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Sehr traurige Nachricht November 10, 2013, 12:51

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Persönliches, Uncategorized.
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Y. rief soeben an, er hat es in der Zeitung gelesen. Imri Ron ist tot, und ich kann gar nicht beschreiben, was das für ein Mann war. Ich kannte ihn nicht sehr gut – aber seine Frau (die man auf dem Bild neben ihm sieht).

imri und ora chadar ochel

Das ist im Dining Room von Kibbuz Mishmar Haemek, und so habe ich mehrmals die Ehre und Freude gehabt, mit ihnen zu sitzen und zu essen. Imris Frau Ora  ist für das Kulturprogramm von Mishmar Hamemek zuständig, sie ist selbst Künstlerin (Imri hat eine ihrer Arbeiten hier photographiert), Kuratorin und lädt mich seit Jahren regelmäßig zu Vorträgen ein. Sie ist eine schöne, elegante, schlanke Frau, der man ihr Alter überhaupt nicht ansieht.

Ihr Vater war Chaver Knesset und hat die Menora als Emblem des Staats vorgeschlagen – dazu habe ich neulich schon was geschrieben. Er war einer der Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung Israels.

Auch Imri war in der Knesset, und in der Kibbuzbewegung lange Jahre aktiv. Er war ein Mythos. Als Y. und ich das erste Mal mit ihm zusammengesessen hatten, war Y. sehr andächtig und ehrfürchtig, was sonst gar nicht seine Art ist. Hinterher sagte er mir: der Mann ist ein lebendes Denkmal der Kibbuzbewegung.

Dabei war Imri aber sehr witzig, lebbaft, interessierte sich für die Lebenswelten seiner Enkel, und unter seiner Ägide engagierten sich viele Jugendliche freiwillig. In Mishmar Haemek ist noch nichts privatisiert. Als ich Ora vor einiger Zeit mal fragte, ob es bei ihnen nicht auch losginge, sagte sie etwas spöttisch: „neulich hat mal jemand beantragt, daß die Zeitungen privatisiert werden sollen – aber das ist niedergestimmt worden“. (Privatisieren würde bedeutet haben: jeder zahlt seine Zeitung selbst, sucht sich dafür aus, welche er will – statt daß der Kibbuz die Zeitungen bestellt und jeder sich nimmt, was er will. Privatisierung im Kibbuz bedeutet einfach nur: selbst zahlen.)

Wir haben uns, als die Pseudo-Privatisierung unseres Kibbuz in einen einzigen Wettlauf aufs Haben-Haben-Haben ausartete, überlegt, ob wir nicht in einen Kibbuz umziehen sollten, der von diesem Virus noch nicht befallen ist, haben es dann aber aus vielerlei Gründen gelassen.

Für mich ist Mishmar Haemek eine Bastion der Kibbuzbewegung und Kibbuz-Werte. Imri war die Inkarnation der Kibbuz-Werte. Außerdem waren Imri und Ora ein wunderbar verbundenes Paar. Jeder von ihnen hatte seine eigene Welt der Interessen, und jeder war stolz auf die Welt des anderen und interessiert an ihr. Imri kam zu den Vorträgen und Ausstellungen, die seine Frau organisierte, und ich habe den Verdacht, er achtete nur darauf, daß seine Ora glücklich und zufrieden war. Man sah an ihrer Körpersprache, wie glücklich und eins sie waren. Es tut mir weh, an Ora ohne ihren Mann zu denken.

Sie hatte lange Angst, daß dieser Tag kommen würde. Er war schon länger nicht ganz gesund. Man sah ihm aber nichts an. Er war schlank, hatte eine gesunde Gesichtsfarbe und immer ganz blanke Augen.

Wir werden natürlich zur Beerdigung gehen. Vorhin habe ich in Mishmar Haemek angerufen, um zu fragen, wann die Beerdigung stattfindet. Zuerst habe ich bei Freunden angerufen. Da lief das folgende Band: „Liebe Freunde, bitte hinterlaßt uns keine Nachrichten, wir hören dieses Band nie ab.“ Damit sich keiner falsche Hoffnungen macht. Alle Welt ist rund um die Uhr erreichbar – aber nicht diese gemütlichen Kibbuzniks (die übrigens beruflich äußerst erfolgreich sind – nur eben zwischen Arbeit und Freizeit zu trennen wissen.)

Dann rief ich bei der Auskunft des Kibbuz an, da kam vom Band diese Ansage (nach den üblichen Ansagen von Weiterwahl-Nummern): „Wir möchten von vornherein klarstellen, daß es in Mishmar Haemek weder Wochenendhäuser (zimmerim) noch Wohnungen zu vermieten oder Häuser zu verkaufen gibt“.

Damit sich auch dort keiner falsche Hoffnungen macht. Fast alle Kibbuzim vermieten oder verkaufen ihre Besitztümer – aber nicht Mishmar Haemek. Mishmar Haemek, der Wächter des Tals – und einer der Wächter des Wächters ist gestern gestorben.

Kommentare»

1. utzligutzli - November 11, 2013, 11:10

Neulich habe ich erfahren, dass nach langem Hin und Her und wiederholten Abstimmungen sich nun auch der Nachbar-Kibbutz Hazorea für eine Privatisierung entschieden hat, wenn auch –wenn ich das richtig verstanden habe- in einer eher gemäßigten Form. Hast Du eigentlich eine Zahl, wie viele der Kibbutzim sich noch nicht privatisiert haben?

Bei uns in der Stadt befindet sich ein Ken von Haschomer Hatzair in Gründung. Unter anderem plant man, die Chanichim oder dann Bogrim für ein Jahr nach Israel zu schicken, auch in Kibbutzim. Ich frage mich allerdings, in welche Kibbutzim, wenn bald alle privatisiert sind und nur noch auf das Geld schielen.

2. levrak - November 11, 2013, 14:30

E M R
Beileid an Ora und Familie, Freunde.
A.mOr.


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