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Ein Update Oktober 14, 2012, 0:37

Posted by Lila in Krabbeltiere.
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zu unseren unerwünschten Hausgenossen, den Ratten.

Natürlich hatten alle recht, die prophezeiten, daß es bei einem Rättlein nicht bleiben würde. In der Tat haben wir inzwischen fünf verschiedene Ratten nacheinander in der Lebendfalle gefangen. Eine schlanke, hübsche Braune, einen zerrupften Alten, eine verwirrte, am Schwanz verletzte Kleine, einen agilen jungen Mann und eine unauffällige, huschelige Dame mittleren Alters.

Y. nimmt sie immer im Auto mit und setzt sie bei Goren aus, am Rand des Nationalparks, nicht weit von  hier. Ich nehme an, daß sich nun eine Art „trampiada“ für Ratten gebildet hat, die mit Mund-zu-Mund-Propaganda weitergeben: wollt ihr mal mit ´nem Auto fahren? Also dieser Y., der macht das umsonst, ihr müßt nur über den großen Ombu aufs Dach klettern und euch unter den Ziegeln durchquetschen, kein Problem… Futter haben die auch…

Da zwischen Haus und Dachboden keine Verbindung besteht, habe ich keine richtige Sorge, daß mir eins der possierlichen Nagetiere aufs Kopfkissen fällt. Die Klapptür, die Y. aufstemmen muß, um die Falle aufzustellen, schließt hermetisch und ist schwer. (Übrigens sind wir schon richtig gut im Ködern – die Ratten mögen sehr gern Obst). Ich hab auch nichts gegen sie, es sind hübsche, geschmeidige und intelligente Tiere.

Aber trotzdem hör ich sie ungern über mir rascheln und scharren. Es hat ja auch etwas Absurdes: in meinem Kleiderschrank, Abteilung Wintersocken, schlummert Luzifer, fest zusammengerollt. (Nein, ich hab nicht das Herz, ihn rauszuschmeißen – eher wasch ich die Socken vorm Winter noch mal, ist ja noch Zeit). Neben mir, fest an mich gedrängt, schläft Leo den Schlaf des Gerechten – von Zeit zu Zeit streckt er selig die Krallen aus, gern in meine Seite. Und resigniert über die Frechheit der schwarzen Emporkömmlinge hat Mini es sich auf meiner Neoprentasche für den Laptop bequem gemacht, auf dem Rahmen am Ende des Betts. (Wir haben so ein komisches Bett mit einem umlaufenden Rahmen, der bestimmt 30 cm breit ist). Sie schläft prinzipiell nur auf Materialien, die Haare magnetisch anziehen.

Kurz, ich bin umgeben von tüchtigen Jagdtieren, die nicht mal blinzeln, wenn die Ratten über ihren Köpfen toben.

Unser Nachbar übrigens, ein kerniger Mann, hat uns erklärt, daß er jeden Tag „Dutzende“ von Ratten fängt. Er hält Tiere, und die Ratten gehen wohl ans Futter. Er ersäuft sie einfach. Wir sind noch nicht so weit, Rattengift zu verstreuen. Und wir konnten Quarta nur mit Mühe von dem Plan abbringen, die verletzte Ratte zum Tierarzt zu bringen. Quarta sieht unsere Lebendfalle als Rettungsaktion für die vom Nachbarn bedrohten Ratten der Umgebung. Und den Geräuschen über meinem Kopf nach zu urteilen, sehen die Ratten das ganz genauso.

Kommentare»

1. Silke - Oktober 14, 2012, 1:26

Was???
Ihr habt die verletzte Ratte ohne vorherige ärztliche Behandlung dem rauhen Leben in der Wildnis zugeführt, ganz allein und unbeschützt.

MIch schaudert – ich könnte die Biester zwar, so sie in meinen Lebensraum eindringen, kalten Blutes umbringen, aber was obiges Verhalten anlangt, bin ich ganz bei Quarta.

Doch nur ne Frage: aus was für’m Material besteht die Trennschicht zwischen Haus und Dachboden?

Meine seinerzeitigen Mäuse frassen sich mühelos durch mit Glassplittern angereicherten Superhartbeton.

Bei der Gelegenheit ne Idee: Hast Du schon mal versucht, benutztes Katzenklo da oben hinzustellen?

2. Paul - Oktober 14, 2012, 1:46

Mit dem Trampelpfad hast Du nicht unrecht, liebe Lila. Irgendwer hat Dich hier schon mal auf die Vermehrungsrate der Ratten aufmerksam gemacht, glaube ich.
Du kannst nur hoffen, dass diese Ratten nicht wieder nach Hause zurück finden. So als Faustregel kannst Du mal davon ausgehen, dass für jede ausgesetzte Ratte 10 wieder zurückkommen. Y. könnte sie doch zu Kontrollzwecken markieren. 😉
So ab mitte des nächsten Jahres wir wohl Y. seine Arbeit aufgeben müssen um Ratten zu fangen und auszuwildern. Jedenfalls kann niemand sagen, das wäre keine sinnvolle Tätigkeit. Er tut was für seine Familie und auch für den Tierschutz.
Komme bloß nicht auf die Idee eine Deiner Katzen auf dem Boden zu deponieren. Dein Mann wüsste dann plötzlich nichts mehr mit seiner freien Zeit anzufangen. 🙂
Und noch was: macht das Loch in Eurem Dach bloß nicht zu oder sägt den Asttrampelpfad ab. Ihr würdet den Ratten sonst den Lebensraum nehmen.

Und bitte, bitte, liebe Lila, setze mich nicht auf den Index.
Ich werde auch nie, nie wieder, so etwas schlechtes schreiben.
Versprochen! Großes Pionierehrenwort! 🙂 🙂 🙂

Herzlich, Paul

PS: Ratten aussetzen am Rande des Nationalparks? Macht Y. sich nicht strafbar? Laß das bloß keinen Naturschützer erfahren.

3. Lila - Oktober 14, 2012, 6:50

Also, es sind nicht dauernd Ratten da oben, manchmal ist es ganz still. Die kommen und gehen – das ist mehr so eine Party-location, da feiern die ab, wenn es anderswo zu langweilig ist.

Die Idee mit dem Katzenklo ist gut – werde ich mal zu Gehör bringen. Ansonsten werden wir wohl mal unseren moppeligen Leo wecken und auf den Dachboden schicken. Und die Option mit dem Gift bleibt auch noch.

Mir sind Ratten lieber als Kakerlaken – wir haben hier noch keine einzige gesehen. Sie sind mir auch lieber als die ekelhaften Riesenspinnen, die Y. durch konsequentens, regelmäßiges Sprühen entweder ausgerottet oder abgeschreckt hat. Unberufen – ich hab ewig keine mehr gesehen.

Aber so ist das, wenn man in die Wildnis zieht. Man sieht Mungos und Adler und Hirsche und Kolibris und Klippschliefer und Wildschweine, aber eben auch Ratten, Spinnen, Schlangen und Skorpione…. aus nächster Nähe.

4. Marlin - Oktober 14, 2012, 12:13

Wieder eine wunderbare Geschichte, Lila. 😀 Hat mich sehr erheitert.

5. Lila - Oktober 14, 2012, 12:24

Glaub ich Dir.

6. Silke - Oktober 14, 2012, 13:06

Nachgedanke zum Katzenklo – um den hoffentlich davon ausgehenden Raubtiergestank zu verstärken, präpariere eins mit ordinärem Sand oder so, also nich mit, so viel ich weiß, geruchsdämpfendem kommerziellen Streu.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß Ratten zur Massenvermehrung einen vermutlich so trockenen Ort wie einen Dachboden auswählen.

Kleine Horrorgeschichte, meine Mutter hatte mal ne Mäusemutter ins Jenseits befördert und das Gejammer von ihrem unauffindbaren Nest war ein langdauernder Horror.

Kakerlaken ja furchtbar, ich war in Griechenland üppig mit denen gesegnet aber noch schlimmer waren die Ameisen, ich hatte ein Haus voller Straßen von denen, eine richtige anderswo im Ort unbekannte Plage (das war vielleicht der Grund warum’s an ne Ausländerin vermietet worden war ;-)))) Einmal haben die sich sogar über Soßenflecken in nem Polyesterkleid hergemacht. Das ergab einen sehr hübsches total organisches Lochmuster.

Auf’m Dorf war man übrigens der Meinung, daß Mädels die besseren Rattenkiller sind, aber nur so lange sie gebärfähig sind.

7. Jens - Oktober 14, 2012, 14:01

Lila, ein kleiner Tipp, gib den Miezchen mal drei Tage kein Futter, dann hast Du bald Tom und Jerry in der Bude. Obwohl, meine verhält sich oft selbst wie eine Ratte und wühlt ständig den Müll durch. 🙂

8. Paul - Oktober 14, 2012, 14:19

Da hast Du aber wirklich Glück, Lila, dass Ihr noch keine Kakerlaken habt. Das ist wirklich das Schlimmste was einem passieren kann.
Die wirst Du auch garantiert nicht wieder los. 😦

Du hast nichts mehr von Euren Schwalben geschrieben. Ist mit denen etwas schreckliches passiert, das Du uns ersparen willst?

9. Silke - Oktober 14, 2012, 15:25

Lila
lt. Leyhausen besteht zwischen Jagdtrieb und Satt oder nicht Satt keine Verbindung. Wenn es überhaupt eine Verbindung gibt, dann die, daß gut im Futter stehende Katzen mehr dazu neigen, sich auch Jagdtechniken für energiebilanzmäßig nicht sehr ergiebige Beute beizubringen.

10. Silke - Oktober 14, 2012, 15:29

sofern Paul bereit ist, „das Schlimmste“ auf Ungezieferbefall einzuschränken, fand ich die Ameisen am schlimmsten, obwohl meine von Flöhen befallenen Katzen in einer Wohnung voller offener Bücherregale und folglich voller Floheinester waren auch nicht lustig.

11. Inch - Oktober 14, 2012, 22:17

Hihihi „Quarta sieht unsere Lebendfalle als Rettungsaktion für die vom Nachbarn bedrohten Ratten der Umgebung. Und den Geräuschen über meinem Kopf nach zu urteilen, sehen die Ratten das ganz genauso.“
Das ist zu köstlich!


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