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Ein Bild wird ausgewählt Juni 27, 2014, 4:44

Posted by Lila in Presseschau.
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Nehmen wir an, wir haben die folgende Schlagzeile:

Suche nach israelischen Teenagern: Israelischer Geheimdienst veröffentlicht Namen der Kidnapper

und müssen dafür nun ein Bild auswählen.

Es bietet sich an, die israelischen Teenager (erstmals!) im Bild zu zeigen.

bildredaktion3

Immerhin werden sie in der Schlagzeile erwähnt.

Es wäre auch möglich, die mutmaßlichen Entführer zu zeigen.

Bildredaktion2

Oder gar sowohl als auch. Dann könnte der Leser sich vorstellen, wie es sein mag für die Jungen, in den Händen dieser Männer zu sein.

Jedoch – der SPon bleibt sich treu.

Bildredaktion

 

Für ihn, wie für den demokratischen Rechtsstaat Qatar, ist DAS die wahre Geschichte, das einzige Verbrechen, um das es hier geht: die Suche nach Entführern und Entführten.

So wird die Empörungs-Operette täglich geschürt. Ich verfolge es seit langem und denke immer: tiefer können sie nun nicht mehr sinken. Nur um jedesmal aufs Neue überrascht zu werden. Und der Großteil der Kommentatoren fällt freudig in den Chor mit ein.

Irgendwann, wenn die Menschen mal klüger geworden sind und begreifen, daß von islamistischen Terroristen mehr Gefahr droht als von der israelischen Armee, die seit Jahrzehnten gegen sie kämpft, dann werden solche Berichterstattungs-Serien als Beispiele für die Kollaboration der deutschen Presse mit Terroristen an Journalistenschulen gelehrt werden.

Und jetzt gehe ich gucken, ob die Bilder der Entführten oder der Verdächtigen in anderen deutschen Online-Publikationen überhaupt erscheinen.

Kommentare»

1. Frase0815 - Juni 27, 2014, 8:26

Nun, wenig überraschend ist der Text auch nicht viel mehr als ein Beispiel der Niedertracht

Die Entführung der drei Jugendlichen im Westjordanland löste nicht nur persönliche Tragödien aus, sondern auch eine politische Katastrophe. Brutal wie nie durchkämmte das israelische Militär Städte und Dörfer im Westjordanland,fünf Palästinenser wurden erschossen. Nun meldet sich der israelische Geheimdienst zu Wort: Er hat nach eigenen Angaben die Entführer der drei Teenager identifiziert

So wird dann gleich mal die Ermittlung der Entführer mit einer Aktion, so brutal wie nie, in Verbindung gebracht und damit delegitimiert.
Dass, zumindest soweit ich weiß, diese beiden sympathischen Freiheitskämpfer schon von Anfang an als zentrale Figuren ausgemacht waren, wird selbstverständlich mit keinem Wort erwähnt. So geht Qualitätsjournalismus.

2. ? im Kopf - Juni 27, 2014, 10:36

Die wirtschaftlichen Kosten der Such-Aktion allein für die Stadt Hebron werden auf 10 Millionen $ pro Tag geschätzt…

3. Ima - Juni 27, 2014, 11:13

Meine Güte, wie menschenverachtend!

Soll jetzt etwa bei jedem Menschenleben eine Kostennutzungsrechnung aufgestellt werden?

4. CG - Juni 27, 2014, 12:04

Liebe Lila, als stiller treuer, langjähriger Mitleser ein persönlicher Kommentar (der ignoriert werden darf – aber es muss einfach mal raus): ich fürchte ich muss das Lesen deines Blogs einstellen…es wird mir unerträglich und ich glaube mich ernsthaft einer Depression nahe. Wie ist das denn möglich, in einem Land, dem Israels Sicherheit als Staatsräson gilt? Wie heuchlerisch und innerlich verrottet ist denn dieses Land und seine Medienlandschaft? Mit Verlaub, es kotzt mich an und mir kocht jedesmal die Galle hoch, wenn ich berichte wie diese lesen oder sehen muss.
Ich fage mich: Soll ich das einfach weiter ertragen, soll ich einfach die Augen verschließen? Was tun?
Mich würde einmal ein Analyse der Strukturen interessieren (ich weiß, das ist natürlich nicht deine Aufgabe), die eine derart unausgeglichene (ja, israelfeindliche) Berichterstattung zulassen.

Sind denn die Chefredakteure der deutschen (u.a.) Medien alles Antisemiten oder sind sie einfach nur dumm? Beugt man sich einfach den antisemitischen Gelüsten der Straße um hohe Einschaltquoten und Verkaufszahlen zu erreichen? Was steckt dahinter?
Man müsste etwas tun – mehr als nur aufklärende Onlinekommentare zu hinterlassen.

Ich verzweifle und fühle mich zunehmend in meiner Ohnmächtigkeit unwohl. Ich bin angewiedert.

5. ? im Kopf - Juni 27, 2014, 13:21

„Soll jetzt etwa bei jedem Menschenleben eine Kostennutzungsrechnung aufgestellt werden?“

OK. Keine Konstennutzenrechnung. Was rechtfertigt dann die 5 toten Palästinenser? 5 Menschenleben – keine Kostennutzenrechnung.

6. levrak - Juni 27, 2014, 13:48

#5 – ? im Kopf

Warum fragst Du das nicht die Entführer und jene, die sie unterstützen?

A.mOr.

7. Noa - Juni 27, 2014, 17:51

Fragst du das auch bei jeder Rakete, die auf Israel geschossen wird, bei jedem Anschlag auf Busse, Restaurants, hast du da auch die Menschenleben gezaehlt? Ich denke schon, oder? zumindest moechte ich das glauben.
Noa

8. wollecarlos - Juni 27, 2014, 18:16

Wenn jemand hier schreibt:

„2. ? im Kopf – Juni 27, 2014, 10:36

Die wirtschaftlichen Kosten der Such-Aktion allein für die Stadt Hebron werden auf 10 Millionen $ pro Tag geschätzt…“

wird er ja seine Quellen dafür haben.

Die würden mich schon sehr interessieren!

(mal überschlägig, so als Volkswirt: Bei 10 Mio $$ pro Tag läge ja das Sozialprodukt der betroffenen Stadt bei mehr als 3.600 Mio $$ im Jahr.
Daß es den Palestinensern soo gut geht/ging, habe ich bislang nicht gewußt)

Aber vielen Dank, liebes Fragezeichen. Vielleicht wechseln Sie Ihr Pseudo künftig in Ausrufezeichen!

9. Lila - Juni 27, 2014, 18:30

? – wirklich der dusseligste Nick, den Du bisher genutzt hast – Du stellst es so dar, als hätte Zahal die Palästinenser an die Wand gestellt und exekutiert.

Hast Du Dich mal dafür interessiert, wie sie ums Leben gekommen sind?

Hast Du Dich mal dafür interessiert, wie die Zahal-Regeln zum Einsatz von Feuerwaffen sind?

Nur mal eine kleine Anregung.

Es besteht kein Zweifel, daß diese Todesfälle hätten vermieden werden müssen, ganz besonders tragisch finde ich den geistig gestörten Mann, aber auch den Jugendlichen, der, wie es in Haaretz heißt, eigentlich die Lage beruhigen wollte. Jeder einzelne dieser Fälle wird von der Armee untersucht werden.

Wer mit Steinen und Molotovcocktails auf bewaffnete Soldaten losgeht, der muß aber damit rechnen, daß diese sich irgendwann mal bedroht fühlen. Und daß dann der Fall eintritt, in dem sie sich zum Feuern berechtigt fühlen.

Ja und man muß auch damit rechnen, daß einer der Soldaten die Nerven verliert und schießt, obwohl die Situation es objektiv gesehen nicht erforderte.

Es wäre weiß Gott schöner, wenn es solche Vorfälle auf der Welt nicht gäbe.

Aber wenn man sie vermeiden will, dann sollte man vielleicht keine Terror-Organisation unterstützen, die Dutzende Entführungen pro Jahr versucht? Und wenn ihr eine Entführung gelingt, sollte man sich vielleicht mit Jubelschreien und Sabotage der Ermittlungen zurückhalten?

Taten haben Konsequenzen. Es gibt auch auf palästinensischer Seite genügend Einsichtige, die nicht für solche Aktionen sind.

Es ist schade um jedes sinnlos verlorene Menschenleben. Aber es so darzustellen, als wären diese fünf Toten kaltblütig erschossen worden, nur weil sie friedliche Palästinenser sind – das ist ein bißchen stark.

Ich weiß nicht, wie oft ich es hingeschrieben habe, während meine Söhne bei der Armee waren: ich habe Angst, daß ihnen etwas passiert, und ich habe Angst, daß sie versehentlich Unrecht begehen.

Ich weiß noch den Tag, als Secundus in Hebron ein wirklich große und schwerer Betonklotz an die Brust geworfen wurde – ohne seine keramische Schutzweste wäre er schwer verletzt worden. Hätte der Soldat neben ihm auf die Steinewerfer geschossen, um weitere Verletzungen zu verhindern, hättest Du das natürlich verurteilt. Klar. Muß ein schönes Leben sein, wenn man solche moralischen Dilemmata tunlichst vermeidet, anderen aber gern die Moral abmißt.

Secundus war auch in Hebron dabei, als ein Palästinenser auf einen Soldaten zu schießen versuchte, dieser zurückschoß. Der Palästinenser brach verletzt zusammen, Secundus versorgte seine Wunden und organisierte seinen Transport ins Krankenhaus.

Das ist ja wirklich das Absurde solcher Situationen – auch diesmal ist mindestens einer der Toten nach seiner Verwundung in ein israelisches Krankenhaus gebracht worden, von Sanitätern der Armee, und ist dort gestorben.

Einer der Verdächtigen gehört übrigens zu einer riesigen chamulla, die sehr viel Macht hat. Soweit ich es verstanden habe, ist ein Großteil dieser Sippe vernommen worden, um unter Zeitdruck herauszufinden, ob und wie er in die Entführung verwickelt ist – und wo er ist – und wo die Jungen sind. Deswegen waren die Festnahmen wohl so weitgehend – ein riesiges Netz von Familien- und Schutz-Beziehungen.

10. Ima - Juni 27, 2014, 18:34

Nr. 2 und Nr. 5

Ach wie „nett“ von Ihnen, jetzt keine menschenverachtende Kostennutzungsrechnung mehr bei der Rettung von Menschenleben.

Und wie absurd von Ihnen, von mir eine Rechtfertigung zu verlangen, weil Menschenleben zu beklagen sind-

Nehmen Sie zur Kenntnis
1. Ich war nicht dabei und kann somit nicht beurteilen was geschehen ist.

2. Ich kann Ihnen aber mit Bestimmtheit versichern, gäbe es keinen Terror, keine Entführungen von Hamas & Co. wäre kein einziges Menschenleben zu beklagen.

11. janina2212 - Juni 29, 2014, 11:53

Liebe Lila, bzgl. öffentlichen Meinung zu Entführungen und wie man mit Kidnappern umgehen sollte: Es ist noch nicht soo lange her, dass ein Aufschrei der Entrüstung durch das Land ging, weil ein Polizist einem Entführer Gewalt androhte(!), um herauszubekommen, wo der kleine Junge versteckt wurde, und daraufhin fast seinen Job und Pensionsansprüche verlor.
Einhellige Meinung war, dass man dies nicht so eng sehen dürfe, es ginge schließlich um das Leben eines Jungen, wieso eigentlich immer Täter- vor Opferschutz, es wäre ja schließlich bei der Drohung geblieben etc.
Es wäre natürlich eine maßlose Frechheit meinerseits zu behaupten, daß hier mit zweierlei Maß gemessen wird…


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