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Gelesen Juli 1, 2014, 19:33

Posted by Lila in Bloggen, Presseschau.
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Ich gebe einfach mal ein paar Lese-Anregungen, ich kann gerade nicht klar denken und schreiben, und mir kommt es so vor, als hätten andere es viel besser gesagt, was ich hätte sagen wollen.

Deutsche Links:

Dieter Heck ärgert sich genau wie ich über die deutsche Berichterstattung. Ärgert ist übrigens ein schwaches Wort.

Ich erwarte nicht, dass Deutschland um die drei Jungs trauert, es wäre sowieso nicht ehrlich. Ich erwarte auch nicht, dass die Weltmeisterschaft deswegen unterbrochen wird. Das hat Deutschland im Jahre 1972 während der Olympiade in München und der Ermordung israelischer Sportler durch palästinensische Terroristen auch nicht getan. Ich erwarte auch nicht, dass die deutsche Öffentlichkeit endlich mal einen Unterschied macht zwischen Terroristen, die israelische Kinder und Zivilisten angreifen und töten und sich hinter ihren eigenen Zivilisten verstecken, und einem demokratischen Staat Israel, der sich gegen Terroristen zur Wehr setzen muss. Ich erwarte aber von den deutschen Medien eine objektive Berichterstattung. Und ich erwarte von meiner Regierung, dass sie terroristisches Handeln der Palästinenser nicht weiter mit meinen Steuergeldern finanziert.

Tapfer im Nirgendwo hat sich die Mühe gemacht, einige Aussagen aus arabischen Fernsehsendern zu verdeutschen. In meinem drafts folder schimmelt eine Sammlung vno MEMRI-Videos vor sich hin, die in atemberaubender Klarheit zeigen, WIE groß der Haß gegen Juden in der arabischen Welt ist. Ja, gegen Juden, nicht gegen Israel. Diese postmoderne antizionistsche Unterscheidung ist lächerlich. Yahud, Yahud, Yahud, so klingt es immer wieder.

Drei Kostproben:

„Juden sind Schweine und Affen! Gott sagt das!“ (Ein kleines Mädchen auf Iqra TV (Saudi-Arabien), 7. Mai 2002)

„Ich unterstütze Deutschland in der Politik und Brasilien im Sport. Ich mag die Art wie Brasilien Fußball spielt, aber ich mag die Deutschen, weil sie die Juden hassen und sie verbrannt haben. Hahahahaha!“ (Wiam Wahhab, ehemaliger libanesischer Minister, auf Al-Jadid/New TV (Libanon) 4. Juli 2010)

„Immer wieder hat Gott Strafen über die Juden kommen lassen. Die letzte Strafe wurde von Hitler ausgeführt. Bei allem, was er ihnen angetan hat, und die Juden übertreiben bei der Beschreibung dieser Taten, hat Hitler die Juden nur an ihren gerechten Platz gesetzt. Es war die göttliche Strafe für sie!“ (Al-Jazeera TV (Katar) 30. Januar 2009)

MEMRI hat noch viel, viel mehr. Es lohnt sich, wenn man sich dort auf dem Laufenden hält – da merkt man erstmal, was den Medien (auch unseren) alles durch die Lappen geht. Auch bei uns wird nur ein Bruchteil dieser Dinge bekannt. Die Mühe, durch diesen Dreck zu waten, muß man sich schon mal machen, sonst kann man nicht behaupten, einschätzen zu können, wie Arabern Juden gegenüberstehen und wie viel Chancen auf Frieden bestehen.

Und noch ein guter Link: Heplev übersetzt den (wohl satirischen) Artikel eines schiitischen Flüchtlings aus Mossul, der zu folgendem Schluß kommt:

Wenn es etwas gibt, das wir durch die Vertreibung aus dem einzigen Haus, das wir kannte, gelernt haben, dann das, dass niemand das Recht auf ein Anspruchsdenken hat. Ansprüche sind eine Seuche, die einen Menschen nur zu immerwährender Enttäuschung und Verzweiflung verurteilen kann. Auch wenn es hart für uns ist, sind wir dankbar, dass wir wenigstens nicht von der UNO trainiert werden zu glauben wir hätten Anspruch auf irgendetwas, das niemand sonst je erhielt. Rückkehrrecht? Wann war das je Ergebnis irgendwelcher internationaler Vereinbarungen? Welche Art absurden „Rechts“ ist das? Niemand wird für MEIN Recht auf Rückkehr nach Mossul kämpfen.

Da liegt er richtig.

Englische Links:

Elder of Zion gibt sehr interessante Hintergrundinformationen zum Clan, dem beide Verdächtigen angehören, und zu ihren komplizierten Beziehungen zur Hamas. Er resümiert folgendermaßen:

Hamas cannot take gleeful credit for the many atrocities performed by the Qawasamehs and then claim ignorance when there are going to be consequences for their actions. If Hamas really wants a ceasefire, they need to denounce the clan. Otherwise, their distancing themselves now after celebrating and taking credit for the family’s many terror attacks over 20 years rings more than hollow.

Auf Israellycool erinnert ein Artikel an viele, viele Massaker von Arabern an Juden, die nichts mit Israel oder Besatzung zu tun hatten. Was viele Leute gar nicht wissen.

It’s not about Israel, or Palestine if you prefer, it never was. In 629 when Muhammad and his ruthless devotees vanquished the Jews of Khaybar it had little to do with the 1947United Nations partition plan. When Islamic leader Tamim and his tribal hordes massacred six thousand Jews in Fez, it was not inspired by the 1949 armistice line. The 1967 Israeli victory had nothing to do with the 1066 murder of 4000 Jews in Granada. The list is long and bloody and all before the star of David was raised over the Knesset. 1013 in Cordoba, 1517 in Tzfat and Hebron. More recently 1834 and 1838 in Tzfat, 1840 in Damascus, 1910 in Shiraz, 1921 in Jaffa, 1929 in Jerusalem and Hebron, 1934 in Thrace, 1938 in Tiberias, 1945 in Tripoli, 1947 in Aden and Jerusalem.

Diese Erinnerungen sind im jüdischen Volk präsent. Immer wieder dieselbe Lehre, die sie daraus ziehen: wenn einer „Tod den Juden“ wünscht, dann sollte man davon ausgehen, daß er es ernst meint. Ich staune immer über die Leichtfertigkeit, mit der deutsche Kommentare, denen diese Erinnerungen nicht präsent sind, israelische Sorgen als Paranoia abtun. Nie gebranntes Kind scheut eben kein Feuer – besonders nicht Feuer, das andere brennt.

Elder of Zion zitiert ihn, aber der ganze Artikel ist lesenswert: Bret Stephens fragt eindringlich: wo sind die palästinensischen Mütter?

What about their killers? The Israeli government has identified two prime suspects, Amer Abu Aysha, 33, and Marwan Qawasmeh, 29, both of them Hamas activists. They are entitled to a presumption of innocence. Less innocent was the view offered by Mr. Abu Aysha’s mother.

„They’re throwing the guilt on him by accusing him of kidnapping,“ she told Israel’s Channel 10 news. „If he did the kidnapping, I’ll be proud of him.“

It’s the same sentiment I heard expressed in 2005 in the Jabalya refugee camp near Gaza City by a woman named Umm Iyad. A week earlier, her son, Fadi Abu Qamar, had been killed in an attack on the Erez border crossing to Israel. She was dressed in mourning but her mood was joyful as she celebrated her son’s „martyrdom operation.“ He was just 21.

Here’s my question: What kind of society produces such mothers? Whence the women who cheer on their boys to blow themselves up or murder the children of their neighbors?

Das frag ich mich die ganzen Jahre über auch. Hört mir auf mit Ausreden wie „aber die Besatzung, aber die Siedlungen“. Die Bewohner von Nordzypern sind ebenfalls besetzt und erziehen ihre Kinder trotzdem nicht dazu, sich in Eisdielen in die Luft zu jagen. Und vergessen wir auch nicht, daß Selbstmordattentate auch außerhalb von Israel fast ausschließlich von Arabern, und zwar moslemischen,  begangen werden – sie brauchen Israel nicht dafür. Irgendwas stimmt in einer Kultur nicht, die den Tod vergöttert und hysterisch von Heroismus faselt, während sie Wehrlose aufs Korn nimmt: harmlose Familien in einem Einkaufszentrum zu Tode quält, hilflose Schulmädchen entführt, Autobomben auf Marktplätzen hochgehen läßt. Feige Taten. Sinnlose Taten.

Und ohne Mütter-Mythologie zu treiben, die ich immer nervig finde, fragt man sich doch, wie stark eine Ideologie sein muß, die ausgerechnet eine Mutter dazu bringt, ihre Kinder so freudig in den mörderischen Tod zu treiben. Mütter sind keineswegs bessere Menschen als andere Menschen, take it from me, aber sie haben in ihre Kinder investiert, um es ganz evolutionsbiologisch zu sehen.

Diese ganze jahrelange Investition, die mit Schwangerschaftsmüdigkeit und Preßwehen anfängt und über Söckchen und Windeln, Schulbücher, Hilfe bei den Hausarbeiten bis Pubertäts-Kleinkrieg und Begleitungs ins Erwachsenwerden reicht… diese ganze unermüdliche, befriedigende, gern geleistete, nie endende Arbeit, dei sich Elternschaft nennt, und die sich nur lohnt, weil man an die Zukunft des nervigen Lämmchens denkt und sich daran freut und diese irrationale, lodernde Liebe zum Nachwuchs fühlt, die diesem so peinlich ist…………. wenn man dies alles auf die Waage legt, und auf der anderen Waagschale liegen zur Unkenntlichkeit zerfetzte „Feinde“ (sprich: Eis essende jüdische Familien), und mitten drin die zur Unkenntlichkeit zerfetzte Leiche des eigenen Lämmchens – ist es das wert?????

Eine Gesellschaft, in der ein nicht kleiner Prozentsatz von Müttern ruft: JA! – ist die wirklich normal? Und was kann man tun, damit sie den Tod nicht mehr höher als das Leben einschätzt? Golda Meirs Worte sind immer noch gültig, und zwar nicht nur in Israel:

„Frieden wird es geben, wenn die Araber ihre Kinder mehr lieben, als sie uns hassen.“

Kommentare»

1. A. - Juli 1, 2014, 21:50

„Schwangerschaftsmüdigkeit …“

Besser hätte ich’s nicht ausdrücken können.

Woher kommt der Fanatismus?

Die Schmerzen bei der Geburt und das alles …um dann irgendwann das eigene Kind als Shahid zu feiern…ich werde das nie verstehen.

2. heplev - Juli 1, 2014, 21:56

>>Heplev übersetzt den Artikel eines schiitischen Flüchtlings aus Mossul, der zu folgendem Schluß kommt:<<
Soweit ich die Seite verstanden habe, ist das aber Satire. Die haben so einige Dinger eingestellt, die nicht anders zu verstehen sind. Hier haben sie sich die UNO/UNRWA und ihr Handeln in Sachen palästinensische Flüchtlinge vorgenommen. Sieh mal direkt auf deren Seite nach, ich kann das nicht anders verstehen. Schon der Name der Seite, "PreOccupied Territories" spricht dafür. Der neueste Eintrag von heute lautet "EU Denounces Israeli Corpses For Being Found On Palestinian Land" (EU verurteilt israelische Leichen dafür, auf palästinensischem Land gefunden worden zu sein).

3. Lila - Juli 1, 2014, 22:07

Danke, ich ergänz es.

4. wollecarlos - Juli 1, 2014, 22:23

Der geliebte und gehasste Broder schreibt in der WELT einen seiner typischen, lesenswerten Artikel, der endet mit:

„…Und schon ist es absehbar, wie die Sache weitergehen wird. Journalisten und Politiker werden Israel auffordern, sich zurückzuhalten, um eine Eskalation der Gewalt zu vermeiden. Man dürfe den Friedensprozess nicht gefährden, beide Seiten sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Da sind gerade drei Plätze frei geworden.“

Der ganze Artikel:

http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article129675711/In-Israel-sind-offenbar-immer-die-Opfer-schuld.html

5. heplev - Juli 1, 2014, 23:52

Ich kann nur unterstützen, dass dieser Broder-Artikel mal wieder einsame Spitze ist!


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