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Frische Luft September 14, 2010, 20:48

Posted by Lila in Klippschliefer..., Uncategorized.
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Noch ist der Sommer nicht vorbei – und der Herbst-Chamsin steht uns noch bevor. Das weiß ich. Aber wir haben gerade eine Atempause mit frischer Luft, und was mehr ist: mit echten, erkennbaren Wolken, mit festem Umriß, auf knallblauem Himmel. Wolken!

Monatelang war der Himmel verhangen, eine grelle erstickende Glocke, heiß und hell und diesig. Keine Wolke war zu erkennen, der Himmel war niedrig und bedrückend und monoton.

Monatelang konnten wir vom Balkon aus Haifa nicht mehr erkennen, ja oft genug war auch das Meer nur noch eine verwischte Linie. Morgens, wenn ich die Tür zum Garten öffnete, kam mir statt der erhofften frischen Morgenluft ein feuchter, heißer Dunstschwall entgegen. Ohne Klimaanlage war es auch in unserer luftigen Höhe und nachts nicht auszuhalten.

Aber seit ein, zwei Wochen hat das Wetter sich endlich geändert. Wir brauchen nachts keine Klimaanlage mehr, weil die Luft draußen frisch und kühl ist. Morgens ziehen Gone-with-the-wind-würdige dramatische Wolken vom Meer her über unsere Hügel, und wenn dann von Osten die Morgendämmerung und der Sonnenaufgang für die richtige Beleuchtung sorgen, möchte man geradezu rufen: I shall never be hungry again! Wir trinken unseren ersten Kaffee auf dem Balkon und erquicken das Auge an den gestochen scharfen Linien der Hügelkette gegenüber. Ich erkenne Haifa, von Stella Maris über die Dan-Hotels zieht sich die Stadt bis zur Uni, dann Usfiya, dann Daliyat-al-Karmel, die Drusenstädte, und das Carmelgebirge zieht sich bis Muchraka, das wir vom Kibbuz aus auch sehen konnten.

Auf dem Meer sehen wir die langen, rostfarbenen Frachter, die auf den Hafen von Haifa zustreben wie die Männeken beim Mensch-ärgere-dich-nicht in den Pott. Wir sehen einen Teil des Hafens, das Dagon-Lagerhaus, den schiffsförmigen hohen Neubau des Erziehungsministeriums. Wir sehen Nesher, wir sehen den Bahai-Tempel und die Gärten. Wir sehen die Klippschliefer, die den Tag damit beginnen, daß sie auf den Felsen sitzen und sich putzen und umgucken. Wir sitzen mit unserem Kaffee in der Hand und sind froh, daß der Herbst endlich, endlich da ist.

Und abends, wenn Y. wiederkommt, setzen wir uns wieder raus und warten auf den Sonnenuntergang. Wir sehen leider nicht, wie die Sonne im Meer versinkt – da sind Häuser dazwischen, sehr lästig. Und so warm der Tag auch war – abends kühlt es richtig schön ab. Noch nicht wolljackenkühl, nicht schultertuchkühl, ja nicht mal sockenkühl. Aber deutlich kühler als der Tag.

Da habe ich drauf gewartet. Wenn ich im Sommer jammere und klage, dann muß ich auch im Herbst danken und mich freuen. Und das tu ich hiermit.

Kommentare»

1. hans - September 14, 2010, 22:03

aahh,da kommen erinnerungen hoch,von damals im hula tal.die sendboden von herbst und winter waren für uns jedes jahr sichtbar im himmel, in form von riesigen schwärmen von störchen und pelikanen die über den fischteichen unseres kibbuz kreisten.
das war das zeichen, wie liebten wir es.
die zeit war nicht mehr fern wo wir in unseren zrifim gemütlich bei tee um den tanur neft sassen und es uns gut gehen liessen.draussen peitschte der regen und der wind pfiff durch die ritzen unserer holzhütte.
für uns alle damals ein genuss.
daher ich kann es nachfühlen.

2. Frau Irgendwas ist immer - September 15, 2010, 11:22

Ja, auch bei mir kommen Erinnerungen hoch.
An einen Abend im November mit einem tollen Blick von Akko über die Bucht von Haifa auf die Stadt und das dahinterliegende Gebirge …. *Fernweh hab’*
Liebe Grüße aus einem herbstlichen Berlin, endlich ohne Regen.

3. Yon - September 18, 2010, 15:24

Muss das sein? Jetzt hab ich Israelweh. 😦
Hach, was schön… Erinnert mich an die zwei denkwürdigen Übernachtungen im Hinterhofhostel von Akko.

4. willow - September 18, 2010, 17:15

Wie sieht es denn die nächsten Tage aus? Schicke demnächst eine Freundin.. muß sie Regenschirm und Pullover mitbringen?

5. Lila - September 18, 2010, 17:24

😯 Regenschirm? Pullover? Kommt drauf an, wo sie hinfährt. In Jerusalem wird es vielleicht abends kühler. Auf Regen kann man wohl kaum hoffen. Leider.

Wir haben hier um die 28 Grad. Etwas schwüler als vor ein paar Tagen. Aber richtig kühl ist das nicht.

Ich würde ein Jäckchen mitnehmen und für Jerusalem Socken. Da die meisten Restaurants und Büros brutal runtergekühlt werden, lohnt es sich immer, einen Schal oder ein Schultertuch in der Handtasche zu haben.

Ich laufe noch in Sommerkleidern rum.


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