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Eine Frage, keine Antwort. Bisher September 27, 2019, 12:46

Posted by Lila in Land und Leute.
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In den letzten Jahren habe ich oft und unermüdlich bei Twitter, aber auch hier die Frage gestellt:

Warum hat Abu Mazen Olmerts Angebot abgelehnt?

Es ist natürlich nicht das erste oder einzige Angebot für eine Friedensregelung gewesen, aber es war vermutlich das beste. Das muß Abu Mazen auch klar gewesen sein. Eigentlich hat er es nicht mal abgelehnt, sondern einfach nur nie darauf geantwortet. Später erst hat er zugegeben, daß das eine Ablehnung war.

Saeb Erekat, der in den deutschen Medien als „Chefunterhändler“ immer noch Prestige genießt, bezeugt dieses Angebot.

Wie Palwatch ganz richtig resümiert, werden die Palästinenser in absehbarer Zeit kein besseres Angebot bekommen. Warum haben sie es also abgelehnt? Wem Twitter für seine Antwort zu kurz ist, der kann sie gern in den Kommentaren niederlegen.

(Olmerts Bitterkeit im Rückblick ist verständlich, aber zum Thema israelische Justiz und Politik schreib ich vielleicht später mal was – nur so viel, die israelische Justiz hat ein extrem scharfes Auge auf die Politik, und Olmert wußte das.)

Kommentare»

1. David Markus Rutsche - September 27, 2019, 16:44

Ist die Frage rhetorisch gemeint? Ich denke, jeder, der oder die hier regelmäßig mitliest, kennt die Antwort doch zu genüge: Die Idee, dass die Palästinenser mit dem hypothetischen Ausfall Israels als identitäts- und einheitsstiftendes Feindbild (Stichwort „end of conflict“) ohne Weiteres auf konstruktives und eigenverantwortliches Nationbuilding hätten umschalten können – statt sich wie bisher als Kollektiv größtenteils über die Delegitimierung von jüdischer Eigenstaatlichkeit zu definieren –, ist einfach fernab dessen, was bei ihnen damals (oder heute) als soziale Möglichkeit überhaupt vorstellbar gewesen wäre. Oder anders gesagt: Hätte Abbas dem Angebot zugestimmt, hätte er mit einem solchen Tabubruch höchstwahrscheinlich sein eigenes Leben riskiert.
Der Fairness halber muss man dann aber auch hinzufügen, dass Olmert, wenn ich mich richtig erinnere, zu der Zeit ja schon längst eine „lame duck“ war und seine sehr weit reichenden Zugeständnisse wohl nie im Leben durch die Knesset bekommen hätte. Man darf vielleicht unterstellen, dass das allen Beteiligten auch bewusst gewesen ist; und dann wird man auch sagen können, dass das Argument von der palästinensischen Friedensunwilligkeit zumindest in diesem Fall schon ein bisschen billig, um nicht zu sagen kostenlos eingekauft wurde. Eben weil Olmert wusste, dass er Abbas ohne großes Risiko das Blaue vom Himmel würde anbieten können, hat er genau das getan – in der Gewissheit, dass sein Angebot zu keinem Zeitpunkt in der Gefahr war, sei es innenpolitisch oder bei den Palästinensern auch politisch durchsetzbar zu sein. So hat er uns Israelfreunden mit der ganzen Episode nur ein schönes Argument beschert, das einmal mehr bestätigt, was wir ohnehin schon wussten; und auch der palästinensische Narrativ funktioniert weiterhin, weil er sich mit historischer Faktentreue ja ohnehin noch nie besonders aufgehalten hat. Ist das eine allzu zynische Sichtweise?

2. Lila - September 27, 2019, 17:06

Es wird kein Zufall sein, David, daß mir noch nie jemand eine Antwort gegeben hat 🙂 aber der Platz dafür ist nun reserviert! (Ich stimme Dir vollkommen zu, nehme aber an, daß diese Erklärung wahren Palästinafreunden vielleicht nicht ganz passen würde!)


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