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Here comes trouble März 22, 2017, 21:11

Posted by Lila in Kinder.
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Es gab mal solche T-Shirts für kleine Jungens, und ich bedaure bis heute, daß ich für Secundus nie eins gekauft habe. Obwohl es bei ihm ja besser geheißen hätte: Trouble, come here, denn er konnte ja nie was dafür, daß es immer dort, wo er war, unruhig wurde.

Er und sein Trupp Freunde aus Babyhaus-Zeiten haben jedenfalls öfter für Unruhe gesorgt, auch wenn Secundus immer seinem Indianernamen aus dem Kindergarten treu blieb: „der Stille Ozean“ (daß er während der Indianerwoche Häuptling sein durfte, war einer der Höhepunkte seines jungen Lebens). Er war immer ruhig und still, und immer fand der Ärger ihn.

Als er in der Armee war, wußte ich: wenn er an der Südgrenze Wache schiebt, „erwärmt sich die Gegend“, wie die Armee es vornehm ausdrückt. Wenn er in Hebron ist, hören wir den Namen Hebron täglich in den Nachrichten. Und wenn er seinen Kurs abgeschlossen hat und damit zu den Ersten gehören wird, die in den Gazastreifen reinmüssen, falls es ernst wird – nun, dann wird es ernst, und Secundus steht tagelang mit der Nase am Zaun vorm Gazastreifen (wie gut, daß sie dann doch nicht reingegangen sind!).

Er kauft ein Flugticket nach München über Istanbul – wenige Tage vorher bricht dort ein Putsch aus (oder wird ein Putsch inszeniert“?), und es hing am Fädchen, ob aus dem Flug was wird. Kaum war er in München, wurde die Stadt von dem Amoklauf lahmgelegt, was Secundus und seine Freunde nicht davon abhielt, abends zu einer Party zu gehen, die aber leider etwas dünn besucht war.

So taten mir die Einwohner der schönen Stadt London beinahe leid, als Secundus vor zwei Monaten in den Flieger kletterte, um dort bei einer Security-Firma anzufangen.

 

 

Mein Beileid den Briten. Die Methoden, Autos und Messer, kennen wir alle leider nur zu gut. Was bei uns ausprobiert wird, taucht später auch in den Großstädten Europas auf. Ich weiß nicht, welche Erklärung schlimmer ist: daß es lauter Einzelfälle überschäumenden Hasses sind, oder Teile eines teuflischen Plans. Beides keine guten Aussichten.

Mir tut es leid um die Welt, leid um Europa, und wir sitzen alle in derselben Pamperlacke, sind alle auf der kw-Liste des Terrors. Wir ein bißchen früher, ihr ein bißchen später, aber der Terror hat sich gerade mal warmgelaufen, fürchte ich. Ein weiterer trauriger Tag.

Kommentare»

1. Carmen - März 23, 2017, 14:12

wie immer sind auch die traurige Momente doch so schön geschrieben.

2. Jürgen - März 23, 2017, 22:21

Ja und ich möchte doch nur mal wissen, welche Gebiete die bösen Engländer illegal besiedeln, dass sie den „gerechten Zorn“ der arabischen Welt auf sich ziehen, bzw. die Münchner, Berliner usw….
Vielleicht sehen die europäischen „Nahostexperten“ (und das ist ja praktisch Jede/r die/der die Standartmeinung vertritt) irgendwann ein, dass ihr Narrativ von den sich „nur wehrenden“ Muslimen nicht so ganz richtig ist.
Wie du schon sagst „ihr ein bisschen später“ – nun jetzt eben.


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