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Nach 32 Tagen Miluim… August 24, 2014, 21:24

Posted by Lila in Land und Leute, Uncategorized.
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…. sagen ein paar Soldaten Danke.

Sie bedanken sich bei allen, die ihren Aufenthalt im Süden angenehm gestaltet haben – besonders den vielen Bürgern, von denen sie beschenkt und versorgt wurden.

Dieser Clip zeigt gleichzeitig ziemlich viele Aspekte der israelischen Mentalität und Armee. Es sind Miluim-Soldaten, also Reservisten, die älter sind als reguläre Soldaten, erfahrener, gelassener und keine Jungens mehr. Sie sind meistens eine eingeschworene Gemeinschaft, die über Jahre und Jahrzehnte hinweg zusammen Miluim macht, sich kennt und locker miteinander umgeht.

Im Gegensatz zu anderen Armeen ist die israelische, und ganz besonders bei den Miluimnikim, der Umgang locker, die Uniformen sind schlampig und ungebügelt, und die Hierarchien sind flach. Zackigkeit, zwanghafte Rituale wie Spindkontrolle und ähnliche Spirenzchen gibt es nicht – nur in der Grundausbildung, wenn aus Schulkindern Soldaten und Soldatinnen werden, wird der Unterschied mit dem zivilen Leben deutlich gemacht, aber nach der großen Party des „Distanz-Bruchs“ ist es damit vorbei. Allerdings müssen reguläre Soldaten bestimmte Kleidungsvorschriften einhalten, aber auch sie laufen oft in ungebügelten Uniformen rum.

Einmal, als Y. in wirklich total zerknitterter Montur zum Miluim fuhr, wollte ich protestieren, doch er grinste nur und meinte: in unserer Basis laufen keine regulären Soldaten rum, da brauch ich mir keine Mühe zu geben. Nur seine roten Stiefel hat er stets gut in Schuß gehalten.

Man sieht den Männern an, daß sie seit über einem Monat irgendwo im Süden campieren, aber auch bei normalem Miluim laufen sie so rum, unrasiert, Hemd aus der Hose, zerstrubbelt.

Und sie haben Humor und Lebensfreude. Etwas, das ganz viele Israelis einfach so ausstrahlen. Egal wie miserabel die Lage ist, man meckert erstmal gründlich und dann sucht man die Seiten, über die man lachen kann und sich freuen. So wie diese Soldaten nach 32 Tagen zwischen Mörsergranaten und Bodenoffensive sich gern bedanken möchten bei denen, die ihnen die Zeit erleichtert haben.

Wenn sie nach Hause kommen, ziehen sie die Uniform aus und gehen wieder ins Geschäft, in die Schule, in die Firma oder aufs Feld. Und wenn das nächste Mal der Brief mit dem dreieckigen Stempel kommt, na dann holen sie wieder die Uniform raus, putzen den Staub von den Stiefeln und packen ihren Kram, um wieder für Israel zu kämpfen. Ohne Haß, ohne Kampfparolen, ohne Prahlerei. Wenn man sie fragt, warum eigentlich?, dann würde vermutlich bei den meisten die Antwort lauten: ki ein breira – weil wir keine Wahl haben.

Ich hoffe, daß Leute, die diesen Clip sehen, verstehen, warum wir uns so auf die Armee verlassen. Auf diesen Männern (und Frauen) ruht Israels Überleben seit Jahrzehnten. Wir wissen das.

(Clip zuerst gesehen: hier)

Und kurze Zeit später – eine Ergänzung.

Was sehe ich beim unschlagbar aktuellen und interessanten Elder of Zion? Ein Soldat, der erzählt, wie es ist, gegen die Hamas zu kämpfen.

Kommentare»

1. Andrea - August 24, 2014, 22:09

Wunderbar! 🙂

2. Ellie - August 24, 2014, 22:58

Mir wird schwindlig, wenn ich über die Dimensionen des Konflikts in Israel nachdenke. Ich möchte auch gar nicht dazu kommentieren, sondern nach einem Buchtipp fragen. Vielleicht von Ihnen selbst, oder jemand von den Lesern: Um etwas mehr über die Situation in Israel zu verstehen, würde ich gerne etwas lesen (möglichst deutschsprachig, sonst auch englisch). Danke im voraus und natürlich danke für die Einblicke ins Leben in Israel hier im Blog.

3. Lila - August 24, 2014, 23:04

Bestimmt haben meine Leser viele gute Tips – ich rate zu Lozowicks und Tarachs Büchern.

http://www.amazon.de/Israels-Existenzkampf-moralische-Verteidigung-seiner/dp/3894582375/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=undefined&sr=8-2&keywords=lozowick+israels

http://www.amazon.de/Der-ewige-S%C3%BCndenbock-Verlogenheit-Nahostkonflikt/dp/3981348605/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1408914094&sr=8-1&keywords=tilman+tarach

Lozowick ist sachlicher, Tarach polemischer, beides ergänzt sich ganz gut beim Lesen. Beide Bücher sind vollgestopft mit Tatsachen, die man normalerweise aus den Medien nicht erfährt.

Immer eine interessante Quelle im Internet: MEMRI. Außerdem breit Zeitung lesen, nicht nur deutsche Zeitungen, sondern auch Al Jazeera und andere, die die arabischen Standpunkt erklären.

Mehr fällt mir gerade nicht ein – ist schon spät hier…

4. Naomi - August 25, 2014, 6:51

Liebe Lila –

wie schön, wieder von dir und deiner Familie zu hören und zu wissen, dass es euch (relativ) gut geht.

Neben Lozowick und Tarach empfehle ich noch ein weiteres hervorragendes Buch: Alan Dershowitz mit „Plädoyer für Israel“.

Bei Tarach gehts mir wie dir, er ist leider etwas zu polemisch – und mit Polemik erreicht man die Menschen, die man ja in der Diskussion oder als Buch-Autor erreichen will, grundsätzlich nie.

Dershowitz‘ Buch (er ist ein international hochangesehener amerik. Anwalt) ist vor allem auch deshalb so gut, weil es vielen Menschen, die immer wieder mit sogen. „Israelkritikern“ diskutieren oder sich gegen die einseitige Berichterstattung der Medien wehren wollen, unschätzbare, sachliche und korrekt analysierte Hintergründe & Fakten und dazu eine Fülle von sauberen Belegen und Quellen liefert.

Dershowitz‘ Themenvielfalt ist unglaublich. Jedes Thema ist folgendermaßen gegliedert:
1. Der Vorwurf
2. Die Ankläger
3. Die Realität (also Fakten)
4. Die Beweise (Plädoyer für den Angeklagten Israel)

Es sind Themen wie z.B.: Opferzahlen, Abriss der Häuser von Terroristen, der westliche Boykott oder die paläst. Terroranschläge, die verhindert werden konnten oder sonstwie nicht funktionierten, trotzdem aber genau so verwerflich sind.
Es sind Fragen wie: „Warum kommen mehr Palästinenser als Israelis um?“ „Folter Israel Palästinenser“ „War Israels Besetzung ungerechtfertigt?“ „Ist der Terror nur ein Element im Konflikt?“ „Sind die Kritiker Israels Antisemiten?“ „Gibt es eine moralische Äquivalenz?“ usw. usf.

Dort, wo Dershowitz selbst seinen „Klienten“ kritisiert, beschreibt er es ausführlich und begründet natürlich auch dies.
Am Ende gibt es einen Freispruch für den Angeklagten Israel – und das wird sicher wieder vielen Deutschen nicht gefallen … 😉

http://www.amazon.de/Pl%C3%A4doyer-f%C3%BCr-Israel-Alan-Dershowitz/dp/3203760266/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1408941428&sr=1-1&keywords=alan+dershowitz

5. P. Bereit - August 25, 2014, 9:32

Wer sich nicht Einseitigkeit der Betrachtung vorwerfen lassen will, der sollte auch den Gegner von Dershowitz lesen. Norman Finkelstein.
D. ist auch derjenige, der vorschlug ganze palästinensische Dörfer als Vergeltung zu vernichten und für die Legalisierung von Folter stimmte.

6. willow - August 25, 2014, 11:34

5. P. Bereit – ich denke nicht, daß im deutschspracheigen Raum ein Mangel an -um es vorsichtig zu formulieren- israelkritischen „Informationen“ besteht … ganz im Gegenteil. Sie selbst sind ja ein „schönes“ Beispiel dafür, wie durch einen lustigen Mix aus Lügen, Halbwahrheiten und halb Verstandenem ein tief sitzendes Vorurteil gegen Israel entsteht – auch und gerade, wenn die Qualität der Informationsquellen sich teilweise auf dem Niveau der „Protokolle der Weisen von Zion“ liegt. Aber auch wenn es ihnen nicht paßt -ihr Urteil über Israel steht ja fest und läßt sich auch nicht durch noch soviele Bemühungen durch Lila ins Wanken bringen- Lisa versucht eher, dem argumentativ etwas entgegenzusetzen von dem sie -zu Recht!- annimmt, daß es in Deutschland über all die allgegenwärtige „Israelkritik“ nicht wargenommen wird.

7. wollecarlos - August 25, 2014, 13:38

„D. ist auch derjenige, der vorschlug ganze palästinensische Dörfer als Vergeltung zu vernichten und für die Legalisierung von Folter stimmte.“

UNSER Todenhöfer heißt P.Bereit….

BEIDE nimmt kein denkender Mensch für voll !

8. flx - August 25, 2014, 14:51

Es ist mir schleierhaft, warum man eines dieser tendenziösen Bücher als Einstieg lesen sollte. Wer sich über die Wurzeln dieses Konfliktes informieren möchte, sollte mit einer allgemeinen Geschichte des Konfliktes beginnen, zum Beispiel Benny Morris‘ Righteous Victims. Zwar in Englisch, aber es bietet eine umfangreiche Schilderung der historischen Begebenheiten seit 1880, ist weitestgehend neutral gehalten und von einem anerkannten Wissenschaftler auf diesem Gebiet geschrieben.

9. ekkehard schroeder - August 25, 2014, 18:52

@ 2
als historischer rückblick:
zu dieser ausstellung, die dritte welt im zweiten weltkrieg http://historisches-museum-frankfurt.de//index.php?article_id=769&clang=0
gibt es einen lehrerreader online:
http://www.3www2.de/images/stories/unterrichtsmaterialien/3www2-Schule_2Auf.pdf
das entsprechende kapitel ist lesenswert.

Wenn man sich für die kritik des antisemitismus interesiert:
es gibt die protokolle von zion als komentierte ausgabe legal zu erwerben. das studium dieser schrift im orginal macht die dimension es antisemitismus deutlich.
zur verbreitung in der arabischen welt:
carmen matussek, der glaube an die jüdische weltverschwörung, LIT.

was die bedeutung und spezifik des arabischen terrorismus betrifft lohnt sich Terrorismus-der unerklärte krieg von bruce hoffman welches es bei der bundeszentrale für politische bildung für ein paar euro gibt.

10. P. Bereit - August 26, 2014, 8:03

8.

Danke, dass sie auf Benny Morris verwiesen haben.
Leider scheinen den nur wenige hier zu kennen bzw. zu schätzen.

11. P. Bereit - August 26, 2014, 8:39

7.
Schön, dass auch sie ihr Spielzeug wiedergefunden haben. Zum Glück, müssen sie wegen ihres letzten Satzes, keine Unruhe aufkommen lassen.

12. Claudio Casula - August 26, 2014, 21:49

@ P. Bereit
Oh, Sie kennen Benny Morris? Wunderbar. Dann wissen Sie sicher auch, dass er seit dem „Friedensprozess“-Desaster dazugelernt hat und heute – wie die allermeisten Israelis – davon überzeugt ist, dass die palästinensische Führung keinen Frieden will, sondern immer noch den feuchten Traum von der Zerstörung Israels träumt. „One State, Two States“ lesen!

(Und nicht vergessen: Wer mit 18 nicht links ist, hat kein Herz; wer mit 80 immer noch links ist, hat keinen Verstand.)

13. wollecarlos - August 27, 2014, 10:10

CC.. # 12

Es gibt aber auch „Zwischentöne“ zwischen 18 und 80.

Bereit zeigt es uns, daß man mit zunehmendem Alter nicht automatisch „verständiger“ wird.

Und er zeigt es uns hier immer wieder.

Ist das nun traurig oder zum Lachen?

14. Claudio Casula - August 27, 2014, 22:16

Vielleicht beides, wollecarlos. Manche begreifen es schneller, anderer langsamer und wieder andere nie. Kannste nix machen.


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