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Dystopien, oder: aber den Juden wird doch nichts passieren! Dezember 11, 2019, 19:43

Posted by Lila in Persönliches.
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Was mir im Moment zu Großbritannien einfällt, hätte ich vor ein paar Jahren noch für eine Dystopie gehalten. Nicht nur das ganze Brexit-Spektakel, das nicht nur das Kind,  sondern gleich eine ganze Neugeborenenstation mit dem Badewasser ausschüttet. Eine so unausgegorene Idee, daß man sich nur wundern kann, wie die Briten mal ein Weltreich zusammengehalten haben. Wie haben sie es zusammengehalten? Ach ja, mit Diplomatie und Freundlichkeit.

Ich bin Anglophile und war es immer schon, und ich kenne viele deutsche Anglophile. (Ich pflege zu sagen, daß es natürlich auch britische Germanophile gibt, und daß ich alle drei kenne). Aber was im Moment im Land von John Constable und Barbara Pym vorgeht, verstört mich.

Ich sitze an der Übersetzung eines Texts von Sara Gibbs zum Thema Corbyn, hoffentlich werde ich noch heute Nacht damit fertig. Zutiefst deprimierend.  Wenn er euch zu lang ist, springt in den zweiten Teil, da kommen die Beispiele. An viele erinnere ich mich noch, als sie geschahen, und sie nun so gehäuft zu lesen, ist erschreckend.

Leider höre und lese ich viele, die sagen, Labour wählen ist wichtig, und sie haben auch gute Gründe. Trotzdem graust mir dabei, daß ein offener Antisemit, der noch offenere Antisemiten mal aktiv und mal diskret unterstützt, ein Mann, der den Antisemitismus wieder sagbar gemacht hat, dadurch an die Macht getragen werden könnte. Es gibt noch andere Parteien in UK, man kann taktisch wählen und ein Zeichen setzen, daß man für keine Art von Rassismus zu haben ist, auch den Corbynschen nicht.

Manche Labour-Aktivisten wenden sich an ihre „jüdischen Freunde“ und fordern Verständnis für ihre Wahl. Sie versichern den britischen Juden, daß sie nicht das Geringste gegen sie haben und sie auch nie zulassen werden, daß Juden tatsächlich was passiert. (Wobei Juden auf der ganzen Welt natürlich tagtäglich was passiert, so gestern der Anschlag auf einen koscheren Supermarkt in Jersey City).

Wenn ich das so lese, fällt mir eine Geschichte ein, die mir Y.s Oma erzählt hat.

Sie war ein junges Mädchen, hatte schon eine Ausbildung hinter sich, war aber mißtrauisch, als sie die nationalsozialistische Partei wachsen sah. Sie ging zu einer Veranstaltung der Nazis in ihrer Heimatstadt, um sie sich anzuhören, und entschied sich, ins damalige Mandatsgebiet Palästina auszuwandern. Ihre jüngere Schwester wanderte um dieselbe Zeit nach Moskau aus (wo ihr Mann später bei den stalinistischen Säuberungen hingerichtet wurde).

Y.s Oma nahm ihr Fahrrad mit nach Palästina und einen großen Koffer. Die Reise war lang. Sie fuhr mit dem Zug nach München, stieg dann um in Richtung Genua, und von dort fuhr sie mit dem Schiff nach Haifa (so habe ich es zumindest in Erinnerung). Im Zug nach München saß ihr ein Mann gegenüber, der das Parteiabzeichen der Nazis trug (war es 1934? ich weiß es nicht mehr).  Auf der langen Fahrt kam sie mit ihm ins Gespräch. Sie war eine bildhübsche junge Frau, und der Mann war erstaunt, daß so ein blondes, blauäugiges Fräulein tatsächlich Jüdin ist! Als er hörte, daß sie tatsächlich nach Palästina auswandern wollte, versuchte er, sie davon abzubringen. Aber liebes Fräulein! Menschen wie Sie, die tüchtig sind und gut ausgebildet, die haben doch gar nichts zu befürchten. Wir sind nur gegen die bösen Juden, die Ausbeuter, die Bankiers, die Verbrecher und Betrüger. Da kann doch niemand etwas gegen haben, das ist doch auch in Ihrem Sinne!

Der Mann war so freundlich, der jungen Jüdin das Rad beim Umsteigen in München ans richtige Bahngleis zu schleppen. Er verabschiedete sich herzlich von ihr, und seine letzten Worte waren: „Sie können sicher sein, den Juden wird nichts passieren!“

Und so reiste die junge Oma nach Palästina, wo sie sich in einen genialen Mathematiker verliebte, einen überzeugten Sozialisten aus Berlin, der ihr bei ihrer ersten Arbeit im Kibbuz, in der Bäckerei, eine tote Ratte aus dem Teig fischen half. Sie hatte sich schon gut eingelebt und war verheiratetet, als der Abschiedsbrief ihrer Eltern kam, die nach dem Erlaß der Nürnberger Gesetze Selbstmord begingen (und dadurch als einzige Vorfahren meines Mannes einen Grabstein haben). Die Eltern ihres Mannes, die nach Polen geflohen waren, wurden dort von der Wehrmacht eingeholt und ermordet.

Wer nicht weit weg genug fliehen konnte, in die USA oder nach Palästina, der wurde barbarisch abgeschlachtet, Ahne, Großmutter, Mutter und Kind.

Aber Sie können sicher sein, den Juden wird nichts passieren.

Kommentare»

1. Achim - Dezember 12, 2019, 0:05

Liebe Frau Rungholt !
Ich schreib Ihnen nochmal, auch wenn ich vor Jahren m.E. nach nie eine sachliche Reaktion von Ihnen erhielt , — irgendwie erhalte ich ja wieder Ihre Mitteilungen; vielleicht weil ich das irgendwie wieder aktiviert habe,
Nun, als ich im Vorspann meine Email-Zugangs Ihren Titel sah, fiel mir spontan sofort ein“jetzt fragst Du die direkt mal danach, ob sie inzeischen/ endlich dieses (israel.) strategische Papier . . . gelesen hat ….“ . . .
– Schon aber fallen meine Blicke auf Ihre ersten Zeilen, wie „nicht für möglich gehaltene britische Dystopie“, – ohne das Sie irgendetwas konkret sagen, argumentieren, ist es aber trotzdem ziemlich klar anti-Brexit, und das mit dem Begriff DYSTOPIE !!
– Im nächsten Absatz ist es schon/ wieder RASSISMUS . . . – kein Wunder, daß Sie wohl noch immer nicht verstehen, was mit GB und länger schon mit ISRAEL geschieht . . . getarnt v.a. mit dem ( gezielt pervertierten Begriff des ) Anti-/RASSISMUS !

Ich gebe zu, daß ich den großen Rest weniger als überflogen habe, – weil es nach all den schlimmen Ereignissen in und außerhalb ISRAELs, auch bei mir in D-EUtscheland ( aus dem fast täglich anti-Brexit/ brit-feindliche neo-national-chauvinistische öffentlich-rechtlichen Sendungen ausgestrahlt werden mit übelsten Personifizierungen — ja der JUDE ist manchmal auch Boris Johnson oder Donald TRUMP ! ) nicht auszuhalten ist, wenn man ähnliches nun auch noch deutsch/israelisch lesen muß.
— Aber nichts desdotrotz und umso mehr komm’Ä ich zu meiner ursprünglichen ,hier noch nichjt formulierten FRAGE zurück: Haben Sie inzwischen/ endlich g e l e s e n im www
> > „Die Große Lüge und der Medienkrieg gegen ISRAEL; Von der Umkehrung ,. . ,…“ und
> > www „Zehn Jahre seit Oslo : Die „Volkskrieg“-Strategie der PLO und ISRAELs unangemessene Antwort“
— beides kommt übrigens aus JERUSALEM !
eine buchmäßige Unterstützung und Bestätigung deren Kerninhalts finden Sie übrigens in DAS SCHWARZBUCH DES KGB 2, – auch ( weniger konkret) in DIE UN-GANG oder in www So lügt Moskau!
– –
Ein ganz wichtiger Basistext dazu, der erklärt warum, wann, wie und wieso (West-) EUropa die anti“rassistisch“ ISRAEL-feindlichen Positionen vom pro-islamsch wirkenden PLO-KGB-Komplex übernommen hat, erklärt sich durch durch
> www „Der Euro-Arabische Dialog“ – und damit kombiniert hinterfragt
http://mohammed.freehostyou.com/fjordmaneurabiacode/index.html

– – Bitte, lesen Sie endlich !
Eben hab auch ich weiter ich Ihrem Brief gelesen und kan der dort weiter verfolgten Tendenz mit den historischen Anleihen, auch wenn es nicht unbedingt hilfreich ist, am Nazi-Extrem zu erinnern, nur zustimmen. Aber der/ Ihr Anfang, der „anti-rassistische“ war nach für mich 19 Jahren nach dem 30. September 2000 einfach zu schrecklich, abstoßend.
Verstehen Sie das halbwegs ?

Mit freundliche Grüßen und
Massel tow !
A c h i m

P.S:.
Eine kleine Voreindruck aus dem EURABIA-Dokumentenb will ich so geben :

>> Beabsichtigt ist schon seit den 70ern die
„Die Anpassung von bereits existenten Organisationen und Medieninhalten an die Zielsetzung des Nord-Süd-Dialogs und der Aufbau eines euro-mediterranen Zentrums für Journalismus.

Der Aufbau eines gemeinsam mit den mediterranen Partnern verwalteten Netzwerks zur Entwicklung eines „harmonisierten Bildungssystems“ [Ein „harmonisiertes Bildungssystem“ zwischen der arabischen Welt und Europa? Was beinhaltet das? Will ich das überhaupt wissen? Werden sie es uns mitteilen, bevor es ein fait accompli [vollendete Tatsache] ist?]
• Die Erleichterung von Know-how-Transfer zwischen den EU-Ländern und den mediterranen Partnerstaaten und die „Förderung von Personen- Austauschprogrammen“

• Die Vorbereitung von Maßnahmen und Argumenten zur Erleichterung der individuellen Mobilität, insbesondere von Studenten, Intellektuellen, Künstlern, Geschäftsleuten und „allen Förderern des Dialogs“

• Den Aufbau von Ministerien für mediterrane Angelegenheiten in den Ländern im Norden und im Süden [Europa und die Arabische Welt in eurokratischem Neusprech] um dadurch von einem besseren Management der mediterranen Politik zu profitieren.

• Die Ausbildung von Lehrern und Austauschstudenten zwischen Nord und Süd und der Aufbau eines Netzwerks euro-mediterraner Jugendorganisationen

• Der Aufbau eines „civil watchdog“, einer Antidiffamierungs- Überwachungsbehörde (mit Internet-Auftritt und Rechtshilfe-Netzwerk), um rassistischen Bemerkungen und Hasspropaganda gegen Menschen mit anderer Religion, Nationalität oder ethnischem Hintergrund zu begegnen.

Diese Vereinbarungen, die komplette Umschreibung europäischer Geschichtsbücher, um sie islamfreundlicher zu gestalten, und die schrittweise Mundtotmachung „Islamophober“ [Islamkritiker] als Rassisten, werden bereits jetzt [ seit mindestens 2000] umgesetzt. Walter Schwimmer, ein österreichischer Diplomat und Generalsekretär des Europarates von 1999 bis 2004, äußerte vor den Ministern der Islamischen Konferenz in Istanbul (am 15. Juni 2004), dass die islamische Komponente integraler Bestandteil von Europas Vielfalt sei. Er bekräftigte die Verpflichtung des Europarates, gegen Islamophobie, Antisemitismus und andere Formen der Intoleranz vorzugehen. …“ und
>>
„Nach Serge Trifkovic [serbisch-amerikanischer Schriftsteller des Buches „Sword of the Prophet“] ist „die derzeitige technologische, kulturelle und finanzielle Stärke Europas eine Fassade, die eine tief liegende moralische und demographische Schwäche verbirgt. Die Symptome der Maläse [Missstimmung] werden in dem beispiellosen demographischen Zusammenbruch und in dem Sinnverlust für den eigenen Platz in der Welt und die eigene Geschichte sichtbar. Beides geht Hand in Hand mit der Ausweitung der Europäischen Union.

Der entstehende transnationale Superstaat indoktriniert seine Untertanen-Bevölkerung aktiv, zu glauben und zu akzeptieren, dass der demographische Wandel zugunsten der moslemischen Neubürger tatsächlich ein Segen sei.“ Er weist insbesondere auf die Empfehlung Nr. 1162 (vom 19. September 1991) der parlamentarischen Vereinigung der EU hin, die sich mit dem „Beitrag der islamischen Zivilisation zu Europas Kultur“ befasst. Ein Jahrzehnt später betont die Europäische Kommission in ihrer Allgemeinen Politikempfehlung Nr. 5 „Bekämpfung von Intoleranz und Diskriminierung gegen Moslems“ ausdrücklich den „positiven Beitrag des Islam zur fortlaufenden Entwicklung europäischer Gesellschaften, von denen er ein integraler Bestandteil ist.“

Es wird auch das starke Bedauern darüber ausgedrückt, dass „der Islam manchmal zu Unrecht als eine Bedrohung dargestellt wird.“ ECRI (European Commission against Racism and Intolerance) rief die EU-Mitglieder auf, Maßnahmen zu ergreifen, mittels derer eine ernsthafte Diskussion über den Islam geächtet wird und pro-islamische „zustimmende Aktionen“ eingeführt werden. Europäische Länder sollten:
• Die Lehrpläne ändern um „verzerrte Interpretationen der Religions- und Kulturgeschichte“ und „die Darstellung des Islam als feindselig und bedrohlich“ zu vermeiden.

• Öffentliche Debatten in den Medien über das Bild, das vom Islam vermittelt wird, anzuregen und ihre Verantwortung wahrzunehmen, alteingesessene Vorurteile und Voreingenommenheiten zu vermeiden.
Serge Trifkovic sagt: „Zynisch, defätistisch, egozentrisch und niemand anderem als ihrer eigenen korrupten Klasse Rechenschaft schuldig, sind die Eurokraten genauso übel wie ihre Jihad-Kumpane, sie sind ihre Helfershelfer und Steigbügelhalter.““

2. G. - Dezember 12, 2019, 1:47

Wenn es nur die labour party wäre, die (englische) Linke oder eventuell nach Regierungsübernahme die englische Innenpolitik! Doch Corbyn, der Mann, der diese seit Ewigkeiten seitens der Linken artikulierte Einstellung wie eine Monstranz vor sich herträgt scheint weit gefährlicher, nicht wahr?

Angesichts der Möglichkeit der Briten, seit dem beginnenden amerikanischen „Rückzug“ und erneuter splendid isolation das alte Einflussgebiet zurückzuerobern. Nachrichtendienstliche Einflussnahme östlich des Suez-Kanals.

Und das durch einen Staat mit (dann) derartiger Einstellung? Die Sorgen erscheinen nicht grundlos.

Alles besser als die Rechte. In den Augen der Autorin. In wohltuender Entfernung.

Broder resümierte derweil kurz das zutiefst antijudaistische Wirken der Bundesregierung, Person und Ziele der Teilnehmer besagter „Wannsee-Konferenz 2.0“, Teil dieses – Deinerseits mehr als hinlänglich beschriebenen – jahrzehntelangen Schauspiels hierzulande, nun, ich würde sagen, wir sind … auch … dabei.

Glücklicherweise diesmal aber nur ‚moralisch‘. Zu allem weiteren gibt man sich ja zu unfähig. Hilfe, ausser einem Lippenbekenntnis, ist hier auch nur ein Wort mit fünf Buchstaben.

Alles ohne uns. Diesmal dankbar. Und so muss ich mir nicht weiter Gedanken machen bezüglich Gemeinsamkeiten mit dem netten Mann mit dem Parteiabzeichen. :-))

3. jim11111 - Dezember 12, 2019, 11:46

Es ist einfach nur unglaublich, wie hier, auf diesem sympathischen Blog, die größte Menschheitskatastrophe, die shoah, in ihrer abgrundtiefen, schier unbeschreiblichen Entsetzllichkeit, inszeniert und gnadenlos konsequent durchgeführt von uns, den Deutschen und Österreichern, instrumentalisiert und missbraucht wird, um billige Punkte in einem völlig unbedeutenden Disput zu gewinnen.

Die Verhältnismäßigkeit wird, angesichts der Zielsetzungen und Effizienz solcher palästinensichen Konferenzen mit Hauptrednern wie zB diesem völlig durchgeknallten, Israels Exsistenzrecht verleugnendem Melzer, so und auf diese grausame Weise, ins absolut Groteske verzerrt.

Natürlich ist es bestürzend, dass solche Konferenzen stattfinden können, hier bei uns, natürlich ist es bitter, dass der Senat keine Möglichkeiten findet, diese zu verhindern – aber mit den Intentionen der Wannseekonferenz, mit den dort gefassten Zielsetzungen und Beschlüssen, Millionen Menschenleben auszulöschen, können, sollten, ja dürfen diese nicht verglichen werden – es käme einer Verharmlosung des Nationalsozialismus gleich, es würde unsere Geschichte, es würde die shoah relativieren und dem gilt es, sich unbedingt zu widersetzen.

Das ist doch nicht so schwer zu verstehen – oder etwa doch?

4. jürgen - Dezember 12, 2019, 21:20

Beim Thema Antisemitismus trifft sich Rechtsaußen mit Linksaußen und es schließt sich der Kreis.
Warum nur scheint für so viele Hirnlose schon alleine die Tatsache des Jüdischseins so ein Reizthema???
Wobei es ja gar nicht mal an der Religion hängen muss, siehe den Umgang mit zum Christentum konvertierten unter den Nazis oder mit strammen Atheisten unter Stalin.

Es bleibt dabei, dass man öfter mal gar nicht so viel essen kann, wie man kotzen wollte… (das Zitat – etwas verfremdet sollte bekannt sein…)


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