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Unartige Wörter Juni 28, 2014, 20:29

Posted by Lila in Persönliches, Uncategorized.
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Wir gucken natürlich auch gerade WM, und bestimmt grinsen nicht nur wir über den Namen des chilenischen Spielers Jara. Das spricht man ja Chara aus, und chara heißt auf Hebräisch nun mal schlicht und einfach – Scheiße Kacke Mist Unrat. Wortspiele aller Arten bieten sich an, doch Meir Einstein und Avram Grant, die das Spiel übertragen, sind darüber natürlich erhaben. Aber als Tertia sich dazusetzt und hört, daß chara Druck macht, kichert sie erstmal ausgiebig. Heißt der wirklich so? Ja, der heißt so.

Mir fällt dabei immer ein altes Lied ein, das eine Zeitlang Titel-Song einer Radiosendung war, in der ausgiebig und ausschließlich gemeckert wurde, moderiert vom stets ärgerlichen Natan Zahavi. Weiß nicht, ob es die Sendung noch gibt – sie lief immer im Radio, wenn ich mit einem bestimmten Bus mitfuhr, und seitdem klebt es mir im Gedächtnis.

Es erklärt kurzerhand alles für Mist. Sommer – ichssa (pfui). Winter – pichssa (bah-bah). Alle Jahreszeiten – ein einziger Mist. Radio – Mist. Fernsehen – Mist. Und in den Zeitungen? Pardon – nur Mist. Das Lied selbst natürlich auch.

Seltsam, was einem so alles im Gedächtnis hängenbleibt und von einem Fußballspieler freigesetzt wird, der damit gar nichts zu tun hat. Überhaupt, Namen – wer weiß, was der eigene Name in anderen Sprachen bedeutet? Israelis, die ihre Söhne Kotz oder Dekel nennen, wissen ja auch nicht, wie das für deutsche Ohren klingt, während Nora (nora – schrecklich) und Meta (meta – tot) auf Hebräisch nicht optimal klingen.

Neulich saß ich mehrere Stunden mit einer Bekannten im Lehrerzimmer, die gerade über Heidegger promoviert und meine Hilfe bei einem Text brauchte. Das Wort Sein fiel dabei natürlich extrem häufig – und führte zu einer gewissen gespannten Stille bei den Kollegen, die im Lehrerzimmer über ihren Laptops brüteten. Immerhin ist zayn ein nicht sehr feiner Ausdrück für das männliche Geschlechtsorgan, und es taucht in vielen Slang-Redewendungen auf, die man ebenfalls nicht jeden Tag im Lehrerzimmer hört. Es fiel uns erst hinterher auf, daß das etwas komisch geklungen haben mag.

Kommentare»

1. Tanja - Juni 28, 2014, 21:00

Also wenn Jara den letzten Elfmeter verschießt und damit das Turnier für seine Mannschaft beendet, kann man sagen, dass Jara Chara ist!!

2. Hadassa - Juni 28, 2014, 21:10

Ich mag auch diesen einen Franzosen dessen Namen wie „בן זונה“ klingt. 🙂

3. Lila - Juni 28, 2014, 21:13

Ein Verteidiger mit Namen Mena ist ebenfalls lustig – makat mena ist ja ein Präventivschlag.

Und ja, bei dem Franzosen hab ich auch erstmal gestutzt 😀

4. gingit - Juni 28, 2014, 21:19

Als vor einiger Zeit eine Nonne beim Wort zum Sonntag vom „großen Sein Gottes“ sprach, war hier auch die Stimmung gut 😉

5. Underdog - Juni 29, 2014, 0:04

Der heisst Benzema… aber es gibt auch einen Ben Zoma in der Mishna… Also wenn man schon süffisant ist…

6. vered - Juni 29, 2014, 6:11

Unsere hochgewachsene Freiwillige aus Deutschland hat sich wohlwissentlich hier Tamar anstatt Dagmar genannt … (dag mar- bitterer Fisch)

7. Lila - Juni 29, 2014, 7:07

Das erinnert mich daran, wie schwierig es war, Namen für unsere Kinder zu finden…

Inbar? oder per Scheck?
Eyal? is misch vollkommen ejal…
Erez? ach – wie Erez Israel?
Oren? und was ist mit Augen?

Die biblischen Namen wiederum, die in Deutschland ohne Zucken durchgegangen wären und die ich auch sehr schön finde, wie David, Leah oder Noemi, haben bei meinem Mann nur Entsetzen ausgelöst. Die Namen sind in Israel (bei der säkularen Bevölkerung wenigstens) so stark altersbesetzt wie Karlheinz und Rosemarie in Deutschland.

Ein Name mit -r hinten geht auch nicht, das wird ja dann von der deutschen Verwandtschaft wie -a ausgesprochen. Moa, Doa oder Droa.

Modenamen mit angelsächsischem Anklang (Din, Kim, Dorin) fanden wir auch nicht schön. Oder Tom für Mädchen…

Tja, das war gar nicht so einfach 🙂

8. Paul - Juni 29, 2014, 8:46

Liebe Lila,
mal eine private Frage.
Lösen Monika und Norbert bei Euch auch irgendwelche Assoziationen aus? Würde mich wirklich interessieren. Sag mir ruhig die Wahrheit. Ich bin stark und gefestigt. Ach, was ist eigentlich mit Paul?

Herzlich Paul

9. Lila - Juni 29, 2014, 8:55

Paul hieß Y.s über alles geliebter Opa. Wir hätten Primus fast Paul genannt, haben uns dann aber (was wir heute bedauern) von der Familie überzeugen lassen, daß Paul auch als Zweitname in Israel nicht gut ankommt. Was ich heute für Unsinn halte. Ich kenne sehr viele Leute mit zwei Vornamen, einer israelische, einer europäisch oder amerikanisch, und niemand von ihnen ist geneckt worden.

Bei Monika und Norbert denke ich an Klassenkameraden 🙂 … Die Namen haben keinerlei peinliche Bedeutung im Hebräischen. Nicht daß ich wüßte.

10. Miriam Woelke - Juni 29, 2014, 9:55

TOM empfiehlt sich auch nicht unbedingt, denn rueckwaerts gelesen bedeutet der Name MAWET (Tod). 🙂

11. Underdog - Juni 29, 2014, 11:01

aber Tom schreibt man mit tet, mawet mit tav…

12. Marlin - Juni 29, 2014, 11:17

Also Paul ist wieder en vogue, jedenfalls lange nicht so altersbelastet wie Norbert oder so. Monika.. mittelalt. 😛

13. Underdog - Juni 29, 2014, 13:55

Paul wäre auch ein lustiger Name auf hebräisch. Je nachdem, was davor kommt, würde man ihn auch „Faul“ aussprechen…

14. Lila - Juni 29, 2014, 14:14

Am Wortanfang? Unwahrscheinlich.

15. Underdog - Juni 29, 2014, 14:46

und Paul = ufaul

für/zu Paul = lefaul

und wenn er ein mineralwasser nach seinem Namen macht, wäre das mei faul…

16. Lila - Juni 29, 2014, 16:16

Sprechen die Leute, die Du kennst, alle so korrekt? Die wenigsten Israelis, die ich tagtäglich treffe, wenden die Bumaf-Regel wirklich an, außer in stehenden Redewendungen. Man sagt doch normalerweise „Anat ve-Michal“ und nicht „Anat u-Michal“…

17. Underdog - Juni 29, 2014, 17:06

Ich stelle fest, dass besonders die Sefardim, denen so Namen wie Paul nicht besonders geläufig sind, sich nicht gross darum scheren, dass Paul einfach Paul bleiben sollte… übrigens auch umgekehrt, f zu p am Wortanfang, bei Wörtern mit griechischem Stamm (ph) oder bei Eigennamen… So wie die Oper Palstaff von Verdi…

18. Miriam Woelke - Juni 29, 2014, 18:48

@ Underdog

Tom schreibt man mit Tav !!!

19. Paul - Juli 1, 2014, 9:27

Danke Euch allen für die Aufklärung.
Da bin ich ja noch einmal davon gekommen. 🙂

Lila, wenn Primus Paul heißen möchte kann er das ja in Israel problemlos machen. Soviel habe ich bei Dir schon gelernt. 🙂

Wenn das in Deutschland so einfach wäre, wäre ich sehr in Versuchung mich auch im wirklichen Leben in Paul umzubenennen.
Nicht weil mir mein wirklicher Vorname nicht gefällt, sondern weil Paul mir lieb geworden ist und auch charakterlich besser zu mir passt. Dabei denke ich an den Apostel Paulus: der Eiferer, dargestellt mit Buch und Schwert und Halbglatze. „Passt schon“, sagt der Bayer. :-))

Herzlich, Paul


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