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Und wieder Raketen Februar 18, 2012, 11:54

Posted by Lila in Land und Leute.
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diesmal in der Nähe von Beer Sheva. Drei Stück. Wieder kein Schaden. Wieder kein großes Medienecho. Und noch ein Indikator für die fortschreitende „Erwärmung“ im Süden. Wie es sich für Ruth, ihre Familie und andere Leute in Beer Sheva anfühlt, am Shabat den Alarm zu hören – schwer nachzuvollziehen. Gewöhnt man sich an sowas? Den Schutzraum hat sie bestimmt sowieso immer einsatzbereit. Was sagt man den Kindern? Wie läßt man sie morgens in die Schule gehen, mit einem Stein im Herzen?

Wann kommen Regierung und Armee zum Punkt des „jetzt reicht´s“? Was tun sie dann? Wie hoch wird der Preis für alle Beteiligten? Wie lange wird, wenn überhaupt, eine Ruhe nach dem Sturm vorhalten?

Gibt es keine tiefgreifendere Möglichkeit, diesem Beschuß auf Dauer ein Ende zu bereiten und die Hamas davon zu überzeugen, daß sie ihm wirklich konsequent von innen entgegentreten müssen, wenn sich die Lage im Gazastreifen endlich normalisieren soll? Vielleicht wäre es ja mal an der Zeit für internationalen Druck auf die Hamas, und wenn nur, um eine militärische Eskalation zu verhindern.

Kommentare

1. Malte S. Sembten - Februar 18, 2012, 12:16

Gibt es keine tiefgreifendere Möglichkeit, diesem Beschuß auf Dauer ein Ende zu bereiten und die Hamas davon zu überzeugen, daß sie ihm wirklich konsequent von innen entgegentreten müssen, wenn sich die Lage im Gazastreifen endlich normalisieren soll?

An einer Normalisierung der Lage hat die Hamas zuletzt Interesse.

Vielleicht wäre es ja mal an der Zeit für internationalen Druck auf die Hamas, und wenn nur, um eine militärische Eskalation zu verhindern.

Das wäre das Beste, was die „Staatengemeinschaft“ – oder zumindest die Europäer – tun könnten, wenn ihnen wirklich an Frieden in Nahost läge. Aber sie ziehen es vor, Druck auf Israel auszuüben und die Hamas ständig zu ermutigen. Pervers & grotesk! Aber es gibt auch Stimmen, die behaupten, Europa erkaufe sich mit den Geldern an die Hamas Verschonung von Terror auf dem eigenen Territorium. Früher hat der Islam die Welt nur mit Gewalt unterjocht – inzwischen genügt vielfach schon die Gewaltandrohung zur Unterwerfung.

Israel kann sich nur durch militärische Stärke schützen – und durch einen weiteren Ausbau des High-Tech-Standortes Israel. Militärmacht und Erfindungsgeist. Vor allem auf dem zweiten Gebiet können Israels Feinde schon aus kulturspezifischen Gründen nicht ansatzweise mithalten. Das gigantische Gefälle zwischen der Anzahl von Nobelpreisträgern unter den (weltweit 13 Millionen) Juden und von Nobelpreisträgern unter den (weltweit eineinhalb Milliarden) Moslems (die fast gar keinen vorzuweisen haben, schon gar nicht auf naturwissenschaftlichem Gebiet; ihr bekanntester heißt Arafat) ist ja schon sprichwörtlich.

2. Lila - Februar 18, 2012, 12:22

Aber was nützen militärische Stärke und High-Tech-Vorsprung Ruths kleiner Tochter, wenn sie Angst hat vor Alarm und Raketen-Bumm? Man muß doch den Alltag auch normal leben können.

3. A.Y. - Februar 18, 2012, 14:56

Vor allem auf dem zweiten Gebiet können Israels Feinde schon aus kulturspezifischen Gründen nicht ansatzweise mithalten
@TB1
Wie meinst Du das?

4. Marlin - Februar 18, 2012, 15:14

Wie wärs mit einem Embargo? Wenn ihr trotz Eurer massiven Hilfen für Eure Todfeine (einseitig) permanent als Völkermörder bezeichnet werdet, habt Ihr eigentlich nur noch wenig zu verlieren in der öffentlichen Jounaille. Und selbst wenn ihr nur noch Nahrung durchließet, der Druck auf die Hamas würde steigen, ich mein, ist doch besser als wieder ein Kampfeinsatz, oder?

Ich verstehe die Großmütigkeit ja eh nicht, aber weiter so geht es doch auch nicht, oder?

International Druck zu machen mit den Tatsachen, bringt das was?

5. mibu - Februar 18, 2012, 15:15

Malte, ich kenne gute muslimische Ingenieure, Informatiker, Techniker und Ärzte. Auch ohne Nobelpreise leisten sie wertvolle Arbeit.

6. mibu - Februar 18, 2012, 15:30

„Vielleicht wäre es ja mal an der Zeit für internationalen Druck auf die Hamas, und wenn nur, um eine militärische Eskalation zu verhindern.“

Ich denke, dass schon so viel Druck wie möglich auf Hamas ausgeübt wird. Vom Westen wird sich Hamas nicht viel sagen lassen. Und Erdogan mit seiner AKP ist im Beleidigte-Leberwurst-Modus, für den ihm die Hamas gerade gelegen kommt. Eine wesentliche Stütze der Hamas ist aber weiterhin der Iran.

Aus meiner Sicht ist nicht die Stärke der Hamas, sondern die Schwäche der Fatah und vor allem von gemässigten palästinensischen Bewegungen und Personen das Hauptproblem.

Dieses wird man kaum mit einer militärischen Eskalation (ausser einer sehr massiven) lösen können.

7. willow - Februar 18, 2012, 17:01

@mibu

„Ich denke, dass schon so viel Druck wie möglich auf Hamas ausgeübt wird.“

Hmm, hast du dazu irgendwelche Quellen? – gern auch zu Druck gegenüber Fatah oder der Autonomiebehörde …

8. willow - Februar 18, 2012, 17:07

@mibu & A.Y.

Zwischen 1980 und 2000 wurden in Israel 7652 Patente eingetragen, in allen arabischen Ländern zusammen waren es nur 367.

Nun, wenn es keine kulturspezifischen Gründe sind, worauf führt ihr diese Diskrepanz zurück? Die Gene?😉

Ich denke nicht, daß sich ein derartiger Unterschied allein durch irgendwelche „angeborenen“ Faktoren erklären läßt …

Dann bleibt eigentlich nur die Erklärung, daß Bildung und Kreativität in Israel eine höhere Wertschätzung genießen als „Anderswo“ …

http://www.morgenpost.de/printarchiv/kultur/article1897108/Warum-in-Israel-die-meisten-Patente-angemeldet-werden.html

9. mibu - Februar 18, 2012, 17:31

@willow, das detet beispielsweise darauf hin, dass es versucht wird. Ein weiterer Bericht. Die Griechen ärgern die Flotilla.
Offizielle Kontakte gibt’s ja nicht, also läuft’s irgendwie hinten’rum ab.

10. mibu - Februar 18, 2012, 17:34

willow, wenn du weist, was ein Patent ist und was in den meisten drinsteht, dann weist du auch was solche Zahlen bedeuten.

11. mibu - Februar 18, 2012, 17:57

Das Patentrecht hängt eng mit unserem westlichen Rechtsverständnis zusammen. In den arabischen Staaten sind solche Strukturen noch ziemlich im Aufbau. Deutschland hat schon am Aufbau eines Patentwesens in China mitgeholfen und es gibt auch eine arabische Organisation in München.

Damit man die Zahl von über 7600 Patenterteilungen in zwanzig Jahren etwas einschätzen kann: IBM hat letztes Jahr mit über 5000 Patenten seinen eigenen Patentrekord geknackt.

Sowohl israelische als auch arabische Erfinder melden Patente in Europa, den USA und in Japan an.

12. Silke - Februar 18, 2012, 18:20

Wo Patente angemeldet werden, gibt es in der Regel Research und Development und das eine Erfindung zu ihrem Schutz viele Patente braucht, habe ich Erfindern immer mit dem Bild des Claims im Goldrausch abstecken erklärt.

Mir sind weltweit zwei Konzepte begegnet, wie man das Datum einer Erfindung ermittelt (Patente werden nach dem Prinzip wer zuerst ist gewinnt, vergeben) Für die USA ist das Datum der Erfindung wenn der Erfinder die erste Erleuchtung hat. Danach wird in einem komplizierten Verfahren ermittelt, ob der Anspruch auf dieses Datum anderen gegenüber durchsetzbar ist. In allen anderen Ländern ist das Datum der Erfindung (sogar in Nordkorea wie mir meine Ossi-Kollegen versicherten) gleich dem Datum der Anmeldung. Alle Patentämter mit einer Ausnahme treiben darum einen ziemlichen Kult mit ihren Eingangsstempeln. Die Ausnahme ist Saudi-Arabien. Da bekommt (oder bekam?) die Anmeldung ihren Stempel, wenn der Beamte die Zeit oder Motivation dafür fand. Bis dahin wurde es dem Papier erlaubt, sich zu stapeln.

Und ja Deutschland war ne Art Mentor bei der Errichtung des chinesischen Patentamtes, doch die Anwaltsbüros der Chinesen, zuerst das alleinige staatliche und später die neu hinzugekommenen privaten waren vom ersten Augenblick an von höchster Qualität (vom Formalsachbearbeiter-Standpunkt zumindest.)

13. Marlin - Februar 18, 2012, 18:50

Wenns nicht Patente tun, schaut Euch die Zahl der Buchneuerscheinungen an. Israel – Arabische Länder. Wäre doch auch mal spannend, oder?

14. willow - Februar 18, 2012, 18:52

@10. mibu

Nun, auch bei den veröffentlichten Büchern ist es so, daß im klitzekleinen Israel gegenüber der riesigen und bevölkerungs´reichen arabischen Welt ein Vielfaches an Büchern verlegt wird – ich glaube, in diesem Fall war das Verhältniss noch schlimmer als 1:20 … alles nur Zufall?

zu dem Beitrag Nr. 9 – es ist schon auffällig, wie schwierig es ist auch nur irgendetwas zu finden, gell? und auf deutsch fast hoffnungslos …

Google: „druck auf palestinen“ 87 Ergebnisse
Google: „druck auf israel“ 452.000 Ergebnisse

15. willow - Februar 18, 2012, 18:52

Dein Spamfilter müßte wohl mal wieder gefüttert werden …😉

16. Lila - Februar 18, 2012, 18:54

Mein Spamfilter WIRD gefüttert. Mit Euch:-)

17. mibu - Februar 18, 2012, 19:19

willow, ich geb auf … du hast gewonnen … bevor wir noch beim Vergleich verloren gegangener Radkappen anlangen;-)

18. beer7 - Februar 19, 2012, 10:51

Danke fuer Deine Anteilnahmen, Lila.
Wir waren in der Synagoge, als der Alarm kam. Die ganze Gemeinde draengte in das winzige Archiv. Die Gemeinde sammelt Spenden fuer einen groesseren Schutzraum, aber bisher ist noch nicht genug da. Die Kleine war mitgekommen, so musste sie nicht soviel Angst haben. Beruhigend wirkte auch, dass die Gemeinde einfach im Archiv zu Ende betete. Die Grosse war zuhause im Bett geblieben. Seit sie Bat Mitzwa ist und damit in religioesen Dingen selbst fuer sich verantwortlich, darf sie das. Ihr Zimmer ist unser Schutzraum. Weil die Stahllaeden nicht geschlossen hat, hat sie sich zwischen Bett und Schrank gekauert. Dort waere sie, falls Splitter ins Zimmer fliegen wuerden, ausser Schusslinie. Kurz vorher hatte sich noch geduscht und war heilfroh, dass der Alarm nicht kam, waehrend sie unter der Dusche stand.
In die Schule gingen beide heute ungern, und auch wir Eltern haben ein schweres Herz dabei. Aber wir muessen ja auch arbeiten und beide Schulen haben Schutzraeume und veranstalten regelmaessige Uebungen, damit im Ernstfall keine Panik entsteht.

19. Rosa - Februar 19, 2012, 12:12

„Dann bleibt eigentlich nur die Erklärung, daß Bildung und Kreativität in Israel eine höhere Wertschätzung genießen als “Anderswo” “
ich finde es recht eigenartig, dass hier auf Patentanmeldungen und Anzahl an Bucherscheinungen herumgeritten wird. Was soll das? Die arabische Welt ist nicht so weit entwickelt, woraus sich viele Probleme ergeben. Aber hochnäsig auf sie herabzusehen, die eigene Überlegenheit zu feiern und zu unterstellen, dass Bildung bei ihnen keinen Stellenwert hat, bringt die Welt auch nicht voran.
Noch dazu kann sich auch Israel an die eigene Nase packen, wenn ich mir die religiösen Extremisten (ultraorthodoxe?) anschaue. TROTZ leichtem Zugang zu Bildung und hochentwickelter Kultur gibt es da sehr unschöne Zustände – nech?

20. Lila - Februar 19, 2012, 12:22

Nur nicht gleich zornig werden. Diese Beiträge kamen aus deutschen Federn, nicht israelischen. Waren also gewissermaßen Beobachtungen von der Seiten, kein hochnäsiges Feiern der eigenen Überlegenheit.

Deine Wortwahl disqualifiziert Dich. Ein bißchen Sachlichkeit wäre nett.

Und in einer Demokratie können Teile der Bevölkerung, wie die Ultra-Orthodoxen, sich von den westlichen Bildungsidealen abkoppeln. Sie lernen durchaus was, nur leider nichts, was hinterher im Arbeitsleben nützlich wäre – zumindest die Männer, die FRauen sind meist die Brötchenverdiener und es gibt gute Ausbildungsmöglichkeiten für ultraorthodoxe FRauen. Eine Theorie zum plötzlichen Ausbrechen männlicher Überlegenheitsposen im ultraorthodoxen Sektor besagt, daß den Männern diese Abhängigkeit schwerfällt, so bequem sie auch sein mag.

In den USA hingegen arbeiten Ultraorthodoxe ganz normal, und ich nehme an (weiß ich nicht genau), daß sie sich darum auch ganz normal qualifizieren müssen.

Es ist also ein kritikwürdiger Zustand, daß sie in Israel alimentiert werden und ihnen ermöglicht wird, sich von Teilhabe an Bildung und Arbeitswelt auszuschließen.

Übrigens habe ich mir sagen lassen, daß es auch in Deutschland, ja in fast allen Ländern, Bevölkerungsteile gibt, die sich selbst von Teilhabe an Bildung und Arbeit ausschließen. DAs ist fast nicht zu verhindern, wenn man Menschen Wahlfreiheit und grundlegende Absicherung gibt.

Jede Alternative dazu bringt wieder eigene Probleme.

Israel fördert übrigens Studenten aus bildungsfernen Schichten, egal welcher ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit, ganz besonders. Und ich habe schon mehrmals hervorgehoben, daß ich meine Studenten aus Minderheiten als besonders ehrgeizig und begabt empfinde. Ich unterrichte Kurse im Fachbereich für Hochbegabten-Pädagogik, die zu 80% von arabischen Studenten besucht werden – gestandenen Lehrern in der Fortbildung, die Hochbegabtenförderung an ihre Schulen tragen wollen.

Ich freue mich, daß das Potential dort so groß ist und das Interesse auch. Wir kooperieren mit Jordanien und würden sofort mit der PA kooperieren, wenn die nur wollte.

Weißt Du, es ist geradezu lächerlich, welchen Kontrast Deine atemlos-aggressiv vorgebrachten Vorwürfe zu meinem Leben und meinen Einstellungen bilden.

Du darfst Dich gern dafür entschuldigen, wenn es Dir auch mal auffällt.

21. Rosa - Februar 19, 2012, 12:32

„Deine Wortwahl disqualifiziert Dich. Ein bißchen Sachlichkeit wäre nett. “

„Weißt Du, es ist geradezu lächerlich, welchen Kontrast Deine atemlos-aggressiv vorgebrachten Vorwürfe zu meinem Leben und meinen Einstellungen bilden. “

Wo war ich unsachlich und wo aggressiv? Ich gebe im Gegenteil den Vorwurf gern zurück. Deine Schreibweise ist weniger aggressiv als die von Willow, aber dennoch nich neutral.

(und jetzt bin ich wieder stiller Mitleser. Ich habe hier schon viel gelernt und hoffe noch dazu zu lernen. Für Diskussionen bin ich lieber in Foren.)

22. Lila - Februar 19, 2012, 13:04

eigenartig
herumgeritten
hochnäsig
eigene Überlegenheit zu feiern
nech?

Einfach mal aus Deiner Antwort kopiert. Wohl kaum ein sachlicher Beitrag. Ich habe mit Fakten geantwortet.

Und im größeren Kontext, auch wenn ich von Dir keine sachliche Antwort erwarte:

Ja, die arabische Welt hat heute ein Problem mit Fortschritt, Selbstkritik und un-ideologischem Herangehen an die Wirklichkeit. Keiner braucht mir zu erklären, daß die arabische Welt der westlichen mal überlegen war darin. Ich unterrichte Kunstgeschichte des Mittelalters und zeige den Studenten jedes Jahr anhand von Handschriften wie dem Wiener Dioskurides, daß arabische Sammler von Handschriften diese wissenschaftlichen Werke bewahrt haben, die von Kirchenmännern vielleicht wegen ihrer paganen Herkunft vernichtet worden wären.

Keiner braucht mir was über Reichtum der arabischen Kultur zu erzählen, über Literatur und Musik und Architektur und Kalligraphie, oder über die Traditionen des Islam. Ich kenne Bücher wie Qissas al Anbia und persische Miniaturen und mit kufischer Schrift verzierte Kacheln und Wände und wirklich, das sind alles bekannte Tatsachen.

Irgendwann aber hat der Westen die arabisch-islamische Welt überholt. War es die Renaissance oder die Aufklärung, war es Politik oder Kultur oder Wissenschaft oder alles zusammen, ich weiß es nicht, das ist zu kompliziert und je mehr ich darüber lese, desto komplexer kommt es mir vor.

Heute sind auch arabische Beobachter der Meinung, daß es vor allem ethnische Vorurteile und Benachteiligung der Frauen sind, die zum Wuchern von Verschwörungstheorien und irrationalen Erklärungen führen, die zu Gewalt und Hoffnungslosigkeit führen. Gesellschaften, in denen es ein riesiges Potential tatenhungriger junger Männer gibt, die wegen der Unbeweglichkeit der Gesellschaft frustriert und zornig sind und nach Auswegen suchen – mangelnder Einfluß von Frauen – mangelnde Integration von Minderheiten und viele andere Probleme mehr wird wohl kein Beobachter bestreiten.

Das hat mit Hochnäsigkeit und Feiern und Häme nichts zu tun. Niemand ist mehr daran interessiert als Israel, daß ihre Nachbarn den Anschluß an die Moderne finden. Wo immer es möglich ist, tut Israel das Seine dazu, in wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kooperationen.

Wie oft habe ich die Schließung von Karni und ERez beweint? Wie oft Stef Wertheimer gefeiert für seine Pläne einer wirtschaftlichen Kooperation?

Ich weiß nicht, wieso oberflächliche Betrachter und Leser sofort zum Schluß kommen, daß ich, wenn ich aus israelischer Perspektive schreibe, mit Hochmut und Häme auf den Abstand zwischen Arabern und Israelis herabblicke. Das ist aus Vorurteil geboren, nicht aus wirklichem Verständnis für meine Haltung. Es ist Hochmut mir gegenüber, der aus Vorwürfen wie denen von Rosa spricht, sonst nichts. Deutsche Arroganz Israel gegenüber, die mit einer dicken Tasche voll vorgefertigter Urteile kommt und mir die an den Kopf wirft, ob sie überhaupt was mit mir zu tun haben oder nicht.

Daß das immer wieder passiert! Immer immer wieder. Rosa sieht mich überhaupt nicht. Rosa wirft mir Haß und Hochmut vor, ohne dafür Belege bringen zu können. Aber Rosa hat bei Susanne Knaul, Thomas Schmitz, Juliane von Mittelstädt und Carsten Kühntopp gelernt, daß Israelis hochmütig und von Haß zerfressen sind.

Mann Mann Mann, wie viele solcher Kommentare hatte ich scho hier im Blog. Statt sachlicher Antworten immer nur neue Vorwürfe.

null

Es geht mir dabei nicht um Rosa persönlich – ist ja schließlich nur Internet. Aber es ist so ein Symptom.

Ich glaube, Rosa würde sich furchtbar aufregen, wenn man einem Araber oder Türken so voller Vorurteile begegnete wie sie oder er selbst mir. Und ganz zu Recht. Es wäre eine Unverschämtheit.

Rosa hat Glück, daß ich trotzdem sachlich antworte, na ja, halbwegs sachlich:-) Ich denke nämlich immer an die anderen, die auch mitlesen und denen vielleicht doch Zweifel an mir kommen.

Nein, ich hasse weder Araber noch deutsche Journalisten (einige meiner besten Freunde sind Araber und deutsche Journalisten😉 ) und ich verachte niemanden und wenn ich im Ton scharf werde, dann aus Frustration, Verzweiflung, Ungeduld oder allgemeiner menschlicher Schwäche. Manchmal ist es auch der Versuch, schön sarkastisch zu werden – ist nicht meine Stärke.

Aber für mich ist der Nahe Osten eben kein Nebenbei-Thema, wo ich mal eben ein paar halbgare SAchen in den Raum werfen kann. Es ist ein sehr wichtiges Thema, es geht um Leben und Tod.

Da kann ich mir weder Haß noch Hochmut leisten. Und ich will mir davno mein Leben gar nicht vergiften lassen.

Darum weise ich Rosas Vorwürfe als unbegründet zurück.

Und ich schicke Rosa in die Zeitmaschine. Lies diesen alten Artikel von mir, dann komm wieder und entschuldige Dich dafür, daß Du mir Dinge unterstellt hast, die mit mir nichts zu tun haben.

https://rungholt.wordpress.com/2008/07/08/stille/

23. mibu - Februar 19, 2012, 13:18

„Die arabische Welt ist nicht so weit entwickelt, woraus sich viele Probleme ergeben.“

Dem kann ich nur bedingt zustimmen. Wenn es um die technisch wirtschaftliche Entwicklung geht, lehne ich die Aussage ab. Die Ausbeutung ihrer Rohstoffe und die Logistik zu ihrer Vermarktung erfordert modernste Technologien, die man zumindest in fast allen nordafrikanischen Staaten und auf der gesamten arabischen Halbinsel einsetzt. Mit vielen arabischen Ingeneuren und Technikern. Technologisch fortgeschrittene Konsumprodukte sind in vielen dieser Länder ähnlich stark verbreitet wie bei uns. Für manche technologischen Projekte, die z.B. in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgeführt und geplant werden, gibt es nicht einmal bei uns irgendwelche Entsprechungen.

Fortschritt, insbesondere technologischer, bringt Veränderungen, die Probleme und Konflikte auslösen können. Manche davon lassen sich nur durch begleitende gesellschaftliche Änderungen angemessen lösen. Die verschiedenen technischen Revolutionen haben alle Spuren in unserer Gesellschaft hinterlassen. Und das ist der eigentliche Knackpunkt, der dazu berechtigt, viele muslimische, insbesondere arabische Länder als rückständig zu bezeichnen. Die Eliten(unabhängig davon, ob sie von ihrem Status nun reich werden oder nicht) dieser Länder sind zu Konzessionen grundsätzlich nicht bereit. Statt sich mit zwangsläufig entstehenden Problemen auseinanderzusetzen werden die Probleme und Güter und damit verbundene Handlungen und Haltungen als westlicher Import herausgestellt, der der Unterhöhlung der eigenen Werte- und Kulturbasis dienen soll und damit abzulehnen sei. Es ist eine Art archaische Maschinenstürmer-Mentalität, die jegliche Verantwortung, sich Veränderungen zu stellen und sich mit ihnen konstruktiv auseinander zu setzen, grundsätzlich(!) von sich weisen.

Die in großen Teilen erfolgreiche Integration muslimischer, insbesondere arabischer Menschen in unserer Gesellschaft zeigt m.E., dass die Begründung mit einem weniger hoher Entwicklungsstand nicht wirklich stichhaltig ist. Die grundsätzliche Anpassungsfähigkeit der Menschen, die bei vielen Zuwanderen von einer hohen Anpassungswilligkeit ergänzt wird, und die Tatsache, dass seit langem ein wirtschaftlicher und kultureller Austausch zwischen muslimischer und christlicher Welt besteht, sprechen eher gegen vorherrschende Ursachen in einem allgemeinen unterschiedlichen Entwicklungsstand.

24. Silke - Februar 19, 2012, 13:26

Lila – 20

Sie lernen durchaus was, nur leider nichts, was hinterher im Arbeitsleben nützlich wäre

Einspruch:

als Baron vom Stein sich mangels genug „eigener“ Alphabetisierter Juden zum Aufbau seiner Verwaltung holte, dürften die wohl kaum eine auf ein solches künftiges Arbeitsleben ausgerichtete Ausbildung genossen haben.

In irgendeinem Beitrag widerspricht Dir auch Yaacov Lozowick energisch. Würden sie die in ihrem Studium erworbenen Fähigkeiten in die Wirtschaft einbringen, sagte er kurz vor Schließen seines Blogs, so würde das einen weiteren Aufschwung verursachen.

Es wird – vermutlich seriös – behauptet, daß, wer im deutschen dualen Ausbildungssystem eine Sache einmal richtig gelernt hat, erfolgreicher beim Umlernen/Umstellen auf Neues ist. Bei meinem eigenen Arbeitgeber hatte ein gelernter Irgendwas immer bessere Aussichten eingestellt zu werden als ein Ungelernter, der schon woanders in nem ähnlichen Bereich gearbeitet hatte. Vorurteil der Personalabteilungen oder Erfahrungswert?

25. Lila - Februar 19, 2012, 13:38

Du kannst in der modernen Arbeitswelt in Israel nichts werden, wenn Du nicht entweder Mathe kannst oder Englisch. Oder am besten beides. Zur Umsetzung der sogenannten Kernfächer in ultraorthodoxen Schulen hat Haaretz einen Artikel gebracht, der, soweit ich weiß, die Fakten korrekt wiedergibt.

http://www.haaretz.com/print-edition/news/only-40-of-ultra-orthodox-high-schools-in-israel-teach-english-and-math-1.401471

Es mag zwar sein, daß an Yeshivas Scharfsinn, Textanalyse, Eloquenz, abstraktes Denken und viele andere hoch zu schätzende Dinge gelehrt werden. Darauf kann man vieles aufbauen.

Aber ein Mensch, dem grundlegende Kenntnisse der säkularen Welt einfach fehlen, und der sie sich gar nicht aneignen WiLL; weil er diese Welt als feindlich, verrottet und korrumpierend empfindet, der ist in einen modernen Arbeitsmarkt nicht integrierbar.

Ein großer Teil der wirklich ultraorthodoxen Bevölkerung (die ja kleiner ist als Nachrichtenbilder nahelegen…) ist demzufolge auch nicht in den Arbeitsmarkt integriert.

Drei Dinge leisten „wir“, die die Ultraorthodoxen nicht leisten: wir gehen zur Armee bzw schicken unsere Kinder hin. Wir arbeiten. Wir zahlen Steuern.

Die Ultraorthodoxen, von denen hier die Rede ist, nehmen Transferleistungen in Anspruch. Ben Gurions Status quo ist überholt. Was als Ausnahme für eine kleine, zweifellos wichtige Gruppe gedacht war (die im Schutze der Transferleistungen das Judentum lebendig hält und weiterentwickelt, so wie subventionierte Grundlagenforschung), hat sich heute als bequemer Ausweg für Drückeberger und Arbeitsscheue entwickelt. Oh ja, ein Teil der in Yeshivas registrierten Studenten ist dort gar nicht anwesend.

Ich sehe gar nicht ein, warum wir diese Last allein tragen sollen.

Yair Lapid ist zwar in meinen Augen ein Unsympath und Viel-Versprecher, aber er legt eindeutig den Finger in eine Wunde, die viele schmerzt. Und es fängt in den Schulen an.

Es ist unverantwortlich, junge Menschen in die Welt zu entlassen, ohne daß sie auch nur wissen, wie der gregorianische Kalender funktioniert, ohne Englisch, ohne Mathe, ohne Geographie, ohne Literatur, ohne Geschichte. Das ist absurd.

26. Rosa - Februar 19, 2012, 14:23

@Lila, du gibst dir viel Mühe mit mir:). Ich weiß nicht, ob ich das verdient habe.
Entschuldigen kann ich mich nicht, da ich noch immer nicht verstehe wofür ich das tun sollte – aber die Klappe halte ich nun ganz gewiß😉.

27. mibu - Februar 19, 2012, 14:23

„Irgendwann aber hat der Westen die arabisch-islamische Welt überholt. War es die Renaissance oder die Aufklärung, war es Politik oder Kultur oder Wissenschaft oder alles zusammen, ich weiß es nicht, das ist zu kompliziert und je mehr ich darüber lese, desto komplexer kommt es mir vor.“

Auf die plausibelste Erklärung bin in Stefan Zweigs Biographie von Maggellan gestossen:
Venedig, das osmanische Reich und die arabischen Stämme und Reiche zwischen Mittelmeer und indischem Ozean waren bis dahin die wichtigsten Handelspartner Europas, und profitierten davon in immensem Ausmass. Der Wikipedia-Artikel zu Christoph Columbus weist ebenfalls darauf hin.

Durch Entwicklungen im Schiffbau, mit denen Portugiesen und Spanier versuchten, eigene Handelsrouten nach Asien zu finden, konnten sie immer größere Distanzen überwinden.

Diese Schiffe ermöglichten die Entdeckung Amerikas und seines Reichtums an Bodenschätzen, vor allem Gold und Silber, und änderten die Haupthandelsrouten so sehr, dass die Region des östlichen Mittelmeers vergleichsweise unbedeutend und von wirtschaftlichen, technologischen und kulturellen Entwicklungen in Europa zunehmend abgekoppelt wurde. Als weitere Folge wurde es auch für andere Staaten interessant, sich als Seemacht aufzustellen, namentlich Frankreich, Niederlande und England.

Durch seine geographische Lage, politische Zersplitterung und wegen sozialer und religös-politischer Konflikte erreichte diese Entwicklung Deutschland nur am Rande, im wesentlichen durch die habsburgischen deutschen Kaiser.

28. Silke - Februar 19, 2012, 14:24

Lila

ich finde es völlig richtig, daß man sich über derart sich Verweigernde ärgert und daran arbeitet, eine gleichmäßige Verteilung der Lasten herbeizuführen.

Das ist nicht der Punkt, den ich machen wollte. Falls mir die Schlüsselwörter wieder einfallen, finde ich hoffentlich Lozowick’s Bemerkung dazu, der es, wie bei ihm üblich, entschieden besser ausdrückte, als ich es kann.

Ich fand es z.B. zu meinen Bürozeiten absolut idiotisch, wie die Talente und Kenntnissen von Leuten beiseite geschubst wurden, bloß weil die kein Englisch konnten und/oder computer-dämlich waren.

Diese Einstellung „nur damit geht es“ unterschreibe ich nicht, denn sie widerspricht allen Erfahrungen, die ich im Beruf, wo man die Kompetenz oder Nicht-Kompetenz von Leuten gut kennenlernt, gemacht habe. Sie ist für mich Beleg für allzu beschränktes Denken.

Mein augenblickliches Lieblingsbeispiel ist, daß offenbar niemandem was eingefallen ist, wie man Thomas Quasthoff auf die Opernbühne hätte holen können und jetzt, als Simon Rattle endlich wußte wie’s geht, ist es zu spät. Warum ist es unvorstellbar, daß eine Schwarze weißgeschminkt Desdemona singen könnte, während es vollkommen OK ist, daß Placido Domingo Othello singt.

Die Welt ist voll an allen Ecken und Enden von derart beschränktem Denken.

Mathias Doepfner offenbar sehr erfolgreicher Leiter des Springer-Konzerns ist studierter Musikwissenschaftler, ne viel ätherischere Startposition geht ja wohl kaum. Und er ist keineswegs der Einzige und ich wette, wenn man ihn fragen würde, könnte er im Detail erklären, wieso das im Studium und aus Neigung Gelernte ihm beim Managen heute noch hilft.

29. Lila - Februar 19, 2012, 14:30

In Israel kannst Du ohne Englisch keinen Blumentopf gewinnen. Wer nur das hebräische Alphabet kann und nur Ivrit sprechen, der ist für den Arbeitsmarkt unbrauchbar. In jedem Büro kommen Briefe aus dem Ausland an, viele Produkte kommen mit englischen Gebrauchsanweisungen, man braucht hier auf Schritt und Tritt Englisch. Das ist in Deutschland ganz anders.

Hier werden im Studium Englisch-Eingangsprüfungen gemacht und dementsprechende Kurse sind Pflicht. Die akademischen Veröffentlichungen sind größtenteils nicht auf Hebräisch abgefaßt, dafür ist das Publikum viel zu klein. Alle ernsthaften Forscher veröffentlichen selbstverständlcih auf Englisch.

Für weiterführende Abschlüsse braucht man oft auch mehr als nur eine FRemdsprache.

Deutsch ist eine Weltsprache. Alles wird ins Deutsche übersetzt, der Markt ist groß. Aber wer übersetzt Fachzeitschriften ins Hebräische? Damit Yossi in Beer Sheva und Tami in Jerusalem, die sowieso Englisch können, sie lesen?

Du kannst in Israel nichts werden ohne Englisch. Jeder kann hier Englisch. Hebräisch ist einfach eine viel zu wenig verbreitete Sprache. Ohne das englische Alphabet kannst Du ja im Ausland nicht mal einen Bankautomaten bedienen.

Das MUSS in der Schule gelernt werden.

30. Lila - Februar 19, 2012, 14:43

Rosa, Du brauchst gar nicht den Mund zu halten. Wenn ich ungerecht urteile, ist es gut, korrigiert zu werden. Nur wirf mir nicht Dinge vor, bitte, die ich nicht getan habe.

Mibu, das ist mal ein Buchtipp nach meinem Herzen. Das klingt tatsächlich hochinteressant und überzeugend und paßt sehr gut zu allem, was ich mir so zurechtgepuzzelt hatte. Ein technologischer Durchbruch, der dann einen alles andere nach sich zieht – Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft. Das klingt plausibel.

31. mibu - Februar 19, 2012, 15:04

Lila, auf diesen Aspekt geht Zweig aber nur kurz am Anfang ein; im Wesentlichen ist es eine hervorragende Biograpfie Maggellans und ein tolles Stück Literatur. Die wenigen Sätze, die Zweig zu diesem Aspekt schreibt, haben mich dazu gebracht, zwar nicht besonders systematisch aber gelegentlich der Sache etwas nachzustöbern, zumal es sich thematisch mit einem Buch französischer Historiker über die Bedeutung des Mittelmeers als Drehscheibe des Kulturaustauschs in historischen Zeiten ergänzte.

32. Silke - Februar 19, 2012, 15:13

Lila

in den Bereichen in denen ich gearbeitet habe, war das zu meiner Zeit nicht „ganz anders“.

Doch es gab KollegInnen aus früheren Zeiten und deren Verbannung in die Lächerlichkeit und Bedeutungslosigkeit war in vielen Fällen ein einziger Verlust.

Und nein, ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig übersetzt wird.
Die Sprachbarriere erscheint mir nach wie vor sehr hoch. Nicht jedeR Deutsche, der/die gut Englisch kann, liest es auch bereitwillig, wenn er/sie nicht muss.

Lt. John Julius Norwich ergänze ich zu mibu’s Stefan Zweig, daß nach der Übernahme des östlichen Mittelmeers durch die Osmanen Venedig um seine Handelsrouten zu kämpfen hatte und seine christlichen Nachbarn dabei nicht nur kaum eine Hilfe waren, sondern hie und da auch aktiv an Venedig’s Zurechtstutzung mitarbeiteten.

Daß sich die zuerst von den Portugiesen in Angriff genommene Erschließung der viel längeren Routen dann für die Eroberung Amerikas als Segen erwiesen, ist vermutlich als unintended consequence gut beschrieben.

Die Entscheidung, ob der technologische Durchbruch zog oder der Wunsch von der im Handel entstandenen neuen Möglichkeit zu profitieren, fällt nach meiner Sicht zugunsten des Handels aus, dem zutiefst menschlichen Wunsch nach dem Beschaffen von STUFF.

33. Yael - Februar 19, 2012, 16:47

Ich muss doch mal meine Infos, die ich habe, los werden. Es wird ja immer behauptet, dass die! Ultras vom Staat Israel leben, ich habe dazu andere Infos.
Sehr viele Haredim haben nicht einmal die israelische Staatsbürgerschaft. Die finanzieren sich durch eigene Zeddaka.
Andere Haredim zahlen Steuern wie jeder andere. Ich habe keine genauen Zahlen, aber diejenigen, die wirklich vom Staat leben, macht sicher keine 10% aller Haredim aus.

34. Lila - Februar 19, 2012, 16:56

Das mag schon sein. Aber ihre Schulen werden massiv unterstützt, die Klassenstärke ist dort wesentlich günstiger als in staatlichen Schulen. Wer nicht arbeitet, zahlt auch keine Steuern. Und dann machen sie sich durch politischen Druck viele Vorteile zunutze.

Vor zwei Wochen war eine Reportage über ein Wohnungsbauprojekt, war es in Modiin?, wo junge Paare zu vergünstigten Preisen Wohnungen kaufen können. Ein haredischer Strohmann kaufte im Namen haredischer Familien Dutzende solcher Wohnungen auf und verscherbelte sie anschließend zu normalen Marktpreisen an junge säkulare Paare.

Es gibt bei solchen Vergünstigungen für junge Paare immer wieder Streit bei der Ausschreibung – sollen sie „abhängig vom Einkommen“ oder „abhängig vom Verdienst“ vergeben werden. Die Haredim kämpfen für die erstere Formulierung, denn da ist man mit Kindergeld und allen möglichen Unterstützungen drin. Die Säkularen natürlich sind für die zweite Formulierung, denn dann kommen arbeitende Leute zum Zuge.

Haredim und Säkulare bzw Nicht-Haredim konkurrieren um Ressourcen. Dementsprechend gibt es böses Blut.

Mir reicht es zu sehen, wie Haredim demonstrativ am Yom ha Zikaron lachen, über die Straße rennen und Hektik verbreiten, wenn der Rest des Landes stille steht. Was spräche dagegen, ein Kaddish für die Gefallenen zu sprechen? warum ihr Andenken mutwillig zu einer Demonstration mißbrauchen?

Ich weiß selbst, daß es nur ein kleiner Teil ist, aber der reicht mir. Der große Teil macht nicht wirklich den Mund auf.

35. Yael - Februar 19, 2012, 17:07

Lila, ich will das gar nicht verteidigen. Nur bekommt man hier immer leicht den Eindruck als wären alle Haredim Schamotzer und würden ausschließlich vom Staat leben. Andere bekommen sicher auch Transferleistungen, nur erfährt man darüber sehr wenig.

36. Justme - Februar 19, 2012, 17:36

„Aber ihre Schulen werden massiv unterstützt,“

Sie haben 35% der Kinder, bekommen aber nur 5% des ERziehungsbudgets. ERgo fährt der Staat mit dieser Lösung günstiger, als wenn er sie in die normalen Schulen nehmen müsste. Sie kriegen weniger als sie bekommen würden, wenn sie das Schulsystem in Anspruch nehmen würden.

37. Lila - Februar 19, 2012, 18:23

Ich habe die Zahlen nicht bei der Hand, es ist auch schwer aufzuschlüsseln, weil das Erziehungssystem so vielfältig ist. Ich weiß aber, daß auch locker-traditionelle oder säkulare Eltern ihre Kinder in religiöse Kindergärten oder Schulen geben, weil der Personalschlüssel besser ist und die Schule einfach einen besseren Ruf hat als die überfüllten staatlichen Schulen.

Ich habe meine drei Großen im privaten Schulsystem großgezogen (Kibbuzschule, von den Kibbuzim bezuschußt), und ich kann Dir versichern, der Unterschied ist wie Tag und Nacht. Meine Großen haben auf einem großzügigen Campus in kleinen KLassen gelernt, in einer entspannten, persönlichen Umgebung. Meine Jüngste lernt auf einer normalen Staatsschule, die wie eine Kaserne aussieht, in der fürchterlicher Lärm herrscht und die Klassen groß sind.

(Sie hat sich selbst für diese Schule entschieden, wegen der FReundinnen – wesentlich näher bei uns ist eine andere Kibbuzschule, in die wir sie schicken könnten, wenn sie wollte.)

Wie viele der Kinder in Shas-Schulen zB also wirklich aus haredischen Familien kommen, ist schwer zu sagen.

Ich weiß auch, daß die meisten Haredim arm sind und daß die Führung einer großen Familie auch Arbeit ist. Ich bin auch ganz und gar nicht dafür, ihnen die soziale Solidarität aufzukündigen. Die Haredim, die dem Staat loyal sind und dienen, ob bei Zaka, Zivildienst, der Nahal Haredi, sind sowieso von dem Streit ausgeschlossen.

Die Haredim, die ich täglich treffe, arbeiten übrigens und fahren mit normalen Autobussen. Sie wohnen zwar in ihren Ecken und Vierteln und haben ihre eigenen Schulen, aber ich glaube, sie sind repräsentativ für das Gros der Haredim – vielleicht außerhalb von Jerusalem.

Aber ich glaube, in den letzten Jahren haben einige Minister zu viele Gelder in ihre Sektoren umgeleitet. Und ich glaube, daß die leichte Befreiung der haredischen jungen Männer vom Zivil- oder Wehrdienst den Haredim letztendlich einen Bärendienst leistet. Wenn Drusen und Beduinen und Tscherkessen den Staat Israel mit der Waffe in der Hand verteidigen und dabei ihr Leben gefährden – warum Söhne Israels nicht? Müssen sie wirklich alle ihr Leben in Yeshiva und Kollel verbringen?

Ich hoffe, daß der Zivilidienst ausgebaut wird, und daß auch nicht-arbeitende Haredim ermutigt werden, sich dem normalen Arbeitsmarkt zu öffnen. Es täte uns allen nur gut.

38. Justme - Februar 19, 2012, 18:43

Ja, die Finanzen in diesem Sektor sind tatsächlich etwas unübersichtlich. Aber diese Zahlen waren zufällig ziemlich klar. (aus einer Broschüre des Erziehungsministeriums)

Schon seit langem wüsste ich gerne, wie viel Geld für Yeshivot und Kollelim (nach Pflichtschule) wirklich ausgegeben wird. Ich persönlich habe den Verdacht, dass es viel weniger ist als die, die immer schimpfen denken.

39. Lila - Februar 19, 2012, 19:06

Ich weiß es nicht, aber ich höre selten jemand darüber schimpfen. Bei Yeshivot ist es doch bekannt, daß da viel Geld von Spenden kommt. Und bei Kollelim ist mehr das Problem, daß die dort lernenden Männer nicht arbeiten – und über manchen Kollelim hängt der Verdacht, daß sie mit Karteileichen ihr Budget aufbessern. (Womit ich nicht sagen will, daß das anderswo nicht vorkommt. Jede Bildungseinrichtung wird nach Anzahl der Lernenden budgetiert, und da ist die Versuchung garantiert nicht nur im Kollel groß, was an den Büchern zu maggeln – oder aber Studenten mitzuschleppen, die nie ihren Abschluß machen werden…)

Ich bin weiß Gott mit Zahlen nicht auf sehr vertrautem Fuße, außer Jahreszahlen natürlich, aber es ist im Vergleich mit anderen Ländern wohl ziemlich deutlich, daß bei uns der Anteil der erwerbstätigen und steuerzahlenden Bevölkerungsteile gering ist. Wir spüren das auch. Ich würde Yair Lapid nicht wählen, aber an manchen seiner populistischen Phrasen ist schon was dran. Zumindest widerspiegeln sie recht exakt, wie sich der miluiml-leistende, steuerzahlende, sich abrackernde Bürger am Rand des Existenzminimums so fühlt.

Bin mal sehr gespannt, ob er es schaffen wird, die frustrierten Bürger bei sich zu versammeln. Seinen Zorn richtet er ja gezielt nur gegen die Religiösen. Das könnte auch ein Bumerang werden.

40. Yael - Februar 21, 2012, 13:54

Terroranschläge werden noch immer glorifiziert

„Die internationale Gemeinschaft nimmt die Glorifizierung von Terroristen oder die Leugnung der Schoah in den palästinensischen Medien nicht wahr. Es ist einfacher zu überprüfen, ob in den Siedlungen gebaut wird, als die Hetze auf der palästinensischen Seite zu verfolgen. Ich selbst identifiziere mich nicht mit dem rechten politischen Flügel. Als ich aus Dänemark nach Israel kam, wählte ich die Meretz-Partei. Aber es ist unmöglich zu ignorieren, was in den palästinensischen Medien geschieht. Es gibt keine Erziehung zum Frieden, nicht einmal eine Diskussion solcher Themen. Das einzige, was man dort hört, ist, dass sie „nicht aufgeben werden“. Das ist alles.“

http://www.hagalil.com/archiv/2012/02/21/hetze-4/

41. Lila - Februar 21, 2012, 14:09

Meretz ist Klasse, wenn man eine Lösung anstrebt, die allein Israel betrifft. In einer Welt ohne Palästinenser wäre Meretz eine wirklich gute Partei. Das Problemchen ist nur, daß die Meretz-Lösungen in einer Welt, in der es Palästinenser gibt, in Nullkommanichts zur Vernichtung Israels führen würden. Darum bedauern viele alte Meretz-Anhänger es geradezu, daß sie von den Palästinensern geradezu mit Gewalt gezwungen wurden, ihre Wahlentscheidung zu überdenken.

Als ich in den Kibbuz kam, gab es kaum jemand, der auch nur Avoda wählte. Da hieß es dann, „na ja, der kommt aus einem Takam-Kibbuz, die sind so rechts“😀 Alle anderen wählten Meretz, engagierten sich für Meretz (hieß damals noch anders, hab gerade kleinen Blackout und weiß nicht mehr wie). Dedi Zucker kam zu Besuch, Jumes, Zehava Galon. Weiß ich noch.

Es war keine raffinierte Kampagne, die die Kibbuzniks langsam aber sicher aus ihren Meretz-Illusionen vertrieben hat. Im Gegenteil, es war eine brutale Kampagne – es waren Terror und Brandreden der Palästinenser.

Eine Rede wie die von Haniya neulich, die ja in den deutschen Medien eher wenig Echo hinterlassen hat, beeinflußt hier Wahlentscheidungen.

Die Leute gucken sich das an, hören zu und sagen: okay, es ist vernünftig anzunehmen, daß der Mann das ernst meint. Was tun wir dagegen? wie sichern wir uns ab?

Auch wer nach wie vor Sympathien für die Palästinenser hat, auch wem es leid tut, wie sie leben und was sie durchmachen, auch wer bereit wäre, auf große Teile der Gebiete zu verzichten – auch der kann einfach keine Partei wählen, bei der Selbstverteidigung nicht vorgesehen ist.

Denn wir wissen einfach, was Widerstand bedeutet.

Und wenn wir es schon so nett hatten mit Hanyia, hier sein Mentor:

Auch ihm wird in Israel sehr genau zugehört.

Ebenso Nasrallah. Jede seiner Reden wird in Israel übertragen und gehört.

Die Rede ist von vor zwei Jahren, die Reden ähneln sich.

Aber wenn man sich die oft genug reinzieht, fällt es einem einfach schwer, Meretz zu wählen.

42. mibu - Februar 21, 2012, 21:46

Wenn’s nur die Hamas wäre …

Hab‘ den Artikel gleich nach dem über die Verhandlungen(von Barak Ravid), den du bereits verlinkt hast, gelesen. Es ist zum Haareraufen … und zwar jedes einzeln … mindestens zehnmal.

43. Malte S. Sembten - Februar 23, 2012, 18:14

3. A.Y. – Februar 18, 2012, 14:56
Vor allem auf dem zweiten Gebiet können Israels Feinde schon aus kulturspezifischen Gründen nicht ansatzweise mithalten
@TB1
Wie meinst Du das?

Damit meine ich, dass der Israel-feindliche Islam (= der Koran-Islam) nichts zum globalen zivilisatorischen Fortschritt beiträgt. Weder sozial, noch kulturell, noch naturwissenschaftlich. Der Koran-Islam nutzt recht clever westliche technische Errungenschaften (vor allem, um die „Ungläubigen“ zu bekämpfen), ist aber selbst völlig unerfinderisch. Das liegt natürlich nicht an „den Genen“, sondern an der Koran-Kultur.
Führende moslemische Wissenschaftler besitzen in der Regel eine in nichtmuslimischen Ländern erhaltene Ausbildung. Und die meisten arabischen (oft im Westen tätigen) Ärzte, Ingenieure, Informatiker, etc., die wertvolle Arbeit leisten (um 5. mibu zu zitieren) sind so koran-islamisch wie ich päpstlich-katholisch bin (trotz noch nicht beendeter formaler Zugehörigkeit zur kath. Kirche).


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