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Mal ganz was anderes, November 14, 2019, 15:31

Posted by Lila in Persönliches, Rituale des Alltags.
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aber jetzt mal ganz echt was anderes.

Während ich so vor mich hin brassele in allen möglichen Projekten, denke ich über Rituale des Alltags nach, und wie sie sich verändert haben. Aus irgendeinem Grund ist es besonders die deutsche Kaffeetafel, die mir im Sinn bleibt. Ich habe bei Twitter eine Mini-Anfrage gemacht, wie Leute ihren Kaffee heute trinken, und die Ergebnisse waren (für mich zumindest) sehr spannend.

Ich war glücklich über die Antworten! Und weil Twitter so ein kurzatmiges Medium ist, möchte ich hier gründlicher fragen. Wie trinkt Ihr Euren Kaffee heute – allein, zuhause, unterwegs, wenn Ihr Leute einladet? Spielt das Sonntags-Kaffeetafel-Ritual noch eine Rolle? Trinkt Ihr noch Filterkaffee? Wie steht Ihr zu Maschinen? Habt Ihr Tipps? Oder kommt Euch der Kult um Kaffee total übertrieben vor?

Fast noch mehr als der Kaffee selbst interessiert mich das Porzellan. Die gute alte Kaffeekanne, benutzt Ihr sie noch? Habt Ihr Erinnerungen an das Porzellan Eurer Kindheit? Habt Ihr Erbstücke, besondere Erwerbungen, ein Traum-Service, das Ihr Euch nie werdet leisten können?

Wenn Ihr mir Bilder schickt (weiß gerade nicht, ob man die in Kommentare mit einbauen kann, glaube eher, nein), dann können wir eine Galerie machen. Ich weiß nicht mal genau warum, aber mir kommt diese gepflegte Kaffeetafel vor wie DAS Sinnbild deutscher Bürgerlichkeit und Selbstvergewisserung. Ob ich je dazu kommen werde, eine Kulturgeschichte dieser Kaffeekultur zu schreiben, die ja auch Inbegriff der Spießigkeit für uns bedeutete, als wir rebellierende Jugendliche waren, weiß ich noch nicht, aber es ist auf meiner to-do-Liste (dieser Hydra). Auf jeden Fall bin ich von Neugierde zerfressen und möchte festhalten, woran sich meine Leserinnen und Freunde noch erinnern. In welcher Form ich das tun möchte, weiß ich ebenfalls noch nicht genau, vielleicht interessiert es ja niemanden, sich daran zu beteiligen oder es anzugucken. Aber ich habe den Eindruck, daß die Tasse Kaffe ebenso wie der Braten und das alkoholische Getränk zu den Grundpfeilern deutscher Rituale gehören.

Ich werde in einem extra Eintrag erzählen, wie ich auf das Kaffee-Thema gekommen bin und warum es mich interessiert. Aber seht das hier mal als Anregung, über den Kaffee in Eurer Kindheit, bei der Oma, damals und heute, nachzudenken. Wie zelebrieren wir den Alltag?

 

Ostern 1966, mit dem Thomas Medaillon Onyx

Kommentare»

1. heplev - November 14, 2019, 15:57

Ich bin eher Teetrinker. Morgens einen Pott Kaffee (auch noch entkoffeiniert) ist das Höchste. Deshalb keinen Filterkaffee, sondern Kapselmaschine. Weil der Kaffe insgesamt zu lange rumstehen würde und Aroma verliert, nehme ich auch kein Pads. Schade eigentlich.
Habe jetzt auch nicht den Freundeskreis oder Familie, wo ein „althergebrachtes“ Kaffeetrinken stattfindet. Außer gelegentlich bei Geburtstagen.

2. Georg B. Mrozek - November 14, 2019, 16:25

Och, da ich alleine lebe und gerade heute dienstfrei habe, drehe ich mich doch mal ebkes in meinen Schlabberklamotten um und grüße dich – wobei das mit dem Winken nur per Augenkontakt geht, da ich beide Hände voll zu tun habe: lecker E-Dampfe (mit Kaffee-Liquid) in der einen und „lecker Tässchen Kaffee“ (feststehender rheinischer Begriff, erst recht seit Konrad Beikircher) in der anderen Hand:

🙂

3. kaltmamsell - November 14, 2019, 17:24

Die Kaffeetafel meiner Kindheit gibt es nur noch in meiner Elterngeneration: Familientreffen bei meinen Eltern oder den Schwiegereltern umfassen unbedingt KaffeundKuchen, und da ist es dann auch Filterkaffee (und mindestens eine Sorte Tee) aus dem guten Porzellan.

Selbst kenne ich das gar nicht mehr. Mein Morgenkaffee ist Milchkaffee mit Espresso aus der Moka-Cafetera, in der Arbeit hole ich mir Cappucchino in der Cafeteria, wenn ich mich zum Kaffetrinken treffe, bestelle ich Cappucchino. Zu KaffeeundKuchen lade ich nie ein – ich besitze nicht mal ein ernst zu nehmendes Kaffeeservice (sondern habe vor Jahren die letzten Teile des Services, das meine Eltern zur Hochzeit bekommen haben, auf Ebay wieder komplettiert – völlig sinnlos).

Auch in meinem Freundeskreis kenne ich niemanden mit „gutem Porzellan“ für KaffeeundKuchen – liegt das vielleicht daran, dass es dort kaum Kinder gibt und damit auch keine großen Familienrunden der nächsten Generation?

4. arabrabenna - November 15, 2019, 20:50

Ich war lange Zeit kein Kaffetrinker, konnte mir noch nicht einmal vorstellen, dass Kaffee schmeckt. Den Duft mochte ich aber schon immer. Seit ein paar Jahren hat sich das geändert. Morgens gibt es einen starken Kaffee, mit frisch gemahlenen Bohnen im Espressobereiter zubereitet, mit Sahne. Den vertrage ich am besten und brauche ihn auch! Dafür habe ich eine große Glastasse.
Im Urlaub und unterwegs entscheidet immer die „Kaffeezubereitungsmaschine“, wo wir einkehren, um einen Kaffee zu genießen. Das Ambiente ist dann zweitrangig. Wenn das aber stimmt, erhöht sich der Genuß! Dazu gehört dann auch gutes Geschirr. Zarte Porzellantassen finde ich schon edel!. Ich habe mal welche gesehen mit Rosen und Goldrand, wunderschön! Für mich aber einfach zu teuer!
In meiner Kindheit gab es die klassische Kaffeetafel nicht. Nur zu besonderen Anlässen. Dann aber mit gutem Geschirr! Im Alltag wurde nach dem Mittagessen entweder noch ein Tee oder Kaffee getrunken, je nach den jeweiligen Vorlieben und es gab noch ein bißchen süßes Gebaäck dazu. Das liebe ich bis heute! Ansonsten haben wir Keramikpötte, inzwischen ein ziemliches Sammelsurium, was halt so überlebt hat. An Sonntagen und Feiertagen gibts bei uns das Sonntagsgeschirr. Habe ich von zu Hause übernommen, weil auch durch die Äußerlichkeiten diese speziellenTage sich abheben vom Alltag.
Bei einigen jungen Leuten sind gerade die sogenannten Sammeltassen total in!. Ich konnte unsere Schwiegertochter mit einer ganzen Kollektion davon erfreuen, erstanden in einem Trödelhaus, ganz billig. Die standen vorher jahrelang in den Schrankwänden der guten Stuben, mühsam ergattert als sogenannte „Bückware“. Also gibt es bei unserem Sohn den Kaffee aus edlen Tassen!

5. G. - November 17, 2019, 20:16

Denke so ungern über dies Thema nach. Fällt mir dabei doch nur auf, wie alt ich bin.

Bei pausbäckigen jungen Engel(*innen) in Jagdszenen, gab es dies Ritual. Gemeinsames Kaffeetrinken der gesamten Familie am Wochenende. Seinerzeit.

Vier Generationen anwesend. Kaffeetrinken wie zur und aus der Kaiserzeit. Gestärkte Decken, geklöppelte Spitzenuntersetzer, wahrscheinlich alle Service von Rang und Namen im steten Wechsel, keines je wiedererkannt – und Silber allerorten. Selbst als Untersetzer. Alles zuvor zu polieren.

Ich schlag die Hände über dem Kopf zusammen, wenn ich heute den Aufwand bedenke.

Ausreichend Torte, Kuchen, Sahne. Kaffe, stets per Hand aufgegossen und von einer Qualität, dass das ganze Stockwerk danach roch. Die Atmosphäre warmherzig und offen.

Ein paar Jahre lang. Die Erinnerung verschwimmt.

Habe gerade in die Küchenschränke blicken müssen, um festzustellen was hier über. An den Reststücken, die keiner haben wollte und dem, was selber angeschafft. Erschreckend! 5 Kannen und passende Stövchen, Milchkännchen sowie Zuckerdosen. Darunter Hutschenreuther, Rosenthal, versilbertes WMF und … kann mir das nicht merken. Erinnerungsstücke, keine Gebrauchsgegenstände. Die Kippe entlastet. Mein Eindruck: Gegenstände loszuwerden nimmt mehr Willen, Zeit und Mühe in Anspruch, als sie anzuschaffen.

Einmal ist selbst die grösste Küche und jedes Haus voll. Kommen Gäste, decken wir mit weissfertigem Porzellan, doch gerne essen mag ich von unserem selbst zusammengetragenem Sammelsurium, das ich mit Zähnen und Klauen verteidige. Davon schmeckt mir gelegentlich auch Kuchen. Kein „Kaffeetrinken“!

Und eben diesen, nach Handaufguss, Kaffeemaschine, Vollautomat, Siebträger und immer noch anwesenden Stempelkannen, trinke ich letztlich und das seit Jahren recht zufrieden als „Nescafe mild“. Aus frei gewählter Sammelsurium-Tasse.

„Kaffeetrinken“ selten und wenn, dann nur gemeinsam mit der (noch) älteren Generation. 🙂

6. Nadine - November 19, 2019, 12:17

Oh, die Kaffeetafel kenne ich noch gut aus meiner Kindheit (Ostkind, Jahrgang 1984). Bei meiner Oma gab es das immer mit gutem Porzellan und Filterkaffee aus der Porzelankanne. Ich denke, sie würde das auch heute noch so machen, allerdings finden kaum noch große Familientreffen im privatem Raum statt (also Familientreffen schon noch, allerdings dann eher in einem Restaurant oder so, damit nicht nur eine die ganze Arbeit hat…).
Meine Eltern haben zwar auch noch gutes Geschirr für besondere Anlässe (allerdings je nach Geschmack aller 10 Jahre wechselnd ;o)), Kaffee gibt es da aber aus dem Vollautomaten für jeden so, wie er es mag…

Ich selbst habe mir das Kaffeetrinken nie richtig angewöhnt. Ich trinke gerne guten! Kaffee in geselliger Runde oder im Cafè, aber die meisten Filterkaffees sind nicht wirklich nach meinem Geschmack. Für Gäste habe ich zu Hause neben einer Filterkaffeemaschine noch eine French Press aus Keramik, die mit frischgemahlenem Kaffee befüllt.
Gutes Geschirr gibt es hier auch nicht, nur ein wildes Sammelsorium an unterschiedlichem Keramikgeschirr – ich persönlich mag Porzellan auch nicht so sehr, aber vielleicht ändert sich das nochmal, wenn die Kinder größer sind…

Was sich hier aber im Alltag irgendwie durchgesetzt hat, ist das gemeinsame Vespern (also im Sinne von Kaffee und Kuchen), zwar ohne Kaffee und Kuchen nur am Wochenende, aber ich setz mich mit meinen Kids nach Arbeit/Kita/Schule kurz hin, es gibt was Süßes und es kann kurz über den Tag gesprochen werden :o)

7. Deff - November 21, 2019, 12:24

Ich mache es grad‘ kurz: Espresso in die Bialetti. Milch warm machen. Wenig Zucker. Tasse eher egal. Yum.


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