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Klatsch und Tratsch März 20, 2014, 9:16

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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Im Moment sieht es ganz danach aus, daß in den nächsten Monaten zwei recht aufsehenerregende Prozesse stattfinden werden.

Der frühere Ramatkal Gabi Ashkenazy hat wohl in seinem Machtkampf mit seinem damaligen Chef, Verteidigungsminister Ehud Barak, nicht nur zu schäbigen, sondern auch zu verbotenen Manövern Zuflucht genommen. Ashkenazys enge Mitarbeiter Benayahu und Viener jedenfalls sind gestern festgenommen worden, vermutlich laufen seit Monaten verdeckte Ermittlungen.

Da Benayahu mit der Schmachtlocke als Armeesprecher allen Fernsehzuschauern ein Begriff ist, ist seine Festnahme Medien-Futter. Dazu kommt, daß sich Israelis mit Bangen fragen: was spielt sich eigentlich in der Kirya ab, wo die Entscheidungen fallen, die über Leben und Tod entscheiden? Wie viel Energie wird auf Schlamm-Weitwurf zwischen verfeindeten Offizieren und Politikern verschwendet? Und wie hoch ist die Bereitschaft, zu kriminellen Machenschaften zu greifen?

Seit Jahren werden immer mehr Einzelheiten bekannt, und Ashkenazy, der mal einer der angesehensten Männer in Israel war, kann seinen beschädigten Ruf wohl nicht mehr aufpolieren. Daß Barak, der Ungeliebte, dadurch rehabilitiert wird, glaube ich aber nicht. Bei diesem Skandal mischen sich objektiv Bedenkliches und Klatschwert.

Der zweite Prozeß, der im Moment sehr wahrscheinlich erscheint, hat fast nur Klatschwert. Wieder mal verklagt ein früherer Angestellter der Familie Netanyahu diese auf Entschädigung, und wieder mal steht Sarah Netanyahu im Mittelpunkt. Diese Frau ist seit Jahren immer wieder Zielscheibe für peinliche und detaillierte Enthüllungen. Angeblich führt sie sich auf wie eine besonders dekadente und perfide Kaiserin aus einem historischen Roman – die Kaiserin Theodora aus Dahns „Kampf um Rom“ kommt mir in den Sinn, die ihre Sklavinnen mit der Nagelschere mißhandelt, wenn sie mit dem Massageöl kleckern. Stechen und schlagen kann die Frau unseres Regierungschefs nicht, aber demütigen und schikanieren, wenn man den Berichten glaubt, dafür um so besser.

Haushälterin, Nanny, die Pflegerin ihres alten Vaters und jetzt der Leibwächter und Hausmeister – sie erzählen alle von peinlichen Szenen.

Keiner weiß, was daran wahr ist und was nicht. In Interviews macht Sarah jedenfalls einen intelligenten und beredeten, aber nervösen und sehr empfindlichen Eindruck – was ich gut nachvollziehen kann, denn es muß schrecklich sein, so im Mittelpunkt aller Blicke zu stehen und kein Privatleben mehr zu haben. Auch die Achillesferse ihres Mannes zu sein ist bestimmt alles andere als angenehm. Schließlich hat sie sich nie irgendwo zur Wahl gestellt.

Sie arbeitet als Kinderpsychologin in Jerusalem, und einer Frau mit ihrem professionellen und akademischen Hintergrund möchte man eigentlich nicht zutrauen, daß sie sich hinstellt und ihre Angestellten ankreischt oder sie um drei Uhr nachts aus dem Bett holt, um sie wegen einer Tüte Milch runterzuputzen.

Aber im Laufe der Jahre häufen sich einfach die Berichte, und dazu passen die astronomischen Rechnungen der Familie Netanyahu, die ihre verschiedenen luxuriösen Wohnsitze so führen, daß sie jederzeit von einem zum anderen wechseln können, ohne einen Unterschied zu fühlen. Und das auf Staatskosten.

Das Interview ist drei Jahre alt, aber Sarah fühlt bestimmt heute dasselbe. Sie versucht zu erklären, daß die hohen Kosten und Reisekosten gute Gründe haben, und wie persönlich verletzend es für sie ist, als Frau immer wieder die Zielscheibe für Angriffe zu sein, die sich indirekt gegen ihren Mann richten.

Jedenfalls wird Netanyahu, falls er die neue Klage nicht abwimmeln oder per Abfindung vermeiden kann, wohl als Zeuge auftreten müssen. Entweder er liebt diese Frau von ganzem Herzen, oder er hat panische Angst vor ihr, oder er kann eine vierte Scheidung nicht riskieren, oder alle Geschichten sind erfunden. Oder alles zusammen.

Kommentare»

1. Silke - März 20, 2014, 14:58

Entweder er liebt diese Frau von ganzem Herzen

als Netanyahu seine Rede vor der Knesset hielt, habe ich seine Frau als hochgradig verliebt, ihn hemmungslos bewundernd wahrgenommen. So etwas Vorbehaltloses war schön zu sehen.

Falls ich da richtig geguckt habe, wünsche ich dem „gefährlichsten“ Mann der Welt, der auch auf der Leiter der Angefeindetsten wohl einen achtbaren Platz einnimmt, daß er die Nächte in Wärme und Geborgenheit verbringen kann.

PS: wann immer ich bisher von Staatshäuptern mit vielen allzeit bereiten Wohnsitzen gelesen habe, waren es welche, deren Leben so hochgradig gefährdet war, daß sie praktisch unmögliche Vorhersagbarkeit ihres jeweiligen Aufenthalts für unbedingt erforderlich hielten. Wird auch unter dem Gesichtspunkt geklatscht?

2. Miriam Woelke - März 20, 2014, 15:07

Hallo Lila,

ich kannte eine Maedchen, welches in den 90iger Jahren fuer Sarah Netanyahu arbeitete. Damals noch als Aupair. Das Maedchen selbst nahm vor mir an einem Kibbutzulpan teil und besuchte danach den Kibbutz ziemlich haeufig. Im Chadar HaOchel berichtete sie und dann die neuesten Stories von Sarahle.

Ich koennte jetzt einiges aufzaehlen, tue es aber nicht, da unsere Medien eh schon alles durchkauten. Und das bereits Ende der 90iger.

Obwohl Sarah nicht dumm ist, gibt sie sich daheim als Reinheitspsychopathin.

Ob nun tatsaechlich alle Haushaelterinnen einen Grund haben, zu klagen, kann ich nicht beurteilen. Sicher ist, dass Sarah daheim ein strenges Regiment fuehrt und auch schonmal gewaltig droht. Dass Ihr Gatte Premierminister ist, laesst sie gewaltig heraushaengen. Selbst hier in Jerusalem.

Man schaue auf die Anzahl der Haushaelterinnen, die das Weite suchen und ich beneide niemanden um diesen Job !

3. Lila - März 20, 2014, 16:14

Sie ist ja in Tivon aufgewachsen, und auch dort (wo ich regelmäßig bin und viele Leute kenne) erzählt man sich auch mancherlei Schwänke.

Den anhimmelnden Blick in der Öffentlichkeit kenne ich – wie es zuhause aussieht, weiß man nicht. Muß man ja auch nicht. Aber ich wundere mich doch – wenn sich so viele Leute mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit begeben, sollte Sarahle vielleicht doch Konsequenzen daraus ziehen.

Ob es wirklich im Namen der Sicherheit nötig ist, mehrere Gärten kostspielig zu bewässern, während der Rest des Landes Wasser spart? Ob wirklich ein durchschnittliches israelisches Monatsgehalt (6000 NIS) pro Monat für Duftkerzen angemessen ist? Es ist einerseits kleinlich, das nachzurechnen – andererseits bezeichnend, daß dabei solche Dinge ans Licht kommen.

Sagen wir so: wäre sie eine sympathische Verschwenderin oder unsympathisch, aber bescheiden, wäre der Aufruhr um ihre Person nicht so groß. So aber entsteht der Eindruck, daß sie gleichzeitig eine Hexe UND verschwenderisch mit öffentlichen Geldern ist. Und das ist irgendwie zuviel.

Wobei ich wie gesagt nicht davon ausgehe, daß alle Geschichten wahr sind. Aber wenn nur zehn Prozent davon wahr sind, beneide ich Bibi nicht.

Dabei sagte die ehemalige Haushälterin heute früh in einem Interview: Bibi ist ein wunderbarer Mensch, empathisch, freundlich und höflich, aaaber….

Was auch dran ist – für Bibis Image ist der Eindruck, daß er unter dem Regiment eines Schrubbers steht, fatal.

Am besten ist immer, wenn das persönliche Leben überhaupt keine Rolle spielt, wie bei Peres, dessen Sonja sich so erfolgreich im Hintergrund gehalten hat, daß keiner auch nur wußte, wie sie aussah. Auch der Kanzleringatte macht es richtig. Mir tun die Familien amerikanischer Politiker immer leid, wo Kind und Kindeskind tapfer mitgrinsen und -winken muß.

4. Silke - März 20, 2014, 21:11

Was auch dran ist – für Bibis Image ist der Eindruck, daß er unter dem Regiment eines Schrubbers steht, fatal.

tja hätte er seine Alte so im Griff wie sich das für nen richtigen Mann gehört …

5. Lila - März 20, 2014, 22:28

😀

Es gibt auch gleichberechtigte Beziehungen.

6. avra - März 20, 2014, 22:59

@silke1:..“als Netanyahu seine Rede vor der Knesset hielt, habe ich seine Frau als hochgradig verliebt, ihn hemmungslos bewundernd wahrgenommen. So etwas Vorbehaltloses war schön zu sehen.“
du unterschätzt die schauspielerischen talente von politikern u. deren gattinnen.
und jemanden, wen auch immer, hemmungslos zu bewundern halte ich generell für ungesund ; )

7. wollecarlos - März 21, 2014, 2:20

„Es gibt auch gleichberechtigte Beziehungen.“
Ährlich ???

8. Lila - März 21, 2014, 4:37

Hab ich mir so sagen lassen.

9. vered - März 21, 2014, 9:14

Der anhimmelnde Blick in der Öffentlichkeit war Teil der Wahlpropaganda. Manche hat er fast zu Tränen gerührt, wie geplant, Andere hatten auch Tränen in den Augen, aber vor Lachen. Mich hat er an die Titelbilder der Reihe „Wahre Geschichten“ erinnert, die ich als Kind am Kiosk-Aushang bestaunte.
Und zum akademischen Hintergrund, ganz allgemein gesprochen: Bildung und Benehmen stehen nicht zwingend in direkter Korrelation. Ebenso wenig Bildung und persönliche Stabilität.

10. Lila - März 21, 2014, 9:50

Das ist klar, Vered. Aber eine Kinderpsychologin, die mit Familien arbeitet und selbst unter Supervision steht? Sie müßte doch Einsicht in ihre eigenen Schwächen haben und daran arbeiten. Und sie hat ihr Studium als Jahrgangsbeste abgeschlossen, sprich, sie hat gelernt, Texte zu lesen, zu verstehen, ihre Schlüsse draus zu ziehen und ihr Verhalten danach zu überprüfen und u.U. neu zu justieren.

Wenn sie also liest, wie sie in der Presse dargestellt wird – warum schnauzt sie dann immer noch Untergebene an? Wie kann ein Mensch einerseits gebildet und intelligent, andererseits absolut lern-unfähig sein? Dabei geht ihr das Negativ-Feedback, das sie dauernd erhält, sehr an die Nieren. Manches davon ist ja auch äußerst fies, so die Bemerkungen ihres Bruders, die ich total taktlos und unangebracht finde. Kein Wunder, daß sie verletzt ist.

Aber warum zieht sie anscheinend nicht die richtigen Schlüsse daraus? Also statt Leute mundtot zu machen – ihr Verhalten zu ändern?

11. Silke - März 21, 2014, 16:24

ihr Verhalten zu ändern?

tja warum wird sie nicht perfekt – das ist doch wohl das Mindeste, was man von ner PolitikerGATTIN erwarten kann.

ansonsten meinte ich nicht Knesset sondern US Kongress.

eine Frau, die liebevoll und stolz auf ihren Angetrauten guckt, als anhimmelnd zu beschreiben, empfinde ich als herabsetzend, womit alles ansonsten reklamierte Verständnis den Geruch von Heuchelei annimmt.

Alles in allem bin ich schon erstaunt, daß in einem Umfeld, von dem ich annehmen würde, das es zur Medienschelte neigt, die Neigung der Medien zur Runtermache undzum Rumgefummel im Privatleben ihrer Politiker so goutiert wird und der Gattin sogar unterstellt wird, die Liebevolligkeit sei nur ihrem überragenden schauspielerischen Talent geschuldet.

Apropos – bevor die Ukraine-Krise ausbrach und deutschen Medien offenbar nix mehr einfiel, beschuldigten sie Merkel konsequent und ausdauernd, keine Visionen zu haben … als wenn Deutsche nicht für einige Jahrhunderte von Visionär-Verehrung geheilt sein sollten.

Die naheliegendste und mit meiner Erfahrung nach am besten zu vereinbarende Interpretation ist, daß Frau Netanyahu Herrn Netanyahu von Herzen zugetan ist und, so die Geschichten wahr sind, dem Stress eines Lebens an seiner Seite nicht so gewachsen ist, wie es die Perfektionisten unter dem Wahlvolk von ihr erwarten zu dürfen glauben.

Was den Psycho-Beruf anlangt, Alice Miller’s Sohn hat da seine Erfahrungen gemacht. Akademisches Studium und/oder Exzellenz bringt eben nicht automatisch den Ideal-konformen Menschen hervor.

… und was Peres anlangt, so habe ich zu Yaacov’s Zeiten gelesen, daß er was zu Sderot gesagt hat, was Anwohner dazu bringt zu meinen, er solle sich da lieber nicht blicken lassen. … bemerkenswert, daß ihm seine vorbildliche Ehefrau die Sicht der Dinge nicht ausreden konnte 😉


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