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Tragödien Juli 16, 2014, 12:57

Posted by Lila in Qassamticker (incl. Gradraketen).
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entstehen so.

So sehen die Flyer aus, die Israel gestern über dem Gazastreifen abgeworfen hat.

The IDF dropped leaflets over Shuja’iyya, Zaytoun and Beit Lahia and called residents warning them to leave the area on Tuesday night and Wednesday morning.

„Despite the cease fire, Hamas and other terror organizations continued firing, so the IDF intends to strike terror targets and terrorists in the area with force from the air,“ the leaflets said. „Rockets fired at the state of Israel are launched from these areas. For your own safety, you are asked to leave your residences immediately and travel towards Gaza City by Wednesday, 16.07.14, at 8am.“

The leaflets went on to say: „The IDF has no desire to hurt you and your families. Evacuating the area is done in order to save your lives. You must not return to the area until further notice. Those who fail to comply with these instructions and evacuate immediately are risking their lives and the lives of his families.“

Neulich fragte auch jemand, wie sich so ein Telefonanruf anhört.

Auf Ivrit, weil der Angerufene Hebräisch kann. Fünf Minuten, um eine ganze Familie aus dem Haus zu retten, weil das Nachbarhaus beschossen wird – keine einfache Sache.

Die Hamas weist die Leute unterdessen an, sich nicht in Sicherheit zu bringen. Das Ultimatum ist seit Stunden abgelaufen – doch die Einwohner der betroffenen Stadtteile sind noch dort. Noch hat die Luftwaffe sie nicht unter Beschuß genommen – und pausenlos ist in Südisrael Alarm. In den Nachrichten heißt es, daß sehr viele Raketen aus der Gegend abgeschossen wurden, die evakuiert werden soll.

Bei Elder habe ich eine Visualisierung gefunden, die sich auch aktualisieren soll. Ich kann sie nicht übernehmen, also guckt sie Euch bei ihm an – die Karte zeigt weder unsere Gegend noch die Golanhöhen oder Eilat, die ja auch beschossen wurden – unsere Gegend aus dem Libanon, die Golanhöhen aus Syrien und Eilat aus dem Nord-Sinai. Aber die Aktivität aus dem Gazastreifen ist deutlich genug. Es reicht auch, sich Ynet breaking news anzugucken – vor lauter Alarmen bleibt kein Platz für andere Nachrichten. Oderbei Twitter den Under-attack-bot. Da wird einem klar, wie schnell diese Angriffe aufeinander folgen.

Ich kann nur froh sein, daß ich das Dilemma der Luftwaffe nicht lösen muß. Losschlagen, obwohl die Viertel noch voller Menschen sind? Oder abwarten und weitere Raketen auf die israelischen Zivilisten zulassen? Bisher wartet die Luftwaffe noch ab.

 

Kommentare»

1. sabine - Juli 16, 2014, 15:47

Afghanistan gibt 500.000 Dollar als humanitäre Hilfe an das „muslimische palästinensische Volk“ (Zitat Israelnetz/RTL).
Da bleibt mir Mund und Nase offen. Ist eigentlich auch gleich, ob Drogen- oder Aufbaugeld, letzteres wäre dann aber ein wirklich aufregender Transfair. Vielleicht Karsais letzte öffentlickeitswirksame Handlung.
Wer sich aber die schreckliche Armut in Afghanistan vergegenwärtigt, kann dies staatsmännische Handeln eine kleine Tragödie fürs eigene Volk nennen.

2. Underdog - Juli 16, 2014, 17:09

Na ja, aber rein praktisch gesehen kann man sich schon fragen, wo die alle hin sollen, wenn sie evakuieren, besonders wenn sie nur 5 Minuten zeit haben.

Ich würde nicht unbedingt aus den Häusern raus auf’s freie Feld wollen, wenn ich weiss, dass jetzt geschossen wird. Und ob die Schutzräume haben???

Wo sollen die also hin?

3. Lila - Juli 16, 2014, 17:25

Die Frage drängte sich mir ja sofort auf.

Wenn Du hier mitgelesen hast, weißt Du, daß es im Gazastreifen nicht viele Schutzräume gibt. Es gibt gut ausgestattete unteriridische Schutzräume unter dem Shifa-Krankenhaus und anderen sensiblen Gebäuden, von denen klar ist, daß sie nicht beschossen werden. Dort drängen sich die Hamas-Größen – vielleicht ist Dir aufgefallen, daß noch kein wirklich prominenter Hamasnik getötet wurde?

Wie Nasrallah unter Dahiya im Bunker saß.

Die einfachen Leute dagegen – die sollen ruhig sterben, hohe Opferzahlen machen sich in Rania Salloums nächstem Artikel super und mit jedem Toten wächst der Druck auf Israel, die Aktion einzustellen. So war es bisher immer.

Da die israelische Luftwaffe gezielt bombardiert, sind nur die gewarnten Häuser wirklich in Gefahr. Trotzdem muß es ein absolut gräßliches Gefühl sein, der Lärm, die Gefahr, die Angst, das Chaos, der Verlust der gewohnten Umgebung.

Ich nehme an, die Menschen im Gazastreifen wissen sehr gut, ob sie Hamas- oder Jihad-Nachbarn haben oder nicht, und sie wissen auch, woher die Gefahr kommt. Ich hoffe sehr, daß der junge Soldat, der die bevorstehende Bombardierung ankündigt, auch auf Fragen antwortet.

Er fragt ja zuerst, ob der Angerufene Hebräisch kann – und er kann es. Die ältere Generation im Gazastreifen spricht gut Hebräisch, aus alten Zeiten, als sie in Israel oder in den Siedlungen arbeiten konnten.

Auf einmal erinnere ich mich an alte Reportagen von Yoram Bin Nur, einem Journalisten, den ich immer gern mochte – keine Ahnung, wohin er verschwunden ist, aber er hat immer interessant berichtet und immer die Perspektive der Palästinenser gezeigt.

Ich such sie mal.

Hier.
https://rungholt.wordpress.com/2007/06/14/yoram-bin-nur/
Bin Nur, frei zitiert: “Ich habe noch nie Material gefilmt, das mir mehr Bauchschmerzen gemacht hätte. Diese Reportage zu machen fand ich schwierig. Die neue Generation – das sind schon nicht mehr die Palästinenser, die in Israel gearbeitet haben, die sich noch an Dudi und Shlomi erinnern und gut Ivrit können. Es sind Kinder, die sich nicht an die Osloer Verträge erinnern, nicht an Arafat, sie kennen nur Gewalt und Kampf. Ihre Helden – die Märtyrer und Kämpfer der verschiedenen Bewegungen in der Westbank, und, so seltsam es klingt – die israelischen Soldaten der Einheiten, gegen die sie kämpfen. An denen einen nehmen sie sich ein Beispiel, an den anderen messen sie sich. Es ist eine Generation ohne Hoffnung, ohne Zukunft, bereit, sich für ihren Kampf zu opfern.”

Und hier.
https://rungholt.wordpress.com/2007/06/01/nachrichten-bloggen/
Barnea fragt Bin Nur: “wie würdest du denn jetzt zusammenfassend sagen: was fühlen die Menschen in den Gebieten uns gegenüber?” Bin Nur: “Sehr ambivalent. Während wir für diese Reportage in einem Cafe sitzen, ist der Cafebesitzer so nett zu mir und kümmert sich so um uns wie um seine Kinder. Kaffee, Tee – egal was ich will, es muß perfekt sein. Wir gehen weiter, es ist so heiß, da bringt er uns einen Sonnenschirm. Der Kameramann schwitzt so, daß ein Junge mit einem Sonnenschirm auch für ihn angelaufen kommt. Da fährt der Cafebesitzer ihn an: was hast du Mitleid mit ihnen, es sind Israelis, die haben auch kein Mitleid mit uns! Es ist eine ganz starke Ambivalenz, Anziehung und Abstoßung”.

Barnea nickt, das kennt er auch. Bin Nur: “Einen besonders starken Einschnitt bedeutet unsere Schutzmauer. Ich will nicht davon reden, daß sie Terror verhütet – sie verhütet Terror. Aber für die Bewohner der Westbank bedeutet der Bau des Zauns, daß sie nun erbarmungslos in die arabische Welt gestoßen werden. Sie träumen von Tel Aviv. Es passiert mir immer wieder, daß mich Leute fragen, wie ist Tel Aviv dieser Tage? Ach, wie wir über den Dizengoff gegangen sind! Sie haben Sehnsucht nach diesen Tagen.”

Barnea: “Da fällt mir eine Geschichte von 67 ein. Ich saß mit dem damaligen Bürgermeister von Hebron zusammen, in einem Cafe in Tel Aviv. Ich fragte ihn, wer ist deiner Meinung nach der größte arabische Politiker? und er sagte sofort, Nasser. Ich fragte, Nasser? Nach dieser Niederlage hältst du ihn immer noch für einen großen Mann? Aber klar, sagte er. Nasser hat uns versprochen: wenn es einen Krieg gibt, dann könnt ihr hinterher nach Tel Aviv. Und bitte, wo sitzen wir?” Beide Journalisten lachen. “In Tel Aviv!” In Tel Aviv. Und das waren die guten Tage, aber noch nicht die besten.

4. willow - Juli 16, 2014, 17:29

@2. Underdog – nun, zunächst mal sind die Vorwarnzeiten deutlich länger, könnte ich bei Bedarf noch mal raussuchen, die 5 Minuten sind von den letzten von mehreren Warnungen an gerechnet … es trifft ja auch nicht „Machmut Mustermann“ es werden (noch) ausgewählte (d.h. militärisch interessante) Ziele beschossen – die Farge ist also, ob man beim Nachbarn Schutz sucht oder ihn als menschlichen Schutzschild aufs Dach bittet. Das mit dem „beim Nachbarn Schutz suchen“ ist natürlich doof, wenn im eigenen „Wohnhaus“ größere Mengen an Waffen/Sprengstoff lagern …

5. avra - Juli 16, 2014, 20:01

@willow: gerade eben in den nachrichten gesehen: verzweifelte palästinenser die ihre häuser verlassen, aber nicht wissen wohin sie flüchten sollen? ein alter mann, des lesens nicht mächtig, dem flugblätter nicht wirklich helfen. ein verzweifelter palästinenser ruft, „beendet endlich diesen konflikt!“, vier getötete kinder, die am strand fußball spielten………
aus dem sicheren deutschland gute, nein, eigentlich hämische ratschläge erteilen, halte ich für entbehrlich.


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