jump to navigation

Sderot Live August 26, 2019, 15:01

Posted by Lila in Presseschau, Qassamticker (incl. Gradraketen).
trackback

ist ein Musikfestival, das gegen Ende der langen Sommerferien stattfindet. Bekannte Musiker kommen dafür extra in die kleine Stadt im Süden. Viel ist sonst in Sderot nicht los, obwohl das dortige College (FH) sehr bekannt ist für seinen Fachbereich Film und Kino und jedes Jahr ein Filmfestival anbietet, das aber eher nichts für Kinder ist.

Ich nehme an, die Nachbarn aus Bet Chanoun im Gazastreifen wußten davon. Sie schossen jedenfalls ihre drei Raketen über die Stadt. Iron Dome, das extra dafür entwickelte Abwehrsystem, berechnete, daß eine der Raketen auf freiem Feld einschlagen würde, was auch geschah – sie löste dort einen Brand aus, der die Häuser am Stadtrand bedrohte.

Die beiden anderen Raketen wurden von Iron Dome über der Stadt abgefangen und gingen in Teilen nieder. Eines dieser Schrapnell-Teile setzte ein glücklicherweise unbewohntes Haus in Brand.

Die Bewohner von Sderot, die seit 2005 mit dem Beschuß kämpfen, der nie richtig aufhört, nur Pausen kennt, mal öfter, mal seltener auf sie niedergeht – die Bewohner von Sderot, deren Kinder zu Bettnässern werden und Therapie brauchen, weil sie vor Angst nicht aus dem Haus wollen – die Bewohner von Sderot, die überall die „migunit“ genannten Betonröhren und offenen Schutzhäuschen sehen, damit sie sich in Sicherheit bringen können, wenn der Alarm losgeht, weil man nur 15 Sekunden Vorwarnzeit hat – die Bewohner von Sderot begriffen sofort, was los war. Ein schöner Abend, in Stücke geschossen von den Nachbarn jenseits der Grenze.

Der Künstler Itay Levy muß seine Vorstellung absagen – er war schon hinter der Bühne. Die Leute liefen nach Hause. Keiner weiß in so einer Situation, ob das die erste Salve einer unruhigen Nacht ist, oder ob nichts darauf folgt.

In den letzten zwei Wochen haben sich hier die Angriffe gegen Israel gejagt, die Drohungen ebenfalls.

Iron Dome steht an der Grenze zum Gazastreifen, wo fast jede Nacht Bewaffnete versuchen, nach Israel einzudringen. Iron Dome steht auch auf den Golanhöhen, wo die Iraner wieder versucht haben, mit Sprengstoff gespickte Drohnen auf über die Grenze zu schicken. Auch bei uns in der Nähe steht vermutlich wieder eine Batterie, weil Nasrallah wieder gedroht hat, die Grenze zu Galiläa zu durchbrechen. Er schwört Vergeltung an Israel, weil im Libanon zwei Drohnen runtergefallen sind, die er als israelische ausgibt, obwohl es sehr nach iranischen aussieht. Aber interessiert ihn nicht und andere auch nicht- auch die Tagesschau meldete sie als israelische Drohnen.

Drei Terrorangriffe konnten nicht vereitelt werden. Ein Geschwisterpaar wurde von einem Terror-Fahrer niedergemäht, beide schwer verletzt.

Ein Student-Soldat wurde auf dem Weg zur Schule niedergefahren und zum Sterben liegengelassen. Er hatte gerade die erste Studienphase hinter sich gebracht und sollte nun zur Armee gehen – er hatte Bücher für seine Lehrer gekauft und starb mit David Grossmans neustem Roman im Arm, was den Schriftsteller (selbst verwaister Vater) sehr bewegte.

Und dann der Mord an Rina Shnerb, die mit Vater und Bruder zu einer Quelle wanderte, als die Terroristen einen ferngesteuerten Sprengsatz in die Luft gehen ließen. Der Vater, selbst schwer verletzt, rief Hilfe herbei und versuchte, die Blutungen seiner Kinder mit den Schaufäden seiner Tallit zu stillen.

Dazu die Brandsätze an Luftballons, die praktisch täglich in der Umgebung des Gazastreifens niedergehen und dort Naturschutzgebiete und Felder verwüstet haben. Hamas-Führer Sinwar hat die Grenze besucht und Israel von dort Tod und Vernichtung angedroht, der lächerliche Zwerg. Das tut er ja regelmäßig.

Wir wissen nicht, wie es weitergeht, das weiß man ja  nie. Ich habe mir abgewöhnt, deutsche Medien zu konsumieren, seit der letzten Hetzgeschichte des Spiegel Online gegen Israel habe ich mein Bookmark gelöscht und klicke keine Links mehr an. Das will ich mir einfach nicht antun. Aber bei der Tagesschau gucke ich noch auf die Homepage – dort stehen zwei Artikel, die Israel eindeutig als Aggressor darstellen.

Überschriften:

Israelische Kampfflugzeuge – Palästinenserposten im Libanon attackiert

und

Israel greift Syrien an – Bombardements gegen „Killerdrohnen“

Der Iran und die Hisbollah werden nicht erwähnt, mMn mit gutem Grund. Schließlich sind deutsche Medien außerstande, Israel anders als durch die palästinensische Linse zu sehen. Und in dem Konflikt sind die Rollen schon vergeben: Israel der böse Aggressor, Palästinenser arme Häschen. „Killerdrohnen“ klingt wie eine lächerliche Übertreibung, aber wie soll man eine Drohne anders nennen, die mit Sprengstoff über zivile Ziele geschickt wird? Meinetwegen Kampfdrohne. Die Anführungszeichen jedenfalls ziehen das ganze Szenario ins Lächerliche.

Israel greift an – grundlos. Und das ist der Eindruck, den deutsche Medien, wie ihr wißt, euch seit Jahren und Jahrzehnten vermitteln wollen.

Ich mache mir Luft bei Twitter, da ich die Informationen, die ich habe, weitergeben möchte. Wer wegläßt, unter welch unablässigem Druck Israel ständig steht, verzerrt die Realität. Aber für die Nicht-Twitterer sei es hier wiederholt: ihr werdet durch Weglassen von Informationen in eine Richtung manipuliert.

 

Kommentare»

1. David - August 26, 2019, 15:16

Ja, es ist ein Elend mit den deutschen Staatsmedien, die an Einseitigkeit und Voreingenommenheit kaum noch übertroffen werden können. Sie sind nicht mehr zum Aushalten – und trotzdem wird jeder hier gezwungen, sie zu finanzieren.

Sderot spielt in den hiesigen Medien keine Rolle, und wenn schon mal der Name fällt oder ein Hinweis auf die schlimme Situation dort gegeben wird, dann immer in einer despektierlichen, verzerrenden und/oder verniedlichenden Art. Eine Schande ist das!

Auf diesen Beitrag von tapferimnirgendwo möchte ich in diesem Zusammenhang hinweisen:

https://tapferimnirgendwo.com/2019/08/26/der-ewige-unschuldige-jude/

2. Hein Tiede - August 26, 2019, 15:47

Meine Mini-Solidarität: Nächste Woche mit Tochter in Israel.

3. Frank Geffe - August 26, 2019, 16:09

Um so wichtiger sind Quellen aus Israel mit Informationen aus erster Hand. Es freut mich sehr, dass Sie nach so langer Zeit wieder schreiben. Danke dafür!

4. caruso - August 26, 2019, 19:09

Bin froh, daß du wieder da bist, liebe Lila! —
Den deutschen Journalisten wünsche ich (von wenigen Ausnahmen abgesehen) gelähmte Finger und einen zugewachsenen Mund. Dann könnten sie nicht so viele Lügen und Falschmeldungen produzieren.
lg
caruso

5. Lila - August 26, 2019, 22:43

Oh nein, lieber nicht, dann müßten sie ja verhungern. Ich wünsche ihnen allen zwei Wochen Familienurlaub in Kibbuz Nir Am oder Keren Shalom. Einfach mal ein bißchen mit den eigenen Kindern in den Schutzraum rennen und sie beruhigen, und sich am Schwimmbad oder in der Eisdiele immer nach Fluchtwegen umgucken, ohne dass die Kinder es merken.

6. Eran - August 27, 2019, 5:37

Hi Lila, dieser Text (und nicht nur dieser), muesste eine Pflichtlektuere fuer alle Medienkonsumenten in Deutschland sein. Ist es moeglich dies ueber Facebook zu teilen? Falls dir das weniger passt, lass ich es natuerlich sein. LG Eran

7. Lila - August 27, 2019, 7:15

Kannst Du gern machen. Ich bin nicht bei Facebook aktiv, aber wenn das Dein Kanal ist, Sachen zu teilen, bitte sehr 🙂

8. Jürgen G. - August 28, 2019, 13:42

Ich kann mich der Kritik an deutschen Medien in dieser Sache nicht anschließen und ich habe auch noch nicht festgestellt, dass jemand vorsätzlich gegen Israel hetzt. Das Gegenteil ist der Fall.
Gegenwärtig wird z.B. kommentarlos über israelische Angriffe gegen den Irak, Syrien und Libanon berichtet. Ich frage mich jedoch, ob es dem Völkerrecht entspricht, ohne Kriegserklärung und nur mit nicht überprüfbaren Behauptungen, gegen souveräne Staaten vorzugehen. Der Zweck heiligt nicht die Mittel und auch der Talmud hilft da nicht weiter, wie von Netanjahu zitiert.
Auch was die merkwürdigen Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus angeht, stelle ich mir die Frage: Cui bono?
Die Iraner, so böse sie sein mögen, werden nicht Schiffe angreifen, die sie zuvor selbst mit Öl beladen haben. Nur ein Dummkopf mag das glauben.

9. Lila - August 28, 2019, 14:45

Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Wie kannst Du die Berichterstattung über Sderot verteidigen, wenn sie nicht mal existiert?

10. G. - August 28, 2019, 16:47

Bei alledem sind die Medien hierzulande (abgesehen von kurzer Nachkriegsblüte) historisch betrachtet nicht schlechter als deren Vorgänger! :))

Gewiss, tendenziell … ein wenig … antijudaistisch. Um das Kind einmal beim Namen zu nennen. Aber waren sie das nicht schon zu Zeiten der Kleinstaaterei? Des Kaiserreichs? Der Weimarer Republik? Dem „Tausendjährigen“ Reich?

Um wie vieles eleganter dasselbe derzeit doch gehandhabt wird! Auslassung, Fragmentierung, Fraternisation!

Und da derselbe eben diese Medien lenkende und leitende Staat, der seine Bevölkerung zugunsten des Grosskapitals auf Buckelpisten mit maroder Sozialversicherung in prekären Arbeitsverhältnissen leben lässt, sich zu unabhängiger Berichterstattung motivieren lässt?

Kaum anzunehmen.

Im Gegenteil. Paradoxerweise zunehmend links, offen für die Linksradikale, ist eher eine Erneuerung zu befürchten. Schon Marx Schriften, gespickt mit eindeutiger Tendenz(!), zeitgemäss rationalisiert und in die Moderne übertragen während dem Sechstage-Krieg. Widerstand wird umgangen. Jetzt geht es erst richtig los.

Und der Tagesschau wird Glauben geschenkt. Selbst die Linke wird zunehmend gewonnen. Der perfekte Untertan. Die Botschaften sind altbekannt: Zerstreuung, Ablenkung, die Vortrefflichkeit von Ruhe & Gehorsam … der ewige Jude. Und immer noch dieselbe elysische Inbrunst. Allerorten.

Sderot.:( Danke für Dein Wirken. Und Gratulation zu Primus und Tertia!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s