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Lesen!!! August 27, 2014, 16:57

Posted by Lila in Presseschau.
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Ruth hat einen sehr wichtigen Text übersetzt und auf ihrem Blog veröffentlicht. Je mehr Leute ihn lesen, desto besser. Ich habe heute früh schon bei Yourish Auszüge gelesen und mir gewünscht, ich könnte ihn übersetzen. Hier ist der englische Originaltext.

Die Bedeutung dieses Sommerkriegs liegt meiner Meinung nach nicht im Krieg selber. Sie liegt vielmehr darin, wie dieser Krieg im Ausland beschrieben und wie auf ihn reagiert wurde, und wie dadurch alte, verquere Denkmuster wieder auflebten und von den Rändern in die Mitte des westlichen Diskurses wanderten – nämlich eine feindselige Obsession mit Juden.

Den Schlüssel für das Verständnis dieses Wiederauflebens kann nicht bei den Verantwortlichen der Jihad-Webseiten gefunden werden, auch nicht bei den Verschwörungstheoretikern im Untergrund oder radikalen Aktivisten. Er wird zuerst bei den gebildeten und respektierten Leuten gefunden, die die international Nachrichtenindustrie bevölkern; anständige Leute, viele von ihnen, und einige meiner früheren Kollegen.

Die globale Manie um israelische Aktionen wird inzwischen für selbstverständlich gehalten, dabei ist sie das Resultat von Entscheidungen, die einzelne Menschen in verantwortlicher Postionen getroffen haben – in diesem Fall Journalisten und Editoren. Die Welt reagiert nicht auf das Geschehen in diesem Land, sondern auf die Beschreibung dieses Geschehens durch Nachrichtenagenturen. Die eigentümliche Natur dieser Reaktion kann man nur verstehen, wenn man sich die Praxis des Journalismus ansieht und im Besondern die ernsten Produktionsfehler, wie sie hier in Israel in diesen Beruf, meinem Beruf, auftreten.

In diesem Essay will ich versuchen, ein paar Werkzeuge zu liefern, um den Zusammenhang der Nachrichten aus Israel herzustellen. Ich habe diese Werkzeuge als Insider erworben: Von 2006 bis Ende 2011 war ich Reporter und Editor im Jerusalembüro der Associated Press, eine der beiden weltweit grössten Nachrichtenagenturen. Ich lebe seit 1995 in Israel und berichte von hier seit 1997.

Dieser Essay ist keine erschöpfenden Übersicht aller Sünden der internationalen Medien, eine konservative Polemik oder eine Verteidigung israelischer Politik. (Ich glaube an die Bedeutung der “mainstream” Medien, bin liberal [links, RB] und stehe der Politik meines Landes vielfach kritisch gegenüber.) Notwendigerweise muss ich manchmal verallgemeinern. Ich werde zunächst die zentralen Themen der Israelstory in den internationalen Medien skizzieren – eine Story, zu der es überraschend wenig Variationen bei den verschiedenen Medienabnehmern gibt und die ein konstruiertes Narrativ darstellt, das, wie schon das Wort “Story” andeutet, zum grössten Teil fiktiv ist. Dann werde ich den historischen Kontext, wie sich die Diskussion zu Israel entwickelt hat, anreissen und erklären, warum das meiner Meinung nach auch Leuten Sorgen machen sollten, die sich nicht mit jüdischen Angelegenheiten befassen. Ich werde versuchen, mich kurz zu fassen.

Seht Ihr wohl? Hochinteressant. Lest den Text selbst zu Ende.

Und dann lest noch mal Claudio Casulas „So wird man Nahostokorrespondent“.

Und dann sagt mir, daß der nicht-israelische Nachrichtenkonsument umfassend, objektiv und ehrlich informiert wird und jede Art von Färbung, Unterton oder Tendenz allein in meiner Einbildung existiert. Das könnt Ihr nicht? Oh, ein paar können es bestimmt 🙂

Kommentare»

1. Hein - August 27, 2014, 17:12

Die Nachrichtenkonsumenten in Deutschland werden so informiert, dass anti-israelische Einstellungen fast zwangsläufig sind. Die Journalisten und die Redaktionen wissen aber auch, was auf fruchtbaren Boden fällt.
Umso erfreulicher, dass es trotzdem noch viele gibt, die sich ihr Denken nicht verbiegen lassen.
Dem kantschen Anspruch, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, werden die meisten nicht gerecht. Bequemlichkeit, mangelndes Interesse?

2. Claudio Casula - August 27, 2014, 21:54

Danke für die Verlinkung, Lila! Den Leitfaden für Nahostkorrespondenten müsste ich wohl mal aktualisieren. Andererseits waren es damals schon dieselben Mechanismen, nach denen die Chose funktioniert, wie man jeden Tag hören, sehen und lesen kann.

3. Jeremin - August 27, 2014, 22:44

Danke für den Hinweis auf diesen Text, dieser schließt eine sehr wichtige Lücke. Und danke, dass es deine Stimme noch gibt.

Gruß J.

4. Wetzstein - August 28, 2014, 13:03

Verlinkt und geteilt!

5. Ludwig - August 28, 2014, 14:27

Hallo Lila,

schön, dass Du wieder bloggst. Wie immer finde ich die Diskussion hier auf Rungholdt reizend. Heute fehlt mir allerdings die Lust zu differenzieren, daher polarisiere ich jetzt.

Diesen Artikel finde ich weitgehend irrelevant, weil er am Kern des Streits zwischen Israel und Europa vorbei geht und sich stattdessen an den Rändern der Debatte festbeißt.

„Euer“ Narrativ von „Israel als dem Juden unter den Völkern“ ist aus meiner Sicht ein dysfunktionaler und apolitischer Verdrängungsmechanismus, weil „Euch“ diese Theorie nicht sagen kann, was „Ihr“ in Zukunft tun oder lassen solltet – anstatt vergeblich zu versuchen den Status-Quo weiter zu erhalten.

Bekanntlich glaubt „Ihr“ an die Gleichung: Israelkritik = Anti-Zionismus = Antisemitismus = eine Ausprägung des absolut Bösen in der Welt.

Auf den Dialog zwischen Israel und dem liberalen Westen übertragen, bewirkt dieser Narrativ, dass „Ihr“ „Euch“ in Deutschland und anderen europäischen Ländern mit rund 80% anti-israelischen Stimmen konfrontiert seht, wo es eigentlich nur rund 20% gibt. Die restlichen ca. 60% der Europäer geben Israel und den Palästinenser gleichermaßen die Verantwortung, für den endlosen Nahostkonflikt und den letzten Krieg, was sie dem Narrativ vom „Juden unter den Nationalstaaten“ zufolge natürlich zu Antisemiten macht.

Der Kern „unseres“ Streits mit Israel ist, so glaube ich, ein anderer: „Wir Europäer“ finden Israels Herrschaft über die Palästinenser moralisch falsch, politisch töricht und nicht in unserem außenpolitischen Interesse. Welcher dieser drei Aspekte der wichtigste ist, da gehen die Meinungen im europäischen Mainstream etwas auseinander. Ansonsten ist es so einfach.

Full disclosure: Natürlich sind „wir“ Rassisten. Für „uns“ sind die Araber letztlich „Barbaren“ und damit irrelevant, die Juden hingegen so zivilisiert wie wir und damit relevant. Ob die Palästinenser nun in Gestalt des unterdrückten „Edlen Wilden“ auftauchen, oder als terroristischer „Kannibale“ ist dabei relativ egal. Wenn sich die zivilisierten israelischen Juden aus unserer Sicht „barbarisch“ verhalten, dann ist das in jedem Fall interessanter für uns und toppt damit alle Meldungen über palästinensisches Gräuel.

Fazit: Deine bzw. „Eure“ „Realität“ ist für mich eine Konstrukt aus Strohmann-Argumenten, die im Detail zutreffend sein mögen aber als Gesamtkonzept falsch sind. Meine Theorie ist für Dich vermutlich eine sinnlose Ansammlung von Epizyklen.

Am Ende bleibt dann nur die Frage, was jeder mit seiner „Wahrheit“ tun kann, und was nicht.

6. Michael - August 28, 2014, 16:46

„Der Kern „unseres“ Streits mit Israel ist, so glaube ich, ein anderer: „Wir Europäer“ finden Israels Herrschaft über die Palästinenser moralisch falsch, politisch töricht und nicht in unserem außenpolitischen Interesse.“

ich glaube, den Kern der meinungsverschiedenheit zwischen Dir und Lila, zwischen „uns“ und „euch“, zwischen Israel und Europa kannst du im Hörspiel „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch finden, wo ein Biedermann in seinem haus einen Brandstifter findet, der ihm ankündigt, dass er selbiges Haus anzünden möchte und Biedermann auch noch dazu bringt, ihm dafür die Zündhölzer auszuhändigen.

Du glaubst wie Biedermann – das alle Biedermänner sind und dass es nie jemanden einfallen würde, so etwas Böses wie ein fremdes Haus anzünden zu tun, und daher findest du nichts dabei, ihm die Zündhölzer in die Hand zu drücken. Nur mit dem Unterschied, dass es in diesem Fall nicht dein haus ist, sondern z.B. Lilas.

Lila hingegen ist das misstrauischer und hätte gerne Garantien, (z.B. dass die Person sich aus ihrem Haus entfernt, und dass man ihr Sprengstoff, die sie auf ihr Haus schiessen kann abnimmt), zumal es ja auch ihr Haus ist und nicht deinese, das im zweifelsfall bedroht wird.

Insofern finde ich Lilas Position verständlich.

Was Lila als Partei im Konflikt nicht sieht, nicht sehen kann, weil jeder sich selbst am nächsten ist und weilKrieg bis zu einem gewissen Grad immer auf die Entmenschlichung der Gegenpartei hinausläuft, ist dass 10 getötete Kleinkinder in Gasa 10x schlimmer sind als 1 getötetes Kleinkind in Israel… rein mathematisch, weil 10 unschuldige Opfer schlimmer sind als eines…

7. Lila - August 28, 2014, 18:08

Ich sehe Deiner Meinung nach nicht, daß ein jedes getötetes Kind eine Tragödie ist und eine ganze Welt, die ausgelöscht wird? Wie kommst Du darauf?

Allerdings erkenne ich im Gegensatz zu vielen europäischen Beobachtern, daß die Hamas die toten Kinder ihrer Wähler eben nicht als Tragödie sieht, sondern als Instrumente im Propagandakrieg gegen Israel.

Daß schon kleinste Kinder von Medien, Schulen und Eltern im Gazastreifen mit dem Shahid-Ideal indoktriniert werden, habe ich oft genug belegt. Daß die Hamas Zivilisten als Schutzschilde einsetzt, ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben bewiesen und sie geben es auch selbst zu.

Daß die Welt kurzsichtig genug ist, Israel die Toten zur Last zu legen, die von ihren eigenen Angehörigen geopfert wurden, um eben diesen Effekt zu bewirken und die palästinensische Position durch Opfer-Glorienschein zu stärken – das finde ich unmoralisch.

Warum ist es nicht möglich, den Palästinensern klarzumachen, daß man unter Schulen und Kindergärten keine Waffen lagert – daß man aus Moscheen und Krankenhäusern keine Raketen abschießt? Weil sie damit ihre Immunität verlieren (jawohl nach internationalem Recht) und zu legitimen Zielen werden? Daß also die Hamas mit dem Leben dieser Kinder spielt, ihren Tod zu einer bloßen Zahl degradiert?

Verachtung des Lebens, das ist ihre Ideologie, Todeskult.

Da dreht sich Israel der Magen um. In israelischen Krankenhäusern werden jeden Tag arabische Kinder gerettet. Israel hat sich lieber über Jahre hinweg beschießen lassen, als in die Falle der Hamas zu tappen und die zivilen Ziele, von denen aus die Raketen auf israelische Ziele abgeschossen wurden, zu zerstören.

Das Shifa-Krankenhaus steht immer noch.

Es war und ist Kommandozentrale der Hamas. Es wäre durchaus möglich und legitim gewesen, nach angemessener Warnung und Evakuation dieses Krankenhaus zu beschießen. Ausländische Journalisten haben bestätigt, daß dieses Krankenhaus eine militärische Funktion hatte. Mit einer genügend schweren Bombe hätte Israel die gesamte Führungsriege der Hamas töten können.

Nein, Israel hat nicht aus Freude am Tod Unschuldiger auf zivile Einrichtungen gezielt.

Jeder einzelne Beschuß ist belegt und kann begründet werden.

Daß die Hamas ihren Wählern, den ihr anvertrauten Menschen, nicht mal Betonröhren gegeben hat, in die sie sich flüchten können wie auf den Straßen von Sderot, ist ein Armutszeugnis.

Und die Rolle der UNRWA? Dazu muß ich mal extra was schreiben. Schimpf und Schande über diese Heuchler-Organisation.

8. G. - August 28, 2014, 19:03

Vor diesem Hintergrund, vor diesem schlichtweg traumhaften post @ludwigs, der den deutschen mainstream weitgehend repräsentiert, kann ich mich endlich einmal für Deine Sisyphusarbeit bedanken, @lila.

Der deutsche Gutmensch wertet vom hohen Ross herab sein ehemaliges Opfer, den Juden. Beurteilt, vergibt Verhaltensnoten.

Inhaltlich wäre hierzulande kaum jemand einer solchen Diskussion mit der anderen Seite, den Juden, gewachsen. Viel zu schwach, die Grundlage eigener Argumentation. Viel zu facettiert, zu mannigfaltig und zu nachvollziehbar die Argumentation der anderen Seite.

Was sollte bei der Entnazifizierung eigentlich herauskommen? Broder würde sich nun vermutlich angewidert abwenden. Wo es wieder einmal um tote Juden geht. Doch das Band zwischen den Lebenden und den Toten ist unübersehbar.

Wie einfach die Lösung der Problematik der Schuld an der Shoa doch ist. Der Verdrängungsmechanismus des Abspaltens. Aus allen plausiblen Erklärungen trifft erneut die einfachste. Danke, Anna Freud.

Der Jude ist schuld. Jahrhundertelang erlernt. Unsere Prägung. Unsere Sicht. Und wir können noch einen draufsetzen. Wir sprechen ihm ab einer zu sein. Oder Israel jüdisch zu sein. In diesem Kontext schon unbedeutend. Niederschmetternd.

Miteinander reden anstelle übereinander zu reden ist Dein Angebot, @lila. Und es ist die einzige Alternative, die ich sehen kann. Auf lange Sicht.

Was mir an dem hierzulande weiterhin bestehenden Antisemitismus missfällt, ist zweierlei. Zum einen, die Energie, die derartiger Unfug bindet. Die Fähigkeit, Sachstände als solche zu erkennen und angemessen darauf reagieren zu können. Des anderen die Tatsache, dass diese spürbare Grundhaltung Deutschland für die Zuwanderung fähiger jüdischer Köpfe unattraktiv machen kann.

Lieber wäre es mir, zehn @ludwigs oder @P.Bereits mit ihren Betonköpfen als Granaten zur Verfügung zu stellen als den einen jüdischen Informatiker, Chemiker, Ingenieur von einer Zuwanderung abzuschrecken. Ich kann nur hoffen, dass dies Land sich im eigenen Interesse spürbar „judenfreundlicher“ weiterentwickeln wird.

Waffenlieferungen in ein Kriegsgebiet, derartige aktive Beteiligung am Krieg ist für Rechtskonservative ein schwer erträglicher Schritt. Doch der status quo ist es ebenso. All das, was an Gedankengut aus bisheriger Zurückhaltung sich aufrecht erhalten hat. Selbstschädigend grottendumme Intention. Unbelehrbar.

Insofern sehe ich Deinen blog zwischenzeitlich weniger als pro israelich, @lila. Er ist pro deutsch.

9. Claudio Casula - August 29, 2014, 22:09

@Ludwig
Auch die 60%, die Israel und der Hamas gleichermaßen die Schuld zuweisen, sind Idioten. Macht am Ende mit den anderen 20% wieder 80% – ein Wert, der nach meinen Erfahrungen durchaus realistisch die Antipathie gegen Israel widerspiegelt – es mögen ein paar weniger sein. 70%? 66%?

Was die „Herrschaft über die Palästinenser“ angeht: die ist eine Folge des Krieges 1967, zu einer Zeit also, als der SPIEGEL von „Palästinensern“ noch wie was gehört hatte. Zweiter wichtiger Punkt: Vor 20 Jahren nahm man einen „Friedensprozess“ (der Begriff klingt wie Hohn) auf, in dem Israel ausschließlich gegeben, aber nix bekommen hat – außer Kidnappings, Bombenanschlägen und Raketen. So, und jetzt komm´ du noch mal daher und labere vom „Narrativ“. My ass.

10. Ludwig - September 1, 2014, 12:08

Claudio – 9,

die Zahlen stimmen so etwa … schön, dass wir uns da einig sind.

Hier ein genauerer Überblick verschiedener Umfragen, die ich in drei Kategorien vereinfacht habe: (1) Pro-Israel/Anti-Palästina, (2) „Idioten“, also Leute, die weder für Israel noch für die Palästinenser eindeutige Sympatien empfinden und (3) Pro-Palästina, bzw. Anti-Israel.

Deutschland (2014) | 9% | 73% | 18% | (Forschungsgruppe Wahlen)
Deutschland (2014) | 16% | 52% | 14% | (Forsa)
Deutschland (2009) | 30% | 35% | 13% | (Forsa)
Frankreich (2014)| 9% | 74%| 17% |
UK (2014) | 14% | 40% | 20% |

Zu diesem europäischen Meinungsbild könnte man allerhand sagen, verschiedene Umfragen sind natürlich nicht direkt vergleichbar. Klar ist trotzdem, die „Idioten“ sind überall in der Mehrheit. Unterschiede zwischen Deutschland, Frankreich und dem UK finde ich in dieser Hinsicht nicht überschaubar. Deutschland ist anscheinend etwas stärker Pro-Israel, in den letzten Jahren mit sinkender Tendenz.

Quellen:
http://www.forschungsgruppe.de/Umfragen/Politbarometer/Archiv/Politbarometer_2014/Juli_2014/
http://www.stern.de/politik/ausland/stern-umfrage-deutsche-geben-israel-eine-mitschuld-am-nahost-konflikt-2124202.html
http://www.stern.de/politik/deutschland/stern-umfrage-jeder-zweite-nennt-israel-aggressiv-651466.html
http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4557548,00.html
http://yougov.co.uk/news/2014/07/21/israel-palestine-latest-offensives-both-sides-unju/

So what?

Eine „angemessene“ Antwort soll wohl Dein zweiter Absatz von (9.) sein. Bei mir kommt hingegen die Botschaft an, dass die Pro-Israel-Community mangelhaft selbstreflektiert und – zumindest verbal – gewaltbereit ist. Ein Eindruck, der mühelos gängige Klischees über Israel, verstärken kann. „Wir“ „Idioten“ aus dem Mainstream glauben bekanntlich, dass die Politik der israelischen Regierung, speziell die Siedlungspolitik und Israels Herrschaft über die Palästinenser in Judäa und Samaria, ein Teil des Problems sind.

Wem noch nicht klar sein sollte, dass „Ihr“ dem europäischen Mainstream gegenüber ein Vermittlung- und Kommunikationsproblem habt, dem hilft vielleicht dieses Beispiel:

Geht es um die BDS-Bewegung und ihre Sanktionsforderungen, reagiert „Ihr“ üblicherweise ausgesprochen aggressiv, was, glaube ich, dazu dienen soll, ein kleines Grüppchen irrer BDS-Aktivisten zu marginalisieren.

In den letzten knapp zwei Jahren haben die EU-Mitgliedsstaaten und die Kommission mit verschiedenen Sanktionen gegen die Siedlungspolitik experimentiert, Investitionen europäischer Unternehmen in die israelische Wirtschaft jenseits der Grünen Linie erschwert und Importverbote von Produkten aus den Siedlungen beschlossen.

Nachdem die Regierungsbildung in Brüssel langsam abgeschlossen ist und der Kriegsprozess zwischen dem Jordan und dem Meer gerade wieder eine ergebnislose Runde gedreht hat, wird sich Europa entscheiden, wie es in dieser Hinsicht fortfahren will.

Wollt „Ihr“ als Pro-Israel-Community auf diese Form von „BDS“ der europäischen Regierungen gegen die israelische Herrschaft über die Westbank genauso reagieren, wie auf eine handvoll Aktivisten am Rand der Gesellschaften?

11. P. Bereit - September 1, 2014, 15:08

Ganz klar. Alles Idioten, die Leuten wie Claudio nicht auf den Leim kriechen. Ein einfaches Weltbild. Was machen wir nun mit den Idioten? Internieren oder besser gleich wegbomben?

12. willow - September 1, 2014, 15:58

Jaja … wie sagte Elke Heidenreich doch so treffend „Scheisse muß schmecken, Millionen Fliegen können sich nicht irren.“ 😦

13. beer7 - September 1, 2014, 16:15

Lila,

„Was Lila als Partei im Konflikt nicht sieht, nicht sehen kann, weil jeder sich selbst am nächsten ist und weilKrieg bis zu einem gewissen Grad immer auf die Entmenschlichung der Gegenpartei hinausläuft, ist dass 10 getötete Kleinkinder in Gasa 10x schlimmer sind als 1 getötetes Kleinkind in Israel… rein mathematisch, weil 10 unschuldige Opfer schlimmer sind als eines…“

ich glaube Ludwig hat das nicht als Behauptung gemeint, Dir fehle es an Empathie.

Ihm scheint abstreiten zu wollen, dass jeder Staat zunaechst einmal die Pflicht hat, Leben, Unversehrtheit und Eigentum der eigenen Buerger zu schuetzen.

Bei seiner „mathematischen“ Sichtweise muss Israel sich solange gefallen lassen, was Hamas und andere Terrororganisationen anstellen, bis sichergestellt ist, dass bei einem Gegenschlag nicht mehr unschuldige Zivilisten um’s Leben kommen als bei den Angriffen auf Israel.

Das ist eine eigenartige Auffassung von Voelkerrecht und Ethik, aber in Europa vermutlich nicht allzu selten.


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