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Quarta erzählt Juli 16, 2014, 21:06

Posted by Lila in Kinder, Land und Leute.
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Quarta hat sich heute mit ihren Freundinnen aus der Jugendgruppe Maale Yosef getroffen, um die gespendeten Süßigkeiten, Snacks und Geschenke einzusammeln und abzugeben. In jedem Örtchen haben sich Unmengen von Sachen angesammelt – Quarta meinte, das ist nur ein kleiner Teil der gespendeten Geschenke. Es war die Idee und Iniative der Jugendlichen selbst. Sie haben alles organisiert, jedes Mädchen in ihrem Ort.

2014 07 17 presents for soldiers

Eigentlich sollten die Sachen ja an die Soldaten von kipat barzel gehen, aber seit Dror Hanin dabei umgekommen ist, ist klar, daß es viel zu riskant ist, in den Süden zu fahren und aufs freie Feld zu gehen. Und die Soldaten haben ja extra darum gebeten, das NICHT zu tun.

Doch wir haben ja hier die Basis Zarit ganz in der Nähe. Wir hören die Artillerie, wenn sie nach Raketenbeschuß auf uns zurückfeuert (immer genau auf den Abschußort), und Quartas Freundinnen aus Shomera und Zarit hören es noch viel besser.

 

2014 07 17 presents II

Schließlich entschlossen die Mädchen sich, diese Basis mit den Sachen zu beglücken. Einer der Väter stellte sich als Fahrer zur Verfügung, und sein Kombi war schnell picke-packe-voll.

2014 07 17

So fanden sich die Mädchen mit einer Gruppe Soldaten wieder, die sich unheimlich freuten. Sie haben einen nicht einfachen Dienst, die freien Wochenenden sind gestrichen, und jederzeit kann es neuen Beschuß geben, auf den sie angemessen beantworten müssen – nicht heftig genug, um eine Eskalation herbeizuführen, doch energisch genug, um vor weiterem Beschuß abzuschrecken. Außerdem besteht natürlich immer die Gefahr von eindringenden Terroristen und Entführungen – gerade in Zarit ist das ja schon vorgekommen.

2014 07 17 picture with soldiers smilies

 

Die Soldaten zeigten den Mädchen ihre Arbeitsplätze.

2014 07 17 on top of artillery with hearts

Quarta fragte etwas schüchtern, ob das denn nun die Dinger seien, die so schrecklichen Lärm machen, und vor denen sie Angst hat. Und die Soldaten erklärten ihr, daß die Geschosse ihr nichts tun und daß sie davor keine Angst zu haben braucht. Im Gegenteil, es ist gut, daß es die Artillerie dort gibt – sonst gäbe es wahrscheinlich viel mehr Beschuß aus dem Libanon.

Ich habe Quarta das auch schon gesagt, aber es klingt natürlich viel überzeugender, wenn es nicht mitten in der Nacht von einer Mutter kommt, während die Scheiben im Haus klirren, sondern von einem selbstsicheren jungen Mann in Uniform…

2014 07 17 inside artillery with stripes

 

Die Mädchen waren stolz, daß sie den Soldaten eine Freude gemacht hatten, und Quarta kam sehr vergnügt wieder.

Ja, und solche Bilder können natürlich einen in der Wolle gefärbten Pazifisten, für den jeder Soldat potentieller Mörder ist und Militär grundsätzlich übel, dazu bringen zu denken: ach, wie die armen Kinder in Israel indoktriniert werden! schlimm schlimm!

Ich hoffe aber, daß, wenn Ihr den Kontext zulaßt und versteht, das Ganze anders aussieht. Alle diese Mädchen haben ihre Väter, Brüder, Schwestern und Nachbarn in Uniform gesehen. Sie wissen alle, daß sie auch in drei Jahren eingezogen werden. Die Armee ist für sie Teil ihres Lebens, und zwar ein positiver. Wir sind ja unlängst zugezogen, aber Quartas Freundinnen sind hier großgeworden und erinnern sich deutlich an die Zustände vor 2006. Sie sind praktisch im Luftschutzraum großgeworden – immer wieder waren Angriffe. Auch ihre Eltern sind damit aufgewachsen. Ihre Väter haben teilweise im Libanonkrieg I, oft auch II gedient. In ihren Klassen sitzen libanesische Kinder, deren Väter Offiziere in der Südlibanesischen Armee gedient haben und die 2000 fliehen mußten.

Und so kommt es, daß Quarta und ihre Freundinnen sich Gedanken machen, wie man den Soldaten eine Freude machen kann, und das auch umsetzen. Quarta hat jetzt weniger Angst vor dem schrecklichen Geräusch der Artillerie, und wenn wir es noch einmal hören sollten, chalila, wird sie daran denken, was sie heute gesehen hat.

Ist es schlimm, so aufzuwachsen – mit echter Bedrohung und greifbarer Notwendigkeit, sich zu verteidigen? Ich glaube nicht, daß es schlimm ist, sonst wäre ich ja nicht hier. Es ist nun mal die Realität für Israelis, und als ich einen Israeli geheiratet habe (Irrsinn, ich weiß 🙂 ), da habe ich den Konflikt mitgeheiratet. Und meine Kinder haben ihn gewissermaßen in den agalul gelegt gekriegt. Solange er nicht gelöst ist, gehört er zu unserem Leben, und wir können nur dafür sorgen, daß unsere Kinder nicht darunter leiden, sondern gesund und selbstbewußt und angstfrei aufwachsen. Oh, und ohne Haß – man kann loyal zum eigenen Land sein, ohne Haß oder Häme anderen gegenüber zu empfinden.

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