jump to navigation

Zeit für eine neue Kategorie? September 16, 2010, 18:15

Posted by Lila in Kinder, Krabbeltiere.
trackback

Krabbeltiere. Tatsächlich, wir leben mitten in der Natur, und da krabbelt es eben auch öfter als in Tel Aviv oder Berlin…

Neulich stand Quarta gegen drei Uhr nachts neben unserem Bett und sagte mit gefaßter Stimme: „wacht bitte auf, ich hab einen Skorpion im Bett“. Ihr Vater verstand sofort, an wen dieser Appell sich richtete, und sprang unverzüglich aus dem Bett ins Nebenzimmer. Auch mir war klar, was von mir erwartet wurde, und ich nahm die bebende Quarta in meine Arme.

„Mama, Mama, stell dir vor, ich höre so ein Rascheln und wache auf und dann sehe ich einen schwarzen Schatten über mir auf dem Betthimmel [meine Tochter hat natürlich so einen schönen Ikea-Baldachin, aus dem einfachen Grunde, weil es die noch nicht gab, als ich Kind war, und ich das sooo toll gefunden hätte anno 1972!] und dann gucke ich genauer hin und mach das Licht an und dann sehe ich, daß das ein Skorpion ist – genau über mir – und sooooo groß ist er – und da bin ich ganz schnell aus dem Bett und zu euch gekommen…. und in meinem Zimmer, da schlaf ich nie wieder!“

Als Y. wiederkam, nach getaner Arbeit (Einzelheiten wollte keine von uns wissen), war er reichlich blaß um die Nase. Er beruhigte Quarta und erzählte ihr, daß der Stachelschwanz des Skorpion verletzt war und ganz krumm herunterhing – vermutlich hatte eine der Katzen ihren Job ernstgenommen und sich den Eindringling aus der Wildnis vorgeknöpft. Und der hatte sich vermutlich auf den Betthimmel geklettert, um sich vor den Katzen zu retten – und von dem Geräusch der nervösen Katzen könnte Quarta auch aufgewacht sein.

Später sagte er mir, daß das der fetteste Skorpion war, den er je gesehen hätte. Die schwarzen sind zwar nicht tödlich, aber so ein riesiges Exemplar und ein kleines Mädchen – wir haben Glück gehabt. Quarta hat einen tüchtigen Schutzengel, das weiß ich ja schon.

Sie hat vier Nächte nicht in ihrem Bett geschlafen. Eine unruhige Nacht hat sie unser Ehebett mit ihren langen Beinen heimgesucht und wir haben uns daran erinnert, wie sie als kleines Mädchen immer bei uns geschlafen hat: mir hat sie die Schmuseseite zugewandt, Y. dagegen die Tretseite. Wir hatten ganz unterschiedliche Meinungen zum Thema „Quarta im Bett“, und das hat sich auch jetzt, wo sie schon groß ist, nicht geändert. Eine zweite Nacht mit ihr im Bett hielte er nicht aus, meinte Y., und Quarta meinte, in ihr Bett kehrt sie nicht zurück.

Also habe ich eine Nacht mit ihr in Primus´ leerem Bett campiert – sehr zu dessen Mißfallen, als er davon hörte  – und dabei entdeckt, daß hinter dem Bett des Jungen eine noch ungenutzte Leitung für eine geplante Zentralheizung nach draußen führt. Und daß diese der bevorzugte Transportweg eines sehr aktiven Ameisenvölkchen ist. So ein Ameisenbiß ist unangenehm, aber gesund soll Ameisensäure ja sein, und morgens habe ich erstmal das Bett abgerückt und einen Völkermord begangen.  Und dann haben Quarta und ich Bisse gezählt und verglichen.

Die nächste Nacht zog ich wieder zu meinem Mann zurück, Quarta dagegen schlug ihr Lager auf dem Futon im Wohnzimmer auf, wo ich sonst lese. Auf ungeklärten Wegen war eine ziemlich große tote Grille unter diesen Futon geraten, und obwohl ich sie gleich wegfegte (wie kann sie mir vorher entgangen sein?), hatte Quarta nun keine Lust mehr auf den Futon und schlief auf der Couch. Ich mußte ihr versprechen, immer nach ihr zu gucken, und alle drei Katzen ließ ich ihr auch da. Oh, und das Licht brannte natürlich.

Nachdem Y. und ich ihr Zimmer gründlichst durchsucht hatten, alle Bettsachen gewaschen waren und wir das Zimmer als international anerkannte skorpionfreie Zone deklariert hatten, war sie bereit, wieder in ihrem Bett zu schlafen.  Sie hat ein Nachtlicht, da ich sowieso unter Schlafstörungen leide, gucke ich oft genug nachts bei ihr rein, und sie schläft wieder gut.

Das ist eine Woche her. Und heute, während ich ihr Bett neu bezog, fiel auf einmal (vom Betthimmel? von meinem Kopf, den ich gerade aus dem Garten reingetragen hatte?) eine Gottesanbeterin auf ihr Nachthemd. Das sind nach meiner höchstpersönlichen Einteilung keine Ekelviehcher, aber auf die Hand nehmen mochte ich sie trotzdem nicht. Ich holte also schnell einer der für den Kompost bestimmten sauberen Schüsseln aus der Küche, warf das Nachthemd samt Gottesanbeterin rein und trug die ganze Ladung schnell nach draußen.

Quarta merkte natürlich sofort, daß sich wieder mal was Krabbelndes in ihr Zimmer verirrt hatte. Gemeinsam guckten wir zu, wie die Gottesanbeterin im Beet verschwand, während Luzifer ihr verdutzt hinterherguckte. Sie meinte düster, „bin mal gespannt, was ich als nächstes finde“.

Was immer es auch sei, ich werde davon berichten…

Kommentare»

1. Silke - September 16, 2010, 19:02

Was immer es auch sei, ich werde davon berichten…

bitte tu das Lila

Du hast mir die allerschönsten Erinnerungen an all die Krabbel- und richtigen -tiere gemacht, mit denen ich lernen mußte zusammenzuleben, in meinem gemieteten Hause auf „meiner“ griechischen Insel. Keiner der Einheimischen lebte mit solchen Plagen und keiner wußte auch Abhilfe.

Seitdem weiß ich, daß es nicht nur bei uns der gute Brauch ist, Fremden die miesesten Buden zu vermieten, aber selbst, wenn ich’s gewußt hätte, hätte ich sie wahrscheinlich genommen, denn die Aussicht von beiden Terrassen lüftete die Seele zuverlässig.

doch da ich schon mal dabei bin, hier ist ein lesenswertes Fundstück von 1958. Der Titel ist irreführend, über weite Strecken geht’s in dem Stück um Jordanien. Was mich immer wieder bei diesen Texten umhaut, wie wenige Menschen wir vor so kurzer Zeit noch waren …

http://www.theatlantic.com/past/docs/issues/58dec/polk.htm

2. Lila - September 16, 2010, 19:15

Dann kennst Du sicher dieses lesenswerte Fundstück auch schon:

http://www.theatlantic.com/magazine/archive/1969/12/the-arabs-of-palestine/4203/

Martha Gellhorn 1961 über das Flüchtlingsproblem der Palästinenser. Sehr deprimierend, daß sich nicht viel geändert hat.

3. Marlin - September 16, 2010, 21:00

Das war echt gut, Lila. Arme Quarta. Normalerweise bin ich ja Tierfreund, aber einen Monsterskorpion würde auch ich ziemlich schröcklich finden. Diese Tracheenatmer sind uns ja wirklich sehr fremd.

(Armer skorpi. 😦 )

Und Ameisen, oh weh. Leider kann man mit denen nicht reden. Und Gottesanbeterinnen finde ich auch ziemlich übel, nachdem ich Dokus gesehen habe, wie sie mit ihrer Beute umgehen. (Erst wird der Kopf abgebissen, urgs.)

Naja, dafür habt ihr schönen Blick aufs Meer. 😉

4. Silke - September 16, 2010, 22:05

Ja Lila
ich habe das Martha Gellhorn Stück mal ne Zeitlang wie Sauerbier empfohlen, keiner iss drauf angesprungen, erst als Du es empfohlen hast, wurde es ein Hit ;-( )))
aber im Atlantic habe ich auch noch 2 Superstücke in Erinnerung von kurz nach der Balfour Declaration, der eine argumentierte, daß wenn es Israel erst geben würde, die ganze Welt daran gesunden würde (Churchill hat ähnliche Hoffnungen gehegt, aber nicht gleich für die ganze Welt, nur für Euer näheres Umfeld) ungefähr ein Jahr später kam ein anderes Stück, das genauso messerscharf argumentiert hat, daß es kompletter Blödsinn sei, denn Juden wüßten ja überhaupt nicht, wie das mit nem Staat so ginge, die seien da irgendwie konstitutionell oder so ungeeignet.
Wer sich dafür interessiert, im Atlantic nach Flashback suchen und dann die Israel-Zusammenstellungen abklappern. Falls es nicht klappt, Hilfe schreien, wenn ich erst anfange zu suchen, spuckt mein Gedächtnis vermutlich was aus.

5. willow - September 17, 2010, 10:03

Sehr „schön“, Quarta eben 😀

Dabei ist das Kind doch so tierlieb! 😉

6. Karl Eduard - September 17, 2010, 10:58

In Deutschland würde man sagen, daß diese irrationale krankhafte Furcht nicht in Ordnung wäre, vielleicht solltet ihr mal eine Konferenz abhalten, mit diesen Viechern, um zu erfahren, wie ihr besser zusammenleben könnt. Die einfach rauszuschmeissen, na, das ist doch keine Art. Kein Tier ist illegal, nicht wahr?

7. Lila - September 18, 2010, 5:26

Vergiß auch nicht, daß wir ihnen ja eigentlich das Land geraubt haben – uraltes Skorpiongebiet hier.

8. Silke - September 18, 2010, 10:55

interessanter Gesichtspunkt, aber waren sie wirklich die Ersten? Wer war vor ihnen und wo sind die? vertrieben, ausgerottet, ihrer Lebensgrundlage beraubt?

aber so groß war Eurer denn hoffentlich doch nicht?
http://www.caver.net/other/story.html

9. Lila - September 18, 2010, 13:25

Klicken auf Silkes Link auf eigene Gefahr!!!

null

10. Marlin - September 18, 2010, 14:11

Kann mir nicht helfen, sieht irgendwie nach fake aus. Nicht der Skorpi, sondern der Typ in Front.

Vom Licht her gesehen.

(Und warum müssen sone Typen alles töten, was sie haben wollen?)

11. Silke - September 18, 2010, 15:01

Marlin
war mein erster Eindruck, allerdings ganz ohne drüber nachzudenken

ich fand aber es war zu diesem Thema einfach ein zu „schönes“ Foto

wenn Du scorpion size googlest landest Du bei maximal mickrigen 7 1/4 inch
also rund weniger als 20 cm – gruselig genug, aber nich so’n Tier.

bleibt die Frage hat der Gute sich wenigstens die Mühe gemacht, das Biest aus Pappe zu basteln oder ist es photoshop.

12. willow - September 18, 2010, 17:17

Hmmmm…

13. Lila - September 18, 2010, 17:26

Ich klick auf keinen Link mehr. Ich klick auf keinen Link mehr. Ich klick auf keinen Link mehr. Ich klick auf keinen Link mehr.

Nein nein, ich tu´s nicht.

14. willow - September 18, 2010, 19:35

Ich fand einfach seinen Gesichtsausdruck nett – irgendwie knuffig. Vielleicht entwickelt sich ja doch noch soetwas wie Zuneigung…?

15. Marlin - September 18, 2010, 22:33

Is der aus dem alten Kampf der Titanen?

Und ein Afghanistan-Heimkehrer hat was über riesige Rennspinnen erzählt, die da rumrennen, ich glaub ein Foto hatte er auch.

Ist sowas möglich? Oder vielleicht ists nur ein Running-Gag der Leute?

Karl Eduard - September 19, 2010, 8:34

Ja. Hätte ich fast vergessen. Wer hat denn das Land bewirtschaftet? Die Skorpione und Gottesanbeterinnen.

16. willow - September 19, 2010, 8:38

„Is der aus dem alten Kampf der Titanen?“

Sindbad? Jedenfalls irgend so ein oller Film…

17. Silke - September 19, 2010, 11:12

Marlin
google mal Rennspinne und Afghanistan, Rennspinnen gibt’s
http://user.blue-cable.de/spinnennetz/_Galerie/galerie20.htm
aber sie haben’s mit dem Namen nicht mal zu nem Wikipedia gebracht, sie sind auch in keinem Wörterbuch zu finden (Latein und Englisch)

Doch in Kombination mit Afghanistan kennt Google sie nur von hier.

Probiert doch mal, die Story bzw. Nicht-Story ganz seriös, so wie Marlin es tat, weiter zu verbreiten. 😉

18. Barbara - September 19, 2010, 14:13

Oh ja, die Skorpione sind mir von meiner letzten Israel-Reise (leider schon über 20 Jahre her) auch noch in lebhafter Erinnerung; und nicht zu vergessen die Riesen-Kakerlaken, die in einem Hotel an der Küste nachts durch unser Zimmer gekrochen sind. Man konnte sie hören und ich habe nur gehofft, dass sich keine in mein Bett verirrt… *schüttel*

19. Marlin - September 19, 2010, 22:37

Silke, der Link ist wirklich schön für Lila. 😀

Aber die da sieht nicht aus, wie die auf dem Foto von dem. Vielleicht ists wirklich nur ein Mythos.

Wär auch sonst zu unwirklich. Immerhin sind die größten Spinnen nur 35 cm groß.

😀 GROOOOßß.

20. willow - September 21, 2010, 15:23

Naja, mal sehen, was die nächsten Tage bringen – Laubhüttenfest in krabbeltierreicher Umgebung könnte richtig interessant werden. Bei den Temperaturen könntet ihr ja sogar Draußen schlafen – wenn ihr so Festtage begehen würdet 😉

21. mibu - September 23, 2010, 8:47

Hab‘ z.Z. zwei Kreuzspinnen in der Küche. Die eine baut jeden morgen ein wunderschönes Radnetz direkt am Fenster. Die andere hat sich etwas weiter oben und mehr im Raum unter der Decke angesiedelt. Da mein Küchenfenster fast immer gekippt ist und drumherum jedes Grundstück Garten hat, z.T. sogar mit älteren Obstbäumen sind hier viele Fliegen unterwegs. Drum sind mir meine beiden „Haustiere“ recht willkommen, denn mit dem Fliegenfangen haben sie’s besser raus wie ich.
Gestern wurde mir eine etwas zu frech – ihr neues Netz ragte fast in die Mitte der Küche und verwendete meinen Küchentisch als Verankerung. Den Faden habe ich gekappt und das Netz ist zur Hälfte kollabiert. Sie hat’s kapiert: heute morgen ging der Verankerungsfaden nicht zum Tisch in die Mitte des Raums sondern nach oben an die Decke mitten im Raum. Gut, das stört nicht.

22. Silke - September 24, 2010, 13:57

in meiner Zeit als ameisengeplagte Mieterin eines Hauses auf einer griechischen Insel habe ich gefunden, daß Spinnennetze ihre Straßen wesentlich effektiver killten als das von Nachbarn empfohlene „Petrelleo“ (vermutlich Leichtdiesel)
aber bei Kreuzspinnen hätte ich doch Muffensausen – zu viele Kinderhorrorstories sind da im Hinterkopf

23. mibu - September 26, 2010, 13:55

ich vermute, dass Skorpione giftiger als Kreuzspinnen sind. Auf jeden Fall gefährlicher, denn mit ihren kleinen Giftklauen, Teil ihrer Mundwerkzeuge, können Kreuzspinnen nur an dünnhäutigen Stellen wirksam in die Haut eindringen. Das Gift soll mit dem von Wespen- und Bienenstichen vergleichbar sein, vielleicht können sie für kleine Kinder wirklich etwas gefährlicher sein. Zudem sind Kreuzspinnen nicht aggressiv und verstecken oder fliehen wann immer sich bei Bedrohung eine Möglichkeit bietet.
Meine Spinnen hängen entweder gerne kopfüber in der Mitte ihres Netzes, um sich mit ihrem Faden in ihrem Netzbewegen zu können, oder seitlich am Rand. Dort drängen sie sich in eine Ecke bzw. Kante und halten mindestens ein Bein an einen Faden, um zu ertasten, ob sich Beute im Netz verfangen hat. Wahrscheinlich sind beides Weibchen, die ausserdem darauf warten, dass ein Männchen eines Tages an ihrem Netz zupft.
Bei leichten Bedrohungen ziehen sie zunächst ihre Beine an ihren Körper an, vermutlich um ggf. schneller fliehen zu können. Wenn sie mitten im Netz hängen, zappeln sie so, dass ihr ganzes Netz in Schwingung versetzt wird, und sie entweder hin und her wackeln oder in einer kreisförmigen Bewegung herumschwingen. Bei einem stärkeren Luftzug oder wenn ich z.B. meine Hand plötzlich und schnell nahe am Netz vorbei führe nehmen sie sofort Reissaus. Vielleicht sieht das zu sehr nach Vogel aus, vor denen sie sich in Acht nehmen müssen.
Ich mag sie nicht anfassen. Aber ich finde es sehr interessant, diese Tiere so beobachten zu können.

24. Lila - September 26, 2010, 14:56

Ihr seid fies und grausam! Hoffentlich gehen die Kommentare hier bald zu, sonst schließe ich sie, oh Graus. Ich meine, ich nehm doch noch nicht mal die National Geographic in die Hand, wenn auf dem Titel so ein You-know-who lauert. Bald guck ich auch nicht mehr in den Blog vor Grusel!

Ächz, Mibu, Du bist der Schlimmste…. und jetzt schnell weg hier!!!!

25. Silke - September 26, 2010, 15:39

ich habe einmal irgendwo in einer Terrassenecke den Rücken einer Kreuzspinne gesehen und war, so, aus sicherer Entfernung mit notfalls ner Tür dazwischen, angetan von ihrer Schönheit – ehrlich, ganz ehrlich, drei-Finger-Herz-Jesu-ehrlich

26. Lila - September 26, 2010, 15:53

Wirklich drei-Finger-Herz-Jesu? Das mußt Du mir jetzt mal erklären. Katholischer Kindergarten und Abitur im Nonnenbunker habe ich durchlaufen ohne drei-Finger-Herz-Jesu-ehrlich.

27. Silke - September 26, 2010, 16:41

Lila
erwischt! – ich habe keine Ahnung, wo ich drei-Finger-Herz-Jesu her habe, aber es ist fester Teil meines automatisch auftauchenden Wortschatzes

mein „Wertekanon“ stammt überwiegend aus ner seltenst zur Kirche gehenden protestantischen norddeutschen Familie, für die Katholen und der sei-bei-uns irgendwie zusammen gehörten.
Da aber meine Eltern nachkriegsbedingt bis 1953 so längstens alle 2 Jahre umgezogen sind, habe ich viel Straßenjargon (wir spielten noch richtig auf der Straße, Pfützen und Trümmer eingeschlossen) in mehreren Dialekten gelernt
ich war zwar auch mal ein Jahr oder länger bei den Englischen Fräulein, aber ich glaube, da habe ich das eher nicht her, denn ich verbinde damit genauso wenig Erinnerungen an was Religiöses wie mit ach Herr Jemine.

Übrigens, der Bindestrich vor ehrlich ist falsch, es heißt nur drei Finger Herz Jesu und irgendwie Handflächen nach vorn in Schulterhöhe beim gleichzeitigem Zurückbeugen des Oberkörpers.

Silke

28. Lila - September 26, 2010, 17:08

Ich komme auch aus einer evangelischen Familie, Großeltern sehr fromm, in der Generation meiner Mutter verblaßte es langsam, aber der Einfluß ist noch immer sehr stark. Ich merke es, je älter ich werde. Die Katholiken um mich herum, mit denen ich aufwuchs, kamen meiner Oma auch immer leicht dämonisch vor – obwohl ich sie faszinierend fand und gern Zaungast in katholischen Lebenswelten war. Seltsamerweise mochte auch meine Oma die Katholiken, die sie persönlich kannte, gut leiden.

Aber da gab es so ein abstraktes Konstrukt, „die Katholiken“, die man nicht kannte, aber die waren ganz schlimm, kannten die Bibel nicht, legten am Karfreitag die Betten in die Sonne (was die evangelischen Hausfrauen zu Fronleichnam heimzahlten), und sie sündigten ungehemmt, da sie ja alles beichten konnten.

Dann hatten sie noch sehr viele Heilige, die ich viel besser fand als bei uns immer nur diesen Jesus – ich war ja im St. Elisabeth-Kindergarten und die Elisabeth hatte es mir sehr angetan. Als evangelisches Kind durfte ich am Feiertag der Hl Elisabeth nur die Triangel schlagen, aber das war meiner Oma schon zu viel des Götzendiensts.

Und der Stoßseufzer meiner Oma, als ich mit Y. ankam, war das unvergessene: Hauptsache, kein Katholik! Dabei haben andere Kinder meiner Generation durchaus Katholiken geheiratet, das ging schon. Aber wenn es schon kein Evangele sein kann, dann doch lieber Jude als… Kathole.

Ich glaube aber, daß sich die einzelnen christlichen Konfessionen einander annähern werden. Sie haben gar keine andere Wahl. Zwischen Säkularismus, Konsumkult, esoterischen Kulten und immer aggressiver werdendem Islam entdecken ja sogar der Papst und der Erzbischof von Canterbury ihre gemeinsamen Interessen…

29. Silke - September 26, 2010, 18:10

Betten ins Fenster legen – shocking – so etwas tun nur Süddeutsche und die sind ja alle hoch-katholen-verdächtig und außerdem haben die auf’m Dorf den Misthaufen vorm Küchenfenster …

bei den Englischen Fräulein war das mit den Heiligen total gemein – Katholen durften in die Schulkapelle gehen und zum Heiligen Antonius beten, wenn sie was vergessen hatten, während wir Häuflein von 10 oder 11 Evangelen aus 3 Parallelklassen mit insgesamt so 3 x 25 Schülerinnen die berühmten 100 Sätze Strafarbeiten machen mußten. Wir haben denen das heimgezahlt, in dem wir beim Schulausflug beim obligatorischen Kapellenbesuch stockesteif stehen geblieben sind und um nix bereit waren, uns hinzusetzen oder gar zu knien.

Als ich mit 19 von meinem Katholenmann geschieden wurde, war das, dank der Tatsache, daß es ein Kathole war, innerfamiliär auch viel weniger tragisch, als wenn es ein Akzeptabler gewesen wäre. Leute, die ihre Sünden einfach wegbeichten können und nicht im stillen Kämmerlein vor sich hinhadern müssen, also nein, wirklich nicht

Mit der Annäherung der Kirchen – ich weiß nich so recht – so lange die anderen das Primat der Katholen anerkennen, wird alles gut laufen und die Anglikaner sollten besser jedesmal ihre Finger zählen wenn der Papst vorbeigekommen ist – der Gute ht schließlich vor kurzem erst bekräftigt, daß das, was die Protestanten haben, keine Kirche ist.

Ich habe mir vor nicht allzu langer Zeit John Julius Norwich 3 Bände Byzantium reingezogen (wundervolle page turner) und seitdem einen Heidenrespekt vor denen. Lt. Norwich ist der legitime Erbe von Konstantinopel Moskau, Putin geht regelmäßig zu seinem Patriarchen und kürzlich haben die Kiewer, die da auch gewisse Erbansprüche geltend machen könnten, nen Kotau gemacht. Was Power-Play und so anlangt, sind die jedenfalls mindestens so gut wie die Katholen und daß die das Primat des Papstes anerkennen, kann ich mir außer als Ablenkungsmanöver nich gut vorstellen.

Daß die Uraltmethoden immer noch prima funktionieren, kann man hier nachlesen, erst ne letzte Beichte, dann erholt sich der Todgeweihte und dann klappt es auf einmal auch sonst – hony soit … – und all das ohne Beratung durch McKinsey durchgezogen von echt ziemlich Weltfremden

http://www.vanityfair.com/business/features/2010/10/greeks-bearing-bonds-201010?printable=true

30. Marlin - September 26, 2010, 21:57

Da bin ich doch froh, völlig atheistisch zu sein. 😀

Und Kreuzspinnen sind ja wohl nu gar nicht schlimm.

Kreuzottern hingegen! Böse,böse. 😀

31. mibu - September 26, 2010, 22:33

‚tschuldigung Lila, ich wollte dich nicht durch’s Internetz mit Spinnengeschichten quälen. Ich krabbel ja schon wieder zurück …


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s