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Sein bisher sinnfreistes Bild Juli 26, 2014, 21:11

Posted by Lila in Presseschau.
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hat Alexander Gerst aus der ISS geschossen.

Ihr habt das anders mitgekriegt?

Derdeutsche Astronaut Alexander Gerstzeigtauf Twitter, wie der Gaza-Konflikt vom All betrachtet aussieht: Er teilte eine Satellitenaufnahme von Israel und dem Gaza-Streifen, auf dem einige helle Punkte zu sehen sind. Diese zeigen laut Gerst die Explosionen und Raketen über Israel und Gaza.

„Mein traurigstes Foto“, schreibt Gerst dazu.

Alle Welt veröffentlichte dieses Bild und die ach so trübselige Beschreibung.

Was sieht man denn eigentlich auf dem Bild?

Wenn man das Bild anguckt und Israel kennt, sieht man rechts zweifelsfrei die Bucht von Haifa. Ich habe mal ein bißchen gesucht, ob das noch jemandem außer meinem Mann aufgefallen ist (mir erst, nachdem er mich drauf aufmerksam machte). Und wurde fündig. Im Meer der Nachquatscher haben sich wohl ein paar Kluge die Mühe gemacht, den Bildausschnitt zu identifizieren.

Bitte sehr. Was da so schön blitzt und funkelt, das ist Tel Aviv bei Nacht und nicht der Gazastreifen.

Und wer immer noch glaubt, daß die weißen Punkte Raketen sind, dem zeigt die Seite mal Melbourne bei Nacht.

Tja, genau dasselbe Funkeln. Urbane Zentren sind viel zu hell erleuchtet – aber es sind nicht die bösen Israelis, die daran schuld sind (und auch die bösen Palästinenser sind es nicht).

Wie leichtgläubig sind die Menschen eigentlich???????? Die Kommentatoren brechen massenhaft in Tränen aus. Oh nein, wie schrecklich.

Jetzt fragt sich nur: hat Gerst selbst an den Quark geglaubt, den er verzapft hat, oder war es eine bewußte Täuschung, weil auch er das „Narrativ verinnerlicht“ hat?

 

 

Kommentare»

1. seraph001 - Juli 26, 2014, 22:26

wieder mal Großes Dankeschön für die Informationen !

Herzliche Grüße aus Leipzig !

2. Dünne Luft | Dienstarzt - Juli 26, 2014, 22:55

[…] Mit zunehmender Höhe wird die Luft ja zunehmend dünner: sein bisher sinnfreiestes Bild […]

3. Marcel - Juli 26, 2014, 23:16

Bei TOI ist gestern dazu ein kurzer Artikel veröffentlicht worden, in dem ebenfalls festgestellt wurde, daß das großer Blödsinn ist. Außerdem habe ich Zweifel, ob aus einer Höhe von 330 bis 400 km über der Erdoberfläche der Feuerstrahl von Raketen überhaupt erkennbar ist. Dann müßten auch sämtliche Düsenflugzeuge von der ISS beobachtet werden können. Ich wohne ca 40 km entfernt vom Flughafen Frankfurt. Ich kann in der Nacht den Triebwerksstrahl der Flieger beim Überflug über meine Stadt nur dann sehen, wenn sie sich in einem günstigen Winkel bewegen. In dieser Phase des Fluges haben die startenden Maschinen aber noch nicht einmal die Reiseflughöhe von 9 bis 10 km erreicht. Ich glaube also unser Astronaut hat etwas gesehen, was er unbedingt sehen wollte. Das ist wie Homöopathie. Die wirkt nur, wenn man dran glaubt.

4. kuu - Juli 26, 2014, 23:41

Ja, das Bild sieht aus wie ein ganz normales Nachtfoto, ich fand es auch sehr nichtssagend. Ich würde aber vermuten, dass man nachts von der ISS aus sehen kann, wenn z.B. eine Rakete abgefangen wird und explodiert. Eine Bilderserie oder ein Video hätte vermutlich besser erkennen lassen, was Gerst gesehen hat.

Phoenix.de schrieb in einer älteren FAQ: „Aus dem All, einer Höhe von mehr als 350 Kilometern, sind die Auswirkungen eines Krieges nicht zu sehen. Auch für ein Feuerwerk ist die Station zu hoch. Jedoch sind beim Überfliegen der Nachtseite der Erde große Ballungsgebiete zu erkennen, wie das Ruhrgebiet, Berlin, aber auch die erleuchteten Autobahnen in Holland.“. Ich würde da aber doch dem Astronauten glauben.

5. Lila - Juli 27, 2014, 0:03

Des Menschen Glaube ist sein Himmelreich 😀

6. migdalit - Juli 27, 2014, 7:17

Das Foto war auf Facebook in letzter Zeit absolut viral. Hab’s eigentlich einfach ignoriert aber jetzt hat dein Post mir doch ein Grinseln ins Gesicht gezaubert.
Obwohl’s ja eigentlich tragisch is …

7. Lila - Juli 27, 2014, 7:25

Ich wüßte ja zu gern, ob Gerst, wenn ein Photo von der deutschen Nordseeküste getwittert hätte, ähnlich blinden Glauben gefunden hätte. Oder ob doch mal jemand genauer hingeguckt hätte.

Es ist ja u.U. denkbar, daß er vom ISS aus tatsächlich mal ein Blitzen gesehen hat – aber auf dem Bild sieht man davon nichts. Es unterscheidet sich von der Lichtintensität her nicht von anderen nächtlichen Satellitenbildern.

8. sabine - Juli 27, 2014, 9:58

und wenn es zeigen würde, was es vermeintlich zeigen soll. wo ist bitte die mehrinformation gegenüber dem ynet-raketenticker oder den bildern, die allerorten gezeigt werden? dass nun auch der mann vor’m mond seinen quasi exterritorialen senf plus betroffenheit dazugeben kann?

meine betroffenheit schlägt ja auch manchmal purzelbäume. wie man allerdings angesichts dieser feinen goldspitze völlig sinnfrei in tränen ausbrechen kann – da drängt sich mir ein bild betroffenheitswilder mänaden mit claudia roth an der spitze auf…

die um sich greifende verblödung mit zielcharakter macht langsam müde. unter den umständen hat es nicht mal satirepotential.

9. Verena - Juli 27, 2014, 12:24

Was ich dazu noch anmerken kann, ist meine Erfahrung der letzten Monate, in denen ich anfing, sehr intensiv über die Ereignisse in der Ukraine zu forschen. Ich sage absichtlich, „forschen“, denn auch in dieser Sache ist den Medien absolut nicht mehr zu trauen. Besonders perfide ist, dass hier niemals die vielen toten Kinder gezeigt werden. Oder über das echte Ausmass des Massakers in Odessa am 2. Mai berichtet wird. Ich habe jetzt nicht die Energie, hier auch Links zu liefern. Aber die Opferzahl der schlägerenden Faschisten-Banden ist offensichtlich weit höher, als die ganz knappen und wenigen Meldungen in unseren Breiten berichteten. Darunter z.B. auch eine Passantin mit ihren zwei Söhnen, die sich mit den Aktivisten in das Gewerkschaftshaus geflüchtet hatte.

Ich bin auch gerade mit einer Journalistin in Kontakt, die sich scheinbar mehr über Twitter als über echte Lektüre informiert. Wir haben es in der Tat mit einer medialen Verdummung zu tun, wobei ich mir von Intellektuellen nach Überzeugungsarbeit dennoch erwarte, dass sie tiefer graben und nicht nur auf irgendwelche Kurznachrichten mit schlimmen Bildchen hin einseitig aufschreien…

10. Rika - Juli 27, 2014, 14:29

Das ist wirklich ein riesiges Thema, was stimmt, was ist gefälscht, was wird weg gelassen in der Berichterstattung über brisante Themen. Wenn das ZDF schon in einer nichtssagenden Show manipuliert, weil es wohl der Meinung ist, so den Zuschauern besser imponieren zu können, um wie viel mehr manipuliert es Meldungen, die tatsächlich wichtig sind bei der Meinungsbildung?
Ich denke, dass diese schreckliche anti-israelische / ant-jüdische Wut, die sich in den Demonstrationen zeigt, auch eine Folge der einseitigen Berichterstattung über Israel ist. Nahezu jede Nachrichtensendung glänz doch durch maniipulative Bilder oder Aussagen. Da darf jemand ungestraft erzählen, Israel sei ein Apartheidsstaat – obwohl man doch wissen kann, dass Araber selbst hohe politische Ämter bekleiden. Und keine Moderator hinterfragt diesen Unsinn. Wie schön kann Herr Kleber ansonsten insistieren, dass sich mir schon immer die Nackenhaare hochstellen, aber eine schiefes Bild über Israel hat er noch nie gerade gerückt. Weil er es selber so gerne schief hätte?
Die Leute von der ARD sind allerdings nicht besser….
Es ist nur noch zum Heulen oder Schreien!
Das begann aber nicht erst jetzt, das ist schon Usus seit Jahren.
Wer steckt dahinter, wem dient es?
Diese Fragen treiben mich um.

11. sabine - Juli 27, 2014, 16:39

@ verena

ich meine es ganz bestimmt nicht so zynisch, wie es klingt: aber man muss von intellektuellen (leider) nicht mehr erwarten als vom homo vulgaris. ich weiß, das scheint bitter. aber wenn man etwas erreichen will, kann man breitenwirksam subtil gewisse dinge verdrehen, weglassen, andere aufblasen – nicht der weg ist das ziel, sondern umgedreht (das klingt jetzt furchtbar weise, ist es nicht, stimmt zum glück auch nicht immer, und ich hatte es früher auch anders gehofft).

oder intellektuelle andersherum, die bestimmte bereiche des (linken) meinungsspektrums abdecken und da schon wieder mainstream sind wie der hier:
http://www.tachles.ch/news/philosoph-wuerde-zionistische-bastarde-am-liebsten-erschiessen
oder sogar hier (und die böll-stiftung ist leider überhaupt keiner israel-unterstützung verdächtig):
http://www.boell.de/de/2014/07/25/mit-der-hamas-gegen-die-zionistischen-bastarde-der-tiefe-fall-des-hannah-arendt

der gute mann hat sich vielleicht an heidegger verschluckt. das bringt aber auch nicht weiter und allein ist er auch nicht.

es scheint mir auch, dass es eine jüngere journalistische schule gibt, die in diesem blog schon beklagt wurde – äußerst unsichere historische kenntnisse, dafür außerordentliche meinungs- und selbstsicherheit, was dann zu Spon führt oder zu meiner momentanen lieblingsjournalistin sarah eltantawi, harvard ph.d in islam. religion, lehrt daselbst, gilt als „wichtige liberale stimme“ und schreibt gerne auch für die taz.
wie sinnfrei das ausgehen kann (hier mal unblutig unter der headline „Das Empire stürzt in Schottland“ und ist völlig unironisch), steht hier:
http://www.taz.de/!116725/

dann doch lieber monty pythons.

die ukraine ist halt weit weg. so östlich. nicht ganz kompatibel. und vielleicht sehen viele da auch nicht so genau hin wie beim gaza-konflikt. aber grad eben gelesen, dass die vermaledeite böllstiftung den diesjährigen hannah-arendt-preis u.a. an jury andruchowytsch vergeben hat (herausgeber u.a. von „euromaidan“ bei suhrkamp und überaus lesenswert).

sorry fürs mäandern.

12. rogawordpress - Juli 27, 2014, 22:35

Danke! Erst vor 30 Minuten gelesen und natürlich auf meiner Facebookseite, Google plus und twitter veröffentlicht!!!

Ich hatte es auch geglaubt:( Wer macht sich solche mühe so zu schauen wie sie?

13. Bernd - Juli 27, 2014, 23:11

Gerst schrieb im zugehörigen Blogeintrag von bewegten Lichtstreifen und Feuerbällen:
http://blogs.esa.int/alexander-gerst/de/2014/07/25/a-different-perspective/

14. Hase - Juli 28, 2014, 14:12

Ich weiss gar nicht wo das Problem ist. Er schreibt:

„My saddest photo yet. From #ISS we can actually see explosions and rockets flying over #Gaza & #Israel pic.twitter.com/jNGWxHilSy“

Er behauptet weder das da nur Gaza zu sehen ist, noch das die weissen Punkte Raketn oder Einschläge wären. Diese Behauptungen entspringen der Fantasie des Blogautors oder sind Folge von ungenauem lesen oder, wahrscheinlicher, Folge der ungenauen Wiedergabe anderer Medien.

15. Schorschi - Juli 28, 2014, 14:34

Und dort schreibt er :

„Obwohl das Foto selbst keine Explosionen zeigt, konnte ich sie doch mehrmals beobachten.“

Es ist also quasi das Nachher-Foto. Das Vorher- bzw. Waehrend-Foto existiert nur im Kopf des Fotografen.

16. Carla Calamitas - Juli 29, 2014, 23:28

Das Bild hat es übrigens heute Abend in die Tagesthemen geschafft und diente auch gleich als gefühliger Einstieg ins Interview.


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