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Vorbereitungen aufs Fest Juli 26, 2014, 10:39

Posted by Lila in Presseschau.
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Y. erzählte mir gestern, daß bei den Verhören von Hamas-Leuten, die sich Israel ergeben haben, ein Plan entdeckt wurde, den man mit Fug und Recht teuflisch nennen kann: sie wollten zu Rosh HaShana, dem jüdischen Neujahrsfest, Hunderte Kämpfer durch Dutzende Tunnel schleusen und einen Massenangriff auf israelische Dörfer und Kibbuzim starten. Einen Teil der verhaßten Zionisten ermorden, einen Teil verschleppen.

Gil Yaron in der Welt:

Doch erst jetzt, eine Woche nach Beginn der Bodenoffensive, wird Israel sich der wahren Gefahr und des Ausmaßes der Tunneloperationen der Hamas bewusst: Verhöre in Gaza gefangen genommener Hamas-Aktivisten sollen einen tödlichen Plan aufgedeckt haben. Demnach planten die Islamisten zum jüdischen Neujahrsfest im September ein Massenattentat.

Hunderte Hamas-Kämpfer sollten gleichzeitig durch Tunnel ins Grenzgebiet rund um Gaza eindringen, dort sechs Ortschaften angreifen, so viele Menschen wie möglich töten und zahlreiche Zivilisten in den Landstrich verschleppen. Das teilten israelische Militärs der Webseite nrg.co.il mit.

Und wenn die ganze Welt von Israel forderte, gegen diese Tunnel nicht vorzugehen – das können wir uns nicht leisten. Diese Gefahr muß ausgeschaltet werden.

Davon gibt es offenbar mehr als erwartet. „Die Hamas hat Gaza in mehrere Abschnitte unterteilt“, erklärt der Ex-General im Gespräch mit der „Welt“. „Jeder Abschnitt wird von einem Brigadegeneral befehligt, der 400 bis 600 Kämpfer befehligt.“ Dafür erhalte er ein Budget, um seinen Bereich auf den Krieg vorzubereiten – Hinterhalte legen, Kommandobunker und Depots bauen. Doch am meisten wollten die Hamas-Kommandeure Angriffstunnel nach Israel: „Das bringt Prestige“, sagt der Offizier. Die würden jedoch nicht von Kämpfern gegraben: „Das ist ein Beruf, sogar ziemlich gut bezahlt.“ Ganze Familien lebten davon, Gaza für die Hamas zu untertunneln. Laut israelischen Schätzungen sollen die Islamisten dafür Hunderte Millionen US-Dollar ausgegeben haben.

Warum das nicht ein ähnlich großes Thema in internationalen Medien ist wie in den israelischen? Keine Ahnung…

Es ist auf jeden Fall eine echtere Bedrohung als das Risiko, daß ein Flugzeug beim Anflug auf Ben Gurion von einer Rakete getroffen wird. Die hysterischen Kommentatoren des ängstlichen SPon-Artikels jedenfalls scheinen nicht zu begreifen, daß aus dem Gazastreifen keine gezielten Anti-Aircraft-Missiles geschossen werden – die könnten aus der sog. Westbank kommen, aber die ist ja noch unter israelischer Kontrolle, wie gut! ach nein, wie gräßlich! Was aus dem Gazastreifen kommt, wird zu 90% von Iron Dome abgefangen und ist nicht speziell auf Flugzeuge ausgelegt wie die (ungenau gefeuerten) Strelas beim Angriff 2002 in Mombasa. Also wesentlich weniger Risiko als beim routinemäßigen Überfliegen vieler anderer gefährlicher Gegenden…

Kommentare»

1. sabine - Juli 26, 2014, 11:23

ich las das gestern bei elder of zion und konnte es (er schrieb noch im konjunktiv), trotz allem kaum glauben.

und nein, es ist kein thema, heute früh auch von frau marx, die von 5000 tunneln sprach, nicht erwähnt.

die bereits versprochenen gelder für den wiederaufbau gazas nach der bodenoffensive – es wird einem schwindelig.

2. Lila - Juli 26, 2014, 11:39

Ebenfalls in deutschen Medien unauffindbar: das Feldlazarett, das Israel für die Palästinenser errichtet hat.

Warum ist das keine Meldung wert?

Die Antwort ist immer dieselbe: weil es nicht ins Narrativ paßt.

3. sabine - Juli 26, 2014, 13:52

@lila

ach, das narrativ. natürlich passt es nicht hinein. mitunter wird die sache aberwitzig: hoch gelobt, immer wieder und mit recht in den deutschen medien/buchbesprechungen yasmina khadra, der algerische ex-armeeoffizier und wunderbare schriftsteller, wie so viele kritische algerier (assja djebar u.a.) in paris lebend. letztes jahr war er kandidat für die präsidentschaftswahl in algerien.
nach kritischen kriminalromanen schreibt er über „weltbrennpunktprobleme“, islamisch oder arabisch konnotiert. abgesehen davon, dass sie wunderbar zu lesen sind und man ihn streicheln möchte für seine menschlichkeit, hat er schon 2005 in seinem roman „die attentäterin“ einen plot verfasst, in dem ein palästinensischer arzt, der gut in die israelische gesellschaft integriert ist, plötzlich mit dem tod seiner frau als selbstmordattentäterin konfrontiert wird. man soll das lesen, wirklich, weil es den haut goût des authentischen für viele israelvorsichtige hat, aber auch, weil es unmittelbar ist. und liebenswert im schrecklichen.

was passiert in d’land? er wird gelobt, aber das narrativ ignoriert ihn. es passt halt nicht. und so unfairerweise schlägt es dem „ordinären“ (hoffe ich auf ihn?) maghrebiner mitten ins gesicht. ich gestehe (braucht es ein geständnis), ich liebe viele aspekte der arabischen kultur ebenso wie die der jüdischen. hier stand grad , dass ich mich nicht entscheiden wollte. in realità: dass es schmerzt, sich entscheiden zu müssen (und ich es immer noch nicht einsehe). ich habe die bachelor-arbeit meiner tochter über assia djebar begleitet, in der u.a. die autorin beklagte, dass das ehemals tief verankerte algero-jüdische narrativ verschwinde. sic est: die algero-jüdische population verschwände. verschwindet.

was mich sehr irritiert ist, dass es gar kein echtes narrativ mehr gibt. es ist ein ad-hoc-gerede oder geschrei. jahrhundertumfassende komplexitäten sind viel zu anstrengend und gleichsam werbewirksam nicht vermittelbar. geschichte scheint nur noch ausgesucht fokussiert-selektiert vermittelt zu werden. ist dann aber eben keine.

gut. noch ein khadra-zitat:
Für Sie als Europäer ist es unmöglich, Terrorismus zu verstehen. … Ich bin Araber … Ich kenne sie von Nahem. Ich habe sie auf dem Schlachtfeld getroffen.

das problem hier ist doch in wahrheit, dass man eine simplizität versichert haben möchte, die nicht da ist. hic rhodos hic salta?
nein, ich nicht, oder jedenfalls andersherum.

was mich momentan, außer dem DA-sein israels beschäftigt, ist das nicht-da-sein eines historisch-ordentlich versicherten narrativs. ich habe keine ahnung, wie man das reparieren kann. außer, dass man es bei strafe des eigenen kulturellen untergangs reparieren muss. (Wieso schreit keiner, dass die christliche kultur aus dem „fruchtbaren halbmond“ vertrieben wird?)

narrative sind in den meisten fällen zweckorientiert. glauben Sie, mitunter, den poeten. luftiger raum gewährt mehr als eine möglichkeit. er erwischt den menschen, wenn man glück hat, a core.
ansonsten glaube ich aus erfahrung: wenn man sich dem aussetzen will, spürt man körperlich die wahrheit. es kostet nur…

4. Operation Protective Edge und die Vereinigung der deutschen Antizionisten | ThinkTankBoy - Juli 26, 2014, 19:31

[…] israelische Staatsbürger entführt und ermordet. Durch dieses Tunnelsystem sollten zum jüdischen Neujahrsfest hunderte Hamas-Terroristen einen Massenangriff auf israelische Dörfer und Kibbuzim starten und […]

5. Die eigentliche Gefahr | Kinder, Katzen und Kakteen - Juli 27, 2014, 6:37

[…] Einen weiteren Artikel zum Thema findest du hier. […]

6. Verena - Juli 27, 2014, 10:39

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