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Walfang in der Schweiz Dezember 28, 2011, 20:18

Posted by Lila in Land und Leute, Uncategorized.
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Was ich zu den Krawallmachern in Bet Shemesh und anderswo denke, muß ich wohl nicht extra sagen. Aber eines macht mich wahnsinnig an den vielen Kommentaren (zB die seitenweisen Leserkommentare nach Gisela Dachs´ sachlichem Artikel in der Zeit): Leute, lernt endlich, daß Ultra-Orthodoxe  nichts mit Siedlungspolitik, Nationalismus und so weiter zu tun haben! Die meisten deutschen Leserbriefschreiber verwechseln schlicht Nationalreligiöse mit Ultra-Orthodoxen. Und wenn es um den religiösen Fanatismus der Ultra-Orthodoxen geht, fangen sie an, von Palästinensern, Rassismus und Apartheid zu faseln. Wie Pavlovsche Hunde, denen zum Thema Israel einfach nichts Palästinenserloses einfällt.

Also noch einmal: die Ultra-Orthodoxen (Haredim), die im Moment gerade die sprichwörtliche von den Medien durchs Dorf getriebene Sau darstellen, sind absolut nicht identisch mit den Siedlern, von denen viele orthodox sind. Orthodoxe Juden und ultra-orthodoxe Juden – das sind zwei vollkommen verschiedene Gruppen. Es ist keinesfalls so, daß die ultra-orthodoxen einfach eine Steigerung der Orthodoxen darstellen.

Ultra-Orthodoxe sind ebenfalls keine homogene Masse. Es gibt viele verschiedene Strömungen. Manche Ultra-Orthodoxen sind gegen den Staat Israel und einige von ihnen sympathisieren offen mit Ahmedinijad. Auch Arafat hatte so ein paar haredische Freunde, die Brüderküsse mit ihm tauschten und ihm wünschten, er würde den gotteslästerlichen Staat Israel schon zerstört haben.

Neturei Karta

Andere Ultra-Orthodoxe sind dem Staat gegenüber positiv eingestellt, oder er ist ihnen egal. Viele von ihnen sind selbst gegen die Extremen und Fanatiker, die sich in Bet Shemesh und manchen anderen Städten unangenehm bemerkbar machen.  Und auch in Bet Shemesh muß man unterscheiden, wie dieser Bewohner mittels Karte klarmacht.

Nachdem letzten Freitagabend eine Reportage über die Stadt Bet Shemesh gesendet wurde,  ging gewissermaßen ein Aufschrei durch Israel.

Die Probleme in Bet Shemesh waren lange bekannt, sehr lange. Ich erinnere mich sogar noch Reportagen aus der Anfangszeit der ultraorthodoxen Übernahme der Stadt. Wir wußten schon lange, daß dort besonders die Schülerinnen einer Grundschule für Mädchen Zielscheibe für ultra-orthodoxen Zorn sind, weil sie eben als “normal fromme” Mädchen immer noch einen Zacken weniger keusch gekleidet sind, als diesen vorschwebt. Und dagegen protestieren sie, indem sie siebenjährige Mädchen in langen Röcken als Nutte und Shickse beschimpfen. Wie die kleine Naama.

Naama

Wie gesagt, ich habe diese Geschichte schon länger still verfolgt. Freitagabend dann ging ein kollektiver Aufschrei durch Israel, man hörte förmlich die Luft vibrieren. Freitagabend sehen natürlich nur säkulare oder sehr lässig fromme Menschen fern, deswegen wurde die Reportage mehrmals im Laufe der Woche wiederholt, in Ausschnitten natürlich. Sie konzentrierte sich auf eine Familie in Bet Shemesh, fromme, aus den USA eingewanderte Juden, die aber eben nicht ultraorthodox sind. Die Tochter der Familie, Naama, weint vor Angst und klammert sich an ihre Mutter, wenn sie in die Schule muß. Denn auf dem kurzen Schulweg lauern Ultra-Orthodoxe den Mädchen und ihren Müttern auf, bespucken sie, beschimpfen sie aufs Übelste, und machen den Mädchen den Weg zur Hölle.

Viele haben Bet Shemesh schon verlassen, weil sie den Kampf mit den Haredim nicht auf dem Rücken ihrer Kinder ausfechten möchten. Andere passen sich aus Angst an, auch wenn die zunehmende religiöse Radikalisierung ihnen gar nicht recht ist. Und manche finden es richtig gut, was dort abgeht.

Shai Gals Reportage in Ulpan Shishi

So wurde in der Reportage ein Fanatiker interviewt, der in die Kamera zischte: “na klar spuck ich ne Siebenjährige an, wenn sie unkeusch und provozierend gekleidet ist. Die Rabbanim haben uns die Macht gegeben, unsere Maßstäbe auf der Straße durchzusetzen. Die kranke säkulare Bevölkerung hat viel zu viel Einfluß. Wir sind gesund, ihr seid krank. Ihr behandelt eure Frauen wie Schweine, wir behandeln unsere Frauen wie Königinnen. Aber wir bestimmen, wie eine Frau auf der Straße aufzutreten hat. Macht euch drauf gefaßt, wir werden uns durchsetzen”.

Der Gegensatz zwischen dem vor Angst wimmernden Mädchen und dem bösartig zischenden Fanatiker war fernsehmäßig einfach nicht besser auf den Punkt zu bringen. Und damit war das Faß übergelaufen, das sich schon vorher über Jahre hinweg gefüllt hatte. Die nach Geschlechtern getrennten Busse, um die es in Jerusalem und Bet Shemesh schon lange Ärger gibt, die Bestimmungen, daß eine Frau in der Nähe einer Synagoge auf die andere Straßenseite zu wechseln hat, weil sie sonst die Männer beim Gebet stört oder ablenkt -das wußten wir alle schon lange, aber weil es eben nur in bestimmten Orten der Fall ist, haben die meisten Leute das nicht sehr ernstgenommen.

Jetzt war aber  gewissermaßen das Maß voll. Sofort meldeten sich Ultra-Orthodoxe zu Wort, die gegen solchen Fanatismus sind und ihn als unjüdisch brandmarken. Die arme kleine Naama, die sich vor Männern in schwarzen Klamotten fürchtet, muß nun mit einem steten Andrang ultra-orthodoxer Besucher fertigwerden, die mit ihr Chanukka-Kerzen entzünden und ihr Geschenke mitbringen (darunter der Minister der Shas-Partei, der Rabbi Amasalem, der als orientalischer Jude sowieso die Dinge lockerer sieht als die ashkenasischen Haredim).

Ich habe ja schon öfter meine Schwäche für Arie Deri bekannt, den ich seit seiner Zusammenarbeit mit Rabin für einen äußerst intelligenten, undogmatischen und interessanten Politiker halte, trotz Korruptionsaffäre.  Nun, er wehrte sich mit einer Vehemenz gegen die Fanatiker von Bet Shemesh, die ich bei wenigen säkularen Kommentatoren gesehen habe. Als Haredi spricht er ihre Sprache und er sagte ausdrücklich, daß er in dieser gewaltsamen Kampagne der Beschämung und Beschimpfung eine Gotteslästerung sieht, die Gott nicht verzeihen wird. Er sagte, es ist weit schlimmer, einen Menschen zu beschämen, einzuschüchtern oder ihm die Entscheidungsfreiheit zu nehmen, als sich “unzüchtig” zu kleiden. Er betonte ausdrücklich, daß die meisten Ultra-Orthodoxen nicht mit diesen Leuten in einen Topf zu werfen sind.

Und wer meint, alle Ultra-Orthodoxen sind Parasiten, der sollte sich ebenfalls vor ungerechten Anschuldigungen hüten. Viele Ultra-Orthodoxe arbeiten zwar nicht, aber für Männer wie die von Zaka habe ich höchste Hochachtung, und viele von ihnen engagieren sich in ihren Gemeinden und tun in ihrer Welt und auf ihre Weise Gutes. Aber sie halten sich vom modernen Staat und vom modernen Leben fern. Allerdings schicken sie Abgeordnete in die Knesset, die dort als Zünglein an der Waage ihre Rolle spielen und teilweise auch ausnutzen. Und viele von ihnen verachten den Staat zwar, nehmen aber trotzdem staatliche Unterstützung in vielerlei Form in Anspruch. Das ärgert Säkulare natürlich.

Das muß man also bedenken, wenn Berechnungen angestellt werden, nach denen alle Ultra-Orthodoxen fanatische Standpunkte vertreten und bald ganz Israel eine Spielwiese für Bet-Shemesh-Fanatiker wird. Wohl kaum.

Und damit nun zu den Siedlern und Orthodoxen, denen viele deutsche Leserbriefschreiber den Aufruhr in Bet Shemesh in die Schuhe schieben.

Liebe Leute, viele Siedler sind säkular, viele halten die Traditionen, ohne deswegen orthodox zu sein, und viele sind orthodox. Sie bezeichnen sich als dati-leumi, nationalreligiös, als politische Standortbezeichnung. Religiös sind die meisten von ihnen modern orthodox, sie verbinden also das aktive Leben in der modernen Gesellschaft mit einer orthodoxen Beachtung der religiösen Vorschriften.

Die Männer sind normal gekleidet, also nicht in schwarze Anzüge, Kaftan oder schwarze Hüte, sondern so wie alle anderen israelischen Männer auch. Irgendwo zwischen schlampig, sportlich und leger. Sie tragen aber meist eine gehäkelte Kippa (keine schwarze oder weiße aus Samt), und bei manchen sieht man die Strippen ihres kleinen Tallit rausgucken. Auch hier sind die meisten eben nicht fanatisch, sondern sie haben ihre Überzeugungen, die sie eloquent vertreten. Daß diese Überzeugungen dem Mainstream westlicher Medien nicht entsprechen, nun, das spricht noch nicht gegen sie. Sie arbeiten, dienen in der Armee (oft in besonders anspruchsvollen Einheiten), zahlen Steuern und beteiligen sich aktiv am öffentlichen Leben.

Einem Mann wie Arie Eldad, hervorragender Mediziner, Knesset-Abgeordneter und ein Mann von beißendem Witz,  höre ich ausgesprochen gern zu. Eldar und Yossi Sarid, der nicht weniger beißend witzige Meretz-Politiker, würde ich zu gern mal in einem Streitgespräch hören… das wäre ein Vergnügen.

Die Extremisten dieser Gruppe, die sogenannte hilltop youth, die auch langsam in die Jahre kommt, sind ganz anders als die Schreihälse von Bet Shemesh, und die beunruhigenden Fälle von jüdischem Terrorismus gehen meist auf ihr Konto. Die Polizeit hat sie auf dem Kieker, und sie haben sich dem Staat, den sie als verräterisch betrachten, tief entfremdet. Natürlich sind sie trotzdem gefährlich. Aber ich würde niemals allen Nationalreligiösen die Taten der Fanatiker vorwerfen.

Während sich Ultra-Orthodoxe in die Ghettotracht vergangener Jahrhunderte kleiden und dem modernen Straßenbild nicht entsprechen (was ihr gutes Recht ist), sehen viele nationalreligiöse Juden ein bißchen freakig aus. Ultra-orthodoxe Juden kann man sehr grob in arm und reich unterteilen – manche ultra-orthodoxen Familien, die ich auf dem Flughafen sehe, scheinen aus einer gepflegten Traumwelt zu kommen, von der die gehetzten, mit Einkaufstaschen bepackten Ultra-Orthodoxen in Jerusalem eine Welt trennt. Nationalreligiöse Juden kleiden sich teilweise schick und modisch, die Frauen haben meist Hüte auf… oder sie sind jung, tragen Sandalen, die jungen Frauen haben lange, schön gebundene Tücher auf dem Kopf und tragen lange, weite Röcke.

Ultra-orthodoxe Männer haben immer Bärte und Schläfenlocken, orthodoxe haben manchmal einen Rauschebart, und nicht alle haben Schläfenlocken.

Die Familie Bogner ist eine ganz typische Familie von Anglos, Siedlern, nationalreligiösen modernen Orthodoxen. Die Familie Fogel ist ein weiteres typisches Beispiel. Die traditionelle starke Stellung der jüdischen Frau sieht man bei ihnen nicht nur innerhalb der Familien, sondern auch nach außen hin. Gerade die Siedlerbewegung hat ein paar der bekanntesten öffentlich wirksamen Frauen in Israel hervorgebracht, von denen keine so leicht unterbuttern läßt – von Geula Cohen über Daniella Weiss bis Nadia Matar.

Eine bekannte Autorin wie die orthodoxe Naomi Ragen gehört zu den ersten und lautstärksten Kritikerinnen der ultra-orthodoxen Geschlechtertrennung – lange bevor die Medien das Thema entdeckten.

Es ist unmöglich, die einen mit den anderen zu verwechseln – wenn man denn überhaupt weiß, wovon man redet. Die vielen Kommentatoren, die mit einer Vehemenz ihren gänzlich unangebrachten Zorn über eine angebliche Siedlungspolitik der Ultra-Orthodoxen zum Ausdruck bringen, wirken für Informierte ungefähr so komisch, als würde ein Bericht über eine Sitzung des EKD in Deutschland hier in Israel mit Gift und Galle über Papst und Zölibat begrüßt, oder eine Reportage über die Schweiz mit einer automatischen Verdammung des Schweizer Walfangs. Wirklich, es ist ja nett, daß Leute ihre Meinungen haben, aber wie wäre es mal mit ein bißchen Sachkenntnis?

Kommentare

1. mibu - Dezember 28, 2011, 21:10

In dem verlinkten Zeit-Artikel konnte ich nun allerdings auch keinen Bezug zwischen Siedlerbewegung und Ultra-Orthodoxen feststellen.

Es gibt in der Schweiz an einem schönen See immerhin einen Ort, der sich Walenstadt nennt. Man kann sich zwar schwer vorstellen, dass darin Wale herumschwimmen. Aber mancher wäre wohl nicht so überrascht, wenn ein Ungeheuer a la Loch Ness seinen Kopf aus dem Wasser heben würde.

2. Jack - Dezember 28, 2011, 21:18

Es gibt schon komische Leute. Und einigen darf man das auch nicht durchgehen lassen.

Ein Kind als Nutte zu bezeichnen usw. – ‘Alter, geht’s noch, hast du ‘n Schaden, oder was?’
Insofern – Presse hin oder her, so etwas geht gar nicht. Und schon gar nicht sollte und darf das so weiter gehen. Weder in Israel noch in Deutschland oder sonst wo auf der Welt.

3. Lila - Dezember 28, 2011, 21:25

Oh, selbstverständlich nicht, Mibu. Gisela Dachs weiß genau, wovon sie redet. Aber die Kommentatoren nicht. Pardon, das muß ich deutlicher machen, ich dachte, es wäre klar, daß ich mich auf die Laberfaxen in den Leserkommentaren bezog… übrigens nicht nur in der ZEIT.

4. Roithamer - Dezember 28, 2011, 21:52

Die Schweizer können keine Walfänger sein?

5. Lila - Dezember 28, 2011, 21:55

Hmmm… das Meer haben sie, die Flotte auch, sie sind für ihre Fischgerichte bekannt…

Mann Mann Mann, am Ende stellt sich tatsächlich raus, daß die Schweizer ganz großen Profit beim Walfang machen :-D Du machst mich gerade gaaanz schwankend…

6. willow - Dezember 28, 2011, 22:03

nun, ich kenne die Schweizer nur als Wal-Nuß-Fänger …

7. allan - Dezember 28, 2011, 22:14

Das mit der “pritze” ist ja nicht gerade neu. Das hat man auch schon vor 60 Jahren in Meah shearim Frauen in Hosen oder zu kurzen Ärmeln nachgerufen…

8. Lila - Dezember 28, 2011, 22:16

Es ist aber doch ein Unterschied, ob man es erwachsenen Frauen in Hosen oder kurzen Ärmeln nachruft, oder kleinen Mädchen in züchtiger, aber eben nicht ultraorthodoxer Kleidung… auch die kleine Naama kommt aus einem religiösen Haushalt, ihre Mutter trägt Kopfbedeckung und Rock.

Inakzeptabel ist natürlich beides.

9. allan - Dezember 28, 2011, 22:17

“Es gibt in der Schweiz an einem schönen See immerhin einen Ort, der sich Walenstadt nennt.”

Genau. Und wie heisst der schöne See? Walensee natürlich…

Die Schweiz hat übrigens tatsächlich eine Flotte, und als Alinghi gerade den Amerika’s Cup gewonnen hatte, die Skifahrer aber gerade Flaute hatten, kam der Witz auf “Wir sind halt eine Segel-Nation”.

10. Lila - Dezember 28, 2011, 22:18

Eine Walfang-Flotte…? :-D

Mir scheint, ich bin da auf einer heißen Spur… Walensee… und die Welt vertuscht´s.

11. allan - Dezember 28, 2011, 22:19

“Es ist aber doch ein Unterschied, ob man es erwachsenen Frauen”

Wer kommt auf die Idee, das ernst zu nehmen?
Das spucken, OK, die Agressionen, OK, aber “pritze” ist dort ähnlich geläufig wie “putain” (ausdruck der Verwunderung oder zur Verstärkung) auf Französisch…

12. Lila - Dezember 28, 2011, 22:32

Ernstnehmen als Äußerung einer beachtenswerten Meinung, nein. Aber ernstnehmen als Ausdruck einer tiefsitzenden Störung, schon eher. Wer stellt sich denn hin und schreit Fremde an, nur weil sie sich anders kleiden, als man es für richtig hält? Da könnten wir uns ja auch an den Ortseingang stellen, und jedesmal, wenn die schicken Wochenend-Touristen aus Tel Aiv ankommen, uns die Kehle wund schreien: Städter! Städter! Gesindel!

Mich erschrecken die Bilder schon, dieses monotone Schreien mit abgewandtem Blick. Das kann doch nicht normal sein.

13. mibu - Dezember 28, 2011, 22:32

allen, in ähnlicher Weise haben die Österreicher, nachdem die Schweizer ihnen ein paar Skifahrtitel abgenommen hatten, bemerkt, dass Österreich eben doch eher eine Fussballnation sei …

14. Marlin - Dezember 28, 2011, 22:49

Danke für die Versachlichung und Aufklärung, Lila.

Ich war echt wütend, als ich das gelesen habe. Gut, dass sich viele dagegen stellen.

Aber was ich als Verwandter eines solchen Kindes mit solchen Typen machen würde, wäre leider gerichtsverwertbar. Und würde dazu noch zu fiesen Schlagzeilen führen: “Deutscher verprügelt gläubige Juden in Israel!!” (Vielleicht auch mit mehr Ausrufezeichen.)

Aber ernsthaft, diese Leute müssen doch zur Raison gebracht werden..

Danke nochmal.

15. Lila - Dezember 28, 2011, 22:54

Am besten hat es Arie Deri gesagt. Auf die Frage, “gibt es denn keinen Rabbi, der diese Leute zur Vernunft bringen kann?”, hat er gesagt: “doch, den gibt es. Der Rabbi Danino”. Danino ist der Polizeichef.

Ich sage ja, man fühlte richtig den kollektiven Aufschrei, der durch Israel ging. Der Blutdruck schnellte im ganzen Land in die Höhe. Die Säkularen, sonst eher zur Lässigkeit geneigt, und auch die traditionellen Juden, die gar nichts gegen Religiöse haben, begreifen endlich, wie weit die Fanatiker unter den U-O zu gehen bereit sind.

Es kam mir ein bißchen vor wie der aufgerüttelte Baumbart. Mal sehen, was daraus wird. Man darf natürlich nicht umgekehrt den Haredim das Leben zur Hölle machen. Aber Respekt vor dem Gesetz und Respekt vor anders Lebenden, das muß in einem demokratischen Staat unabdingbar eingefordert werden.

Sonst kommt der Rabbi Danino.

16. mibu - Dezember 28, 2011, 23:38

Hab’ mir jetzt doch mal die Kommentare zum Zeit-Artikel etwas durchgesehen … eigentlich finde ich, dass das noch geht. Dabei ist mir sogar positiv aufgefallen, dass deren Online-Redaktion offenbar recht aufmerksam ist. Entweder schreiben sie mahnende Bemerkungen in die Artikel oder hauen völligen Schrott gleich ganz raus – mit entsprechendem Hinweis an den Autor.

Vermutlich können viele mit der Meldung kaum etwas anfangen, da sie schon Probleme damit haben säkulares, liberales, konservatives und orthodoxes Judentum auseinander zu halten. Und dann noch ultra-orthodox. Einige Kommentatoren schreiben daher auch, dass sie’s für ein innerisraelisches Problem halten.

Die Probleme scheinen sich in jüngster Zeit zu häufen. Heute steht in Haaretz ein Artikel über eine junge Soldatin, die von Männern im Bus angepöbelt wurde, dass sie sich in den hinteren Teil des Busses begeben solle. Die Sache eskalierte so, dass der Fahrer den Bus schliesslich anhielt und die Polizei rief. Was die gläubigen Herren scheinbar nicht nicht wirklich beeindruckte. Dass bei solchen Stories vielen Israelis der Hut hochgeht kann ich mir lebhaft vorstellen. Ginge mir nicht anders.

17. allan - Dezember 28, 2011, 23:38

Also wenn ich richtig verstehe, hatte das Ganze eine Vorgeschichte.
Ist das nicht diese Schule mit dem Neubau, dessen Eröffnung man anfangs dieses Schuljahres verhindern wollte? Hatte der Bürgermeister nicht am Anfang die Eröffnung der Schule verhindert?

In diesem Film wird ja gar nicht gesagt, auf wann das Trauma dieses Mädchens zurückgeht. Wenn mich nicht alles täuscht, haben sich da am Anfang des Schuljahres ziemlich wüste Szenen abgespielt.

Nicht dass ich für die Verhinderungstaktiken, Besitzansprüche und illegale Machtausübung der Sikrikim bin, aber in diesem Fall haben ja auch die Eltern der Schülerinnen ihre Kinder – notgedrungen, ins Handgemenge gestürzt, weil sie diesem Schulneubau nicht einfach abschreiben wollten.

Seit diesen wüsten Szenen am Schuljahresbeginn (Polizeischutz für Schülerinnen) hat man von der Sache nicht mehr sehr viel gehört, jetzt schwappt das Ganze wieder in den Medien hoch.

18. J.P. - Dezember 28, 2011, 23:39

Die besten Schweitzer Walfänger wohnen in Wallis?

19. grenzgaenge - Dezember 28, 2011, 23:47

Einfach DANKE für diesen Artikel, Lila :-)

20. Paul - Dezember 29, 2011, 1:10

Lila, vielen dank für Deine Mühe für uns Unwissende oder Halbwissende Licht in das Dunkel zu bringen. Für einen Außenstehenden und das bin ich bei allem Interesse für Israel und das Judentum, ist es außerordentlich schwer diese Unterschiede zwischen den einzelnen Richtungen überhaupt wahrzunehemen, geschweige denn, sie zutreffend bewerten und einordnen zu können.
Habe Geduld mit den unwissenden Gutwilligen.
Den unwissenden Böswilligen schicke Deine volle Breitseite!

Dein Beitrag hat mir jedenfalls einen Erkenntnisgewinn gebracht.

21. Heimo - Dezember 29, 2011, 1:51

Ja auch danke für die Aufklärung in diesem Artikel – werde den link gleich a bissel weiterleiten

22. Heimo - Dezember 29, 2011, 4:17

zum Thema noch aus Uri Russaks blog: http://uristagebuchausisrael.blogspot.com/2011/12/parallelen.html

apropos Walfang in der Schweiz – in schwyzer dütsch hat man einfach das ‘h’ weggelassen – tatsächlich handelt es sich lediglich um Wahlfang für die nächsten Bürgermeisterwahlen in Walenstedt ..

23. boxi - Dezember 29, 2011, 4:17

so wie sie die welt erklären, sollten es viel mehr menschen versuchen. danke.

24. Lila - Dezember 29, 2011, 4:40

Letters from Rungholt – the blog that never sleeps. Wollt Ihr wohl ins Bett gehen!!!

25. mibu - Dezember 29, 2011, 10:02

Nur nebenbei: die Schweiz war noch vor etwa 100 jahren ein relativ armes Land, so dass mancher Schweizer zum Brot verdienen recht weit in die Welt hinaus ging. Wenn es nicht zur vollständigen Auswanderung kam, konnte aus manchen Gelegenheiten eine Familientradition werden, die vielleicht sogar noch andere eines Dorfes mitzog. Daher erklärt es sich, dass es tatsächlich Familien mit Tradition in der Hochseeschifffahrt gab (und vielleicht noch gibt). Die päpstliche Schweizergarde ist übrigends ebenfalls ein Relikt dieser Zeiten.

26. GerdEric - Dezember 29, 2011, 10:57

Danke für den aufklärenden Bericht.

SLM
GerdEric

27. heplev - Dezember 29, 2011, 13:40

Zu den Reaktionen in Deutschland: Es ist immer wieder faszinierend, wie ausgerechnet diejenigen, die in Sachen Islam immer und ständig Differenzierung fordern und Vielfalt betonen, bei jüdischen/israelischen Dingen alles und jeden in denselben Topf werfen und auf Teufel komm raus nichts mehr von Differenzierung und Unterschieden wissen wollen.

28. Wolfram - Dezember 29, 2011, 13:46

Und unsereins soll Konfirmanden in ein paar Stunden die grundlegenden Linien des Judentums erklären… ich glaube, dafür werde ich Dr. Weill anfragen, den örtlichen Vorsitzenden der Gemeinde.

Zwei Assoziationen.
1) In Frankreich sind Protestanten fast so selten wie Juden, und noch dazu in über 200 Gruppierungen aufgespalten, mit mehreren nationalen Dachorganisationen: Fédération Protestante de France, Conseil National Évangélique de France.
Und regelmäßig bekomme ich Anrufe: “da waren Leute da, die haben… Ja, wissen Sie, ich bin ja mal protestantisch aufgewachsen, aber das war doch ganz anders. Wie sind SIE denn, sind Sie denn ordentlich?” Natürlich, Madame…
und alles, was “évangélique” heißt, ist auch nicht new-born-evangelical nach US-Manier, auch wenn es da manche Auswüchse gibt. Zu erzählen, daß “protestant” eigentlich ein innerdeutsch verwurzelter Begriff ist, der historisch in Frankreich gar nichts zu suchen hat, ist eh nutzlos.
Und wenn man das durch hat, dann fragen manche: “ja, glaubt ihr denn etwa an die Jungfrau Maria?”

2) Ich habe ja nun einige Jahre im jüdischen Viertel in Straßburg gelebt, drei Fußminuten von der Synagogue de la Paix entfernt; habe akustisch das Sukkoth im Nachbarhof miterlebt, den Boulevard de la République schwarz vor Menschen am Jom Kippur, habe anderthalbjährige Jungs gesehen, die statt Kippa Strickmütze aufbekamen (im Juli!), wenn sie aufs KLettergerüst stiegen, und Jugendliche, die mit einer Hand auf dem Kopf Fußball spielten, offenbar war die Halteklammer verloren gegangen. Ich hatte Nachbarn, die nur in schwarzem Mantel und Hut mit Schläfenlocken und Bart, bzw. die Frauen im langen dunklen Rock mit weißem Jäckchen unterwegs waren, die Kinder entsprechend. Uralte Peugeot Familiale standen vor der Tür, viele Kinder müssen transportiert werden. Andere Nachbarn (der Junge hieß Ariel und war ne Pest…) waren immer mit Kippa, aber sonst konventionell gekleidet, und einer der Wohnungsbesitzer fiel nur durch seine offenbar festgewachsene Baseball-Kappe auf.
Noch andere waren nur durch den Namen oder gar nur sommers durch die Nummer auf dem Arm als Juden zu erkennen…
Erstaunlicherweise war sich niemand zu fein, mit dem Deutschen zu reden, der herzlichste von allen war der mit der Nummer: “wenn Sie mit irgendwas Kummer haben, kommen Sie zu mir; ich regele das für Sie.”
Von meinen verkratzten Autotüren mal abgesehen, war da niemand agressiv. Niemand hielt dem anderen offen vor, nicht jüdisch genug zu sein – oder umgekehrt, sich zu streng zu verhalten.
Der junge Krankenpfleger, mit dem ich mich einmal unterhielt, erzählte, er übernähme immer die Sonntagsdienste für die Kollegen, die seine Samstagsschicht übernähmen; das klappte wunderbar. Und die Krankenschwester in einer anderen Abteilung zeigte niemandem ihr Haar, aber das wußten auch nur wenige: sie trug Perücke.

Warum werden manche Menschen so radikal, wenn sie die Mehrheit bilden? Als angefeindete Minderheit – das verstehe ich; die Abgrenzung wird dann identitär. (So bei den französischen Protestanten, fast mehr als bei den Juden in Straßburg.) Aber in Israel sind Juden doch unzweifelhaft in der Mehrheit…

29. derkufnerr - Dezember 29, 2011, 15:13

Herrlicher Text & Medienkritik vom Feinsten!

Schönste Grüße von der Insel Rügen,

Klaus Kufner

30. Yael - Dezember 29, 2011, 16:04

§Orthodoxe Juden und ultra-orthodoxe Juden – das sind zwei vollkommen verschiedene Gruppen.”

Lila, das kannst du noch sooft betonen, es wird bei vielen nichts nützen. Manche können eben nur mit einem einfachen Weltbild leben. Differenzierungen überfordert schon die meisten.
Bei solchen Ultras, wie im Artikel beschrieben, möchte ich als Orthodoxe nie leben wollen und die meisten Orthodoxen auch nicht. Eigentlich sagt das schon alles.

31. Yael - Dezember 29, 2011, 16:22

PS: Man muss allerdings auch bedenken, wie stereotyp Juden dargestellt werden, vor allem in Dtl. Denn sobald von der Orthodoxie gesprochen wird, wird garantiert ein haredischer Jude vor die Kamera gezerrt.

32. Sanníe - Dezember 29, 2011, 20:22

Danke Lila, daß da ein Unterschied bestehen könnte – außer in der Intensität natürlich – habe ich bisher keinem Artikel entnehmen können.

Es ist überall das gleiche mit den bärtigen Männern. Ich wünsche mir Religionsfreiheit immer mehr als das Recht auf Freiheit von Religion.

33. Buenzli - Dezember 30, 2011, 11:04

Als Schweizer kann ich bestätigen, dass die Schweiz tatsächlich eine Hochseeflotte hat, aber sie ist nicht sehr gross, ungefähr 40 Schiffe. Walfänger sind keine dabei und würden wahrscheinlich auch nicht erlaubt.

Näheres über die Geschichte der schweizer Hochseeflotte hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_Hochseeschifffahrt

Der Name Walensee hat allerdings gar nichts mit Walen zu tun, es gibt dort auch keine Wale (dafür ist er viel zu klein). Walen kommt von Welschen – Welschensee, Walensee, weil früher einmal die Sprachgrenze zwischen Deutsch und romanischen Sprachen dort verlaufen ist.
Dazu hier näheres:
http://de.wikipedia.org/wiki/Walensee

34. heplev - Dezember 30, 2011, 14:16

Man soll es nicht für möglich halten, aber da wir so gerne von israelischen Reportern unterrichtet werden (sollen), hier ein Schwachsinn von Gil Yaron (s. besonders den vorletzten Absatz):
http://www.audiatur-online.ch/2011/12/30/israel-ist-nicht-teheran/

Gil Yaron ist eine der Hauptquellen der NRW-Lokalradios. Er hat schon so einige Klopper gebracht, aber dass er diese Eintopfung nicht richtig stellt, sondern so stehen lässt, ist mehr, als ich bisher von ihm erwartet habe. Für mich fällt so etwas inzwischen deutlich in die Kategorie Hetze.

35. Lila - Dezember 30, 2011, 14:53

Ich kann kaum glauben, daß ein Israeli solchen Unfug erzählt, noch dazu einer aus Nahariya :-(

36. steponas - Dezember 30, 2011, 15:01

Lila, vielen Dank für den Artikel!
Ich finde, es ist so eine wichtige Informationsquelle und sehr bereichernde Ergänzung, von Leuten aus dem Land direkt über Aktuelles informiert zu werden. Die Presse in Deutschland ist leider derart tendenziös, dass man auch einfach gezwungen ist, sich selbst zu informieren.

37. Yael - Dezember 30, 2011, 16:33
38. Yael - Dezember 30, 2011, 16:46

Hi Heplev, in der Tat ein Schwachsinnstext dieses Yaron. Der vorletzte Absatz schlägt wirklich alles.

39. grenzgaenge - Dezember 30, 2011, 17:30

@38: Nun, vielleicht hat Yaron nur eine andere Meinung ? Ich habe ihn öfters bei Vorträgen gehört und betrachte Yaron als durchaus kompetent.

40. A.mOr - Dezember 30, 2011, 18:50

!Alles Fanatiker!

:P Schabat schalom ale.hem.

41. willow - Dezember 30, 2011, 23:26

Ne Menge Shemspeed-Fans hier :-) schön!

(ich kann deren Tücher nur allerwärmstens empfehlen: http://shemspeed.com/apparel-3/ und überhaupt ;-) )

42. jim - Dezember 31, 2011, 0:00

8)

43. grenzgaenge - Dezember 31, 2011, 17:53

Meine kläglichen 10 Agorot zum Thema:

http://grenzgaenge.wordpress.com/2011/12/31/10-agorot/

44. „Walfang in der Schweiz“ « grenzgaenge - Dezember 31, 2011, 18:08

[...] Walfang in der Schweiz [...]

45. A.mOr - Dezember 31, 2011, 21:41

;) willow, die deutsche Sprache hat doch hin und wieder Charme: „…die Tücher allerwärmstens empfehlen…“; Küßchen zurück. Und überhaupt,…

:cool: jim, da verrat ich Dir wohl nichts neues, wenn ich Dir sage, daß wir den Frauen besser zuhören sollen? :roll: ?Leichter gesagt als gehört? Sieh mal hier…

:D ale.hem: A Happy Jew Year!

(Und überhaupt… ;) )

46. grenzgaenge - Januar 1, 2012, 16:54

DAS macht mich immer wieder und traurig. Wie kann man den Nationalsozialismus nur auf diese Weise instrumentalisieren ?

http://grenzgaenge.wordpress.com/2012/01/01/diese-bilder-wie-kann-man-nur/

47. Lila - Januar 1, 2012, 19:26

Einfach nur unmöglich. Widerlich. Ich wollte nichts dazu sagen, aber eigentlich richten sich diese Leute selbst.

Gerade war im Fernsehen einer, der meinte, er kann es “erklären”. Das ist einfach nicht zu erklären.

Ich habe schon gehört, daß Charedim zu oft andere als nazim und germanim beschimpfen. Aber so weit zu gehen – unmöglich. Ein Mummenschanz. Eine Verhöhnung der wahren Opfer.

Noch dazu, wo der ganze “grauenhafte Haß auf die Charedim”, den sie jetzt beklagen, nie über sie ausgegossen worden wäre, hätten sie sich nicht wie die Axt im Walde betragen. Es hat wirklich die Bilder von schimpfenden, spuckenden, Steine werfenden Charedim gebraucht, um die Säkularen und traditionellen Juden auf die Barrikaden zu treiben. Und wären nicht unschuldige, verängstigte kleine Mädchen die Zielscheibe gewesen, sondern erwachsene Frauen, wie schon seit Jahren, wäre der Volkszorn nicht so hochgekocht, wie man so schön sagt.

Nein, es gibt keine Rechtfertigung für so eine derbe, freche Geschichtsfälschung, für so eine gemeine Instrumentierung. Ich habe gedacht, jetzt kommt mir gleich das Essen hoch, als ich die Bilder sah.

Diese Menschen leben auf einem anderen Planeten. Für die Extremen unter den Charedim, die dieses ekelhafte Spektakel inszeniert haben, habe ich keinerlei Respekt.

Und den Medien vorzuwerfen, generell gegen Charedim zu sein, ist lächerlich. Die Medien haben mit Laternen nach Charedim gesucht, die die Aggression gegen Mädchen und Frauen verurteilen. Sie haben sich auf Seite der Frauen und Mädchen gestellt, das stimmt. Aber deswegen sind sie noch lange nicht anti-charedisch. Hätten die Charedim sich nicht so aggressiv verhalten, wäre das alles nicht so weit gekommen.

Ich bin wirklich, wirklich empört, und aus allen Reaktionen spricht die gleiche Empörung. Die Sache ist noch nicht ausgegessen.

Dazu kommt, daß heute auf den Vorschlag, Bet Shemesh zu teilen, in einen charedischen und einen nicht-charedischen Teil, die Charedim meinten: das geht nciht, dann haben sie nicht genügend Steuereinnahmen, um ihre INfrastruktur zu erhalten.

Na klar, die Deppen, die sich von ihnen anspucken lassen müssen, dürfen ihnen die Schulen finanzieren, in denen Kindern beigebracht wird, daß Shoah und kritische Fernsehkameras genau dasselbe sind.

PUH ich muß mich beruhigen.

Da kommt noch was nach. So eskaliert man eine Situation. Und so ärgert man einen Goldesel nicht.

48. Stoff für’s Hirn « abseits vom mainstream – heplev - Januar 2, 2012, 5:55

[...] Leute ihre Meinungen haben, aber wie wäre es mal mit ein bisschen Sachkenntnis?“, fragt Lila am Ende ihres Artikels über die gängigen Vorurteile und das lauthalse Gebrülle, wenn mal wieder was [...]

49. Naomi - Januar 2, 2012, 8:36

Ja, Lila -

ich bin ebenfalls über die Bilder der Sikrikim in KZ-Kleidung und Davidsstern schockiert und entsetzt,

Bei ihrer Demo zeigten die Sikrikim übrigens auch Plakate mit Parolen, wie: “Zionisten sind keine Juden” und “Zionismus ist Rassismus”.
Und dannn drehten sie komplett durch, da schrieben sie nämlich auf Plakaten:
“Orthodoxe Juden fordern die Präsenz internationaler Truppen, um sie zu schützen!”

http://www.jpost.com/NationalNews/Article.aspx?id=251674

Der ursprüngliche Grund für die Demo dieser durchgeknallten religiösen Fanatiker war übrigens (laut TSP) der anstehende Haftbeginn (2 Jahre Gefängnis) für einen ihrer Studenten. Er war in einem Jerusalemer Laden für elekronische Musikausrüstung in Rage geraten, weil solche Musik zu “unzüchtigem Verhalten” führe und hatte den Laden dann komplett demoliert.

Einer der fanatischen Demonstranten erklärte als Grund für die Demo: “Diese Lage, in die wir geraten sind – dass ein unschuldiger Religionsstudent für zwei Jahre ins Gefängnis gehen muss – ist genau wie damals die Lage der Juden während des Holocausts.”
Ein Holocaust-Überlebender fragte daraufhin schockiert, ob dieser Mensch überhaupt wüsste, was während des Holocausts passiert sei.

http://www.tagesspiegel.de/politik/empoerung-in-israel-ueber-ultraorthodoxe/6010624.html

Die Idee, Beit Shemesh in zwei strikt voneinander getrennte Viertel aufzuteilen, fand ich ebenfalls völlig daneben. Damit wäre das Problem nur noch umso fester einbetoniert worden.
Eine derartige Teilung hätte ja nicht nur die Gruppe der verrückten, mehr als “kranken” Sikrikim betroffen. Denn es sind vor allem ihre Kinder und Jugendlichen, die den Entscheidungen dieser erwachsenen Fanatiker hilflos ausgeliefert sind. Und in einem dermaßen abgeschlossenen Viertel hätten sie noch weniger Chancen, dieser verheerenden Indoktrination zu entkommen.

Wie ich eben las, wollen die Sikrikim aber keine Teilung mehr. Es wäre eh der falsche Schritt gewesen.

http://www.ynetnews.com/articles/0,7…169211,00.html

50. Naomi - Januar 2, 2012, 8:41

Sorry –
der letzte Link geht anscheinend nicht.

Hier ist er noch mal:

“Haredim reject Beit Shemesh division plan

Member of extremist group tells Ynet Sikrikim prefer living under ‘secular rule’; moderate haredi resident believes that ‘without seculars, zealots will direct all their violence at us’.”

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4169211,00.html

51. Naomi - Januar 2, 2012, 9:01

Und gleich noch ein dritter Text ;) :

In der WELT las ich eben, dass der extremistische Student, der jetzt seine Haftstrafe antreten muss, in Jerusalem “Angriffe auf einen religiösen Buchladen initiiert” hatte, der ihm und seinesgleichen nicht religiös genug war.
Es war also kein Musikladen.

Aber das ist ja wurscht. Die Sikrikim hatten im Oktober auch in einem Jerusalemer Eisladen randaliert, weil sie der Meinung waren, dass es zur Promiskuität verführt, wenn man öffentlich an einem Eis leckt.
Diese Fanatiker sind wirklich nicht mehr ganz dicht.

Und wenn die Sikrikim meinen, der israelische Staat mische sich ungerechtfertigt in ihren religiösen Lebensstil, dann sollten sie doch als Erstes auf die großzügigen Alimente verzichten, die sie vom Steuerzahler erhalten.
Und dann sollten sie vor allem mal darüber nachdenken, was umgekehrt sie selber tun, da sie sich nämlich andauernd in das Leben anderer Menschen einmischen, die nicht so religiös oder gar nicht religiös leben wollen.

Also – ich würde ihnen (als Regierungschef) am liebsten als Erstes alle Gelder sperren.
Aber okay – das funktioniert ja wohl auch nicht.

52. Culatello - Januar 9, 2012, 18:04
53. A.mOr - Januar 10, 2012, 18:40

Scusi, Culatello, gehört Deine Karikatur nicht in die Spalte „Hohn und Spott“???

54. Culatello - Januar 11, 2012, 14:27

A.mor, da würde sie ebenfalls gut hinpassen.

Es ist schon erstaunlich, dass die einzige Sache in der sich religiöse Fanatiker unterschiedlicher Glaubensrichtungen einig sind die Frauenfeindlichkeit ist.

Christen sind hierbei natürlich nicht ausgenommen.
Ich erinnere mich noch an praktisch die gleichen Vorfälle in Irland, als fanatische Protestanten kleine katholische Schulmädchen auf ihrem Schulweg bedrohten und anspuckten.

Was mich aber an obigem Bericht besonders abstösst, ist die Tatsache, dass sich offensichtlich erwachsene Männer von ein paar dürren nackten Kleinmädchenbeinen aufgeilen lassen (oder zumindest die Befürchtung haben, dass es dazu kommen könnte und aus diesem Grunde die “züchtige” Bedeckung fordern).

Widerliches Pädophilenpack !!

55. Lila - Januar 11, 2012, 15:11

Es ist ja noch nicht mal das – die Mädchen in Bet Shemesh gehören zu religiösen Familen und zeigen kein Beinchen. Sie tragen lange Röcke. Es ist nicht so, als würden sie mit kurzen Höschen und bauchfreien T-shirts rumlaufen. Ich stell Euch mal den Link zu einer englischen Reportage rein, die in Folge der Ulpan-Shishi-Reportage entstanden ist.

Man sieht genau, daß Naama immer Röcke und Strumpfhose trägt.

Übrigens ist es möglich, daß Yair Lapid diese Reportage, die in seiner Sendung gebracht wurde, zeitlich passend zu seinem Einstieg in die Politik getimet hat.

Und hier ist das Interview mit Arie Deri, das ich erwähnt hatte. Wer Hebräisch kann – hört zu. Chillul ha shem bedeutet Gotteslästerung.

56. willow - Januar 11, 2012, 16:55

Ein Glück nur, daß “die” den Bogen wohl wirklich überspannt haben … das hier sieht dann wieder typisch israelisch aus – nettes Video ;-) :

http://www.haolam.de/index.php?site=artikeldetail&id=7551

Achja, Fundstück:

“Auf Hinweisschildern heißt es: “Jeder Fahrgast darf sitzen, wo er wünscht (mit Ausnahme der für Behinderte reservierten Plätze). Eine Belästigung der Fahrgäste in dieser Frage kann ein gesetzeswidriges Vergehen sein.”

http://www.israelnetz.com/themen/nachrichten/artikel-nachrichten/datum////netanjahu-bekraeftigt-recht-auf-sitzplatzwahl/?tx_ttnewsbackPid=10&cHash=9399564765

57. Lila - Januar 11, 2012, 17:01

Oh wie schön, danke, das ist aber mal ein schöner Flashmob. Alt und jung, brav und weniger brav gekleidet. Das ist wirklich eine Reaktion, typisch für Israelis. Ehrlich, wie kann man sie NICHT mögen?


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