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Konsequenzen März 28, 2013, 20:25

Posted by Lila in Presseschau.
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Die Armee hat die Konsequenzen aus den Vorfällen an der syrischen Grenze gezogen. In den letzten Wochen haben mehrmals verletzte syrische Kämpfer am Grenzzaun um Hilfe gebeten und sind in Israel behandelt worden.

Welche Konsequenz? Wollt ihr raten? Nach allem, was ihr aus den Medien über Israel hört, was wäre eine typisch israelische Konsequenz?

Ein Feldhospital natürlich.

In light of the steady increase in the number of wounded SyriansIsrael has been treating, the IDF has set up a „military field hospital“ at army outpost 105 in the Golan Heights, AFP reported Thursday.

Israeli officials confirmed that the hospital was set up to treat injured Syrians near the border fence and avoid having to evacuate them to hospitals inside the country.

Oh, diese Unmenschen.

Kommentare»

1. flx - März 28, 2013, 20:31

Wollt ihr jetzt auch noch Applaus? Das ist doch sowieso alles eure Schuld! Der alte Peres hat doch noch schön Öl ins Feuer gegossen!

2. Lila - März 28, 2013, 20:35

Und hinter al Qaida steckt ohnehin der Mossad… an dessen Fäden doch alle Marionetten zappeln, auch wenn sie sich einbilden mögen, überzeugte Islamisten zu sein… alles Werkzeuge des Zionismus, sowohl Assad als auch seine Gegner… ja ja 😉

Danke, daß Du mich dran erinnert hast.

3. Silke - März 28, 2013, 20:45

gab es schon Länder, die Euch angeboten haben, Schwerverletzte zu übernehmen?

Die stehen doch bestimmt Schlange?

wie’s bei den Türken ist, weiß ich übrigens auch nicht, doch ich glaube, die haben mal verlauten lassen, sie wollten das mit den Flüchtlingen allein managen.

apropos Türken, ich habe die ersten zwei Hinweise auf eine mögliche tiefere Bedeutung von Davutoglu’s Klassifizierung als „basic“
http://www.hurriyetdailynews.com/with-israels-apology-turkeys-demands-have-been-met-foreign-minister-davutoglu.aspx?pageID=238&nid=43498

1. 1 mio statt 100.000
http://www.globes.co.il/serveen/globes/docview.asp?did=1000832444&fid=942

2. diese erstaunliche Enthüllung, denn wenn das die wirkliche und wahrhaftige Wahrheit schon damals war, wieso haben sie dann damals jede Verbindung zu der Aktion verneint?

http://www.worldbulletin.net/?aType=haber&ArticleID=105385

Diese Spätfolgen einer professionellen erfolgreichen Mediation sind im Büroleben allerdings die Norm – sollte ich hier wieder einmal fündig geworden sein, warum mir das alles so vertraut vorkommt?

Es gibt Leutchen, die wissen wirklich wie man den USA ne lange Nase dreht.

4. Silke - März 28, 2013, 20:47

PS: i.e. Netanyahu darf dieses Kumbaya à la Obama jetzt verhandeln und sich für seinen Geiz (man weiß ja wie der Jude tickt) von der ganzen Welt verhauen lassen.

5. Silke - März 28, 2013, 20:49

… und was das Feldhospital anlangt, die Motivation dazu basiert natürlich in Wirklichkeit auch ausschließlich auf undenkbar Bösen
…. wie hieß die Insel noch gleich? irgendwo in der Karibik meine ich, sei sie gelegen. ;-(

6. Lila - März 28, 2013, 20:50

http://www.welt.de/politik/ausland/article114856527/Tuerkei-verzoegert-die-Aussoehnung-mit-Israel.html

Ein ganz fairer Artikel, wenn auch nach wie vor von einer „HIlfsflotte“ gefaselt wird. Amazing. Weder gab es auf der Mavi Marmara Hilfsgüter, noch wird erwähnt, daß die HIlfsgüter regelmäßig über Israel in den Gazastreifen gelangen.

Das Weglassen beider Tatsachen läßt die Toten nach wie vor wie harmlose Idealisten erscheinen.

Aber wer Erdogan ist, sollte inzwischen der letzte Zeitungsleser kapiert haben.

7. Lila - März 28, 2013, 20:53

Keine Sorge, wenn überhaupt jemand Notiz davon nimmt, daß Israel ein Lazarett nicht für den Gebrach von Feind und Freund, sondern ausschließlich zum Retten von Feinden errichtet… dann wird es bestimmt in den richtigen Propaganda-Zusammenhang gestellt: was hat Israel davon????

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3836254,00.html

http://blogs.telegraph.co.uk/news/stephaniegutmann/100022827/israel-builds-a-field-hospital-in-haiti-anti-zionists-not-fooled/

Zu den einschlägigen Seiten will ich nicht linken 😀

8. flx - März 28, 2013, 21:14

Dieses white-washing wird euch auch nicht helfen. Wir Gerechten und moralisch Überlegenen durchschauen euch.

9. Silke - März 28, 2013, 22:11

Danke, ich habe das noch gut in Erinnerung gehabt, einschließlich des Namens der Insel, fühlte mich aber gerade so gerüchte-streuungs-affin.

Was Erdogan und Davutoglu anlangt, so stehen die beiden entweder in Konkurrenz zueinander oder was wir serviert bekommen, sind good cop bad cop sketche – Davutoglu’s erklärtes Ziel, Hamas und Fatah zu versöhnen, tauchte heute unter den Schlagzeilen auch wieder auf. Wie dieses Dreieck von Szenarien interagiert ist mir vollkommen schleierhaft, aber daß es alles in einem Topf umeinander gerührt wird, scheint mir sicher.

… und in dem Zusammenhang habe ich natürlich im Hinterkopf, daß EoZ bemerkt hat, daß Obama Hisbollah terrorist genannt hat und Hamas nicht, woraus ich natürlich flugs schließe, daß Obama Davutoglu’s Bemühungen unterstützt oder begrüßt oder für das Gelbe vom Ei hält (Türke mit Friedensnobelpreis, das hätte doch was in der Theorie der Machtpolitik per Umarmung und Diener) und wenn Hamas und Fatah sich erst mal einig sind, dann sind auch die Aussichten, Israel in den Doppelnelson zu nehmen, erheblich rosiger zu beurteilen.

MIchael Totten hat ein langes Stück über den Libanon bzw. Tripoli und Syrien, ich bin nur mal drüber gehüpft – irrer geht’s kaum noch, obwohl in Büro’s gab’s sowas im Kleinen auch.

Ich find’s zunehmend verwirrend, daß Teile der Politik sich so gut von der Büro-Erfahrung her verstehen lassen, während andere durch die Größenordnungen, um die’s da geht, überhaupt nicht vergleichbar sind.

Wäre Mediator Obama’s Hauptberuf würde nach dieser grandiosen Leistung sein Vertrag kaum verlängert werden. Versöhnung ohne daß das mit der Kohle klar ist?

Einmal hat jemand im Radio geraten, daß, wenn einer über ne glückliche Familie rhapsodiert, man fragen/sagen solle: ach, das ist aber schön … und haben sie schon geteilt? (Erbe)

10. Silke - März 29, 2013, 2:56

PS OT immer noch zu Türkei

ich habe gesehen, daß Tzipi Livni da angeblich zum Verhandeln hin soll – ich hoffe inständigst, daß egal wer da hingeht, so gründlich ist wie der „unpassende“ Lieberman und sich zur Vorbereitung Davutoglu’s Buch reinzieht, daß je nachdem wer es liest weltbewegend oder „MumboJumbo“ ist. Also mit Sicherheit echte Arbeit …

11. Piet - März 29, 2013, 12:16

*hihi* Whitewashing (@flx, #8) war auch das, woran ich denken musste. 😉

12. Silke - März 29, 2013, 13:57

Lila zu

Aber wer Erdogan ist, sollte inzwischen der letzte Zeitungsleser kapiert haben.

Teaser im NL von Foreign Affairs heute

Israel apologized, Turkey accepted, and the two countries have resolved a three-year dispute — all because Turkey’s leaders realized that they stood to benefit more from cooperating with Israel than from exploiting the dispute for domestic political gain.

In Deutschland mag Erdogan dank seines unsäglichen Auftritts in der Westfalenhalle nen Schlag weg haben, aber Deutschland hockt immer noch fein hinter seiner Sprachbarriere und was der International Newsletter des Spiegel dagegen tut, ist kaum dazu geeignet, diese etwas intimere und direktere Erdogan Kenntnis zu verbreiten.

Mir begegnet er nach wie vor weitgehend als der Mann, der religiösen Islam demokratietauglich macht. Der Erfinder des demokratischen Gottesstaates sozusagen …

13. Silke - März 29, 2013, 14:27

PS:
die Überschrift zu obigem lautete übrigens:

Why Israel and Turkey Got Back Together

das denke ich, sollte Ludwig interessieren, denn lt. Foreign Affairs ist es die Türkei, die die Dinge leitet i.e. erfolgreich mit dem ist, was Davutoglu in seinem Buch verkündet.

14. Silke - März 29, 2013, 15:54

Ludwig

magst Du uns nicht erklären, was Israel falsch gemacht hat, daß es jetzt so unschön auf der koreanischen Halbinsel brodelt?

Und wie gut alles wäre, würde Israel sich nur drum kümmern?

Ebenfalls in The Atlantic war mal ein Artikel, in dem ich gelernt habe, wie gut Seoul für die Nord-Koreaner erreichbar ist. Schade, die Landkarte, an die ich mich erinnere, ist wohl nicht online.

Andererseits soll in irgendnem gemeinsamen Industriegelände noch alles wie immer sein.

http://www.theatlantic.com/magazine/archive/2006/10/when-north-korea-falls/305228/?single_page=true

15. Silke - März 29, 2013, 16:39

zu Mavi Marmara möchte ich daran erinnern, daß mir damals hauptsächlich die Kinnlade runtergefallen ist, weil ein NATO-Mitglied so einen Angriff auf die Souveränität eines Nachbarn gutgeheißen und sogar gefeiert hat. Etwas, daß noch eine Minute vorher jedeR ins Reich der Unvorstellbarkeit/Unmöglichkeit verbannt hätte. Will sagen, es geschah etwas vollkommen Neues … und daß Menschen sich auf vollkommen Neues Undenkbares nicht ausreichend vorbereiten, ist, außer in Journalistenhirnen und in Selbstwahrnehmung der Israelis, eigentlich normale Alltagserfahrung.

Ich bin mit dieser Wahrnehmung nie durchgedrungen, denn die Israelis waren viel zu beschäftigt mit Selbstbezichtigungen, um die Ungeheuerlichkeit dieses Friedensbruchs durch ein NATO-Mitglied auf die Latte zu nehmen.

Und ja, ich jammere hiermit darüber, daß ich nicht ernst genug genommen werde 😉

16. Wolfram - März 30, 2013, 17:15

flx muß Berufskomiker sein; sowas wird bei Lach und Schieß noch gesucht.
Wenn ich hier laut sage, daß Kommentatoren, die unter jedem zweiten Eintrag eine Serie von „OT“-Kommentaren loslassen, ja auch ein eigenes Blog aufmachen könnten, krieg ich bestimmt wieder Haue. Also sag ichs nicht. Und bewundere nur Lilas Langmut.

17. Silke - März 30, 2013, 20:41

huch Wolfram meint bestimmt mich und dieser schreckliche unabweisbare Verdacht führt dazu, daß ich mich ganz klein und häßlich fühle und daß ausgerechnet an Ostern nur ein paar mickrige Stündlein vorm „Χριστός ἀνέστη!“

… und nu mache ich alles noch schlimmer, indem ich schon wieder frei assoziiere ….

18. Ludwig - März 31, 2013, 1:55

Silke,

normalerweise finde ich, dass Deine persönlichen Sticheleien und OT-Posts wenig Erkenntnisgewinn bringen. Für einen Vergleich zwischen Nordkorea und Israel mache ich eine Ausnahme, da es viele interessante Gemeinsamkeiten und natürlich ein paar offensichtliche Unterschiede zwischen den beiden Ländern gibt.

Gemeinsamkeiten zwischen Nordkorea und Israel:
+ Beide befinden sich offiziell im Kriegszustand mit mindestens einem Nachbarn und sind regelmäßig im Zentrum internationaler Krisen.
+ Beide liegen gemeinsam auf Platz drei der internationalen Unbeliebtheitsskala der BBC. 50% der weltweit Befragten halten ihren Einfluss für hauptsächlich negativ, schlechtere Ergebnisse haben nur Pakistan und der Iran: http://www.globescan.com/images/images/pressreleases/bbc2012_country_ratings/2012_bbc_country%20rating%20final%20080512.pdf
+ Beide sind eigentlich kleinere Länder, die durch ihre hochgerüsteten Streitkräfte und ihre Atomwaffen zu Mittelmächten werden.
+ Beide gelten als Vertreter ein aggressiven militärischen Abschreckungspolitik, deren Proportionalität und Rationalität für Beobachter oft nicht erkennbar ist.
+ Beide könnten ohne die Unterstützung verbündeter Supermächte (China & USA) kaum überleben, da sie ansonsten in ihrer Nachbarschaft isoliert sind.
+ Beide sind eigenständig genug, um Politik auch gegen die Sicherheitsinteressen ihres Hauptverbündeten zu betreiben, was häufiger zu Verstimmungen mit dem großen Bruder führt.
+ Gerüchte über den bevorstehenden Zusammenbruch beider Länder haben sich bislang immer als stark übertrieben erwiesen.

Unterschiede zwischen Nordkorea und Israel:
+ Auf der koreanischen Halbinsel lebt eine Nation in zwei verfeindeten Staaten. In Größer Israel leben zwei verfeindete Nationen in einem Staat.
+ Diese für Außenstehende kaum verständlichen Situationen werden auf der koreanischen Halbinsel durch gegenseitige Abschreckung, in Größer Israel durch die Übermacht der IDF aufrechterhalten.
+ Nordkorea ist eine totalitäre, poststalinistische Erbdiktatur, Israel innerhalb der Grünen Linie eine liberale Demokratie.
+ Die Israelis müssen nicht hungern und Nordkorea ist nicht als „Start-Up“-Nation bekannt.

Fazit: Wahrscheinlich streiten gerade jetzt in China einige maoistische Dinosaurier leidenschaftlich für eine bedingungslose Unterstützung des sozialistischen Bruderlandes Nordkorea gegen den US-Imperialismus und wären damit ein Spiegelbild der schrillen Israel-First-Neokonservativen und Ad-Hominem-Likudniks, deren „Spinn“ zumindest im deutschsprachigen Raum fast niemand nachvollziehen kann …

😉

19. willow - März 31, 2013, 9:35

Ludwig, sie betreiben einen erheblichen metaphysischen Aufwand, um Beobachtungen & Fakten mit ihrer israelfeindlichen Agenda in Übereinstimmung zu bringen … dabei ist es eigentlich ganz einfach – hier, stellvertretend für viele ähnliche Erklärungen (die regelmäßig von israelfeindlichen Politikern, Journalisten und Aktivisten überhört werden) ein PLO-Funktionär:

„“Das palästinensische Volk existiert nicht. Die Schaffung eines palästinensischen Staates ist nur ein Mittel zur Fortführung unseres Kampfes gegen den Staat Israel für unsere arabische Einheit. In der Realität gibt es heute keinen Unterschied zwischen Jordaniern, Palästinensern, Syrern und Libanesen. Nur aus politischen und taktischen Gründen reden wir heute von der Existenz eines palästinensischen Volks, denn die nationalen arabischen Interessen verlangen, dass wir die Existenz eines besonderen „palästinensischen Volks“ postulieren, um gegen den Zionismus zu opponieren. Aus taktischen Gründen kann Jordanien als souveräner Staat mit festgelegten Grenzen keine Ansprüche auf Haifa und Jaffa erheben, während ich als Palästinenser unzweifelhaft Haifa, Jaffa und Jerusalem verlangen kann. Wie auch immer, in dem Moment, in dem wir unser Recht auf ganz Palästina wiedergewinnen, werden wir nicht eine Minuten damit warten Palästina und Jordanien zu vereinen.“ „

20. Lila - März 31, 2013, 10:37

Na ja, das ist ja schon ein etwas älteres Interview. Neuer ist dieses hier mit Azmi Bshara:

und noch neuer dies hier:

Es scheint, die Frage „wer oder was ist ein Palästinenser“ ist noch ein ganze Stück dorniger als „wer ist Jude“….

21. Silke - März 31, 2013, 11:03

Ludwig

Du hast die Reisefreiheit vergessen – zieh Dir mal’n paar Berichte von Nordkoreanern rein, die es nach China geschafft – Frauen scheinen da gern besonders „interessante“ Erfahrungen zu machen.

Wieviele Israelis gibt es derzeit eigentlich in Berlin?

Besonders beeindruckend finde ich, Dein Expertentum für den „deutschsprachigen Raum“ – Donnerwetter, echt, ich bin platt vor Ehrfurcht und überlege ernsthaft, ob ich nicht dazu übergehen soll, Dich zu siezen, so viel Respekt muß schließlich sein.

22. Ludwig - April 2, 2013, 17:18

Willow – 19

diese „Methaphysik“ ist teilweise der Versuch abwechslungsreich zu argumentieren, so dass die Diskussion weniger vorhersehbar wird. Wenn ich mir die stereotypen Reaktionen anschaue, hat das wohl nicht funktioniert.

Der wichtigere Teil der „Metaphysik“ nennt sich „Internationales System“. Analysiert man die Beziehungen in der Staatenwelt, findet man in der Tat anti-israelische Systemeigenschaften, die aber nicht einfach verschwinden, indem man sie ignoriert, beschimpft oder sich tatenlos auf den Planeten Zion zurückzieht und die Erde durch eine schwarz-weiß bzw. pro-anti-Brille betrachtet.

Apropos „Agenda“: Ich verstehe Deine Agenda nicht wirklich, habe aber den Eindruck, Du setzt alles daran, mich und andere in dem Urteil zu bestärken, dass Israel derzeit nicht reif dafür ist, einen palästinensischen Staat zu akzeptieren und den Konflikt zu beenden. Stattdessen suchst Du lieber nach Argumenten für israelische Maximalforderungen, bzw. dafür den Status-Quo zu begründen. Da kann ich mich natürlich täuschen, aber so wirken Tenor und Subtext Deiner Posts auf mich.

23. Ludwig - April 2, 2013, 17:24

Lila – 20,

Nationalität (und Identität) sind kompliziert und meiner Ansicht nach immer Konstruktionen, die sich über die Zeit herausbilden.

Azmi Bishara scheint ja ein sehr schillernder Politiker zu sein, der sich, wenn ich ihn richtig verstehe, für ein binationales jüdisch-palästinensisches Israel ausspricht. In diesem Interview aus seiner Zeit als Balad-Vorsitzender spricht er Englisch, wirkt sehr reflektiert und trägt weder Hörner noch Bombengürtel 🙂 :

Das Interviewschnipsel von Fahti Hammad sagt für mich mehr über die Pro-Israel Blogosphere, als über die Palästinenser. Hammad agitiert schrill für den Kampf gegen Israel, betont die Bruderschaft aller Nationen innerhalb der arabischen Umma und begründet dies mit gemeinsamen historischen Wurzeln. Daraus abzuleiten, es gebe keine Palästinenser, finde ich etwas schlicht.

Es ist in etwa so überzeugend, wie wenn man behauptet es gebe keine Schweden, weil alle Schweden Skandinavier sind und überhaupt stehe das schwedische Königshaus kurz vor dem Zusammenbruch, weil die Bernadottes ja Franzosen (und eingeheiratete bürgerliche Deutsche) ohne Rückhalt in der schwedischen Bevölkerung seien.

Da spricht aus meiner Sicht ein nachvollziehbarer aber unrealistischer Wunsch, die Palästinenser mögen einfach verschwinden, genauso wie sich bekanntlich viele Palästinensern wünschen die „zugewanderten Zionisten“ sollten aus Israel verschwinden.

Ich glaube nicht, dass man durch semantische Tricks die palästinensische Nation wieder in die Flasche zaubern kann, auch nicht wenn der Begriff so erst in den 60ern aufgekommen ist.

24. Ludwig - April 2, 2013, 17:28

Silke – 21,

nochmal fürs Protokoll: Es gibt innenpolitisch gesehen zwischen Israel und Nordkorea genauso wenig Ähnlichkeit, wie zwischen Nordkorea und Grönland …

Zu Israel und Deutschland: Ich finde, Shimon Peres war in den letzten Jahren, der einzige hochrangiger Vertreter des Staates Israel, der die deutsche Öffentlichkeit erreichen konnte, weil alle anderen israelischen Regierungsmitglieder Positionen vertreten haben, die sich hier weit jenseits der Mitte der Gesellschaft befinden. Das könnte sich mit Tzipi Livni ändern, beide haben allerdings nur eingeschränkten Einfluss auf die Politik Israels.

Ähnliches gilt, finde ich, für das übliche Hasbara-Arsenal, es erreicht kaum jemanden, weil es sich an Positionen anlehnt die Pro-Likud und Pro-Israel gleichsetzen oder auf Zielgruppen und Debatten in den USA zugeschnitten ist, die mit unserem politischen Spektrum kaum etwas zu tun haben. Vieles davon wirkt auf mich eher kontraproduktiv.

Merkels Rede vor der Knesset 2008, als sie die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson erklärt hat, war sicherlich ein Hochpunkt der Zusammenarbeit zwischen Bundesregierung und israelischer Regierung. Die Regierung unter Merkel ist, so wird jedenfalls oft argumentiert, ausgesprochen pro-israelisch. Trotzdem hat sich seither Israels Verhältnis zu Deutschland verschlechtert, Tiefpunkte sind meiner Ansicht nach Deutschlands Enthaltung in der UNO-Vollversammlung letztes Jahr und auf Ebene der gesellschaftlichen Debatten, die Auseinandersetzung Augstein vs. SWC/Broder im Januar.

Das kann man natürlich alles auf irrationalen Antisemitismus in Deutschland schieben, es könnte aber auch an israelischen Politikinhalten und Argumenten liegen, die sich seit der Regierung Olmert so verändert haben, dass sie hierzulande bestenfalls der rechten Flügel der CDU/CSU und einige Randgruppen ansprechen.

Ich glaube eine Argumentation, die mehr auf die politische Mitte in Deutschland ausgerichtet ist, könnte Israel helfen. Letztlich was ändern wird sich allerdings erst, wenn es Israel gelingt greifbare Ergebnisse bei der Abwicklung der Siedlungspolitik oder durch die Wiederbelebung eines glaubwürdigen Friedensprozesses zu erreichen.

25. Lila - April 2, 2013, 17:48

Leider hab ich kaum Zeit zu antworten, hab darüber auch schon oft genug was gesagt.

Die Identität der Palästinenser ist viel weniger scharf umrissen, als Palästina-Romantiker gemeinhin denken. Selbstverständlich kann man die letzten 50 Jahre nicht mehr ungeschehen machen, in denen die palästinensischen Araber den Begriff für sich monopolisiert haben (vorher gab es bekanntlich palestinian Arabs und palestinian Jews), sich in verschiedenen Stadien von Stämmen und Sippen über Panarabismus zu einer palästinensischen Identität entwickelt haben und so weiter.

Es ist eben nur eine sehr junge Identität, aber es spricht nichts dagegen, sie anzuerkennen.

Jedoch spricht sehr viel dagegen, die Geschichte umzulügen, aus Juden Neuankömmlinge und Kolonisten aus Europa zu machen, und aus Palästinensern die ewigen Ureinwohner dieser Gegend, in die viele von ihnen auch erst im 19. Jahrhundert eingewandert sind. Da ist nichts Ehrenrühiges daran.

Und gar nciht so wenige palästinensische Familien sind aus zum Islam konvertierten Juden hervorgegangen, vor sehr vielen Generationen.

Es ist praktisch unmöglich, das auseinanderzurechnen, und man muß mit dem Heute leben, nicht dem Vorgestern.

Es stört mich eben nur, daß viele Leute das nciht zu wissen scheinen. Es gibt ebensowenig eine uralte palästinensische Identität wie es eine jordanische gibt. Das sind neue Gebilde, die aus den Trümmern der Kolonialreiche entstanden sind, diese wiederum sind auf den Trümmern des osmanischen Reichs entstanden, und dieses löste das oströmische Reich bzw Byzanz ab.

Das muß man wissen und akzeptieren.

Juden hingegen haben eine wesentlich ältere Identität als ethno-religiöse Gruppe und sind im Nahen Osten heimisch. Nicht in modernen Grenzen, sondern so, wie es hier eben über Jahrhunderte üblich war. Die ganzen arabischen Empfindlichkeiten darüber, daß Israelis Houmus essen, als hätten sie das Rezept klauen müssen und als hätten nciht jüdische Hausfrauen im Nahen Osten genau dasselbe gekocht wie ihre Nachbarinnen, nur eben koscher – die kommen aus dem Willen her, Juden ihre Zugehörigkeit zum Nahen Osten abzusprechen.

Dabei sind sie ein wesentlich fester umrissenes Volk, mit allen Veränderungen, Streitigkeiten und Rissen zwischen uralt und modern, as die Palästinenser oder auch wir Deutschen.

Der Zionismus hat die ethno-religiöse Gruppenzugehörigkeit auf die damals moderne Formel des Nationalstaats-Bestrebens gebracht, die die Palästinenser Jahrzehnte später ebenfalls für sich entdeckt haben.

Ich habe ihnen nie abgesprochen, daß sie sich heute als Volk fühlen. Ich spreche ihnen nur das Recht ab, die Juden als Erfindung zu bezeichnen, während sie selbst oft genug die Geschichte fälschen. Nicht alle, aber es kommt immer wieder vor, und ich halte es hier im Blog auch fest. Das stört mich, und es flößt mir wenig Vertrauen ein.

26. willow - April 2, 2013, 21:52

Stattdessen suchst Du lieber nach Argumenten für israelische Maximalforderungen, bzw. dafür den Status-Quo zu begründen. Da kann ich mich natürlich täuschen, aber so wirken Tenor und Subtext Deiner Posts auf mich.

Nö. Ich bin nur nicht der Meinung, daß *einseitige* israelische Zugeständnisse irgendetwas in Richtung Frieden bewirken … zuvor müssen „die Palästinenser“ und ihre Groupies ihre Phantasien von der Vernichtung der Juden begraben. Dann (aber tatsächlich erst dann) läßt sich über alles Mögliche verhandeln – solange „die arabische Seite“ jedes israelische Zugeständniss als Etappensieg auf dem Weg der vollständigen Vernichtung des Judenstaates ansieht, sollte man ihnen in dieser Hinsicht keine Gefallen tun … meine Meinung.

Im Übrigen, wenn schon das Beharren auf knapp 30% des vom Völkerbund zugesicherten „Maximalforderungen“ sind – was ist dann das Beharren „der Araber“ auf 100% ?

27. willow - April 3, 2013, 8:24

Auch hier

Ähnliches gilt, finde ich, für das übliche Hasbara-Arsenal, es erreicht kaum jemanden, weil es sich an Positionen anlehnt die Pro-Likud und Pro-Israel gleichsetzen oder auf Zielgruppen und Debatten in den USA zugeschnitten ist, die mit unserem politischen Spektrum kaum etwas zu tun haben. Vieles davon wirkt auf mich eher kontraproduktiv.

verwechseln sie Ursache und Wirkung – das mangelnde „Verständniss“ für Israel hat recht viel mit einer seit Jahrzehnten andauernden höchst einseitig antiisraelischen Medienkampagne zu tun … dies führt dann natürlich im Ergebniss dazu, daß „abweichende“ Stimmen irgendwie als Propaganda wahrgenommen werden – immerhin existiert ja die unterschwellige „Ahnung“, der Jude würde sowieso die Medien beherrschen.

Da werden dann -es muß ja wohl so sein- Stimmen wie die Lilas als bezahlte Propaganda abgetan, wird eine bekennende Linke ins Likut- und Republikaner-Lager gesteckt nur um nicht realisieren zu müssen, daß es „unsere“ offiziellen Medien sind, die seit Jahrzehnten vor allen Propaganda-Lügen verbreiten …

(Das kann schon skurile Züge annehmen, z.B. behaupten die gymnasialen Lehrbücher meines Bundeslandes, in Israel würde es keinen Zivil- oder Ersatzdiens geben, wer nicht zur Armee wolle, würde eingekerkert. Die Lehrerin ließ sich auch von der Hasbara-Propaganda meines kleinen Sohnes vom rechten Weg abbringen, sein großer Bruder würde gerade mit israelischen Zivildienstlern gemeinsam einen Freiwilligendiens leisten … alles, was irgendwie „pro“ Israel ist, muß nach Ansicht einiger Leute zionistische Lügenpropaganda sein … 😦 )

28. Culatello - April 3, 2013, 11:37

# 26 willow

„Im Übrigen, wenn schon das Beharren auf knapp 30% des vom Völkerbund zugesicherten “Maximalforderungen” sind – was ist dann das Beharren “der Araber” auf 100% ?“

30% von welchem Gebiet?

Veräppeln kann ich mich selbst.

Offensichtlich hast Du mal eben das jetzige Königreich Jordanien (= das frühere transjordanische Emirat) dem vom Völkerbund zugesicherten Gebiet zugeschlagen.

Tatsache ist aber, dass Jordanien lediglich von 1920 – 1923 dem britischen Mandatsgebiet zugehörte:

Großbritannien setzte auf der Konferenz von San Remo 1920 die Angliederung Jordaniens an das britische Mandatsgebiet Palästina durch. 1923 entstand dann durch Abtrennung der Gebiete östlich des Jordans das unter britischem Protektorat stehende Emirat Transjordanien mit Abdallah ibn Husain als Staatsoberhaupt. Ihm zur Seite stand der britische General John Bagot Glubb.
Am 25. Mai 1946 erlosch das britische Mandat und Transjordanien erhielt seine volle Unabhängigkeit. Abdallah I. nahm den Königstitel an.

Ganz schön manipulierend, ein Konstrukt, welches gerade mal nur 3 Jahre existierte – was zudem auch schon 90 Jahre her ist – einfach eins zu eins auf die Gegenwart zu transferieren.

Und bezüglich der Balfour-Deklaration sollte nicht unerwähnt bleiben, dass während des 1.Weltkriegs Großbritannien widersprüchliche Versprechungen gegeben hat, die kaum miteinander zu vereinbaren waren. Dazu gehörten die Husain-McMahon-Korrespondenz von 1915/1916, die arabische Unabhängigkeit versprach, das Sykes-Picot- Abkommen von 1916, das die Aufteilung des Gebiets zwischen Frankreich und Großbritannien festlegte sowie die Balfour-Erklärung von 1917, die den Juden die Schaffung einer „nationalen Heimstätte“ in Aussicht stellte.

Also 3 völlig widersprüchliche Zusicherungen (freilich hatten die Briten nur eines im Sinn: ihre eigenen Interessen, in diesem Fall die britische Kontrolle über die Land- und Wasserverbindungen zwischen Mittelmeer und Indischem Ozean auch weiterhin zu erhalten).

Ab 1923 umfasste also das britische Mandatsgebiet lediglich Westpalästina. Und hiervon macht das israelische Kernland ca. 75 % des zugesicherten Gebietes aus.

29. willow - April 5, 2013, 8:12

Ach Culatello …

Sie können sich drehen und wenden wie sie wollen, das Gebiet Palästina, das „den Juden“ vom Völkerbund als „nationale Heimstätte“ übergeben wurde, umfaßte auch die Teile Palästinas jenseits des Jordan. Das war auch durchaus angemessen – zur Zeit des 1.Weltkrieges waren ca. 7% der Bevölkerung des osmanischen Reiches Juden. Da der Völkerbund bei der Aufteilung des Reiches auch ethnische Minderheiten berücksichtigen wollte, scheint es nicht ungerecht, wenn 7% der Bevölkerung ein knappes Prozent des Gebietes „bekommen“.

Wobei es natürlich auch nachvollziehbat ist, daß nicht alle Muslime Palästinas mit der Aussicht glücklich waren, in einem Judenstaat zu leben … so wurde Palästina aufgeteilt: in ein Gebiet für die Juden und ein wesentlich größeres gebiet für arabische Moslems.

PS: Sie wissen schon, daß nach der Abteilung eines Teils Pallästinas für die muslimischen Araber alle Juden dieses Gebiet verlassen mußten?

30. Culatello - April 10, 2013, 8:01

# 29 willow

„Sie können sich drehen und wenden wie sie wollen, das Gebiet Palästina, das “den Juden” vom Völkerbund als “nationale Heimstätte” übergeben wurde, umfaßte auch die Teile Palästinas jenseits des Jordan.“

Eine Behauptung, die durch Nichts belegt ist!

31. willow - April 15, 2013, 9:18

Ach Culatello, das ist doch nicht der springende Punkt –
entscheidend ist vor allem, daß dieses Mandatsgebiet Palästina, welches in ein Gebiet für die Juden und ein Gebiet für die (muslimischen) Araber aufgeteilt werden sollte, auch die Gebiete östlich des Jordan umfaßte – informieren sie sich. Auch das heutige Jordanien ist ganz eindeutig Teil des Gebietes Palästina!

Die Gebiete östlich des Jordan wurden dann 1922 auch ausdrücklich als „arabisch-Palästina“ abgetrennt … damit sollte klar sein, daß die arabische Seite duchaus ihren Staat bekommen hat – sogar auf mehr als zwei Dritteln Palästinas. Die Aussage, es gäbe noch keinen arabisch-muslimischen Staat auf den Gebiet des Völkerbundmandatsgebietes Palästina ist eindeutig falsch 😉

http://world-media-watch.org/category/de-wdr/

32. willow - April 15, 2013, 9:19

der Zerberus schläft und schlummert nicht …

33. Culatello - April 15, 2013, 13:15

# 31 willow

Die von Ihnen verlinkten Karten sagen es doch selbst:

Was an dem Wörtchen ‘formerly’ – also ehemals, ehemalig – in „Formerly Part of Jewish Palestine“ ist nicht zu verstehen ?

Oder im dazugehörigen Text das Wörtchen ‚denied‘ – abgelehnt, verweigert – :
„Showing the area of Trans-Jordan, in wich the reconstitution of the Jewish National Home was denied“. – Zeigt das Gebiet Transjordanien, auf welchem die Rekonstituierung der Jüdischen Heimstätte abgelehnt wurde.

Das „original territory“ bestand nach den Karten gerade mal 2 Jahre und das ist auch schon über 90 Jahre her – wie ich übrigens in meinem obigen Post # 28 schon schrieb und wie dieses jetzt von Ihnen selbst durch den Link belegt wurde.
Danke, das erspart mir selber die Mühe des Verlinkens.

34. willow - April 15, 2013, 16:04

Sehr schön, auch sie erkennen als endlich an, daß es schon seit über 90 Jahre einen Palästinenserstaat gibt 😉

35. Culatello - April 18, 2013, 9:15

Ich erkenne als endlich an, dass es Weihnachtshasen gibt.


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