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Zurück Dezember 28, 2019, 23:06

Posted by Lila in Persönliches, Uncategorized.
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Wieder dieses Zwischendrin-Gefühl. Ich habe zwar während meiner Woche Urlaub verfolgt, was sich in Israel ereignet, aber es dringt, wenn ich hier bin, alles ganz anders zu mir vor. Schon im Flugzeug, als ich die Israelis um mich herum über Bibi diskutieren hörte, und welche Chancen er im März hat, und wie sie das finden, kam das Gefühl langsam zurück, Israel und alles was dranhängt.

Im Flugzeug saß ich mitten in einer Gruppe junger Aktivisten, die zu einem Treffen mit Palästinensern kamen. Ein älteres israelisches Ehepaar erzählte ihnen lautstark und naiv in gebrochenem Englisch, wie toll sie es in Tel Aviv finden werden und wie warmherzig die Israelis doch sind („itz will be nice for you!“), was die jungen Männer nicht interessierte. Ich saß dazwischen, verstand beide Seiten (sprachlich), hätte sie am liebsten alle für die Dauer des Flugs auf leise gestellt.

In Deutschland fiel mir auf, daß deutlich weniger geschmückt war als noch im Jahr zuvor – ob aus Klimaschutzgründen oder warum sonst so wenig Schwibbögen und Hausbeleuchtungen waren, weiß ich nicht. Daß die elenden Santa-Claus-Kletterpuppen inzwischen wohl ausgestorben sind, kann niemand bedauern.

Während wir weg waren, fand hier der israelische Winter statt. Tertia meint, es hat jeden Tag in Strömen geregnet („das hätte dir gefallen, Mama“). Sie hat Haus und Katzen gehütetet, und vom großen Wohnzimmerfenster aus beobachtet, wie sich über Haifa und Akko große Gewitter entluden („das wäre was für dich gewesen, Mama“). Jetzt kann ich nur hoffen, daß es bis Ende März weiterregnet, wir brauchen das Wasser, und bisher war nicht viel mit Regen.  Bei jedem Deutschlandbesuch staune ich über Ellbach, Rur und Inde. So viel Wasser, das einfach durchs Land fließt, so viele Bäche und Flüsse, die auch im Sommer Wasser führen. Das ist nicht selbstverständlich.

Der Pegel des Sees Genezareth und Bibis Zukunft – die israelischen Obsessionen haben mich wieder, und bald ist 2019 vorbei. Das Jahr war freundlich zu mir und uns, ich lasse es nicht gern ziehen.

 

Kommentare»

1. Georg B. Mrozek - Dezember 29, 2019, 5:49

Hehe, irgendwie erweckt deine Schilderung den Eindruck einer Reise quer durch die Skurrilität der neudeutschen Geistesgegenwart: du kommst aus einem geografischen Landstrich mit definitiver Wasserknappheit und besuchst ein Land, das sich vor Wasser kaum noch retten kann, in dem ganzjährig ohne Einschränkung auf den Flüssen reger Schiffsverkehr stattfindet, das aber jeden Sommer über Dürre klagt und in dem mehrere Städte gleich den Klimanotstand ausgerufen haben. Du kommst aus einer Gesellschaft, die ihre Traditionen hütet und damit über tausende Jahre ihre Identität bewahren konnte und besuchst deine alte Heimat der Dichter und Denker, in der aus Gründen der Toleranz die Traditionen weitgehend aus dem öffentlichen Raum zurückgefahren werden und in dem aus Angst vor dem Andersdenkenden die eigene Identität privatisiert wird, um hauptsächlich in kleinen zweidimensionalen Familien gepflegt zu werden, in denen Oma und Opa bereits fertig zur Ausmusterung stehen, zur Entsorgung als „Umweltsau“.

Eigentlich beneide ich dich um deine grundsätzlich den Horizont erweiternde Reisetätigkeit, doch in dem Fall wäre mir das viel zu anstrengend. Ich meine das im Sinne eines Besuchs eines einigermaßen psychisch gesunden Menschen in einer Nervenheilanstalt – oder frei nach Dieter Bohlen: „Das Problem ist: mach einem Bekloppten klar, dass er bekloppt ist.“

2. Lila - Dezember 29, 2019, 9:20

Fairerweise muß man sagen, daß es Israelis gibt, denen es genau umgekehrt geht und denen die Skurrilitäten und Obsessionen in Israel unerträglich werden. Europa und Israel, das sind zwei Kontinente, die auseinanderdriften und immer weniger Verständnis füreinander haben.

3. Georg B. Mrozek - Dezember 29, 2019, 15:41

„… das sind zwei Kontinente, die auseinanderdriften …“ Es ist wunderbar diplomatisch von dir ausgedrückt, dagegen ist absolut nichts einzuwenden. Nur steht die Frage im Raum, ob beide tatsächlich voneinander wegdriften oder ob nicht ein Teil den aktiven Part dabei einnimmt und sich vom anderen entfernt.

Ich kann nicht erkennen, dass sich viele Länder der Erde gegenwärtig voneinander fortbewegen, im Gegenteil, weit entfernte Gesellschaften suchen Anschluss und nähern sich anderen größeren und mächtigen Gesellschaften. Allerdings sehe ich Europa, das sich tatsächlich von vielen anderen Ländern wegbewegt. Ob von China, Russland oder den südamerikanischen Ländern – und ja, auch von Israel. Plötzlich wird in Europa Wirtschaft mit Ideologie verknüpft, der Pragmatismus der vergangenen Jahrzehnte weicht starren (neuen) Regeln.

Nach außen gibt sich Europa frei und tolerant aber fordert von allen anderen, jene Standards anzuwenden, die es sich im Namen der Weltrettung selber auferlegt hat. Wer da nicht mitmacht, wird schnell ausgegrenzt. Das beginnt bei diffusen Maßnahmen des Entzugs moralischer Unterstützung (Abstimmungsverhalten im UN-Sicherheitsrat), reicht über Boykotte bestimmter Firmen (China) und endet bei Sanktionen (z.B. gegen Russland). Ein solches Verhalten kann aber kein positives Ende finden, sondern führt zur Isolation. Die Briten haben es rechtzeitig erkannt und diesen Kurs korrigiert. Ich bin gespannt, wie sich das alles auf dem Kontinent noch weiterentwickeln wird.

Aber natürlich ist das, liebe Lila, ein ganz anderes Thema und gehört hier gar nicht hin. Sonntags halt, der Tag, an dem man vonet Höcksken aufet Stöcksken kommt. Oder wie sagt man auch noch im Rheinland: isch wolltꞌs nur mal jesacht haben 🙂

4. jim11111 - Dezember 31, 2019, 1:54

Ein gutes neues Jahr!


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