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News-Bloggen September 25, 2007, 21:32

Posted by Lila in Kunst, Land und Leute.
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Hier wird gerade der Besuch Ahmedinijads in New York breitgetreten. Ich halte es für einen kompletten Fehler, diesen Besuch zu einer Kraftprobe zwischen „uns“ und „IHM“ hochzuspielen.

A. (entschuldigt, wenn ich diesen Namen abkürze, Challas!) ist nicht Staatsgast der Amerikaner, sondern der UNO, die dort extraterritorial sitzt und noch nie Probleme damit hatte, Leute einzuladen, die ich nicht im Wohnzimmer würde haben wollen. Aber das ist Sache der UNO.

Daß ein demokratisches Land wie die USA ihn außerdem wie ein Kurisoum an eine Uni und ins Fernsehen einlädt und ihm die Möglichkeit gibt, seine Meinungen darzulegen, ist doch selbstverständlich. Ich bin gegen Boykotts, und ich finde auch, es ist doch nur gut, wenn die Leute selbst hören, wie dieser Mensch tickt. Auf die Gefahr hin, daß manche ihn eben gut finden. Diese Gefahr würde ich in Kauf nehmen. Es ist ja keine echte Gefahr für die Demokratie, wenn ein durchgedrehter Regierungschef eines anderen Lands seine merkwürdigen Theorien publik macht. Man beantwortet das besser mit Fakten und sachlicher Diskussion als mit Redeverbot, besonders, wenn es um ein einmaliges Ereignis geht.

Außerdem halte ich es für absolut kontraproduktiv, A.s eigenen Ansatz, er gegen die Juden, auch noch mitzutragen. A. ist das Problem der internationalen Gemeinschaft, wenn es sowas gibt, aber doch nicht nur unseres. Es ist wieder mal typisch, daß, während die Juden laut protestieren, die anderen, die vielleicht auch was zu sagen hätten, dann passiv und still werden. Dieses Muster sehe ich auch oft genug in Deutschland. Sobald der Zentralrat der Deutschen Juden pflichtgemäß gemahnt hat, finden alle anderen, nun ist es aber genug und man muß nicht ins selbe Horn tuten.

Wäre mal interessant zu sehen, was passiert, wenn die Juden mal einfach gar nichts sagen. Würden die Goyim dem A. dann zujubeln oder antisemitische Vorfälle unkommentiert lassen? Das wäre doch mal ein Experiment…

Jedenfalls finde ich, man muß in einer Demokratie mit einem stabilen Bildungssystem, kritischen Medien und intelligentem öffentlichen Diskurs darauf vertrauen können, daß die Fernsehzuschauer und Studenten sich ihre eigene Meinung zu A. bilden können. Wenn man darauf nicht vertrauen kann, dann würde ich eher Bildungssystem, Medien und öffentlichen Diskurs fitmachen statt von den Menschen jeden Irren sorgsam fernzuhalten.

Nebenbei: Ich fand es übrigens immer idiotisch, daß NS-Kunst in Deutschland nicht gezeigt werden darf. Als wären Deutsche arme, hirnlose Pavlovsche Hunde, die beim Anblick von Zieglers hageren Nackten, Brekers muskelschwellenden Jünglingen oder Elk Ebers stereotyp-edlen SA-Männern und Soldaten sofort anfangen zu sabbern und ihren Führer wiederhaben wollen. Wer gute Kunst kennt, wird sich nur mit Schaudern abwenden. Und wenn ein NS-Künstler technisch ein Könner ist, wie Wilhelm Petersen, aber inhaltlich heimattümelnd bis offen rassistisch ist, dann muß man das eben erklären, wie es sich von Nicht-NS-Heimatkunst unterscheidet.

Mit diesem Vergleich, der mir gerade einfiel, will ich aber nicht in den Chor derer einstimmen, die Mahmud A. und Adolf H. in eine Schublade stecken. Differenzieren ist immer wichtig, nie wichtiger als in solchen Fragen. Es fiel mir nur gerade ein beim Thema „gefährliches Gedankengut“. Gedanken sind keine Viren, und ein intellektuelles Immunsystem kann man trainieren.

Und noch ein Nachtrag: ein Kommentator hier, Ehud Yaari, erinnerte daran, daß im Iran Mahnwachen zur Ehrung der Toten vom 9-11 gehalten wurden. Im Gegensatz zur arabischen Welt, wie zB den palästinensischen Gebieten, wo Jubel und offene Schadenfreude herrschten, waren die Iraner mitfühlend und respektvoll. Yaari meinte, er hätte es A. erlaubt, einen Kranz an Ground niederzulegen – im Namen seines Volks, das damals dem amerikanischen Volk kondoliert hat.)