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Kleiner Tip August 30, 2014, 22:11

Posted by Lila in Presseschau.
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Nein nein, mir war gleich klar, daß der Artikel trotz seiner vielversprechenden Überschrift keine wirklichen Informationen bringen würde, die die Leser verwirren könnte.

Wie viele Zivilisten sind im Gaza-Konflikt umgekommen? Die Uno zählt deutlich mehr zivile Todesopfer als die israelische Regierung. Eine Spurensuche.

Je nach Fokus lassen sich auch neutrale Zahlen rasch instrumentalisieren. Das ist grundsätzlich gefährlich, ganz besonders aber in Kriegszeiten, wenn Konfliktparteien Statistiken für ihre Ziele einsetzen. Anscheinend versucht das nun die israelische Seite, mit Kritik an der Opferstatistik der Vereinten Nationen.

Warte mal – Vereinte Nationen. Das sind doch die, deren Vertreter im Gaazstreifen, die UNRWA, zugelassen hat, daß aus ihren Schulen Raketen abgefeuert wurden? daß Raketen dort gelagert wurden? Das Personal der UNRWA besteht fast nur aus Palästinensern, von denen vermutlich nicht wenige Sympathien für die Hamas haben – das sollte man doch mal untersuchen, oder?

Und warum ist es gefährlich, Statistiken kritisch zu untersuchen, die von einer Konfliktpartei geliefert werden? Denn die Opferzahlen, die im Moment kursieren, kommen eben NICHT von objektiven Quellen.

Beinahe täglich veröffentlicht die Uno-Behörde für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha) Berichte über das bislang bekannte Ausmaß des Gaza-Konflikts. Für diese Berichte nutzt die Uno diverse Quellen. Dazu gehören auch Organisationen, die im Gaza-Streifen arbeiten.

Welche?

Im Artikel geht es

um die Einordnung der Todesopfer: Wie viele von ihnen waren Soldaten, wie viele Terroristen, wie viele Zivilisten? Die Uno weist neben den unmittelbar am Konflikt beteiligten Personen auch die Zivilisten gesondert aus. Sie machen demnach auf palästinensischer Seite fast 70 Prozent der Todesopfer aus, auf israelischer lediglich 6 Prozent.

Und da das „Palästinenser sind grundsätzlich Opfer, Israel grundsätzlich Aggressor“-Narrativ durch diese Zahlen gestützt scheint, wird jeder Versuch, die Zahlen und Namen gründlicher zu aufzuschlüsseln als von den Palästinensern selbst, als Manipulation von vornherein abgeschmettert.

Für das israelische Militär ist dieses Missverhältnis natürlich heikel. Und so verwundert es kaum, dass die offiziellen Angaben dieser Konfliktpartei von der Uno-Statistik abweichen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahusprach in dieser Woche von etwa tausend Terroristen, welche bei Angriffen der Israelis auf Seiten der Palästinenser ums Leben gekommen seien. Dann läge der Anteil ziviler Todesopfer bei etwa 52 Prozent.

Wie passt das zu den Zahlen der Uno? Israelische Kritiker halten die Ocha-Berichte schlicht für unglaubwürdig. Sie basierten auf systematisch verzerrten Daten, gerade Menschenrechtsorganisationen im Gaza-Streifen seien keine vertrauenswürdige Quelle. Allerdings präsentierten die Israelis auch keine Details, die ihre eigenen Zahlen hinreichend hätten belegen können.

Nun, ich hatte immer gedacht, daß Journalisten recherchieren können. Daß sie das irgendwie lernen oder so. War wohl ein bißchen naiv.

Es ist jedenfalls für einen gewissenhaften Journalisten kein Problem, sich die Listen zu beschaffen und selbst einfach mal nachzulesen, die Namen zu vergleichen, Alter und Geschlecht aufzuschlüsseln.

Oder man könnte einfach mal objektiv berichten, wie israelische Quellen die Opferlisten auswerten. Da gibt´s sogar fertige Artikel drüber, nebst Link zu den orginalen Listen.

The ITIC’s analyses so far show that 46% of Gazans killed by the IDF in Operation Protective Edge were combatants. This percentage has held steady throughout the four analyses. This is very close to the one to one civilian to combatant ratio Israel managed during Operation Cast Lead, the lowest such ratio in the history of asymmetric warfare. It is likely that “a great many armed militants killed during the fighting in the Gaza City suburb of Shejaiya between July 19-August 1 remain buried under rubble, and therefore do not appear on any casualty lists.”

The first, second, third and fourth casualty reports are available at the ITIC website.

Die Mühe sollte man sich schon machen, nicht wahr? Denn die originalen Opferlisten liegen vor.

Man könnte auch die lilienweißen Journalistenhändchen beschmutzen und mal bei Bloggern nachlesen, was die dazu sagen. Elder of Zion belegt seine Recherchen, und er stellt regelmäßig den „Zivilisten des Tages“ vor – also Todesopfer aus dem Gazastreifen, die von den Palästinensern als Zivilisten ausgegeben werden, aber leicht nachprüfbarerweise keine waren.

Auch Zivilisten als Schutzschilde für Terroristen sind relativ leicht erkennbar. Wenn eine ganze Familie stirbt und ein Hamas-Aktivist, der nicht zu dieser Familie gehört – dann kann man wohl zumindest die Hypothese aufstellen, daß die Anwesenheit des Kombattanten die Zivilisten gefährdet hat. Elder of Zions Erklärungen kann man vielleicht bestreiten, aber zur Kenntnis nehmen sollte man sie schon, wenn man einen Artikel über das Thema schreibt, oder?

Man kann aber auch einfach davon ausgehen, daß die Palästinenser immer die Wahrheit sagen (ist ja noch nie vorgekommen, daß sie beim Lügen ertappt wurden – ich erinnere an den Stromausfall, an den Staudamm, an die erotisierenden Kaugummis…) und daß die Israelis immer lügen.

Dann spart man sich die Mühe und kommt gleich zu einem dummdreisten Ergebnis:

In einem solchen Konflikt kann es keine wirklich objektive Quelle für aktuelle Daten geben. Erst weitere Angaben der Israelis werden zeigen können, wie berechtigt ihre Kritik an der Uno-Statistik ist. Für diesen Moment wirkt sie vor allem strategisch.

Da Christina Elmer die vorliegenden „weiteren Angaben“ tunlichst ignoriert, kann man davon ausgehen, daß hier ein weiterer Artikel der Endlos-Serie „wir malen Israel schwarz“ vorliegt.

Kommentare»

1. sabine - August 30, 2014, 22:56

„Man kann aber auch einfach davon ausgehen, daß die Palästinenser immer die Wahrheit sagen…“

Etwas Besseres als der Artikel von Matti Friedman fällt mir dazu nicht ein – ansonsten scheint es nicht erklärbar (penetrant einseitig und von daher ab einem bestimmten Punkt auch so unsäglich doof) – das letzte Statement von Frau Elmers ist allerdings nicht zu schlagen. Manchmal wünschte ich mir ein Tucholsky’sches Statement.

Wenn man es seit langem nicht mehr ertragen kann, deutsche Medien zu lesen, wird man eiskalt erwischt, liest man hier nach.
Vergleichsweise siehe dazu die Aufregung über die Anzeige, die (lt. div. Medien) Shoah-Überlebende wg. des „Genozids in Gaza“ geschaltet haben. Auch hier hätte eine kurze Recherche genügt, wer denn da geschaltet hat, aber die Headline natürlich entscoopt.

Man schreit ja schon viel zu wenig nach Sorgfalt, leider, ein bisschen Pragmatismus (muss jetzt eine Gegendarstellung sein oder) wäre doch…, dächte man.
Und bringt natürlich die Frage mit sich, warum denn überhaupt noch geschrieben wird, wenn voraussetzungsweise nicht mehr geglaubt werden kann, was da steht. Vergisst man die willigen Leser.

2. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev - August 31, 2014, 9:37

[…] schreibt etwas zu den Opferstatistiken im Gazastreifen und den Umgang der Medien […]

3. Frau Tonari - August 31, 2014, 9:54

Es liest sich insgesamt immer so, als gäbe es „gute“ und „schlechte“ Opfer. Und, egal was geschönte/frisierte/ dümmliche Statistiken sagen: jeder Tote ist einer zuviel.

4. Verena - August 31, 2014, 10:10

Der Unmut über die mediale Luegenlandschaft kommt langsam auf die Strasse:

http://www.kla.tv/index.php?a=showportal&keyword=medien&id=4004&autoplay=true

5. anti3anti - August 31, 2014, 10:21

Es gibt eine einzige Möglichkeit, der objektiven Wahrheit nahe zu kommen: die contradictio in se. Man nimmt die Zahlen der Toten und vergleicht sie mit den Zahlen der Lebenden und der üblicherweise Sterbenden.
Beispiel: Wenn die Hälfte der Bevölkerung jünger als 15 Jahre alt ist, die Zahl der Toten unter 15 Jahren bei 20% liegt, dann wurden Kinder geschont.

6. ekkehard schroeder - August 31, 2014, 11:22

@ 4
selbsterklärent:

http://www.kla.tv/index.php?a=showportal&keyword=bildung
zitat:
erziehung, pornographie, homosexualität, sodomie
mediale vergötterung von homosexuellen

wie sagte der afghanische pascha in der pluderhose: im islam gibt es das nicht.

7. Claudio Casula - August 31, 2014, 12:24

Der Artikel ist so unfassbar schlecht, dass es die Sau graust. Als wären es nicht gerade die Palästinenser, die mithilfe der frisierten Statistiken Politik machen – und es nur können, weil sich ein Großteil der Journaille auf diese schmutzige Tour einlässt.

Wenn Frau Elmer nicht sieht oder nicht sehen will, dass natürlich auf der einen Seite mehr Zivilisten umkommen als auf der anderen, weil Israel seine Bürger schützt und die Hamas die ihren nicht, im Gegenteil, ist Hopfen und Malz verloren. Dass Israel daraus noch ein Strick gedreht wird, ist die reine Perversion.

Die beklagte Asymmetrie, was auf Seiten Israels die toten Soldaten bzw. Zivilisten betrifft, liegt logischerweise darin, dass a) wie erwähnt der Zivilschutz groß geschrieben wird und b) es dann die Soldaten waren, die auf Gaza-Territorium gegen Hamas und Islamischen Jihad kämpften. Auf Seiten der Palästinenser kann man von einer Ratio von 1:1 ausgehen, was bedeutet, dass durchschnittlich an jedem der 50 Tage Krieg gerade mal 20 (!) Zivilisten oder solche, die man dafür hält, getötet wurden – angesichts der Taktik der Hamas und der Tatsache, dass – wie gerade Journalisten gern immer wieder betonen – der Gazastreifen dicht besiedelt ist eine erstaunlich geringe Zahl. Und der Beweis dafür, dass Israel tatsächlich sehr umsichtig vorgegangen ist und eben nicht „blindwütig“, wie Lüders, Todenhöfer oder die Spiegel-Heinis behaupten. Würde Israel mit der Feuerkraft allein seiner Luftwaffe blindwütig in den Gazastreifen mit seinen 1,7 Millionen Bewohnern reinschlagen, sähen die Zahlen ganz anders aus – hundertfach, tausendfach.

Werden wir natürlich aus deutschen Medien nicht erfahren. Aber manchmal reicht schon ein klarer Blick auf die Realität. Wenn man den allerdings nicht besitzt und auch nicht zur Recherche bereit ist, kommt so ein Text raus wie der von Christina Elmer. Ein Name, den wir uns hoffentlich nicht merken müssen.

8. Lila - August 31, 2014, 13:14

Ich fürchte, den Namen Christina Elmer werden wir uns merken müssen. Sie hat begriffen, wie man in Nullkommanix Karriere machen kann beim SPon.

http://www.spiegel.de/impressum/autor-18258.html

Computer Assisted Reporting….

http://datenjournalist.de/interview-mit-datenjournalistin-christina-elmer/

Datenjournalistin…

Hmmm……………..

Ahnung von der Materie oder nicht, in alle Richtungen recherchiert oder nicht – alles egal – Hauptsache, die Richtung stimmt!

9. Claudio Casula - August 31, 2014, 14:14

Wäre ganz sinnvoll gewesen, wenn die Datenjournalistin mal die durchaus reichhaltig vorhandenen Daten gecheckt hätte. Aber das Resultat dürfte ihr und dem Gros der Leserschaft nicht schmecken, das ist der Punkt.

Der Artikel besteht jedenfalls ausschließlich aus heißer Luft mit einer Andeutung von israelischem Fehlverhalten. Das muss reichen.

10. rhadamanthys - August 31, 2014, 18:32

@9

erkläre nie mit böser Absicht, wenn einfache Dummheit als Erklärung ausreicht.
Die wird schlichtweg die ihr passenden Zahlen geglaubt haben.

11. Lila - August 31, 2014, 18:52

Die Tante bildet aber sogar zum Thema Recherche aus. Wie kommt es dann, daß sie noch nichts davon gehört hat, daß israelische Presse und Organisationen sehr wohl Daten veröffentlicht haben?

Das sagt sie selbst in einem Interview:

Viele meiner Recherchen basieren auf Statistiken oder anderen strukturierten Datensätzen. Daraus Ansatzpunkte für Geschichten herauszukitzeln, würde ich als Kern der datenjournalistischen Arbeitsweise bezeichnen. Mein Fokus liegt dabei immer auf der Frage, ob am Ende eine relevante Story steht. Die kann sich entweder aus der Analyse ergeben oder auch darin bestehen, wichtige Datensätze überhaupt öffentlich zu machen.

Wie paßt das zu dieser Aussage:

Erst weitere Angaben der Israelis werden zeigen können, wie berechtigt ihre Kritik an der Uno-Statistik ist. Für diesen Moment wirkt sie vor allem strategisch.

Sind ihre Recherchefähigkeiten so schwach ausgeprägt, daß sie die Website des ITIC nicht findet???

HIer ein Beispiel für „Zivilisten“, wie sie in den von Elmer kritiklos zitierten Listen auftauchen:

Ist Elmern das unbekannt? Oder will sie es nicht zur Kenntnis nehmen?

Das kann nicht nur Dummheit sein. Da steckt Absicht hinter. Dummheit hilft natürlich.

12. rhadamanthys - August 31, 2014, 20:47

Habe ich ja geschrieben, feste Meinung, irgendwer präsentiert dazu passende Zahlen => Artikel geht raus..

Ich zitiere aus http://netzwerkrecherche.org/wordpress/blog14/die-brueckenbauerin/

„Nach einem Seminar zum „Computer Assisted Reporting“ während ihres Journalistik-Studiums in Dortmund“

Die Ausbildung schlechthin.

Man möchte ja auch bei den Kollegen nicht anecken.

13. Paul - August 31, 2014, 23:37

Also ich bestreite, dass diese Dame dumm ist. Wäre Sie dumm, wäre dies eine Entschuldigung. Für Dummheit kann man nichts.

Diese Aussage von Ihr:
>Erst weitere Angaben der Israelis werden zeigen können, wie berechtigt ihre Kritik an der Uno-Statistik ist. Für diesen Moment wirkt sie vor allem strategisch.<
verstehe ich so, dass sie alles gelesen hat. Auch die Webseite ITIC. Nur sind das nach ihrer Einschätzung eben strategische Angaben der Israelis. Auf Deutsch: Sie ist der Meinung, die Israelis lügen und können so die Wahheit der PA nicht widerlegen.

Das ist ihre Meinung. Sie bekräftigt damit die Propaganda der PA und blendet alle anderen Fakten als Lügen aus.

Sie ist also nicht dumm, sondern eine überzeugte Propagandistin der PA.

Hwerzlichj, Paul

14. rudolf1611 - September 1, 2014, 21:37

Ich habe Frau Elmer nachfolgenden Brief geschrieben. Bin gespannt, ob sie reagiert.

Hallo, sehr geehrte Frau Elmer,

ich habe Ihren Beitrag “Der Krieg in Zahlen” auf SpiegelOnline mit Interesse gelesen.
Ich möchte gerne einige kritische Anmerkungen machen.

Sie beginnen mit einem Bild, unter dem folgender Text steht: “Mit Sicherheit Zivilisten: Zwei palästinensische Jugendliche werden Ende August beerdigt.”
Woher wollen Sie “sicher” wissen, dass es sich bei den beiden Jugendlichen um Zivilisten handelt?
Ich habe sicherheitshalber noch einmal bei Wikipedia nachgesehen, was man unter einem “Jugendlichen” versteht. Nach deutschem Recht ist ein deutscher Jugendlicher zwischen 14 und 18 Jahren alt.
Interessant ist auch die Information, dass von der UN-Generalversammlung Personen, die älter als 15 Jahre und jünger als 25 Jahre alt sind, als Jugendliche definiert werden.
Nachdem Ihre Zahlen von der “UNO” kommen, können diese “Jugendlichen” also bis zu 25 Jahre alt sein.
In jedem Falle ist es jedoch klar, dass ein “Jugendlicher” nicht zwangsläufig ein Zivilist sein muss, sondern ohne Weiteres in einer militärischen Auseinandersetzung aktiv sein kann.
Dies gilt ebenso für Frauen, die vermutlich aufgrund ihres Geschlechtes grundsätzlich zu den Zivilisten gerechnet werden.

Dann schreiben Sie: “Je nach Focus lassen sich auch neutrale Zahlen rasch instrumentalisieren”.
Wie können Sie davon ausgehen, dass die Zahlen der UNO neutral sind? Wie können Sie davon ausgehen, dass “Organisationen, die im Gazastreifen arbeiten”, neutral sind?

Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass in der UNO alle Staaten ihre “nationalen Interessen” vertreten. Die UNO-Vollversammlung ist keine demokratisch legitimierte Institution. Sie ist weder eine Gesetzgebungsinstanz, noch eine richterliche Instanz. (Bei Abstimmungen hat der kleinste sowie der größte Staat jeweils eine Stimme !). Der größte Teil der vertretenen Staaten sind keine Demokratien. Es gibt einen Staatenblock, der aus arabischen und islamischen Staaten besteht, der in der Nahostfrage eine einheitlich israelfeindliche Politik vertritt und zahlreiche weitere Staaten entsprechend beeinflusst. Sie können demzufolge auch nicht davon ausgehen, dass UN-Institutionen “neutral” sind, schon gar nicht, wenn diese im Gazastreifen aktiv sind und die zum großen Teil Mitarbeiter beschäftigen, die Mitglieder der Terrororganisation Hamas sind (wie z.B. die UN-Flüchtlingshilfsorganisation UNWRA). Mitarbeiter sind nicht deswegen neutral, weil sie sich als UN-Mitarbeiter bezeichnen. Sie haben politische Grundhaltungen, die in deren Bewertung einer politischen Situation einfließen.

Am Ende Ihres Artikel schreiben Sie ja selbst, dass es in einem solchen Konflikt keine wirklich objektive Quelle gibt. Warum erkennen Sie das erst am Schluss?

Die größte Problematik in Ihrer Darstellung sehe ich jedoch darin, dass Sie das Missverhältnis der Zahlen bei den israelischen und den palästinensischen Todesopfern nicht weiter hinterfragen. Die “Visualisierung von Datensätzen” kann ein völlig falscher Bild ergeben und kann zur Meinungsmanipulation eingesetzt werden, wenn sie nicht objektiv gedeutet werden.
Für Zahlen gilt ebenso wie für Bilder, dass sie nur im Zusammenhang eine Aussagekraft besitzen.
“Für das israelische Militär ist dieses Missverhältnis natürlich heikel”, so schreiben Sie.
Dies ist jedoch nur der Fall, wenn man unterschlägt, wodurch diese Zahlen zustande gekommen sind.
Israel schützt seine Bevölkerung durch Luftalarm und Bunker. Israel versucht offenbar auch, Opfer bei der Bevölkerung im Gazastreifen soweit irgend möglich bei seinen Angriffen auf die Raketenabschussvorrichtungen, Raketenlager und Raketenproduktionsstätten zu vermeiden.
Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Israel auf die Zivilbevölkerung im Gazastreifen zielt.
Ganz anders ist es bei der Hamas. Es ist doch unbestritten das Ziel der Hamas, dass sie mit ihrem Raketenbeschuss auf Israel so viel Menschen wie möglich ermorden will. Das Gleiche gilt für den Tunnelbau nach Israel. Dass ihr dies nicht gelingt, liegt daran, dass Israel seine Bevölkerung schützt und nicht wie die Hamas, ihre Bevölkerung als Schutzschild und als Geiseln verwendet.
Dieser Zusammenhang fehlt in Ihrer Darstellung völlig. Damit trägt Ihre “Datenlese” nicht zur Aufklärung der politischen Verhältnisse bei, sondern erzeugt ein völlig falsches Bild von der Realität.

Es dürfte unbestritten sein, dass im Propagandakrieg der Hamas gegen Israel eine möglichst hohe Anzahl palästinensischer Opfer, möglichst Zivilisten, Kinder, Frauen im Interesse der Terrororganisation liegt. Im Gegensatz dazu liegt es im Interesse Israels, nicht nur auf der eigenen Seite, sondern auch auf der Seite der Palästinenser zivile Opfer möglichst zu vermeiden.
Es sollte auffallen, dass die toten “Zivilisten”, unabhängig davon, ob es nun 75 % oder 50 % der Getöteten sind, nun noch nachträglich zu propagandistischen Zwecken missbraucht werden.

Wer diese Hintergründe verschweigt, unterstützt Terror und Mord. Man kann von qualifizierten Medien erwarten, dass sie sich nicht zur Unterstützung von terroristischen Organisationen benutzen lassen. Sie sollten sich daher fragen, welche Wirkung Ihre Darstellung beim Leser hat.
Es würde mich interessieren, ob Sie zu wenig über die tatsächlichen Vorgänge im Konflikt zwischen Israel und dem Gazastreifen informiert sind oder ob Sie bewusst die Position der Hamas vertreten.
Da ich eher von Ersterem ausgehe, biete ich Ihnen gerne Informationen und Quellen an, die helfen können, sich ein möglichst objektives Bild zu dieser Thematik zu verschaffen.
Ich befasse mich seit Jahren mit dem Konflikt zwischen den arabisch-islamischen Staaten und Israel und habe als ehemaliger Lehrer für Sozialkunde (Politische Bildung und Zeitgeschichte) immer noch die Vorstellung, dass Medien sich objektiver Berichterstattung verpflichtet fühlen und seine Leser über Hintergründe informieren sollten.

Es würde mich freuen, wenn Sie zu meiner Kritik Stellung beziehen würden.

Mit freundlichen Grüßen
Rudolf Steger

_____________________
R u d o l f S t e g e r
Dipl.-Ing.Chem. – StD iR
Enzianstraße 26
82515 Wolfratshausen
Tel. 08171/7320
rudolf@steger.org
http://www.soundcloud.com/rudolfsteger/tracks

15. Verena - September 2, 2014, 18:19

Zum Thema Medien:

16. Verena - September 2, 2014, 18:37

Und noch ein Beispiel für die Medienlügen, wenn auch aus dem Kontext der Ukraine, anhand der Aussagen von zwei jungen Spaniern. Vielleicht sollten wir so etwas wie die internationalen Brigaden für Israel gründen:

17. P. Bereit - September 3, 2014, 9:46

“Mit Sicherheit Zivilisten: Zwei palästinensische Jugendliche werden Ende August beerdigt.
Woher wollen Sie “sicher” wissen, dass es sich bei den beiden Jugendlichen um Zivilisten handelt?“
Richtig. Frau Elmer weiß möglicherweise nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, ob es sich um Zivilisten handelt. Richtig ist aber auch: Sie wissen es auch nicht, unterstellen aber im Tonfall, die Schreiberin würde diesen Umstand, wider besseren Wissens, verfälschend darstellen, um die öffentliche Meinung gegen Israel aufzubringen. Das ist nicht nur sachlich falsch, es ist auch unredlich.
„Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass in der UNO alle Staaten ihre “nationalen Interessen” vertreten“.
Das ist in dieser Diktion falsch, denn die Staaten sind nicht Mitglied der UNO, um ihre eigenen Interessen zu vertreten, sondern, um sich mit Themen zu befassen, welche die Weltgemeinschaft tangieren. Das können durchaus auch einmal die nationalen Interessen sein, aber niemals ausschließlich.
„Die UNO-Vollversammlung ist keine demokratisch legitimierte Institution“.
Frage: Was ist sie dann? Von wem, als der Weltgemeinschaft selbst, sollte die UN-Vollversammlung wohl legitimiert werden?
„(Bei Abstimmungen hat der kleinste sowie der größte Staat jeweils eine Stimme!)“
Es ist gut, dass ALLE Staaten jeweils nur eine Stimme besitzen und kein Veto-Recht der Großmächte existiert. Was glauben sie, würde wohl dabei herauskommen, besäßen die großen Staaten ein erweitertes Stimmrecht gegenüber kleineren Staaten? Ihrer Auffassung nach, vermutlich Demokratie. Welcher Platz würde wohl Israel, bei der von ihnen offenbar favorisierten Stimmenabgabe, zukommen?
„ Der größte Teil der vertretenen Staaten sind keine Demokratien.“
Haben sie durchgezählt, oder ist das auch nur wieder eine Behauptung von ihnen?
„Es gibt einen Staatenblock, der aus arabischen und islamischen Staaten besteht, der in der Nahostfrage eine einheitlich israelfeindliche Politik vertritt und zahlreiche weitere Staaten entsprechend beeinflusst.“
Richtig ist wohl, dass keiner der arabischen Staaten als Herzensfreund Israels bezeichnet werden kann. Dass sie aber eine EINHEITLICHE israelfeindliche Politik vertreten oder betreiben, ist grundfalsch. Mit den meisten dieser Staaten arbeitet der Westen eng zusammen, unterstützt sie wirtschaftlich und massiv militärisch.
„Sie können demzufolge auch nicht davon ausgehen, dass UN-Institutionen “neutral” sind, schon gar nicht, wenn diese im Gazastreifen aktiv sind und die zum großen Teil Mitarbeiter beschäftigen, die Mitglieder der Terrororganisation Hamas sind“.
Woher wissen sie, dass UN-Organisationen, zum großen Teil Mitarbeiter beschäftigen, die Mitglieder der HAMAS sind? Kennen sie deren Mitarbeiterlisten und die Zusammensetzung?
Lieder Rudolf, sie haben sich mit diesem Brief tatsächlich Mühe gegeben. Mithin, er erreicht nicht einmal das Niveau, das sie bei ihrer Adressatin so vehement kritisieren. Sie hätten ihn besser nicht abgeschickt.

18. wollecarlos - September 3, 2014, 13:06

Lieder Rudolf,

sie haben sich mit diesem Brief tatsächlich Mühe gegeben. Er steht weit über dem Niveau, das sie bei ihrer Adressatin so vehement kritisieren. Danke, daß sie ihn abgeschickt haben!

19. charly - September 3, 2014, 14:01

P. Bereit,
Frau Elmers bringt keinerlei Begründung für die Behauptung, es handle sich mit Sicherheit um Zivilisten. Dies kritisch zu hinterfragen, auch ohne Gegenbeweis, ist sicherlich berechtigt.
Die Gleichung „Jugendliche = Zivilisten“ ist Blödsinn.

Nur Israelnetz hat bei den Zahlen zu getöteten Kindern nachgehakt, wie diese definiert sind. Zu den ca. 460 „Kindern“ zählen demnach alle Opfer von 0- 19 (!) Jahren.
Alles unter 20 = Kinder = Unschuldige Zivilisten?
Von den gefallenen israelischen Soldaten waren nach so betrachtet auch 10% Kinder.
Ob Hamas ein höheres Eintittsalter für Kämpfer hat als Israel?
Nicht einmal bei den „Kindern“ ist die Gleichung glaubhaft.

Die New-York-Times hat die Opferlisten unter die Lupe genommen und festgestellt, dass 34% der Opfer Männer zwischen 20 und 29 Jahren sind, ihr Anteil an der Bevölkerung liegt bei 9%.

Frauen und Kinder unter 15 die 77% der Bevölkerung stellen, sind „nur“ mit 33% in der Opferstatistik vertreten. Diese Opfer sind tragisch, wenn man sich die Mühe macht, die Taktik der Hamas in die Betrachtung mit einzubeziehen, sollte man die Hamas dafür zur Verantwortung ziehen statt Israel anzuklagen.

Leseempfehlung:

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article130098694/Hamas-wuenscht-sich-Tote-auf-der-eigenen-Seite.html

Lesen – verinnerlichen – beherzigen!

20. beer7 - September 3, 2014, 15:51

P. Bereit belegt wieder einmal, wie selektiv sein Wissen um den Nahostkonflikt ist:
Nur als Beispiel: Hamas hat die Gewerkschaftswahlen bei den Angestellten der UNRWA gewonnen.
http://www.timesofisrael.com/pro-hamas-bloc-wins-control-of-unrwa-in-gaza/


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