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Unwirkliche Wirklichkeit Juli 8, 2014, 17:33

Posted by Lila in Presseschau, Qassamticker (incl. Gradraketen).
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Ich kann es nicht glauben. 40.000 Reservisten werden eingezogen – alle reden von einer Bodenoffensive, der absolute Albtraum. Die Raketen im Arsenal der Hamas, die sie jetzt auch einzusetzen droht, reichen bis Netanya. Netanya! Das ist nördlich von Tel Aviv. Da finde ich nicht mal eine aktuelle Karte zu.

Na ja, fast.

Im Fernsehen laufen Filmchen vom pikud-ha-oref, dem Zivilschutz (Heimatfront-Kommando).

Der gesamte Youtube-Kanal vom pikud ha-oref ist eindringlich trübsinnig.

Ich kann und will nicht glauben, daß wir wieder in diesem Film sind. Bibi hat der Hamas angeboten: Ruhe wird mit Ruhe beantwortet werden. Die Antwort der Hamas waren Raketen auf Beer Sheva. Man kann Bibi nicht vorwerfen, daß er blind und eilig in diese Lage gerast ist. Olmert ist schneller in den Libanonkrieg II eingestiegen als Bibi in diese neuerliche Auseinandersetzung. Aber ein Regierungschef hat keine Wahl, wenn seine Bürger (und potentiellen Wähler) Mineralwasserflaschen in die Schutzräume schleppen und Radios mit Batterien versorgen.

Zuk eytan heißt diese Runde, starker Fels. Ich weiß nicht, wer sich diese Namen ausdenkt. Früchte des Zorns, Schutzwall, gegossenes Blei, Wolkensäule, das klingt mehr wie Game of Thrones als meine Wirklichkeit.

Ich sitze wieder vor dem Fernseher und verfolge die Sondersendungen – die Namen der Städte im Süden werden sonst nie genannt, auf einmal drängen sich dort die Politiker und Journalisten und spielen „interview mich“. Die Raketen fallen auf Ashkelon, in Rishon werden die öffentlichen Schutzräume vorbereitet, die Luftwaffe fliegt Angriffe auf Gaza.

Was mache ich mit meinem Flugticket, wenn beide Söhne (oder auch nur einer) eingezogen werden? In einer Woche fliege ich. Ich will hier nicht weg.

Update: Alarm in Rechovot.

 

Kommentare»

1. janina2212 - Juli 8, 2014, 17:48

Liebe Lila, ich kann mir nicht vorstellen, was Du/Ihr durchmacht. Ich wünsche Dir einfach, daß Du in einer Woche entspannt in den Flieger steigen kannst, Deine größte Sorge ist, wer Kinder/Mann/Katzen/Garten/etc in Deiner Abwesenheit versorgt und ob Du genügend warme, wasserfeste Kleidung für Deinen Trip eingepackt hast.

2. Lila - Juli 8, 2014, 17:51

Regen, oh ja 🙂

Meine Kinder sind groß, die braucht keiner zu versorgen. Quarta kommt mit, die Söhne sind selbständig, Tertia und Y. werden sich prima verstehen, und beide werden sich um die Katzim kümmern.

Wenn alles friedlich bleibt, fliege ich.

3. Jürgen - Juli 8, 2014, 17:51

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Ich denk an Dich und deine Familie….

4. janina2212 - Juli 8, 2014, 17:54

…mal schauen, ob Du Dich immer noch über den Regen freust, wenn Du den ganzen Tag bei Dunkelheit, Kälte und Regen, Regen, Regen hier hockst. Aber wahrscheinlich bringt es Dein Jahres-Regen-Niveau lediglich auf Normal-Null 🙂

Jedenfalls: Einen schönen Urlaub!

5. Hans - Juli 8, 2014, 17:57

Liebe Lila, ich wünsche Dir natürlich, dass sie nicht eingezogen werden. Aber wenn doch, bleib wo Du zuhause bist. Ich glaube nicht, dass es Dir hier zurzeit gefallen wird. Die anti Israel Propaganda ist in vollem Gang und das wird bei einer Bodenoffensive noch schlimmer werden. Außerdem regnet es, aber das würde Dir eher gefallen ☺

6. Lila - Juli 8, 2014, 17:57

Ich habe mich noch nie über Regen, Kälte und Dunkelheit beschwert. Hab meine ganze sonnenhungrige Familie immer damit genervt, daß ich mich über Regen gefreut habe.

Guuuummistiefel!!!!

7. Brigitte Kirste - Juli 8, 2014, 18:01

Liebe Lila,
ich würde dir und all meinen Freunden in Israel so gern etwas Tröstendes sagen, aber was??? An das berühmte Wunder glauben, das in letzter Minute das Rad noch herum reißen wird?? Daran, dass die Hamas doch noch einknickt? Dass der UNO, anstatt Israel zu verurteilen, mal was ganz Schlaues einfällt, um die Hamas „an die Leine zu legen“?? ……
Ich weiß nicht, ob wir hier im (noch relativ) sicheren Westen uns wirklich vorstellen können, wie es ist, auf dem Pulverfass zu sitzen,
aber wenigstens will ich sagen, dass meine Gedanken bei euch in Israel sind! Ganz viel Kraft für die nächsten Tage!!!
Brigitte

8. vered - Juli 8, 2014, 18:05

Mich auch. 🙂

9. Noa - Juli 8, 2014, 18:23

Ist das nicht seltsam und etwas strange? Wir wollen hier sein, wenn was passiert, andere denken, wir wuerden lieber gerne fluechten.
Meine Freunde in dtland meinten, ich solle bloss kommen, wenn es schlimmer wird. Ha… im Traum nicht!
Meine Freunde hier in Israel sind gerade in Slowenien, bis morgen noch, denen passte das GAAAAR nicht, dass sie wegmussten, waehrend hier der Baer tobt. Irgendwie moechte man doch hier sein, zuhause sein, bei den anderen sein – und – sorry – nicht von Deutschen umgeben, die uns eh nicht wohlgesonnen sind. (die israelfreundlichen Leser seien hier auf jeden Fall ausgenommen, ist ja klar..
Noa

10. Lila - Juli 8, 2014, 18:27

Ich würde die Mädchen gern wegschicken, weiß aber auch nicht, wie die allein mit den gehirngespülten Deutschen zurechtkommen sollen.

Heute sind in Israel 80 Raketen gefallen. Die Schlagzeilen in den deutschen Leid-, äh Leitmedien: Israel droht, Israel greift an, Israel eskaliert………………..

Da fällt Dir nichts mehr zu ein.

Die Mädchen wollen auch hierbleiben. Quarta hat Sorge, daß der Flughafen beschossen wird. Ich glaube, wenn die Gefahr konkret wird, wird Ben Gurion eh geschlossen.

Ich weiß noch genau, wie grauenhaft es jedesmal war, wenn ich in Urlaub war und hier war ein Terroranschlag – ich bin fast durchgedreht. Die Nachrichten in Deutschland zur Zeit des Anschlags in Eilat waren voll mit einem schweren Gewitter, alle redeten nur von Hagel und Hochwasser, und ich wußte nicht genau, was passiert war. Internet hilft, aber noch mehr hilft, daß alle Anteil nehmen.

In der Eisenbahn heute sprachen alle von der „Lage“. Vor einer Woche sprachen alle von den Mordopfern.

11. A. - Juli 8, 2014, 18:33

Wie kann man sich hier von Deutschland aus nützlich machen?

Ich würde gerne Kinder unterstützen bzw. spenden. Welche Organisation wäre da zu empfehlen?

12. Sarah - Juli 8, 2014, 18:34

Schlimm. Und mir tut es fast schon Leid, dass ich heute morgen noch den Link vom Spiegel gepostet hab, weil ich mich so gefreut habe, mal etwas ausgewogeneres zu sehen. Aber da wurde der zuständige Praktikant sicher schon gefeuert, inzwischen sieht es ja wieder ganz anders aus. Mir wird bei der Berichterstattung hier ganz übel.

13. Nele - Juli 8, 2014, 19:24

Liebe Lila, ich würde so gern etwas Aufbauendes und Tröstliches sagen – aber was sollte das sein? Ich sitz hier im sicheren Berlin, wo sich alles um das Halbfinale heute abend dreht und kann mir nicht ansatzweise vorstellen, wie es sich wirklich anfühlt, in Deiner/Eurer Situation zu sein. Es ist entsetzlich, was Israel wieder und wieder aushalten muß.

Wenn ich könnte, würde ich Euch einen riesigen Berg Kraft rüberschicken, aber da das nicht geht, wünsche ich Sie Euch einfach.

14. Rika - Juli 9, 2014, 12:13

Ich verstehe so gut, dass du nicht reisen kannst, wenn die Situation sich nicht entspannen sondern sogar noch zuspitzen würde. Aber wenn du kommst…. das Häuschen auf der Wiese hinterm Deich steht dir offen…

15. janina2212 - Juli 9, 2014, 12:22

Es regnet immer noch. In Strömen. Seit Montag ohne Unterbrechung. Eigentlich plästert es. Die meisten Straßen im Rheinland stehen unter Wasser, so manche Autobahnbrücke/-tunnel darf nicht mehr befahren werden wegen Unterspülung. Wir sind im Finale und haben Brasilien vernichtend geschlagen. Was für priviligierte Sorgen ich mir doch machen darf.
Wenn Deine Mädels halbwegs nach Dir kommen, dann würden sie sich hier sicherlich gut zurecht finden. Trotz oder wegen der öffentlichen Meinung.

16. ekkehard schroeder - Juli 9, 2014, 13:04

irgendwie erinnert mich dein dilema an eine szene an aus dem westen nichts neues.
als der soldat sich auf den heimaturlaub freut zieht es ihn doch zurück an die front und seinen kameraden weil im der hurra-patriotismus und maulheldentum am stammtisch zuwider ist.

es ist sicher vernünftig von krisen urlaub zu machen.
man hört zb auch immer wieder zb von betriebräten und anderen welche schäden zuviel einsatz verursachen kann. aber das was tagespresse und öffentliche meinung von sich geben ist oftmals nur zum kritisieren gut.


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