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Von Gestirnen März 9, 2017, 22:41

Posted by Lila in Persönliches, Uncategorized.
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Während ich nicht gebloggt habe, sind alle möglichen kleinen und großen Dinge passiert, wie auch bei euch. Eines davon war, daß ich mir einen kleinen Traum erfüllt habe. Ich wollte immer schon am Sternenhimmel Bescheid wissen, fand und finde den Nachthimmel unendlich faszinierend, war mir aber sicher, daß ich mich NIE dort zurechtfinden kann. So viele Sterne, wie soll man da eine Konstellation von der anderen unterscheiden können? Geld für ein Teleskop habe ich auch nicht.

Trotzdem hat es seit Jahren an mir genagt, daß ich außer dem großen Wagen keine Konstellation erkennen konnte. Wenn ich in Büchern las, wie jemand aus dem Haus tritt und nach oben guckt und sagt: ach, die Leier!, dann dachte ich mir neidisch: die Leier würde ich auch gern erkennen.

Wenn Meteorschauer oder Finsternisse anstanden, sind wir immer schon mit den Kindern an dunkle Ecken gewandert oder haben Liegestühle in den Garten gestellt, damit wir das alle zusammen angucken können, und es war auch immer schön.

Ich hatte mir schon vor Jahren eine Sternkarte gekauft, so ein verschiebbares Dings, das ich auch einstellen konnte, aber ich konnte beim besten Willen die Pünktchen und Figuren auf der Karte nicht am Himmel erkennen. Ich wußte es doch, ich bin zu blöd dafür!

Doch dann bot mir mein Mann sein ausrangiertes Dienst-Smartphone an, das ich eigentlich gar nicht wollte. Aber er machte mir das Ding mit einem Trick schmackhaft. Er installierte Google Sky Map und zeigte mir das so nebenbei bei einem Abendspaziergang. Und das war genau die Hilfestellung, die ich brauchte. Ich schnappte mir das Telefon und suchte nach Sternnamen. Aber es war klar, daß das nicht reicht – ich wollte auch verstehen, was ich da eigentlich sehe.

Zwei Tage später hatte ich mir ein gefühltes Dutzend Bücher über Sternegucken und Hobby-Astronomie auf den Kindle geladen, Stellarium auf dem Laptop, einen Sternatlas bestellt und ging jede Nacht mit dem Fernglas, aber meistens einfach mit bloßem Auge auf Sternjagd. Wir wohnten damals noch in Granot, in einer schön dunklen Ecke (jetzt haben wir leider einen weitaus kräftiger beleuchteten Nachthimmel – die spinnen alle mit ihren Fußballplatz-tauglichen Gartenbeleuchtungen hier!). Und meine Schlafschwierigkeiten waren auf einmal kein Problem mehr – statt mich mit dem Versuch, wieder einzuschlafen, rumzuquälen, ging ich einfach raus.

Ich suchte mir jedesmal Sterne oder Konstellationen raus, die ich noch nicht kannte, und wenn man das zwei Jahre lang macht, dann lernt man den Sternhimmel ganz gut kennen, selbst wenn die Lichtverhältnisse hier ungünstiger sind als vorher und lichtschwache Konstellationen eher ein Ratespiel sind. Wenn ich einen dunkleren Himmel haben will, muß ich ein bißchen aus dem Dorf raus in die Pampa gehen, dann geht es schon.

Auch der tägliche Newsletter von astronomie.info hilft, denn wenn etwas Besonders zu sehen ist, steht das drin. Zwar bezieht sich der Newsletter auf deutsche Verhältnisse und die Zeitangaben muß ich anpassen, aber was man in Deutschland sehen kann, kann man auch hier sehen. Ich habe sogar einen Vorteil dadurch, daß ich südlicher sitze – bei uns sieht man z.B. den herrlichen Skorpion ganz und gar, mit dem geschwungenen Schwanz und dem Stachel. Der bleibt in nördlicheren Breiten unterm Horizont.

Inzwischen habe ich ein ganzes Sortiment von astronomischen Apps auf dem Telefon, die ich aber seltener nutze, eben weil ich mich selbst schon besser auskenne. Inzwischen bin ich schon genervt, wenn ich unmögliche Darstellungen in Büchern lese, zum Beispiel in Harry Potter, wenn Hermione auf dem Astronomie-Turm Orion beobachtet – im August. Am liebsten würde ich der Autorin einen empörten Brief schreiben, ob sie schon mal versucht hat, in Schottland mitten in einer Augustnacht Orion zu sehen, aber dann lasse ich es doch lieber. J.K. Rowling hat ja vielen Charakteren Sternnamen oder mythologische Namen gegeben, und die meisten passen auch. Schade, daß sie Narcissa Malfoy nicht auch einen astronomischen Namen gegeben hat, wie ihren Schwestern und Vettern – ich finde, Kassiopeia hätte ganz gut gepaßt…

Am schönsten ist aber, daß Y. und ich wieder einmal ein Interesse teilen. Er ist genauso sternbegeistert wie ich, und wir haben einen unserer Hochzeitstage (muß 2015 gewesen sein) im Negev verbracht, um Sterne zu sehen. Ich hatte vorher auf Bortle-Karten nachgeguckt, wo es am allerdunkelsten ist. Südlich von Mitzpe Ramon. Also ab nach Mitzpe Ramon!

Wir haben uns ein Zelt in einem Wüstenhotel gemietet, das ohne Strom auskommt, um unsere Augen nicht mit elektrischem Licht zu belasten. Aber das Zelt haben wir eigentlich nur benutzt, um uns gegen Morgen auszuschlafen, denn die meiste Zeit haben wir auf Matten gelegen, auf einem total finsteren Hügel mitten in der Wüste, und haben die Milchstraße angestaunt.

Der Sternhimmel ist dort so dicht, daß man die wohlbekannten Konstellationen kaum erkennen kann – die sonst unsichtbaren Sterne strahlen einfach so hell, daß sie den stärkeren Sternen Konkurrenz machen. Das war ein schöner Hochzeitstag, doch leider haben wir seitdem nicht die Zeit gehabt, die Fahrt zu wiederholen.

Und wie schade ist es, daß die meisten Menschen in der westlichen Welt so ein Erlebnis nicht haben können, weil es fast nirgends mehr dunkel genug ist, um die Milchstraße in ihrer ganzen Pracht zu sehen – dabei gehört der Anblick des Sternhimmels zu den prägendsten Eindrücken des Menschen.

Letzten Sommer saßen wir abends mit meinem Schwiegervater draußen. Die Sterne wurden langsam sichtbar, und Y. und ich nannten uns die Sterne, die wir erkennen konnten. Da lachte mein Schwiegervater herzlich über uns. Er war fest davon überzeugt, daß wir uns diese Namen nur ausdenken, wie in einem Spiel, und fand das sehr süß. Denn, so erklärte er uns, Sterne KANN man nicht erkennen. Es sind einfach zu viele, und sie sehen alle gleich aus. Er war nicht davon abzubringen, daß es unmöglich ist, Vega und Arkturus und Albireo auseinanderzuhalten, und wir haben nichts mehr gesagt. Aber ich freue mich doch, daß ich nun wenigstens die wichtigsten Konstellationen, Asterismen und Sterne kenne und ein bißchen mehr über sie weiß.

Kommentare»

1. bobyleff - März 9, 2017, 23:05

Lila, dass ist ein wunderbarer Eintrag!!
Schon als Kind habe ich angefangen, Sternbilder zu betrachten, in der Schule bot die Physiklehrerin einen Sonderkurs an. Im Grossraum Frankfurt ist es leider selten klar und dunkel genug, und ich kenne auch die neuen „Hilfsmittel“ nicht. Aber die Sternenhimmel in Afrika und Südamerika haben mich stets fasziniert…..
Dir/Euch wünsche ich weiter viel Freude mit den Sternen!!!

2. wollecarlos - März 9, 2017, 23:28

Vielen Dank für Ihre Schilderung!
Ein ähnliches Erlebnis hatten meine Frau und ich in der Sierra Nevada/Spanien…
einfach nicht mit Worten zu bescheiben!

3. Christian Sitte - März 10, 2017, 6:30

Vielen Dank für diese wunderbare Geschichte über die Faszination des Sternenhimmels. Eine tolle Motivation wieder mehr darüber zu lernen. Aber ich vermute, dass man in einer traumhaften Nacht an einem Hochzeitstag auch noch andere Dinge tut, als nur Sterne zu beobachten 😉

4. Herr Rau - März 10, 2017, 21:28

Ich vermisse den Sternenhimmel. Ich weiß noch, wie ich den früher öfter sah, als Science-Fiction-Fan war das auch sehr wichtig für mich. Schön, dass du ihn wenigstens anschaust.


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