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In Zahlen Juli 8, 2014, 17:45

Posted by Lila in Presseschau, Qassamticker (incl. Gradraketen).
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Bei Elder of Zion gefunden und einfach übernommen:

June 27: 6 rockets, 2 intercepted
June 28: rockets, Sderot factory burned to ground
June 29: 4 rockets, 2 intercepted
June 30: 16 rockets
July 1: 5 rockets, several mortars, damage to vehicles and a major fire as a result, also mortars
July 2: 10 rockets, 9 mortars, 1 intercepted
July 3: 13 rockets, homes and a summer camp damaged
July 4: 25 rockets, several mortars, 3 intercepted
July 5: Over 20 rockets, including to Beersheva, several mortars, 3 intercepted, some damage and an injury
July 6: Over 25 rockets, some damage
July 7: Over 85 rockets, Hamas claimed to shoot 100 and Islamic Jihad claimed to shoot 60. 13 intercepted
July 8: At least 130 rockets, 7 intercepted, so far, some damage and injuries

So führt man eine Eskalation herbei.

Elder verlinkt auch die Wikipedia-Seite zum Thema. Da sieht man deutlich, daß das ganze Jahr über Raketen fielen – kein Monat ohne Rakete. Das kriegt Ihr nicht mit, auch bei mir nicht – ich verzeichne ja längst nicht jede Rakete, die die Menschen im Süden in Schrecken versetzt, aber sonst niemanden interessiert. Erst wenn es intensiv wird, werden wir alle aufmerksam.

Das muß einfach aufhören. Unser Ziel: null Raketen. Das ist ja wohl nicht zu viel verlangt, oder mit wie vielen würdet Ihr Euch zufriedengeben.

Was aber ist das Ziel der Hamas????

Kommentare»

1. Georg B. Mrozek - Juli 8, 2014, 19:45

„Was aber ist das Ziel der Hamas????“

Glaskugel: Die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Aber warum? Um von etwas anderem abzulenken, gegnerische Kräfte zu bündeln. Und wovon abzulenken? Von der Durchführung eines großen Terroranschlags durch andere, vielleicht ISIS?

2. beer7 - Juli 8, 2014, 20:05

Mein Essloeffel Senf: Ablenkung von der Misere im Gazastreifen waehrend Ramadan (statt naechtlicher Feste und aufwendiger Unterhaltung), Platzierung gegenueber Fatah, Abbas ist alt und irgendwann muss er ersetzt werden, Ablenkung von den Verhandlungen mit dem Iran, und sicher noch einiges mehr. Isis habe ich auch schon spekuliert: Wenn die Jordanien ins Visier nehmen, sollte Israel andersweitig beschaeftigt sein. Insgesamt hat es aber schon einen Ruch von kollektivem Selbstmordattentat.

3. levrak - Juli 8, 2014, 20:09

Aufmerksamkeit abziehen, sehr richtig!
Zahal muß sehr aufpassen auch im Inneren.
Die Unruhen der Araber im Innern sind ein Nebel.
Aufmerksam bleiben!

A.mOr.

4. willow - Juli 8, 2014, 20:42

Michael Spaney, Direktor des Mideast Freedom Forum Berlin, sieht als Ursache der massiven Raketenangriffe die Einheitsregierung der islamistischen Hamas mit der Fatah im Westjordanland: “Hamas sucht die militärische Konfrontation, um von ihrem Bedeutungsverlust und von ihren Finanzproblemen abzulenken. Zuletzt konnte sie nicht mal mehr die Hamas-Angestellten in Gaza bezahlen und die Unzufriedenheit der Bewohner Gazas stieg rapide an. Die Anerkennung dieser Regierung durch die EU und die USA war ein Fehler.”

5. levrak - Juli 9, 2014, 0:41

willow – ich finde eine reichlich dünne These.

A.mOr.

6. Georg B. Mrozek - Juli 9, 2014, 3:06

Wie levrak finde ich auch Spaneys These reichlich dünn. Schießt du dein Waffenarsenal leer, hast du dadurch ja nicht mehr Geld, sondern brauchst sogar neues. Bei einem finanziellen Engpass wäre das ja völlig widersinnig.

Die Führung der Hamas weiß doch, was geschehen wird. Sie provoziert das Maximum und weiß daher, dass sie den Gazastreifen selber verlassen wird. Durch ein wie auch immer geartetes „Exil“ gewinnt man auch nicht an Achtung oder Bedeutung, sondern verliert sogar beides. Das kann daher auch kaum ihre Strategie sein.

Wie ich schon einmal schrieb, sind die Palästinenser heute ziemlich allein gelassen. Es herrscht nur noch Religionskonflikt, wohin man auch schaut. Niemand in der arabischen Welt interessiert sich momentan besonders für die Anliegen der Palästinenser. Sie haben alle mit ihrem eigenen Überleben zu tun, mit ihrem Machterhalt.

Die ISIS (oder wie auch immer sie neuerdings heißen mag) ist eine komplett neue Bedrohung (jaja, ich weiß, man kennt sie schon länger, doch ihre Bedrohung ist ungeahnt erfolgreich), die zu einer Korrektur bestehender Machtverhältnisse und mehrerer Grenzveränderungen führen wird. Also Palästina ist zur Zeit in der islamischen Welt relativ unwichtig.

Die Hamas weiß das alles auch und ihre Unterstützer fallen aus oder drohen auszufallen. Sie muss neue Verbündete suchen. Was liegt da näher, erst recht, wenn sich die alten Machtparteien eh nicht riechen können, als die Hoffnung zu hegen und daran zu arbeiten, mit einem neuen Partner vielleicht sogar mächtiger als je zuvor zu werden?

Wenn die Hamas Israels Kräfte in Gaza eine geraume Zeit bindet (übrigens nicht „bündelt“, wie ich versehentlich mal geschrieben hatte) und gleichzeitig in einer Partnerschaft die ISIS Jordanien angreifen würde, dann könnte die Führung der Hamas bei einem ISIS-Erfolg aus Jordanien heraus gegen Israel operieren. Die Hamas wäre in einem solchen Fall mächtiger als jemals zuvor.

Die ISIS braucht dringend neue Erfolge, sonst wird „ihr Stern“ wieder untergehen. In Syrien und dem Irak ist Erfolg auf die Schnelle nicht zu erreichen. Da bietet sich Jordanien als Teil ihres ausgerufenen Kalifats doch an. Die jordanischen Soldaten würden wie im Irak nicht oder kaum kämpfen. Und Israels Armee ist gebunden – da schließt sich der Kreis, eine neue sunnitische Macht entsteht. Erst ganz am Ende kommt dann der große Bürgerkrieg gegen den Iran.

Ich weiß, das ist alles haarsträubende Spekulation. Aber Spaneys These finde ich nicht unbedingt plausibler.

7. Lila - Juli 9, 2014, 5:04
8. ekkehard schroeder - Juli 9, 2014, 11:55

@
die frage die ich mir stelle ob die hamas und isis nicht eher konkurenten sind. ob eine multinationale isis, die sich mehr oder weniger auf eine tradition berufen kann sich mit zwei grossen satans, SU und USA, schon angelegt zu haben sich von einer regionalen pleiten hamas die butter vom brot nehmen läst?
das bündnisse denoch vorstellbar sind zeigt aber das auf särgen in der pa auch scho isis-fahnen zu sehen waren.
insofern könnte ich mir vorstellen das die hamas die aufgeladene stimmung nach der entführung nutzt um
erstens den „unmut“ über die suche nach den entführten für sich nutzbar zu machen
und zweitens auch gegenüber der isis ihre fähigkeiten zu demonstrieren um eine bessere „verhandlungsposition“ zu haben.

auf der anderen seite bemerkt ein faz-komentar das israel auch ein interesse hat die hamas nicht gänzlich zu zerschlagen um kein machtvakuum zu riskieren das zb die isis auffühlt (wie ekelhaft über derartige auswahl reden zu müssen)

was jordanien angeht bin ich nicht ganz so pessimistisch. meiner kenntnis nach ist es eine stärke des königshauses das land zwischen israel/pa und irak aus allem ärger herauszuhalten was sich durchaus auszahlt. so soll der arabische frühling dort deshalb relativ wenig aufmerksamkeit erzeugt haben. und die al quaida im irak versuchte bereits die „friedensdividende“ anzugreifen.
ich könnte mir vorstellen das dies etwas ist was sich die jordanier nicht unbedingt nehmen lassen wollen.

spannende frage ist was die isis sich auch mit der hisbollah und dem libanon vorstellt nachdem die westlichen länder den iran ins spiel bringen.
das würde auch ggf heisen in konflikt mit den syrischen machthaber zu gelangen. zum einem wegen bündnisskonstelationen, zum anderen weil die ballungs- und wirtschafträume damaskus und homs auf dem weg liegen.

9. Underdog - Juli 9, 2014, 12:42

Reuters….“That brought the death toll in Gaza to at least 22 since Israel launched its offensive on Tuesday. It included four Hamas gunmen, a senior Islamic Jihad leader and 17 civilians, including seven children.“

10. levrak - Juli 9, 2014, 13:55

#6 – Georg B. Mrozek

„Niemand in der arabischen Welt interessiert sich momentan besonders für die Anliegen der Palästinenser. Sie haben alle mit ihrem eigenen Überleben zu tun, mit ihrem Machterhalt.“

Für die Menschen haben sich moslemische Führer-Cliquen noch nie interessiert, nur für ihren Verwendungszweck. 
Wozu sich eine „Raubmord-Kultur als Religion“ hervorragend eignet, das die Innovation eines Mohammed einst.

Und hier kommen die Fantastinenser ins Spiel: sie sind als Menschen das unmittelbare Pfand im Kriegspoker rund um Israel. 
Die Erfindung des „Volks der Falschinesen“ dient von Anfang an nur dem Zweck, den Staat Israel aufzulösen, ihn zu vernichten. 

Das sagen die Araber auch offen, nur eben nicht auf Englisch. 
Und die „Weltöffentlichkeit“ spielt das „Pallywood“-Spiel -diese elende Farce!- mit. 

Warum? Darüber haben sich viele schon den Kopf zerbrochen, aber es ist nicht „politisch korrekt“ von Antisemitismus zu sprechen. 
Was also sonst? 

Man darf weiter rätseln, und Köpfe mit großen Hirnen können die einfachste, auf der Hand liegenste Lösung nicht mit ihrem großen abstrakten Aufwand bei den Erklärungsversuchen in Einklang bringen. 
Ein Drama der lächerlichen Art. 

„Also Palästina ist zur Zeit in der islamischen Welt relativ unwichtig.“

Wie ich oben schon ausführe, das ist so nicht richtig: 
Israel ist in der moslemischen Welt alles andere als „unwichtig“, es ist Tagesgespräch, wenn nicht zur Sache im Stile „politischer Debatten“ und so weiter, so doch in Flüchen in der Alltagssprache, im Fernsehen die antisemitische Hetze (gerade jetzt zur Ramadan-Zeit ohnehin), usw.

Was ist für Dich eigentlich „die islamische Welt“?

Eine Zusatzfrage zu einer Schachtel dieser Frage:
wann hat sich die „islamische Welt“ jemals für „Palästinenser“ interessiert? 

A.mOr.

11. Georg B. Mrozek - Juli 9, 2014, 17:18

Ein uraltes Dilemma des Westens besteht bekanntlich darin, beim Blick in die verworrenen Köpfe arabischer Despoten bei ihren unterschiedlichsten Interessen das vorgefundene Restsubstrat sichtbarer Gehirnwindungen rational erklären zu wollen. Der arabische Mensch tickt einfach anders, was logische Einschätzungen aus strategischer Sicht fast unmöglich macht.

Nicht selten sind bloße Launen oder krankhafte Triebe einzelner Machthaber für Dekaden unberechenbarer Politik verantwortlich (Gaddafi) oder blutige Hassfehden einzelner Akteure oder Clans ziehen sich durch die Jahrhunderte und beeinflussen dabei sogar komplette Religionsausrichtungen. Für das Erreichen der eigenen Ziele sind sich manche Protagonisten nicht zu schade, selbst die irrwitzigsten Koalitionen einzugehen. Stammt die beflügelte Redewendung „der Feind meines Feindes ist mein Freund“ nicht aus dem arabischen Raum?

Falls nicht, so beschreibt sie dennoch treffend eben diese irrationale Struktur des Denkens, und manchmal entwickeln sich die Ziele der Auseinandersetzungen erst im Laufe ihrer Prozesse, so dass sie selbst von den betroffenen Kontrahenten zu Beginn nicht in Gänze abzusehen sind. Das ist dann das Dilemma kühl beobachtender Außenstehender oder, wie es bei Israel im arabischen Bürgerkrieg der Fall ist, als leidtragende Betroffene, die, ob sie wollen oder nicht, mit in deren Auseinandersetzungen hineingezogen werden – in der Rolle eines zu bekämpfenden Feindes zur Erlangung eigener Sporen innerhalb der arabischen Welt, als Sündenbock oder als gemeinsamer Gegner im Sinne eines tragenden Fundaments für dann doch wieder am Ende nur den eigenen arabischen Palast.

Auf den Gaul einer vierten Möglichkeit, nämlich die der Ablenkung von den eigentlichen Vorhaben, setze ich derzeit noch.

Wenngleich dies ist kein Spiel, Menschen sterben, werden verletzt, Zerstörung und Elend sind zu verzeichnen und Menschen leiden an Traumata für den Rest ihres Lebens – ich entschuldige mich, falls mein Kommentar zu flapsig daherkommen sollte, so ist er ganz und gar nicht gemeint. Vielleicht ist diese Art und Weise auch nur ein Versuch, unermessliches Leid anderer zu verarbeiten, damit zurecht zu kommen, ohne selber unter Tränen des Mitgefühls keinen weiteren klaren Gedanken mehr fassen zu können.

Neben also dieser Unwägbarkeiten im Denken der in wesentlichen Teilen noch mittelalterlichen arabischen Welt kommt hinzu, dass es noch keine ausreichend große gebildete und aufgeklärte Mittelschicht der Bevölkerung gibt, die aufgrund ihrer Größe in der Lage wäre, ihren religiösen und/oder weltlichen Despoten etwas entgegen zu setzen.

Im Gegenteil, die moderne Kommunikationstechnik führte nicht zu einem „arabischen Frühling“, sondern die Machthaber haben es verstanden, sie für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Stolz und ziemlich dumm präsentieren zum Beispiel westliche Journalisten vermeintliche Twitter-Einträge Rohanis und glauben sogar, dies habe er auch getwittert, da es dort schließlich zu lesen sei. Die Mechanismen einer (wie damals in der DDR) durch Geheimpolizei und Spitzel bis ins tägliche Leben normaler Menschen organisierten Überwachung (z.B. im Iran) können sich die westlichen jungen Menschen nicht vorstellen. Was ich sagen möchte: Die Machthaber halten bewusst ihre Bevölkerung bildungsfern und religiös dumm und selbst dort, wo sie es nicht können, setzen sie auf strenge Überwachung. Beides führt dazu, dass dieses mittelalterliche und irrationale Despotengehabe nach wie vor und im Wesen unverändert weiter geht.

Es gibt aber auch rationale Gründe, die gegen meine Annahme, die Hamas betreibe gemeinsam mit der ISIS eigene Ziele in Jordanien, sprechen:

Auch wenn die zu erwartende militärische Gegenwehr Jordaniens bei einem Überfall der ISIS sicher gering ausfallen würde, so benötigte die ISIS dennoch einige Tausend Kämpfer. Zumindest ein kleiner Aufmarsch an militärischem Gerät wäre dazu erforderlich. Den hätten Geheimdienste anderer Nationen längst ausgemacht. Auch muss die Logistik schließlich irgendwo sorgfältig geplant werden, was bestimmt nicht unbeachtet geblieben wäre. Und wenn heutzutage Geheimdienste etwas Größeres wissen, dann sickert es ziemlich schnell in die Medien durch und wir hätten längst medial davon erfahren. Das sind für mich logische Faktoren, die gegen eine gemeinsame Strategie von Hamas und ISIS sprechen.

Wenngleich ich das Argument, der Westen, Saudi Arabien u.a. würden sowieso ein solches Vorhaben nicht dulden und militärisch intervenieren, nicht teile – Obama hat klar gemacht, keinen weiteren Krieg mehr zu führen und durch das Fracking fördert die USA Höchstmengen eigenen Öls, so dass ihre Abhängigkeit vom Nahen Osten zunehmend schrumpft – so glaube ich doch, dass für die ISIS eine mögliche und wahrscheinliche Nichtduldung durch den Iran ein viel zu großes Risiko für einen Überfall auf Jordanien darstellen würde, es sei denn, und hier schließt sich erneut ein Kreis, eine irrationale Selbstüberschätzung eigener Macht führt zu aberwitzigen und von vornherein zum Scheitern verurteilte Aktionen.

Beide Fälle (Hamas + Isis = gemeinsames Ziel oder Hamas führt etwas anderes im Schilde) sind also gleich möglich oder unmöglich, 50 zu 50, es ist nicht eindeutig abschätzbar, aber in beiden Fällen meine ich, es wäre die falsche Entscheidung für Israel, Bodentruppen einzusetzen, da es sich dann zu einem fremdbestimmten Akteur macht und, falls es ungünstig verläuft, sich wie an einem Nasenring von der Hamas durch die Manege vorführen lässt. Lila hat diese Risiken bereits deutlich formuliert, und ich stimme der Meinung Professor Motti Kedars zu, dass es sich bei der momentanen Eskalation durch die Hamas um eine (wie auch immer geartete) Falle handelt, in die man möglichst nicht hineintappen sollte.

Aber sicher ist das eben auch nicht! Vielleicht trifft dieses irrationale Handeln, von dem ich schrieb, jetzt ebenfalls auf die Hamas zu, und die Möglichkeit ihrer endgültigen Zerschlagung wäre gerade durch den Einsatz von Bodentruppen jetzt gegeben.

Es war, ist und bleibt ein Dilemma.

Und meine vielen Worte vielleicht nur Datenmüll. Sorry dafür.


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