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Unwissenheit oder Kalkül? September 16, 2019, 9:43

Posted by Lila in Land und Leute.
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Wieder einmal setzt ein palästinensischer Politiker historisch ganz früh an, um den Juden jede Verbindung zum Land Israel abzusprechen. Diesmal ist es der PA-Kulturminister Atef Abu Saif, der erklärt, daß die Juden erst neulich hier angekommen sind und ihre Geschichte schlicht erfunden haben. Hingegen die Palästinenser! Sie sind die Nachfahren der historischen Kanaaniter.

Daß es nicht den geringsten Beweis dafür gibt, keinerlei kulturelle oder sprachliche Spuren der Kanaaniter in der modernen palästinensischen Identität, das stört weder ihn noch seine Zuhörer. Heutige Palästinenser tragen arabische oder christliche Namen, sie feiern muslimische oder christliche Feste.  Es handelt sich also um eine schlichte Fiktion, noch abwegiger als Felix Dahn Inanspruchnahme der Ostgoten als ferne Ahnen der Gründerzeit-Deutschen.

Weitaus wahrscheinlicher ist ja historisch, daß viele der heutigen Palästinenser in einer der großen arabischen Einwanderungswellen aus anderen Ländern gekommen sind, z.B. der arabischen Halbinsel. Oft läßt sich das ja sogar am Familiennamen ablesen (Hallabi – aus Aleppo, al-Masri, aus Ägypten etc). Außerdem kann man sich ja mal fragen, woher auf einmal in der Zeit der muslimischen Eroberung die vielen Muslime kamen. Aus Drachenzähnen werden sie ja wohl kaum gesät worden sein, sondern es waren Konvertiten – und so wie manche Juden zum Christentum konvertiert sind, werden wohl auch viele muslimisch geworden sein. Was auch erklären würde, warum sich Juden und Palästinenser genetisch ähneln.

Die sprachliche, kulturelle und religiöse Kontinuität des Judentums und jüdischen Volks jedenfalls sind unbestreitbar bezeugt, über Jahrhunderte hinweg, und wurden auch nie bestritten, außer eben in den letzten Jahrzehnten durch Gegner des Staats Israel.

Vor der Staatsgründung Israels gab es eine einflußreiche Gruppe von Künstlern und Autoren, die sich Kanaaniter nannten – weil sie sich von der Kultur der Diaspora absetzen wollten und die Wurzeln des Judentums in lokalen, polytheistischen Kulturen suchten.

Itzhak Danzigers Skulptur Nimrod aus dem Jahr 1939 ist bekanntester Ausdruck dieser Kunstrichtung, die sich radikal von der ersten Generation orientalisierend-klassizistischer Künstler der Bezalel-Schule abwandte.  Ein weiterer Ausdruck der Abwendung von der Kultur der Diaspora war die Hebraisierung von Vor- und Nachnamen, und die Vergabe von Vornamen, die in der Bibel als Negativfiguren galten – oder aber gleich Vornamen, die aus der Fauna und Flora entnommen wurden, manche biblisch verbürgt, manche nicht.

Ich hätte kein Problem damit, wenn palästinensische oder israelisch-arabische Künstler ebenfalls auf die Ikonographie und formalen Merkmale nahöstlicher Völker vor 5000 Jahren zurückgreifen würden, um die eigene Geschichte und Position in Frage zu stellen, sich von anderen abzugrenzen oder einfach zu experimentieren und sich inspirieren zu lassen. Das haben Modigliani und Kiki Smith auch getan. Aber daraus so weitgehende politische Ansprüche ableiten?

Kulturelle Identität ist wandelbar, sollte aber nicht willkürlich instrumentalisiert werden. Privat hat jeder das Recht, sich als letzter Ubier oder wiedergeborener Astoreth-Anbeter zu fühlen, aber das bedeutet noch nicht, daß jede historische Fiktion auch Grundlage für politische Forderungen werden darf. Und wer die historischen Fakten leugnet (wozu auch die systematische Zerstörung archäologischer Artefakte in der PA paßt), der lügt.

Die Stoßrichtung solcher Aussagen wie der von al-Saif ist klar: die jüdische Präsenz im Nahen Osten soll als von Grund auf unrechtmäßig dargestellt werden. Das paßt zur Linie der politischen palästinensischen Führung, die nicht an Frieden interessiert ist, sondern an der Auslöschung Israels.

Daß solche Aussagen in westlichen Medien niemals aufgegriffen und in Kontext gesetzt werden, ist ein weiterer Grund, sich selbst schlau zu machen.

Kommentare»

1. caruso - September 20, 2019, 19:11

Vielleicht sollte der Hr. Kulturminister antike Bücher lesen (griechisch, römisch) von denen es eine ganze Menge gibt. Sie waren meistens nicht sehr judenfreundlich sondern eher feindlich, so kann man ihnen glauben, was sie über Jerusalem schreiben. Die Bücher sind in großen Bibliotheken (London, Washington) zu finden. Die Lektüre dieser Werke würde den Horizont des Hernn Ministers sehr verbreiten. Auch wenn nicht unbedingt in die von ihm gewünschte Richtung.
lg
caruso

2. rehlew - September 21, 2019, 12:35

Daß Palästinenser solche Position vertreten und sich selbst ihre Geschichten glauben, ist eine Sache. Aber – daß die westlichen Medien (sowie Geldgeber, Kirchen, Politik und Universitäten) solche Äußerungen nicht aufgreifen? Sie übernehmen sogar deren Stoßrichtung. Warum? … Und warum geschieht dies so selbstverständlich, unwidersprochen und flächendeckend?


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