaugliches Mittel halte.

Die Rentnerpartei hat ausgespielt  – sie hat sich in der Knesset so lächerlich gemacht mit Binnenkämpfen und dummen Intrigen, daß sie nicht mehr zu retten war. Grünes Blatt, Grüne, alle möglichen anderen Kleinstparteien sind ebenfalls nicht drin.

Viel hängt von Lieberman ab. Er ist nicht nur Zünglein an der Waage, sondern eine ausgewachsene Zunge. Ohne Zustimmung seiner Fraktion geht kein Vorschlag für das Amt des Premierministers durch.

Oh, Barak hält seine Rede zur Niederlage. Nicht einfach. Zitternde Stimme, gesenkter Blick. Im Publikum Tränen. Immerhin weiß er, daß er verloren hat. Bei Zippi und Bibi wird es schwieriger. Jeder von ihnen wird eine Siegesrede halten. Da die Verlierer immer zuerst die Rede halten, geht schon das Geraune los: wer als erster redet, outet sich als Verlierer. Ach das Spiel, nur kein Gesicht verlieren, aber auch: die Chancen nicht senken, den Premier zu stellen.

Ich glaube, ich bleibe noch ein bißchen wach. Y. ist schon im Bett, er ist jetzt im schweren Stadium des Virus, das ich vorgestern hatte. Ihm kam der Wahltag gerade recht, ein Tag Ruhe.  Was morgen, übermorgen, nächste Woche, nächstes Jahr ist — ach, ich hoffe, es wird trotzdem etwas Gutes herauskommen. Wir haben ja nicht mal die endgültigen Zahlen.

(Oh, und ausgeblieben ist auch die riesige Provokation der extremen Rechten  in Umm el Fachm. Die Polizei hat Marzel aufgehalten, und Eldar ist nicht so eine provokante Persönlichkeit.)

Kommentare»

1. Andreas - Februar 11, 2009, 0:57

hessische Verhältnisse in Israel?

2. Janina - Februar 11, 2009, 10:45

Wie, der klare Rechtsruck ist ausgeblieben? Ts, immer noch so wenig Vertrauen in die Freunde Palästinas?
Heute morgen in einem Beitrag auf WDR5 wurde von einem „langjährigen Nahostkorrespondenten der Zeit“ ganz klar erklärt, daß dieser Wahlsieg die rechteste Regierung aller Zeiten zur Folge hätte, womit der sogenannte Friedensprozess endgültig vorbei wäre, da die Siedler jetzt noch mehr gehätschelt würden und schon im Wahlkampf erklärt wurde, man würde verstärkt auf militärische Mittel zurückgreifen (statt Dialog). Eine Chance bestünde noch darin, daß die amerikanische Regierung, die Israel mit 3Mrd Dollar jährlich zur freien Verfügung unterstützt, diese Mittel, auch aufgrund der Finanzkrise, streicht. Aber man wüßte ja, wie stark die israelische Lobby in der amerikanischen Regierung wäre.

Und das auf leeren Magen…

Besser ein Wahlergebnis aus freien und demokratischen Wahlen, als überhaupt keine Wahlen! In wievielen der Nachbarländer Israels gibts nochmal freie und unabhängige demokratische Wahlen & Regierungen…?

3. Janina - Februar 11, 2009, 10:48

Sorry, der Tag war sowieso schon gelaufen, erst hab ich verschlafen, dann Stau, dann das…

Aber es fragt sich auch niemand ob ein Herr Berlusconi, der sich die Gesetzte schneidert, wie es ihm paßt, mit deutlichen Verbindungen zur Mafia, vielleicht mal keine Unterstützung aus der EU mehr bekommen sollte, weil man damit ja direkt das organisierte Verbrechen unterstützt…

4. Lila - Februar 11, 2009, 11:07

Das ist keineswegs die rechteste Regierung, die Israel je hatte. 1. ist es noch keine Regierung, sondern nur ein unklares Wahlergebnis, 2. gab es schon größere Blöcke rechts. Ich habe die genauen Zahlen nicht mehr im Kopf, aber ich glaube, Netanyahus erste Regierung war größer und rechter, und trotzdem ist er nach Wye gegangen und hat Hebron der PA übergeben… und Sharon hat mit einer rechten Regierung den Gazastreifen geräumt.

Was für ein Friedensprozeß übrigens?

5. Joram - Februar 11, 2009, 11:30

Das ist doch unerheblich was die Jorunalie in der deutschen Medien schreibt. Und was sonst irgendwelche Schmierjouranlisten irgendwo in der Welt schreiben. Man muss der Wahrheit in die Augen schauen. Egal wer in Israel die Wahl gewinnt, ist das für die Journalie ein schlechtes Ergebnis. Es sei denn die Arabischen Parteien die absolute Mehrheit erreichen würden. Dann ist für die Welt ein gutes Ergebnis. Das Projekt Israel ist beendet.
Wer das anders sieht der Träumt. Ein Friedenprozes bedeutet für Araber, dass die jüdischen Israelis ihre Koffer packen und nach Grönland auswandern, damit die Araber sich ungehemmt weiter auf Kosten der UNO (Aufbauhilfe) fortpflanzen dürfen.

6. david - Februar 11, 2009, 11:39

Schade, kein Ale Yarok. Nicht dass ich die gewählt habe, aber die sind mir bei den Kleinstparteinen trotzdem sehr sympathisch.

7. Lila - Februar 11, 2009, 11:45

Ja aber die haben ja gar keinen Wahlkampf gemacht. Sie haben vielleicht gedacht, Gil Kopatch wird auch so gewählt. Aber das reicht doch nicht…

8. ramonschack - Februar 11, 2009, 12:01

Netanjahus Comeback betrachte ich als Sensation. Wenn man bedenkt wie unbeliebt er vor 10 Jahren noch war, von seiner Ehefrau Sara ganz zu schweigen.

Ich selbst konnte mich damals allerdings von dem politischen Gewicht Netanjahus überzeugen, nachdem er meinen Fuß als Plattform für eine kurze Ansprache -auf dem Carmel Market von Tel Aviv -mißbrauchte.

Seitdem verbinden mich schmerzhafte Erinnerungen mit diesem Mann.

http://ramonschack.wordpress.com/2009/01/23/israels-unbehagen-mit-obamaschmerzhafte-erinnerungen-an-netanjahu/

9. Janina - Februar 11, 2009, 12:21

Ich hab keine Ahnung. Ich war nur heute morgen schon total aggro und dann hab ich mir auch noch diesen Unsinn im Radio angehört. Wahrscheinlich hätte ich auch einfach besser nur mal diesen tollen Knopf gedrückt, auf dem „abschalten“ steht…

Und der Friedensprozeß – naja, er meinte bestimmt den, den Israel immer wieder mit unverhältnismäßigen Angriffen verhindert , während die arme Hamas sich mit Bastel- und Grabunsarbeiten beschäftigt.

Ansonsten bin ich mit Joram leider nicht einer Meinung, ich find schon wichtig, was und wie in Medien berichtet wird, denn darüber bildet sich öffentliche Meinung (und wird auch beeinflußt).

Was sagt denn Y. eigentlich? Immerhin gibts jetzt nicht mehr Kindergeld 😉

10. grenzgaenge - Februar 11, 2009, 12:24

nun, ich finde das ergebnis der wahlen gar nicht schlecht. auch wenn es nicht die klare mehrheit gibt. im gegensatz zu hessen kann israel aber gut damit umgehen. wann hatte das land schliesslich schon mal eine klare mehrheit und eine stabile regierung ? ich finde gerade das zeichnet die israelische demokratie aus: das trotz allem balagan in der knesset die demokratie nie in frage stand und steht.

in den deutschen medien wird jetzt natuerlich fleissig vom rechtsruck in israel gefaselt. mit welchem zweck wohl ?

11. Wolfram - Februar 11, 2009, 12:30

Heute morgen zeigte das französische Fernsehen Netanyahu, der sich zum nächsten Ministerpräsidenten erklärte… was mir vorkam wie Schröder seinerzeit in der „Wahlnacht“…
Livni wird wahrscheinlich weithin unterschätzt; man ist graue Männergesichter mit Falten gewöhnt, kein glattes, junges, hübsches Frauengesicht – und wird sich in ihr genauso täuschen wie in Angela Merkel.

12. Piet - Februar 11, 2009, 12:41

Hab da was gefunden: 😉 „Wenn Olmert wirklich Avigdor Lieberman in die Regierung reinnimmt, dann gehe ich in die innere Emigration. Am Ende macht auch noch Bibi das große Comeback. Ich sehe es mit Grausen.“

Es ist schon ein Kuriosum, dass die, die mit ihrem Versprechen „Verhandlungen und Härte“ die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte, möglicherweise hinter einer Bibi/Lieberman-Regierung zurückstehen muss.

13. Lila - Februar 11, 2009, 13:12

Ohne Lieberman kommt keine Regierung zustande. Vergessen wir auch nicht die arabischen Abgeordneten, die schon gesagt haben, daß sie Livni nicht stützen werden, und damit ihr Teil dazu tun, daß Bibi es wird. Und da hier kein Premierminister gewählt wird, sondern Parteien, und die Unterstützer Bibis eine deutliche Mehrheit haben, ist das auch in Ordnung.

Es ist wichtiger, daß wir eine stabile Regierung haben, als dass die Regierung mir gefällt (und Livni oder Barak gefallen mir ja auchnicht wirklich…). Wenn Netanyahu stabil regieren kann, soll mir das Recht sein. Er selbst ist ja gar nicht an einer rechten Regierung interessiert, das ist ja das Absurde – er hätte viel lieber Zipi und Ehud als Juniorpartner dazugenommen und eine Regierung der Mitte gebildet, an der er der rechte Marker gewesen wäre. So wird er vermutlich der linke Ausleger sein, absurd.

Na ja, mal sehen. Die Verhandlungen haben gerade erst angefangen. Ich glaube nicht, daß Bibi sich den Feiglinim gern beugen wird. Er hat so gegen sie gekämpft, auch mit unfairen Mitteln.

Und wer Lieberman jetzt als gefährlichen Newcomer sieht, der sollte Piets Link nachgehen. Er ist schon lange in der Politik, auch in der Knesset und im Kabinett. Er bellt laut, beißt aber wenig. Er ist eben nicht der blinde Überzeugungstäter, als den ihn Freund und Feind gern zeichnen, sondern Pragmatiker. Er hat schon mit Shas in einer Regierung gesessen und würde das wieder tun, obwohl Shas und Lieberman diametral entgegengesetzte Ansichten zu sehr vielen Themen haben (die aber im Ausland weniger interessieren, wo man nur auf Piiiisprosses fixiert ist und die gesamte israelische Politik danach in Gut und Böse einteilt).

Also ich bin gespannt…

14. Piet - Februar 12, 2009, 12:22

Er selbst ist ja gar nicht an einer rechten Regierung interessiert, das ist ja das Absurde – er hätte viel lieber Zipi und Ehud als Juniorpartner dazugenommen und eine Regierung der Mitte gebildet, an der er der rechte Marker gewesen wäre.

Hmm… Wäre ja möglich, mit Kadima und Arbeitspartei. Aber zumindest eine Machtteilung scheint er ja nicht zu wollen, (er hat sich ja auch oft genug als waschechter Macho präsentiert) und da dort auch von Arbeitspartei nix zu lesen ist, blieben ja nur der Ultranationalist Lieberman oder die Religiösen. Damit wäre er eindeutig nicht! der „rechte Marker“, und ob Zipi Livni das mitmacht, mit Lieberman, unter Netanjahu, als eigentliche Gewinnerin (nach Stimmen/Sitzen)?

15. Lila - Februar 12, 2009, 13:22

Netanyahu hat gestern schon die Arbeitspartei kontaktiert. Barak würde wohl gerne, er hat sich als Verteidigungsminister sehr wohlgefühlt, aber er hat absagen müssen. Es geht einfach nicht. Nach so einer Niederlage kann man nicht in die Regierung schleichen.

Kadima wäre eine echte Option, aber dafür müßte Livni über ihren Schatten springen und zugeben, daß sie die Wahl zwar stimmenmäßig gewonnen hat, aber die Regierung nicht bilden kann. Leider besteht die Gefahr, daß sie sich erst dann breitschlagen läßt, wenn Bibi gezwungenermaßen den extremen Rechten Zugeständnisse gemacht hat und sie nicht wieder loswird.

Ohne Zweifel wäre auch Netanyahu lieber mit Barak und Livni in einer Koalition als mit Shas oder Baruch Marzel. Der verkauft sein Fell natürlich teuer. http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3670678,00.html

Die Wahl ist wirklich verflixt ausgegangen, man kann nicht wissen, was als nächstes kommt.

Eitan Habers Kommentar http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3670187,00.html und ein JP–Fürsprecher für eine breite, stabile Koalition http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1233304754231&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

Ach, die Zeitungen sind voll mit Spekulationen. Es kann einen nervös machen. Seit dem Libanonkrieg hatten wir eigentlich keine funktionsfähige, selbstbewußte, stabile Regierung mehr.

16. beer7 - Februar 12, 2009, 13:44

Lila,

Umm el Fachm war ein Skandal.

Nicht nur, dass Marzel nicht in das Wahllokal gelassen wurde. Auch Eldar, der als Ersatz erschien, musste schon nach kurzer Zeit unter Polizeischutz das Wahllokal verlassen, weil ein arabischer Mob glaubhaft Gefahr fuer seine Gesundheit und sein Leben vermittelte.

Eigentlich haetten alle dort abgegebenen Wahlstimmen fuer ungueltig erklaert werden muessen.

Der Skandal ist meiner Meinung, dass die Polizei und die Behoerden so voer Einschuechterung einknicken.

17. Piet - Februar 12, 2009, 13:54

Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Dass Barak aber sagt, es ginge nicht mehr, quasi moralisch integer die Niederlage einräumend, während er Nationalisten damit das Feld überlässt – ich weiß nicht, ich weiß nicht. Davon mal abgesehen, dass es verdammich noch mal zuerst um das Land und erst dann um persönliche Eitelkeiten zu gehen hat: Wäre er ein deutscher Politiker, würde ich ihm nicht ein Wort glauben. 😉 Vielleicht lässt er sich ja doch noch ‚bitten‘, wenn man erst den Preis eines Liebermans kennt?

Na guck, Haber schreibt ja auch:

»I dreamt a wild, delusional, crazy dream the night before Election Day: The moment the final results are published, Benjamin Netanyahu, Tzipi Livni, and Ehud Barak make a joint appearance on our television screens. In simple Hebrew they say: In the face of the security, diplomatic and economic threats expected by the State of Israel in the next year or two, we decided to join forces, to only see the welfare of the country before us, and to form a joint government.«

Und dem will sich ein Politiker, der „eigentlich“ will, entziehen?

Nichts gegen Politiker, die Niederlagen eingestehen und ihre Lehren draus ziehen, die sind eh rar gesät. Aber solche, die sich ihrer Verantwortung nicht bewusst sind, finde ja noch schlimmer. Nicht, weil ich seine Haltung nicht prinzipiell nachvollziehbar fände. Aber Lieberman vor Augen, da graut’s mir einfach.

Na gut, oder Haber hat Recht und die nächsten Wahlen gibt’s 2010. Dann wäre er ein einjähriges Experiment…

18. Lila - Februar 12, 2009, 14:42

Piet, das ist ganz einfach. Was der Avoda u.a. bei den Wählern den Hals gebrochen hat, war ihre Bereitschaft, so ziemlich mit jedem Koalitionspartner in die Kiste zu springen. Ein paar Jahre Opposition haben der Likud gutgetan, und sie werden auch der Avoda guttun.

Barak würde auch mit Lieberman im Kabinett sitzen, aber viele Avoda-Politiker nicht. Das geht auch nicht.

Man kann den Wählerwillen wirklich nicht anders interpretieren: eher rechte Parteien haben mehr Stimmen auf sich versammelt. Da kann man nichts machen. Die eher links angesiedelten Parteien haben keinen überzeugenden Entwurf vorgelegt. Was vielleicht ein grundlegendes Problem ist: nachdem die Rechte viele ex-linke Ideen absorbiert hat, und viele Linke den alten naiven Friedensglauben nicht mehr finden, wird es Zeit, neu zu definieren, was eigetnlich links ist. Wunschdenken allein reicht nicht. Und diese innere Einkehr macht man nun mal besser auf der Oppositionsbank.

Chaim Oron hat das übrigens absolut nicht kapiert… traurig.

Für ein Volk, das zwei häßliche Kriege wegstecken mußte, den nächsten schon vor der Tür sieht und sich ziemlich alleingelassen fühlt, hat Israel verhältnismäßig rational gewählt. Die meisten Stimmen sind an Parteien der Mitte gegangen. Auch wenn ich 15 Mandate für Lieberman viel finde – es sind weniger, als er erwartet hat. Am Wahlabend waren bei ihm lange Gesichter.

19. Lila - Februar 12, 2009, 14:50

Ruth, da sind wir absolut nicht einer Meinung. Was sollten die Versuche, die Bewohner von Umm el Fachm zu provozieren? Das ging ja den ganzen Wahlkampf durch. Demos in Umm el Fachm, dann ausgerechnet Baruch Marzel, den ich für einen Verbrecher halte, in Umm el Fachm? Und wäre Eldar ohne die vielen vollmundigen Ankündigungen, Medien und Polizeiaufgebot erschienen, wäre gar nichts passiert.

Er will sichergehen, daß die Stimmen für seine Partei in Umm el Fachm auch fair gezählt werden… lächerlicher läßt sich ja kaum argumentieren. Ich wüßte mal gern, wie viele Leute er in Umm el Fachm als Wähler begeistern kann….

Ich habe die Schnauze voll davon, daß sich rechtsexreme Politiker auf Kosten der Mindehreiten profilieren. Das ist die billigste Tour von allen. Wir haben weiß Gott größere Probleme als Umm el Fachm.

Arabische Bürger haben genau dieselben Rechte wie jüdische. Es wird Zeit, daß sich da ein paar Leute dran gewöhnen. Wir sind hier nicht in der Westbank.

ETA: ein interessanter Artikel zum Thema von einem arabischen Israeli. Es gibt auf beiden Seiten Leute, die eskalieren wollen, und andere, die de-eskalieren wollen. Ich gehöre zur zweiten Sorte und finde, wir sollten die Araber unterstützen, die ebenfalls daran interessiert sind, hier so gut und anständig wie möglich zusammenzuleben.

20. Yonatan - Februar 12, 2009, 15:46

Was ich als Aussenstehender schade finde ist, dass mein persönlicher Favorit, nämlich „Die Grünen – Meimad“ nicht in die Knesset gekommen sind. Es wäre schön gewesen, eine neue Farbe in der Knesset zu sehen, zudem begleitet von einer moderaten Orthodoxie. Wenn auch klein, hätte die Partei vielleicht Bewegung in die Machtspiele gebracht.

21. Lila - Februar 12, 2009, 15:49

Meimad war in der Knesset, an den Rockzipfeln der Avoda. Malchior macht ohne Zweifel einen sympathischen persönlichen Eindruck, aber er hat keinen politischen Eindruck gemacht während seiner Zeit in der Knesset. Er hat es versäumt, seiner Bewegung oder Partei ein echts Profil zu verleihen. Es reicht nicht, ein interessantes Parteiprogramm zu haben, man muß auch was draus machen.

22. beer7 - Februar 16, 2009, 10:47

Sind die Einwohner von Umm el Fachm denn unmuendig? Ja, es wurde versucht, sie zu provozieren. Aber niemand hat sie gezwungen, das Szenario von Baruch Marzel 1:1 umzusetzen.

Erinnert mich ein bisschen an die gewaltsamen Demonstrationen, als der Papst ein mittelalterliches Zitat ueber das Verhaeltnis des Islam zur Gewalt verwendete.

23. Joram - Februar 16, 2009, 13:01

@beer7
„Sind die Einwohner von Umm el Fachm denn unmuendig? Ja, es wurde versucht, sie zu provozieren.“

Das ist aber leider eine Polmik. Es ist dir mit Sicherheit bewusst, dass ein Moslem sich schon vom Anblick eines Juden provoziert fühlt.Die Geschichte hat das schon mehrmals bewiesen. Nur einige Erinnerungen:

1834 Safed,
1840 Damaskus,
1920 Jerusalem,
1921 Jaffa,
1929, Hebron, Jerusalem, Safed, Jaffa
1938 Tiberias,
1945 Tripolis,
Und das alles VOR der Gründung Israels.

Vielleicht liegt das daran, dass ein Moslem nicht ertragen kann, dass ein Jude kein Dhimmi mehr ist. Wenn eine Glaubengemeinschaft über Tausend Jahre lang die Juden nur als machtlosen Untertanen sah, die am Leben bleiben dürfen nur wenn sie jährlich Kopfsteuer bezahlten, keine Waffen tragen durften, sich vor dem Gewalt seitens eines Moslems nicht wehren durften, dann rast so ein Moslem aus, wenn er einen Juden sieht, der ihn zu provozieren versucht.
Mein persischer Freund hat für solche Fälle einen Spruch parat:
„Der Orientale neigt zur Übertreibung“. Das soll sich übrigens auch auf Sephardim und die übrigen Tzabarim beziehen. Ich verstehe mich zwar als Aschkenase (mameloschn wegen), aber neige ich auch zur Übertreibung. Allerdings nicht zu Gewalttaten.

24. Lila - Februar 16, 2009, 14:02

In Umm el Fachm leben ncht nur Islamisten, es leben auch ganz normale, friedfertige Leute dort. Durchaus nicht jeder erblickte Jude wird behandelt wie Baruch Marzel. Du würdest es Arabern vielleicht nicht zutrauen, Joram, aber sie wissen durchaus zu unterscheiden.

Ich habe die gesamte Stoßrichtung des Wahlkampfs mancher Parteien für populistisch und unappetitlich gehalten. Die arabischen Einwohner Israels leben hier und wir sollte unsere Energie lieber in konstruktive Ideen wie Zivildienst stecken, statt in destruktive Ideen wie Transfer und Aberkennung der Staatsbürgerschaft. Es gibt schließlich auch Juden, die dem Staat nicht loyal sind.

Und die Einwohner von Umm el Fachm sind nicht die einzigen, die auf die Straße gehen, wenn sie sich ärgern. Ich fand die Demos zur Solidarisierung mit der Hamas komplett daneben, aber Baruch Marzel ist mir keinen Deut sympathischer.

25. beer7 - Februar 16, 2009, 14:21

Lila,

Hier wird mit zweierlei Mass gemessen. Auch oder gerade wenn das zugunsten der arabischen Israelis geschieht, riecht es ein bisschen nach Paternalismus.

Die arabischen Parteien waeren laengst verboten, so wie Kach verboten wurde, waeren sie nicht arabische Parteien. Ich kann mich uebrigens an keine Demonstration rechter, israelischer Parteien erinnern, von denen ein so glaubhafte Gefahr ausging, dass arabische Politiker unter Polizeischutz das Weite raeumen mussten.

26. beer7 - Februar 16, 2009, 14:24

Nur um Missverstaendnisse auszuraeumen. Auch ich finde weder Marzel noch seine Ideen sympathisch. Aber solange sich Marzel innerhalb der rechtlichen Moeglichkeiten bewegt (z.B. Wahlaufsicht), hat niemand das Recht, ihn und seinen Parteifreund mit Gewalt und/oder Gewaltandrohung daran zu hindern.

Das Recht auf freie Meinungsaeusserung, das Recht auf das Ausueben politischer Aufgaben usw. koennen wir nicht daran festmachen, ob uns die konkrete Meinung und der konkrete Mensch sympathisch sind!!!

27. Joram - Februar 16, 2009, 14:39

@Lila,
ich habe doch geschrieben, dass der Orientale zur Übertreibung neigt. Ich auch. Vielleicht bin ich auch ein bisserl Orientale.

„Du würdest es Arabern vielleicht nicht zutrauen, Joram, aber sie wissen durchaus zu unterscheiden.“

Oh, doch ich weiß es. Mein Hausarzt ist ein Ägypter. Mein Augenarzt ist ein Perser und mein Urologe ist ein Syrer. Ich lebe in Detuschland, ich habe aber NULL Vertrauen zu den Deutschen Ärtzen. Dafür schätze ich sehr die Menschlichkeit der Orientalen 🙂

Und Du hast Recht, es gibt genug Juden die dem Staat Israel nicht loyal sind. So wie es genug Detuschen gibt, die der Bundesrepublik nicht loyal sind, oder genug Spanier, die mit Spanien auf dem Kriegfuss stehen. Oder Briten die… usw.

Nur im Fall eines Staates, der sich seit 60 Jahren in einer permanenten kriegerischen Aufeinandersetzung befindet ist die Iloyalität eines Bürgers viel problematischer als Illoyalität eines Bürgers in den Zeiten des permanenten Friedens.
Ein illoyaer Staatsbürger kann während des Kriegs in den Rücken fallen oder dem Feind lebenswichtige Informationen zukommen lassen. Und das ist Unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit.
Nun gibtes Ethnien, wo das Stammeszugehörigkeit über Staatszugehörigkeit steht. Und das kann für Israel existenzielle Bedrohung bedeuten.

28. grenzgaenge - Februar 16, 2009, 19:05

@lila: tut mir leid. aber in der frage der arabischen israelis gehen unsere meinungen auseinander. wir hatten die diskussion ja schon einmal. deshalb schreibe ich meine (voellig andere) meinung nicht noch einmal auf. es ist doch schon das wir auch mal verschiedene meinungen haben, oder ?

29. beer7 - Februar 18, 2009, 9:30

Nach dieser Meldung waren Wahlbeobachter in den arabischen Wahllokalen keineswegs ueberfluessig:

http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/130001

„David said that on average, polling stations where religious monitors were present had voting rates of 30 percent – about half of the average rate in unmonitored Arab polling stations. The explanation, he says, is simple: Arabs stuff the ballots whenever this is possible for them, thus skewing election results to the Left.“

Auch Marzel oder Eitan haetten nicht nur die Stimmabgabe fuer ihre Partei ueberwacht, sondern darueber, dass ueberhaupt die Regeln eingehalten werden.


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