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Wenn mich jemand fragte Februar 13, 2017, 12:01

Posted by Lila in Uncategorized.
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Heute in der Frühe vorm Aufwachen habe ich geträumt, daß Steinmeier zu mir ins Büro kommt. Er ist eifrig dabei, mit mir und meinen Kollegen eine Ausstellung von Studentenarbeiten zu kuratieren. Er trägt Tische hin und her, hämmert Nägel und unterhält sich mit mir auf deutsch.

Erst denke ich mir nichts dabei, dann fällt mir auf, wer er ist. Als er unter einem Garderobenregal steht, das er abschrauben will, geselle ich mich zu ihm. „Darf ich Ihnen gratulieren? Sie hatten ja gestern einen wichtigen Tag. Es ist nett, daß Sie schon heute wieder einfach arbeiten“. Er dreht sich um und sagt, „ja, das wird eine große Aufgabe“ und wendet sich wieder dem gräßlichen Ding zu, das er abschrauben will. Ich denke mir, jetzt oder nie, und hole Luft.

„Wissen Sie, Herr Steinmeier, wir hier in Israel haben schon viele deutsche Präsidenten kommen und gehen sehen. Deutschland genießt hier immer noch großes Prestige und könnte eine große Rolle spielen…“ Jetzt guckt er mich an durch seine Brille und sagt: „Ja? was würde Sie mir denn empfehlen, was können wir tun?“

In diesem Moment war der Traum vorbei, bevor ich meine Chance hatte, ihm zu sagen, was Deutschland tun könnte für einen stabilen Frieden zwischen uns und den Palästinensern. Es war aber so ein klarer und deutlicher Traum, und Steinmeier war so eifrig bemüht, mir einen Schreibtisch einzurichten, daß es mich tatsächlich wieder in diese Wüstung, die sich Rungholt nennt, getrieben hat.

Wenn mich jemand fragte, was die wichtigste Maßnahme ist, um dauerhaften, fairen Frieden zu schaffen, dann kann ich ihm nur eine Antwort geben: den palästinensischen, arabischen und muslimischen Terror gegen Israel bekämpfen.

Das würde kein deutscher Politiker hören wollen, weil die meisten an diese Geschichte mit den zwei Seiten glauben, die gleicherweise schuld sind, und daran, daß man nur genügend Druck auf Israel ausüben muß, und schon lösen sich alle Probleme.

Das quält mich seit Jahr und Tag und nicht nur mich. Wenn man weiß, wo dieses komplett verknotete Knäuel aufgelöst werden muß, und sieht, wie andere permanent an den falschen Enden ziehen, so daß es sich nur fester zusammenzurrt – dann ist das qualvoll wie ein böser Traum, Bloggen hilft nicht mehr, Zeitunglesen tut weh und man wird griesgrämig.

Doch ermutigt durch Steinmeiers interessierte Frage (und in dem leicht benebelten Zustand, in den einen fünf Tage Frauengrippe bringen) sage ich noch einmal, warum ich den Kampf gegen den Terror für zielführender halte als ausgeklügelte Landkarten, gezielte Boykottkampagnen oder mahnende Reden.

Wer den Terror konsequent und wirksam bekämpft, der verbessert auf der Stelle die Lebenssituation der palästinensischen Bevölkerung. Wenn nicht mehr unbeschränkt Gelder in terroristische Organisationen geleitet werden, sondern konsequent kontrolliert wird, wo sie ankommen, dann kann endlich mit dem Aufbau einer Infrastruktur begonnen werden, in allen Gebieten der PA, die diesen Namen verdient. So daß nicht mehr nach jedem Sturzregen die Kanalisation zusammenbricht (Israel kommt zu Hilfe, wird dann in den Medien mit nicht existierenden Schleusen angeschwärzt, die es angeblich geöffnet hätte), so daß es zuverlässige Stromversorgung gibt (ohne daß israelische Elektriker Leib und Leben dafür risikieren müssen) – statt dessen ein vernünftiges Bildungssystem (ohne Verherrlichung des Terrors), eine medizinische Versorgung, wie sie in Israel selbstverständlich ist (wo Araber und Juden zusammenarbeiten) – das wäre doch win-win.

Die Palästinenser könnten, von der brutalen Vorherrschaft der rivalisierenden und unproduktiven Terror-Organisationen und ihrer Paten befreit, mit dem Aufbau einer Zivilgesellschaft weitermachen, den sie ja an vielen Stellen schon begonnen haben. Sie könnten sich darauf konzentrieren, Hi-Tech-Parks wie in Israel aufzubauen, Start-ups, aber auch traditionelle Industrie. Die Zusammenarbeit mit Israel, die seit der Intifada II für kleine palästinensische Geschäftsleute zu einem tödlichen Risiko geworden ist, könnte bewußt gefördert werden.

Generationen, die mit dämonischen Fratzen von Juden in Medien und Schulen gefüttert wurden und Opfer einer Hetzpropaganda geworden sind, könnten ein realistischeres und umfassenderes Bild von Israel gewinnen. Das würde vielleicht ihre Gewaltbereitschaft im Laufe der Jahre verringern – ganz besonders, wenn Gewalt gegen Juden nicht mehr sozial und finanziell belohnt wird.

Die Zahlungender PA an Terroristen in israelischen Gefängnissen und ihre Verherrlichung in Postern und Liedern muß aufhören. Statt dessen könnten palästinensische Fußballer, Ärztinnen, Sänger, Erfinderinnen und Erzieher zu Objekten von Bewunderung und Nachahmung dargestellt werden. Statt Kinder von Anfang an dazu erziehen, im Erstechen, in-die-Luft-sprengen und Überfahren von Juden großartige Heldentaten zu sehen, könnte man sie dazu erziehen, ihre Talente sinnvoll für ihre eigene Gesellschaft einzusetzen, so daß individuelles Glück und sozialer Fortschritt möglich werden.

Wäre das nicht schön? Es wäre für die Geldgeber gar nicht mal so schwer. Auflagen an die eh schon reichlich fließenden Gelder knüpfen, diese konsequent überprüfen, die UNRWA ausmisten (in der sich Judenhasser und Terrorprediger tummeln, wie längst bewiesen ist), entsprechende Projekte unterstützen und das mal zehn oder fünfzehn Jahre durchziehen.

Die PA braucht Elektritzitätswerke, Meerwasser-Entsalzungsanlagen, Klärwerke, wie schön wäre auch eine Fortführung der israelischen Bahnstrecken! Sie brauchen Ingenieure, Ärzte, Lehrer, Künstler, die keine Angst haben müssen, von der vorgegebenen Linie des ewigen Kampfs gegen Israel abzugehen, sondern die einfach ihre Arbeit tun können, wie sie nötig ist.

Die alte Idee der gemeinsamen Industrieparks – wie schön wäre es, Stef Wertheimers Pläne umgesetzt zu sehen. Würde den Palästinensern der faule Zahn Terror endlich gezogen, dann wäre es möglich, zum Besten aller.

Ja, sagt ihr jetzt, oder würde Steinmeier sagen, aber was ist denn mit Israel? Es sind doch immer beide schuldig. Was ist denn mit den gräßlichen Siedlungen? mit dem dauernden Landraub? mit der Apartheid? Was sollen wir denn in Israel ändern?

Meine Antwort ist: sobald der Terror Israel nicht mehr bedroht, ist das alles kein Thema mehr. Israelis haben über Jahre hinweg starke Hoffnungen auf Frieden gesetzt und sind Risiken dafür eingegangen. Jeder, der mal hier reingelesen hat auf Rungholt, weiß, daß ich mehrere Brüche in dieser Hoffnung miterlebt habe: die Torpedierung des Oslo-Friedensprozesses durch die gezielt in Gang gesetzte Intifada – die destruktive Politik der Hamas seit der israelischen Räumung des Gazastreifens – und die Ablehnung der konstruktiven Vorschläge von Clinton, Barak und Olmert durch die Palästinenser.

Alle, die wie ich und meine Familie hier und mein ganzes soziales Umfeld zur israelischen zionistischen Linken gehörten (teilweise noch gehören) und große Hoffnungen auf Prozesse der Annäherung, Verhandlungen, Kompromiß und Austausch gesetzt haben, sind durch diese Nackenschläge davon überzeugt worden, daß es bestimmte, immer mächtigere Gruppen in der palästinensischen Gesellschaft gibt, der Terror lieber ist als Frieden.

Sonst hätten sie den Osloer Prozeß weitergeführt, sonst wären sie mit Barak in ernsthafte Verhandlungen eingetreten, sonst hätten sie die Räumung des Gazastreifens genutzt, um eine zivile, blühende Gesellschaft im Gazastreifen aufzubauen.

Kurz, sie hätten sich verhalten wie Menschen, deren Ziel tatsächlich Frieden ist.

Einerseits täglich tödliche Hetze gegen Israel zu treiben (die eure Medien euch ersparen, die wir aber natürlich kennen), andererseits in internationalen Gremien darauf zu dringen, die eigenen Forderungen zu 100% ohne Beteiligung Israels erfüllt zu sehen (eine Art Versailler Vertrag für die Angegriffenen inklusive ethnischer Reinigung) – das ist nicht der Weg zum Frieden, sondern zu einer Zementierung des Kriegs.

Und diese eindeutig zu beobachtende Entwicklung, die international immer noch beschönigt, wegerklärt oder als wildromantisch geradezu bewundert wird, die ist es, die der israelischen Gesellschaft den Glauben an Frieden geraubt hat. Und damit die Bereitschaft, weitere Risiken einzugehen.

Seit Netanyahus Wahl 2009 ist tatsächlich zu beobachten, daß die israelische Gesellschaft sich verschanzt. Fast tägliche Terrorangriffe oder -versuche, die international traditionell nicht berichtet werden, organisierter Rufmord Israels durch BDS, die ständige und nie hinterfragte Diskriminierung Israels in internationalen Gremien wie Rotes Kreuz, FIFA, Internationales Olympisches Komittee und natürlich der UNO, die nur Israelis vorbehaltenen Proteste, wenn sie irgendwo singen, Tennnis spielen oder Kosmetika verkaufen wollen – das alles hat Israelis verbittert und viele von ihnen in eine Art Wagenburg-Mentalität gedrängt, die eigentlich gar nicht typisch ist für Israel.

Bis dahin war es eigentlich bemerkenswert, wie Israel trotz ständiger Angriffe noch friedensbereit blieb, wie Mitte-Links-Politiker mit diversen Friedensplänen (Rabin, Olmert, Livni, Lapid) auch in den letzten Jahren noch Wahlerfolge landen konnten, wie diese unerklärliche Mischung aus jüdischen Optimismus, Fatalismus und Sarkasmus die jüdischen Israelis noch so putzmunter erhielt.

Ich habe ja schon oft erklärt, daß es für Mitteleuropäer wie mich gar nicht nachzuvollziehen ist, wie tief die Erfahrung jahrhundertelanger Verfolgung, Diskriminierung, Bedrohung und Trauer um Verlorene in den jüdischen Knochen steckt. Trotzdem bereit zu sein, einer Deutschen wie mir offen und unvoreingenommen zu begegnen, trotzdem aus Mitgefühl mit den gequälten Syrern tätige einzugreifen und zu helfen, trotz allem wie eine Eins Haß und Gewalt gegen Palästinenser (wie die tag-mechir-Verbrechen) energisch zu verurteilen – das würden andere nicht bringen, das bringen nur Israelis.

In Deutschland brennen Flüchtlingslager und die Bevölkerung ist geteilt in „sind sie nicht niedlich, diese Flüchtlinge – hier, nimm einen Teddy“-Träumer und „dunkle Haut und kräftige Augenbrauen – das muß ein Terrorist sein“-Paniker, so daß die vernünftige Mitte einem, von außen betrachtend, wie eine bedrohte Spezies vorkommt. Es mag unwissenschaftlich und unseriös sein, aber aus dem Umgang der Deutschen mit der Flüchtlingsproblematik kann ich mir ableiten, wie sie mit einer Bedrohung der Größenordnung palästinensischen Terrors umgehen würden – ich mag es mir nicht ausmalen, aber es würde der israelischen Flexibilität und ihrem Maßhalten nicht entsprechen.

Wie viele sind für Opfer des Gazakriegs auf die Straße gegangen, Opfer, die dadurch sterben mußten, daß sie gezwungen wurden, dort zu bleiben, wo vorher Raketen auf israelische Zivilisten abgeschossen wurden, und das, obwohl Israel Flugblätter abwarf, per SMS und Anruf vor bevorstehenden Bombardierungen warnte und sogar extra Methoden entwickelte, „aufs Dach klopfen“, um die Bevölkerung nicht zu überraschen? Trotzdem wart ihr alle empört und saht in Israel Schlächter und Schinder.

Daß anderswo NATO, Russen oder Assad ohne Flugblätter und ohne weiteres einfach bombardieren – hm, wann habt ihr dagegen das letzte Mal protestiert? Obwohl weder Bürger der NATO noch Russen von irgendwelchen Raketen getroffen wurden. Da geht es um reine Machtpolitik, nicht um den Schutz der eigenen Bürger, aber okay, die Rolle des Bösewichts hat Israel nun mal, da rollen die Tränen um Gaza, richtet der Goldstone und wabern die Todenhöfer. Israel fühlt sich  international unverstanden, unfair beurteilt und alleingelassen.

All diese Tatsachen sind es, die Netanyahu zu Wahlsieg nach Wahlsieg verholfen haben. War er zuerst Zipi Livni zahlenmäßig noch unterlegen und konnte es nur aufgrund seiner besseren Fähigkeit, eine Koalition zusammenzubasteln, zum PM bringen, ist diese Zeit längst vorbei und er hat eine Regierung deutlich rechts der Mitte aufgebaut, die eigentlich für das auf Kooperation und Koalation aufgebaute israelische System untypisch ist. Wie ernst er sein Bekenntnis zur Zweistaatenlösung meinte und die oft wiederholten Einladungen an die Palästinenser zu Verhandlungen, weiß ich nicht – aber ihm muß schon klargewesen sein, daß solche Worte verpflichtend sind.

Obwohl wir nicht zu Netanyahus Wählern gehören, haben wir seinen Aufstieg mit gemäßigtem Optimismus gesehen. Schließlich weiß jeder in Israel, daß nur ein rechter PM Frieden machen kann, weil die Opposition mit ihm stimmen würde – bei einem linken PM würde die Opposition sich natürlich dagegen stemmen. (Die Rechts-Links-Bezeichnungen sind übrigens wenig hilfreiche Metaphern und ich würde sie eigentlich gern weglassen, aber wie lang kann so ein Eintrag werden….)

Das ist nicht eingetroffen. Die Obama-Regierung hat, aus welchen Motiven auch immer, die Bringschuld fast ausschließlich bei Israel gesehen, was Israel weiter verbittert hat. Die Kooperation Obamas mit der traditionell anti-israelischen UNO (dirigiert von muslimischen Staaten) hat zum Gefühl geführt, nicht nur von der EU zum Sündenbock erkoren worden zu sein (die ihre eigene kolonialistische Schuld fälschlich und unverschämt auf Israel projiziert), sondern jetzt auch noch von den USA.

Psychologisch gesehen ist es ein Wunder, daß Israel nicht noch viel verbitterter und gewaltbereiter ist. Vom Iran-Schlamassel fange ich erst gar nicht an. Alle unsere Grenzen sind für uns unüberschreitbar, aber bedroht. Wie lebt man so? In einem ständig bedrohten, von der Welt mißtrauisch-besserwisserisch beäugten Ghetto?

Damit kehre ich zum Anfang zurück: ich bin überzeugt davon, daß bei einem wirklichen Aufhören der Bedrohung Israels durch Terror und Gewalt auch die innerpolitische Landschaft in Israel wieder kompromißbereiter und optimistischer wird. Wenn Israelis sehen könnten, daß die Welt endlich begreift, wo seit 1929 der Hase im Pfeffer liegt, und daß der Terror im Interesser ALLER Beteiligten endlich aktiv und wirksam bekämpft wird, dann fielen viele Argumente für Siedlungen und Sicherheitspolitik weg.

Selbstverständlich haben die jüdischen Israelis kein Interesse daran, ihre Heiligtümer im Stammland Judäa in den Händen von Vandalen zu hinterlassen – die Schändungen der Synagogen im Gazastreifen, die wiederholten Angriffe auf das Josefsgrab sprechen ihre eigene brutale Sprache. Auch das Trauma der Zerstörung der Synagogen durch die Jordanier ist noch nicht vergessen. Die Belgier erinnern sich noch daran, wie in ihrem Land vor 100 Jahren gehaust wurde, warum sollten ausgerechnet die Juden, das Volk mit dem längsten Gedächtnis, vergessen, wie ihre Heiligtümer zuerstört wurden? Wer garantiert Israel, daß in einem Staat Palästina nicht nach zwei Jahren ein Daesh-Ableger an die Macht kommt und dann den heiligen Stätten in Judäa das Palmyra-Treatment angedeihen läßt? Könnt Ihr das garantieren?

Nein, die Wurzel allen Übels hier liegt auf der Seite des Terrors und der Gewalt. Alles, was von Israels „wohlmeinenden Kritikern“ beklagt wird, hat sich als Reaktion auf Terror und Gewalt entwickelt und wäre nicht notwendig gewesen. Die israelische Unabhängigkeitserklärung war ernstgemeint und ist das Äquivalent einer Verfassung. Die dort garantierten Rechte sind auch heute noch in Kraft. Der Krieg von 1948 wäre nicht notwendig gewesen, und wären in arabischen Dörfer nicht Scharfschützen postiert gewesen, hätte es vielleicht keine Räumungen gegeben. Und wäre ein echter Frieden möglich gewesen, dann hätten die freiwillig Geflohenen zurückkehren können.

Auch 1967 war überflüssig wie ein Kropf. Warum jetzt nach den sog, Grenzen vor dem Sechstagekrieg (die natürlich gar keine Grenzen waren, sondern einfach die Waffenstillstandslinien des Unabhängigkeitskriegs) drängen, wenn sie damals aufs Spiel gesetzt wurden?

Die Golanhöhen wären längst schon wieder in syrischer Hand, hätte Assad in seinen Verhandlungen nur einen Funken Kompromißbereitschaft bewiesen. Aber man kann Verhandlungen nicht führen, indem man von Anfang an sagt: das sind meine Forderungen, take it or leave it – and if you leave it, wait for terror!

Aber so „verhandelt“ Assad und so „verhandeln“ die Palästinenser. Warum hat Abbas die Versöhnung mit der Hamas gerade gegen Ablauf der Verhandlungszeit inszeniert, als er wußte, daß jetzt Butter bei die Fische muß? Weil er wußte, daß Israel die Verhandlungen dann abbricht und alle Welt Israel als schuldige Partei sieht. Rechnung aufgegangen! (Netanyahu hätte damals mMn deutlich mehr Geschick zeigen können, aber vielleicht hatte er keine Chance.)

Sie wollen nicht verhandeln, weil sie immer das Hintertürchen Terror offen haben. Wenn die Welt dieses Hintertürchen verschlösse, würde nach einer genügend langen Zeit der Stabilität und wirtschaftlichen Zusammenarbeit auf beiden Seiten eine Bereitschaft zu echten Verhandlungen entstehen.

Die Pläne sind alle schon da. Olmert, Clinton, Barak, sie alle haben Landkarten gemalt und es gibt auch noch die Pläne der Genfer Initiative und Ayalons Volksbefragung. Jeder weiß, wie der Frieden aussehen muß. Faire und realistische Aufteilung der Gebiete mit Entschädigungen und Übergangsregelungen, Garantien der Friedfertigkeit, Schutz der Minderheiten und heiligen Stätten, und vor allem Verzicht auf Maximalforderungen.

Ich sage euch aber: solange die palästinensische Gesellschaft sich an Gewalt berauscht, wie sie es seit Jahrzehnten zunehmend tut, solange werden auch Links-Mitte-Zionisten wie ich nicht das Risiko eingehen, unseren einzigen internationalen Flughafen (unser einziges Tor zur Welt! denn die Grenzen sind zu) in die Reichweite von Terroristen zu bringen. Danke, Ihr erinnert Euch nicht mehr an Mombasa 2002, aber wir schon. Und alle anderen Risiken, die eine kein bißchen risikobereite Welt ständig von Israel fordert.

Nein, geht IHR erstmal das Risiko ein, bekämpft Terror energisch, auch den gegen Israel, ohne ihn als gerechtfertigten Widerstand zu beschönigen oder zuzulassen, daß er in Euren Medien einfach weggelassen wird. Lest israelische Zeitungen, informiert Euch per MEMRI, lest mal ein paar Nasrallah-Reden und seht Euch die Feiern bei den Palästinensern an, wenn ein Terrorist empfangen wird.

Und wenn Ihr das getan habt, und wenn Ihr dann dafür gesorgt habt, daß Euer Steuergeld nicht in Terrortunnel oder Raketen fließt, dann sehen wir uns wieder.

Das alles hätte ich Steinmeiern gern gesagt, aber er hätte es vermutlich sowieso nicht geglaubt. Es ist ja immer einfacher, Israel zu mahnen als aktiv die Gefahren, in denen Israelis täglich leben und die ihre Weltwahrnehmung prägen, zu bekämpfen. Darum ist es vermutlich gut, daß ich vorher aufgewacht bin und die gute Stimmung zwischen mir und ihm nicht getrübt wurde.

PS: ich diskutiere nicht mehr mit Leuten, die nicht wissen, was die drei Neins von Khartoum waren, die nicht wissen, daß Arafats Umgebung gestanden hat, die Intifada II bewußt losgetreten zu haben, die keine Reden Nasrallahs kennen und nie vom Olmert-Plan gehört haben. Die an eine systematische Vertreibung der Palästinenser glauben, daran, daß die Juden hier nur zu Gast sind oder daß Israel Apartheid praktiziert. Leute, die nur in Schlagwörtern und Klischees denken, die aber keinerlei Kenntnis von Land und Leuten haben, sind keine Diskussionspartner.

Das ist Zeitverschwendung, die ich mir lang genug geleistet habe. Informiert Euch. Ich habe hier auf Runholt genügend Links gesetzt, und es gibt auch noch Onkel Google.

Kommentare»

1. Hein - Februar 13, 2017, 12:28

Wie schön, dass Sie wieder da sind! Und mit diesem wunderbaren Beitrag, den Steinmeier weder lesen noch verstehen wird.
Danke Ihnen, liebe Lila!

2. Georg B. Mrozek - Februar 13, 2017, 12:37

Steinmeier im Traum? Bekomme gerade Angst, je wieder einzuschlafen. Hey, wunderbar, von dir zu lesen. Eine wahre Freude.

3. David - Februar 13, 2017, 13:32

Welche Überraschung, Sie wieder lesen zu können! Ich hatte schon mal auf Twitter geschaut, aber das ist mir alles zu kurzatmig, bunte SMS o.ä.

Ich hoffe sehr, daß Ihr Blog doch zumindest teilweise reaktiviert wird. Ja, die Links kenne ich, und ich schaue auch nach, wenn ich etwas wissen will, Stichworte haben Sie hinreichend geliefert. 8-))

Es ist für die Diskussionen, die mittlerweile (auch) in Deutschland geführt werden, ganz wichtig, möglichst viele Meinungen zu hören – und im Zusammenhang mit Israel ganz besonders. Deutschland entwickelt sich rasend schnell zu einem immer antisemitischeren Land. Das offizielle Getue (sic!) entspricht nicht dem tatsächlich Gemeinten und Gefühlten, alles das ist „fake“. Die Moslems sind dabei, das Land zu übernehmen, und unsere Politiker befördern das nach Kräften. Ihre Stimme aus dem Land ist mir auch deshalb wichtig, weil ich mich manchmal frage, ob denn hier alle geisteskrank sind – und dann ragt da plötzlich eine Stimme der Vernunft wie die Ihre in den Meinungsstrom: Das tut richtig gut.

Danke!

4. migdalit - Februar 13, 2017, 13:50

Ich hätte es nicht besser sage können. Schön wiedereinmal von dir zu lesen!

5. Robert Krischik - Februar 13, 2017, 14:57

Schön, dass Du wieder blogst. Auch wenn der Anlass ein eher trauriger ist. Steinmeier ist leider kein Israel-Fan, soweit ich weiß…
Vielleicht hilft Trump?

6. grenzgaenge - Februar 13, 2017, 15:14

Liebe Lila,

schön, wieder von Dir zu lesen 🙂

(Weiter so, bitte !).

Tja, Steinmeier. Ich bin wahrlich nicht begeistert. Aber ich weiss auch nicht, wer das kleine Übel gewesen wäre. Überhaupt habe ich, was die politische Landschaft in Deutschland angeht, das Gefühl, es geht weniger ins letzte Gefecht , sondern in ein Gefecht mit der letzten Aufstellung. Sozusagen die politische Klasse, in den nicht vorhandenen Kleidern, eines alten Putzlappens namens Grundgesetz.

Ich erinnere mich ganz gut an die Zeiten, als Johannes Rau Ministerpräsident in NRW war. Ich durfte ihn bei Landesparteitagen und anderen Veranstaltungen live und in Farbe erleben. Dem Johannes konnte man stundenlang zuhören, und hatte doch das Gefühl, mit jedem Satz etwas Neues zu hören. Von der Persönlichkeit dieses, gar nicht drögen, lutherisch-reformierten Versöhners, der auch ganz unversöhnlich sein konnte, ganz zu Schweigen. Versöhnen, aber auch deutlich auf seinem Standpunkt zu bestehen, ohne zu spalten. Diese Quadratur des Kreises konnte wohl nur Johannes Rau hinbekommen.

Die Bundespräsidenten nach Johannes Rau gehören wohl ins schweigende Geschichtsbuch. Bis Joachim Gauck ins Spiel kam. Auch ein Protestant mit offenen Weitblick. Nein, ich bin kein neuer Anhänger des Protestantismus. Aber Johannes Rau und Joachim Gauck waren nun mal Protestanten. An die Grösse von Joachim Gauck wird Steinmeier nicht mal kratzen können.

(Komisch, das erinnert mich an einen gewissen Herrn Barack. Wer hätte gedacht, das man dem mal nachweinen würde ? Ein gewisser Herr Trump … nun, lassen wir das …)

Was Du zum Terror schreibst, ist so richtig, wie irgendwie, Entschuldigung, schon ein bisschen eingefahren. Du hast Recht. Aber wie kann diese Richtigkeit den politischen Mainstream, nicht nur in Deutschland, erreichen ?).

Und, nein, ich werde Dich nicht wieder mit meinem Pro-Siedler-Standpunkt, nerven. Ich habe mich zu Amona hinreichend auf meinem Facebook Account ausgelassen. (Und zum Thema allgemein in meinem Weblog).

Und es ist ja nicht nur der Bundespräsident. Wenn ich nicht zufällig ein grüner Bengel wäre, hätte ich Probleme zu wissen, wen ich, speziell bei der Bundestagswahl, wählen sollte. In NRW gäbe es noch eine Landesmutter.

(Und ich es schaffe es nicht, mit grünen Scheuklappen durch die Welt zu laufen. Ach, die Umwelt und Ach, das Klima. Ansonsten ??).

Aber eine Merkel’sche Bundes-Ima ? Ich weiss nicht so Recht. Aber auch hier geht es wohl um die letzte Aufstellung zum letzen (?) Gefecht.

Wenn ich an Herrn Schutz denke … Erinnerst du Dich noch an seinen, schlicht perversen, Auftritt in der Knesset ? Ich bin wirklich fremd-stolz auf die Abgeordneten, die den Saal verlassen haben.

Schulz als Bundeskanzler ? Wäre eine gute Begründung um auszuwandern, oder, endlich, den Medikamentenschrank zu sortieren.

Und die Grünen selbst ? Nun, man tut manchmal mehr, als man kann. Wie sang Wolf Biermann noch schön ? „Eins in die Fresse, mein Herzblatt“. Damit meinte er die SPD. Übrigens verschlinge ich gerade die Biografie des unbequemen Barden. 80 Jahre. Ein stolzes Alter. Voller schöner Texte. Auch noch gesungen. Ach, das waren noch Zeiten. Aber wenigstens die Musikträger und gedruckten Texte bleiben.

Nun, unbequeme Zeiten. Und irgendwie inhaltsleere Zeiten. Da gebe ich mich doch lieber der Völlerei hin (Kotzen kann auch reinigend wirken), und denke an den König ohne Kleider. Manchmal sind alte Märchen verdammt aktuell. Doch wer gibt den König ? Und wer spendet die Kleider ?

Beste Grüsse vom grenzgaenger

7. Lila - Februar 13, 2017, 15:15

Nein, für Trump hatte ich in dem Eintrag keinen Platz mehr, aber Trump ist der letzte Sargnagel, der uns noch gefehlt hat.

Einseitige Parteinahme für Israel hilft nur den Falschen. Ich will kein Obama-Programm, nur umgekehrt. So wie wir unter Obama verschrumpelt sind, so möchte ich die Palästinenser nicht sehen. Im Gegenteil, ich möchte sie ermutigt sehen, möchte Anerkennung für die Teile der palästinensischen Gesellschaft, die an einem echten Frieden interessiert ist und Bereitschaft dafür zeigt. Ich möchte niemanden hier als Vermittler sehen, der die echten Bedürfnisse der Palästinenser nicht sieht.

Sich an die Frackschöße eines Mannes wie Trump zu heften, wäre außerdem ein fataler Fehler. Bibi, Bennet und Trump mit einer carte blanche von Trump – wohin sollte das führen? Zu einer haltbaren Lösung für die Zukunft?

Ich kann nur hoffen, daß Trump die Verantwortung für den Nahen Osten einem kompetenten Menschen gibt. Seine Schlagwort-Pro-Israel-Deklarationen haben mich bisher nicht davon überzeugt, daß er das Knäuel aufdröseln kann. Es wäre schön.

Oh, und ich will auch keinen Israel-Fan in irgendeiner internationalen Konstellation. Mir würde ein ehrlicher, objektiver Mensch mit historischer Tiefenschärfe vollkommen reichen. Einer, der weder hier noch dort als Fan hinguckt, sondern fragt: was braucht die Region? wie kann man das möglich machen?

8. grenzgaenge - Februar 13, 2017, 15:30

@David: Also was die Moslems angeht … Natürlich gibt es den eingewanderten Antisemitismus. Ich erinnere mich gut an Steinwürfe gegen die Alte Synagoge in Essen. Und auch an die Bedrohungen, denen Edna Brocke ausgesetzt war (ist ?).

Aber ich vermisse in Deinem Beitrag ein paar Worte zur anderen Richtung. Nämlich einer Kloake namens AfD. I

Ich glaube nicht, das es sich, bei der Afd, vor allem um ein Epizentrum gegen den Islam handelt. Das ist wohl eher ein Aufhänger (noch) ohne Galgen. Ich denke eher, die AfD ist eine populistische (schon zwei Kloaken), die allen (un)berechtigten Protest sammelt und sich davon gut ernähren kann.

Das hat sicherlich viel mit dem Versagen der Politischen „Klasse“ zu tun.

Und gerade das macht mir Angst.

Ich glaube nicht, das die Menschen „damals“ die NSDAP „nur“ aus Feindschaft gegen „die“ Juden gewählt haben. Sondern einfach, weil einfache Antworten nun mal die Gefühle und nicht das Gehirn beeinflussen. Fühlen ist gelegentlich einfacher als Denken, oder ? Ich bekenne mich jedenfalls dazu, nicht immun zu sein.

Was die offiziell verordneten Gefühle angeht, hast Du natürlich Recht. Ich kann keine Sonntagsreden mehr hören !

9. grenzgaenge - Februar 13, 2017, 15:33

„Ich kann nur hoffen, daß Trump die Verantwortung für den Nahen Osten einem kompetenten Menschen gibt. “

Liebe Lila, warum sollte Herr Trump einen grossen Teil seiner Wählerschaft riskieren ? Natürlich geht Herrn Trump Israel (und der Nahe Osten) am Arsch vorbei. Aber es braucht nun mal evangelikale Wählerstimmen.

10. Paul - Februar 13, 2017, 20:28

Hallo Lila,
ich bin hoch erfreut etwas von Dir lesen zu können.
Ich wünschte mir, Du könntest wieder regelmäßig schreiben.
Mit Twitter habe ich einen Versuch gemacht, bin aber wohl zu doof dazu oder zu alt. Habe mich immer wieder in „Gestrüpp“ verfangen und es dann aufgegeben.

Deinen sehr informativen Beitrag habe ich mit Gewinn gelesen.
Auf Trump hatte ich eine gewisse Hoffnung gesetzt. Deine Beurteilung ist aber nicht von der Hand zu weisen. „Abwarten und Tee trinken“, sagte meine Oma immer.

Zum Thema Israel hatte ich eine Zeit lang gedämpfte Hoffnung. Jetzt ist sie schon weniger geworden. Nicht nur die „Charta der Hamas“ sondern auch das „Projekt“ der Muslimbruderschaft – http://eussner.blogspot.de/2011/08/das-projekt-der-muslimbruderschaft-die.html
haben mich davon überzeugt, dass es sich um einen Religionskrieg handelt.
Religionskriege enden nur durch die völlige Unterwerfung einer Partei.

Deshalb halte ich eine Lösung des Konflikts für unmöglich. Für Israel kann es also nur darauf ankommen, möglichst lange Zeiten eines „Waffenstillstands“ zu erreichen. Mehr ist m.E. nicht drin. Entschuldige, das ist sehr pessimistisch. Aber das ist mein gegenwärtiger Erkenntnisstand.

Die Muslimbrüder agieren sehr verdeckt im Hintergrund, haben aber m.E. die Fäden fest in der Hand. Daher auch die Verknüpfungen zwischen den einzelnen Organisationen. Hamas und IS arbeiten sehr eng zusammen.

Entschuldige bitte, liebe Lila, ich möchte Dich nicht in eine Depression stürzen. Aber das ist gegenwärtig mein Erkenntnisstand.

Herzlich, Paul
PS: Wenn Du an der Langfassung des „Projekts der Muslimbruderschaft“ interessiert bist, kann ich Dir den Link übermitteln. Es ist etwas schwierig zu lesen, weil arabisch langatmig. Ich habe es aber gelesen. Das Projekt wurde 1982 verfasst und gilt bis heute unverändert!

11. Samuel Kleeblatt - Februar 14, 2017, 8:19

bei des Palos ist nicht ein Zahn faul, sondern der ganze Kopf. Terrorbekaempfung reicht nicht und wenn die EU so weitermacht wird es eines tages zu einem Aufstand der araber im innere des Landes kommen. dann werden sie die letzte nakhba kriegen

12. Rika - Februar 14, 2017, 12:50

Lila,
wie schön wieder einen „Brief“ von Dir zu lesen, wenngleich der Inhalt weder schön, noch erbauend oder erheiternd ist. Beim Lesen und Nachdenken darüber habe ich gedacht, dass ich Deinen Text gerne kopieren und „meinem“ Bundestagsabgeordneten, sowie Herrn Steinmeier, Herrn Schulz und Herrn Gabriel zukommen lassen würde.
Was meinst Du dazu, habe ich Dein „Okay“ ?

In der Hoffnung auf weitere Letters from Rungholt mit allen guten Wünschen und lieben Grüßen,
Rika

13. Lila - Februar 14, 2017, 12:54

Erstmal danke meine Lieben, ich freue mich, daß Ihr noch mal hier reingeguckt habt! Und Rika, das darfst Du gern, aber ich verspreche mir nichts davon 🙂

14. Stephan - Februar 14, 2017, 22:31

Sehr geehrte Lila, vielen Dank für diesen ineressanten Beitrag!

Eine Sache, auf die Sie nicht eingegangen sind – und die auch sonst in der Debatte selten Erwähnung findet – ist die Behandlung der Palestinenser durch die arabischen Nachbarländer – die sich meiner Ansicht nach kein kleines Bisschen um die Integration der palestinensischen Flüchtlinge in die libanesische, syrische, jordanische Gesellschaft kümmern. Stattdessen werden diese gezwungen, seit Generationen in Flüchtlingslagern zu leben und stellen im Wesentlichen ein Faustpfand dar, um Israel zu erpressen.

Vielleicht ist dieses Urteil zu einseitig – ich war noch nie selbst in Israels Nachbarländern. Aber ich war sehr oft in Polen und habe mich immer gefragt, wie Europa heute aussähe, wenn die Hälfte der Polen auf Ihrem Rückkehrrecht in Gebiete, die jetzt zur Ukraine gehören, bestehen würden.

15. janina2212 - Februar 15, 2017, 20:18

Juhu, Du schreibst wieder Blog!

16. ClaudiaBerlin - Februar 16, 2017, 11:38

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