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Hashtag-Empfehlungen Dezember 14, 2019, 12:20

Posted by Lila in Bloggen.
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für Leute, die keine Geduld für die Reizüberflutung bei Twitter haben, aber Informationen suchen, die man sonst nur schwer findet.

Imshin, deren Blog ich jahrelang gelesen habe, hat sich darauf spezialisiert, aus den Tiefen und Untiefen von Youtube private Clips von Familien aus dem Gazastreifen ans Licht zu fördern und sie weiterzugeben. Unter #TheGazaYouDontSee findet Ihr jede Menge Alltagsleben im Gazastreifen – Familienfeiern, Shopping-Orgien, Kinder beim Spiel, Rundfahrten durch Neubaugebiete, Fahrten an den Strand….

Man erkennt sehr viel bei diesen Clips. Es gibt eine Schicht im Gazastreifen, der es sehr gut geht. Sie sind westlich gekleidet, kaufen in gut bestückten Läden ein, sie haben also Kaufkraft. Ich wüßte gern mehr über den Hintergrund dieser Familien, aber da ich leider kein Arabisch kann, ist das schwierig, außerdem möchte ich auch niemanden stalken.

Es ist einerseits sehr beruhigend zu wissen, daß im Gazastreifen diese Normalität möglich ist, und ich möchte allen wünschen, daß sich diese Normalität weiter ausbreitet. Unbestreitbar gibt es auch Armut, wenn auch nicht so kraß wie in vielen arabischen Ländern. Aber die Leute, die im Meat-City-Supermarkt einkaufen, wirken nicht wie Superreiche, das sieht man auf der Facebookseite. Es gibt also eine Mittelschicht. Und dieser Supermarkt könnte genausogut in Nahariya stehen und Faisal heißen (wo wir einkaufen).  Ebenso ein Restaurant wie Snounu (hier bei Google Maps, falls jemand nicht glaubt, daß es im Gazastreifen liegt).

Andererseits fragt man sich natürlich auch: wenn es eine satte, wohlhabende Schicht gibt, warum dann die Schuld für die weiter existierende Armut allein bei Israel suchen? Warum herrscht im Gazastreifen keine oder so wenig soziale Gerechtigkeit? Wann werden die Gazaner Verantwortung übernehmen für die Gesellschaft, in der sie leben?

Und dann: wie viel Korruption steckt hinter diesen Verhältnissen? Imshin zeigt, wie normal es ist, daß von UNRWA gespendete Lebensmittel in Supermärkten verkauft werden. In der Originalverpackung, mit dem UNRWA-Logo. Ist also die kritiklos von der ganzen Welt abgesegnete UNRWA, bei der bekanntlich fast nur Palästinenser beschäftigt sind, und zwar nicht weniger als 30.000!, tatsächlich so selbstlos? Es sieht doch eher danach aus, daß ein Teil des Reichtums im Gazastreifen dadurch gewonnen wird, daß man gespendete Güter verkauft. Sollte einen zum Nachdenken bringen.

Imshin jedenfalls ist für mich eine wichtige und interessante Quelle zum Gazastreifen geworden – eine Welt, die von den Medien nicht mal ansatzweise gezeigt wird, auch von unseren nicht.

 

Doch Imshin nutzt auch einen zweiten Hashtag, den ich hier weitergeben möchte: #TerrorVictims 

 

https://platform.twitter.com/widgets.js

Sie postet regelmäßig Bilder und Geschichten von Menschen, die durch palästinensischen Terror ihr Leben oder Angehörige verloren. Die verheerende Spur des Terrors, die aus keiner Formel über den Nahen Osten herausdividiert werden kann. Die meisten Geschichten werden außerhalb von Israel unbekannt sein. Für Israelis und Juden hat Terror eine ständige, verstörende Präsenz. Seit 1929 in Hebron hat er nie aufgehört, nie pausiert.

Beide Projekte von Imshin verschaffen sonst unter-berichteten Realitäten Aufmerksamkeit, und dafür bin ich dankbar.

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