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Die ZEIT-Leser November 9, 2013, 17:51

Posted by Lila in Presseschau.
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zeigen, daß sie in Reaktion auf einen Artikel über Antisemitismus wieder antisemitische Klischees produzieren. Es ist wie ein Zirkel. Sie können nicht anders.

So steht es im Artikel:

Obwohl besonders in Deutschland ein Bewusstsein für dieses Thema herrschen sollte, vermisst man bei der Amadeu-Antonio-Stiftung eine öffentliche Auseinandersetzung mit Antisemitismus. „Viele halten Judenfeindlichkeit für ein Problem der Anderen. Dabei verwenden sie – häufig unbewusst – selbst antisemitische Stereotype im Alltag.“

Und die Reaktionen?

Die Menschen müssten bei ihrenArgumentationen zum Nahost-Konflikt einfach einmal in ihren Schädel bekommen, dass es nicht „die Juden“ sind, die Teile des palästinänischen Gebiets völkerrechtswidrig annektieren, sondern der Staat Israel.

Fertig ist der Lack.

Die Politik eines Staates auf die mehrheitliche Religionsgruppe desselben umzulegen ist gefährlich und dumm.

Und dass Israel als Staat die Holocaust-Keule gerne mal aus dem Keller holt und sich ein paar unterseeische Aussichtsboote zu ergaunern steht wohl außer Frage…

Holocaust-Keule und dumpfe Übernahme der palästinensischen Propaganda – äh, des Narrativs.

Ich würde mal behaupten, dass Islamgläubige in unserer Gesellschaft was Diskriminierung angeht eindeutig schlimmer dran sind.

Außerdem wüsste ich persönlich nicht mal wie ich Juden diskriminieren sollte. Ich kenne ja keinen. bzw. ich würde wohl gar nicht merken, wenn ich vor einem stehe.

Relativierung und Verharmlosung.

Im Übrigen verhält es sich in Israel auch nicht anders in Sachen Rassismus.

Rechtfertigung durch Umkehrung.

Rassimus ist grundsätzlich gesellschaftsfähig geworden. In Russland, Frankreich, Deutschland oder eben auch in Israel wird gegen Minderheiten gehetzt.

Dito.

Nach der Argumentation wäre man als Deutscher auch schwer diskriminiert, wenn man unter ein x-beliebiges Rammstein-video schaut und die Nazi-Debatte wieder aufflammt.

Dito. Samt selbstmitleidiger „ach wir armen Deutschen“-Finte. Als wären antisemitische Märchen genauso zu bewerten wie historische Tatsachen des 20. Jahrhunderts.

Ich persönlich denke das die „Judenfeindlichkeit“ in manchen Teilen der Bevölkerung einfach nur aus dem Verhalten Israels herrührt.
Die Politik Israels schätze ich als eine „Grundlage“ für „Judenfeindlichkeit ein – die „berühmtberüchtigte Keule“ tut ihr übriges dazu.

Victim blaming.

Und als Beispiel wird dann Günther Grass angeführt. Dass sein Gedicht eine offene Kritik an dem Politik Israels war, ist eindeutig. War es antisemitisch? Ich behaupte Nein. Er hat nicht an dem Existenzrecht Israels gezweifelt. Und nur weil man sagt, dass Israel sich gefälligst an UN-Resolutionen zu halten hat und damit seine Grenzen anpassen müsste, ist es nicht antisemitisch.

Genauso die Vorteile aus dem Holocaust: Wurde nicht bekannt, dass in den USA gründlich mit den Geldern beschissen wurde? Warum ist das dann Antisemitismus, wenn man darauf hinweist?

Als Israel-Kritik getarnter latenter Antisemitismus.

Wer die völkerrechtswidrige Politik des Staates Israel kritisiert, argumentiert judenfeindlich? Wer anmerkt, dass der Holocaust leider von einigen dazu instrumentalisiert wird, um gegenwärtige Verstöße gegen Menschenrechte und internationales Recht zu recht fertigen, ist ein Antisemit?

Eine solche Argumentation erscheint mir unanständig.

Das Wort Anstand in dem Kontext zu benutzen, ist besonders übelriechend. Woher wissen die dummen Hanseln denn, ob Israels Handeln völkerrechtswidrig ist? Haben sie irgendwo gelesen. Keiner von ihnen hat es wirklich überprüft.

Der Staat Israel gehört für mich zu meiner persönlichen Achse des Bösen; Kriegstreiber, Unterdrücker, Mörder. Aber ein Jude in Deutschland… ist mir herzlich egal, woran die Leute glauben, so lange sie mich nicht missionieren wollen, sollen sie machen, was sie wollen. In meiner Schule gab es sogar zwei Söhne aus jüdischen Familien – wär mir gar nicht aufgefallen, hätte ich nicht irgendwann in der Zeitung gelesen, daß ihr Vater irgendwas mit der jüdischen Gemeinde der Stadt zu tun gehabt hätte. Ich denke mir oft, daß gewisse Juden (Zentralrat usw) nur deshalb diskriminiert werden, weil sie ständig ein großes Schild mit „Diskriminierung“ vor sich her tragen.

Victim blaming, Haß auf Israel. Ganz schön harter Tobak. Keinerlei Einsicht, daß da gerade übelste Beschimpfungen auf der Kommentarseite gelandet sind. Weil es dem Schreiber doch egal war, daß auf der Schulbank „sogar“ zwei Juden saßen. Da kann er ja sehr stolz auf sich sein.

Wenn sie gesellschaftlich manifestierten Rassismus erleben wollen, besuchen sie die Indianer-Reservate im Land der Freiheit.
Oder den Gaza-Streifen.

Wie bitte?

„Unter den jüdischen Mitbürgern finden Sie Atheisten jüdischer Abstammung“
Diese Gleichsetzung von Religion mit Staat, Kulturkreis UND einer selbstgepflegten (!), ja was eigentich? Rasse, Volk? Gruselig.

Gern auch die dumpfe Gleichsetzung von Judentum mit Bekenntnisreligionen. Völliges Unverständnis dafür, daß andere Völker vielleicht ein anderes Selbstverständnis haben.

Ich finde es auch immer wieder interessant, wie eine Glaubensrichtung zu einer Ethnie umdefiniert wird. Dass das die Juden selbst tun, ist mir klar, aber man spiele das mal gedanklich mit anderen Glaubensrichtungen durch. Das christliche Volk, das muslimische Volk, das hinduistische Volk, das buddhistische Volk, das shintoistische Volk usw.

Dito. In der Wortwahl offenbart sich die Abneigung gegen Juden. Der Schreiber spricht ihnen das Recht ab, sich selbst zu definieren, weil er selbst es anders kennt.

Mein persönlicher Eindruck ist eher, dass die Stimmung insgesamt religionsfeindlich ist und dass sich alle Menschen, die äußerlich zu erkennen geben, dass sie gläubig sind, Anfeindungen gegenüber sehen.

Wenn man diese Umfrage und Muslimen oder Zeugen Jehovas oder den Evangelikalen macht, würde wahrscheinlich genau das gleiche Ergebnis heraus kommen.

Naive Verharmlosung und Ableugnung der Tatsachen.

Aber es gibt „genug“ Juden,…die deshalb „auf dicke Hose“ machen.

Was in diesem Fall „genug“ heißt kann sehr variieren und es kann auch eine sehr kleine aber „gut organiseirte“ Minderheit sein, die aber:

a) sehr medienpräsent ist

b) darstellen kann, dass sie irgendwie Einfluss ausüben kann

und

c) meistens und trocken „weit weg vom Schuss“ sind.

Nehmen wir doch zu Beispiel die Augstein-Debatte, dass war für den „informierten dt. Beobachter“ einfach nur lachhaft.

Da kommt eine US Organisation an, die von den lokalen Verhältnissen hier in Deutschland keine Ahnung hat, sich dann einen „Dritte Liga“ Journalisten als Quelle ranzieht und wenn man Ihr dann erklärt, „da habt ihr aber daneben gehauen“, sich noch als mehr als rechthaberisch erweist.

Die jüdische Weltverschwörung.

Andererseits aber betonen die israelischen Politiker derzeit immer wieder gern, dass Israel als Staat der Juden zu verstehen sein soll. In den letzten Verhandlungen mit den Palästinensern wollten sie es sogar ausdrücklich in den Friedensvertrag aufnehmen. (ZEIT berichtete) Bei den derzeitigen Verhandlungen wird sicherlich Ähnliches zur Debatte stehen.

Teile Israels verstehen daher jede Kritik oder Aktion gegen Israel automatisch als einen Angriff auf das Judentum.

Ableugnung des Zusammenhangs der Alibifunktion von „Israel-Kritik“ – hinter der sich oft genug Antisemitismus versteckt, der Israel als Zielscheibe für Kritik auswählt, bei anderen Ländern aber Nachsicht übt.

Einige offizielle Vertreter zeigen sich auch extrem schwierig, wenn einzelne Aspekte der Staatsführung Israels oder jüdischer Riten kritisiert werden.
Ist es schon Antisemitismus, wenn diese persönliche Starrköpfigkeit einiger führender Vertreter auf die durch sie vertretene Gruppe zurückfällt?
Ist es Antisemitismus, wenn ich glaube, dass diese Personen dem Antisemitismus unabsichtlich zuarbeiten?
Ist es Antisemitismus, wenn ich die jüdische Religion ablehne und mit Argwohn betrachte, weil ich alle Religionen ablehne und mit Argwohn betrachte?

Die öffentliche Diskussion über Antisemitismus braucht mehr Klarheit.
Er muss viel deutlicher abgegrenzt werden von der Kritik an Israel und der Kritik an jüdischen Glaubensvertretern.
Und diese Forderung geht selbstverständlich auch genau an diese beiden.

Hier sieht man diese Alibi-Funktion ganz deutlich. Angeblich geht es gegen Israel – aber die jüdischen Riten kommen sofort hinterher. Von den Juden wird gefordert, daß sie den Antisemitismus bekämpfen.

Mir geht es jedenfalls genau so wie einigen der Vorkommentatoren: ich kenne persönlich keinen jüdischen Mitbürger, in der Region gibt es kein (sichtbares) jüdisches Leben wie etwa in Berlin.
Für mich ein reines Medienthema bei dem allerdings auffällt, dass es sich auf die Behauptung, der Antisemitismus sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen und gesellschaftsfähig, konzentriert.
Was nichts daran ändert, daß ich an meinem Recht auf freie Meinungsäußerung bestehe und z.B. Eric Broder suspekt finde.
Und der Meinung bin, dass man ein irreversibles körperliches Merkmal als Zeichen der Religionszugehörigkeit im mündigen Alter selbst wählen sollte.
Das muss eine Weltreligion ertragen können.
Wenn nicht, dann hat sie ein Problem, nicht ich.

Hinweis: Grass und Besch(n)eidungsdebatte

Grass ist sehr beliebt. Broder wird umbenannt. Ignoranz wird zur Tugend erklärt.

Eine Nation, deren Nachfahren der Bürger des Dritten Reichs alles getan haben, um sich zu entschuldigen, sich immer wieder erniedrigt haben wegen des Holocausts, gezahlt haben, zulassen, dass immer wieder auf vergangene Verbrechen hingewiesen wird, eine Mahnmal in der Mitte der Hauptstadt zulassen – ja wat denn nun noch?
Es muss einfach mal Schluß sein mit den Vorwürfen in der deutschen Presse. Wir führen keine Kriege, wir annektieren keine Länder, auch Nichtdeutsche fallen unter unser Grundgesetz, wir nehmen ständig Flüchtlinge auf, wir zahlen ständig für die EU. Dafür lassen wir uns ständig als Nazis beschimpfen. Ich möchte das nicht mehr mitmachen.

Poor little me-me-me. Deutschland hat sich von der Schuld doch freigekauft, nicht wahr?

Richtig, wenn dann noch die Israeli begreifen,…dass sie nicht jede Kritik an ihrem Staat mit angeblicher Judenfeindlichkeit mundtot machen können, gibt es keine Probleme mehr.

Ja klar. Das ist überhaupt DAS Problem der Welt. (Ich kann es hassen, wenn der Plural von Israeli ebenfalls Israeli ist. Als wäre der Singular Israelus. Ein Israelus, viele Israeli. Meeensch, das heißt Israelis!)

Bei Freunden merkt man doch recht schnell wie sie ticken Man spricht doch miteinander. Das man aber niemanden die Religion an der Nase ablesen kann behauptet doch keiner.

Das gleich gilt für Christen, Muslime und Sektierer.

Ich kann aber die Wahrnehmung vieler hier teilen: Ich habe keine Juden kennengelernt.

Und das ist mir egal.

Gegenseitig, ganz bestimmt.

Wenn sie einen friedlich vor sich hin werkelnden Menschen ständig fragen: „Warum bist du so schlecht gelaunt, warum bist du so zornig, was hast du gegen mich?“. so werden sie sehr schnell eine Reaktion erfahren, die von Irritation in Zorn übergeht.

Sie haben durch ihre Fragen die Situation erst geschaffen, die Sie unterstellen.

Jeder von uns kann solche Situationen sich im Privaten vorstellen.

Nun, so etwas funktioniert auch im Großen. Auch ganze Länder können irritiert und zornig werden, wenn sie ständig mit solchen Debatten genervt werden.

Ja, wenn man Antisemitismus feststellt, dann treibt man ihn in die Höhe. Klassisches victim blaming.

Auch ist Naheliegendes schon gesagt worden. Die offizielle Politik Israels
ist seit 50 Jahren getragen von Größenwahn, totaler Sebstüberschätzung, ja Hybris, gegenüber vielen anderen Nationen im „Nahen Osten“;
aber eben auch Spiegelbild „allgemeiner Arabischer Befindlichkeiten“ (der Menschen und deren Lebensumstände). Seit 20 Jahren ist es in Israel einhellige Meinung (nur unter Akademikern ???), daß deren Politiker vor dem Hintergrund o.g. Details Israelisches Volksvermögen verbrennen; und dies seit mindestens 30 Jahren !!! Auch das kann ich nicht beurteilen !!!
Aber seit 30 Jahren muß ich mir diesen Israelischen Irrsinn zumuten,
diese Idiotien von „Krieg und Frieden“ mit den Palästinensern. Und zwar getragen von Politikern; und nicht von Bevölkerungsschichten !!!

Der arme Mensch leidet nun schon seit dreißig Jahren unter israelischem Irrsinn. Kein Wunder, daß er die Faxen dick hat, nicht wahr? Da sollen diese Israelis sich nicht wundern. Ach so, es ging um Juden? Ach, alles dasselbe.

Ich kenne soweit ich weiß auch keinen Juden. Ich weiß aber auch nicht wieviele Katholiken ich kenne und wieviele Buddhisten. Weil sie eben, wie Sie ja sagen, keine Erkennungsmerkmale (mehr) tragen (wollen).

Was ich an dem von Ihnen kritisierten Beitrag verstanden habe, war, dass ich selbst (in meinem Erfahrungsbereich) gar nicht wüsste, wer da diskriminiert werden könnte. Eben weil man es den Leuten zum Glück nicht mehr an sieht. Das trägt bestimmt dazu bei, dass sich Ressentiments nicht an optischen Merkmalen festmachen können.
Und dass ich keinen Juden kenne empfinde ich auch nicht als ignorant (als versteckten Antisemitismus) sondern einfach nur als konsequente Absage an eben die kritisierten Unterscheidungen.

Verharmlosung. Wenn man keinen Juden kennt, kann man ja auch keine diskriminieren, dementsprechend ja auch nciht Antisemit sein, nicht wahr? Und wenn man nun die Anzahl der Juden gegen Antisemiten in Deutschland aufrechnet? Dann findet man heraus, daß die meisten Antisemiten gar keine Juden kennen. Das ist ja das Schöne am Antisemitismus: es funktioniert auch gänzlich ohne Juden.

Also erstens mal können Moslems nicht antisemitisch sein, denn sie sind teilweise selber Semiten, also Nachfahren von Sem. Die anderen sind Nachfahren von Ham, also die Hamiten.

Auf den Bullshit habe ich natürlich gewartet.

Ich… persönlich sehe mich nicht als Judenfeindlich, habe aber so meine Probleme mit dem Staat Israel. Unrecht rechtfertigt kein Unrecht, Israel muss eine Lösung finden und endlich den Palästinensern auf Augenhöhe begegnen.

Israel muß, Israel sollte. Schon mal nachgezählt, wie oft Israel den Palästinensern „auf Augenhöhe“ begegnet ist? Und was dann als nächstes geschah?

Natürlich ist es traurig, falls das wirklich stimmt, dass in Deutschland der Antisemitismus wieder steigt. Antisemitismus ist genausoschlimm wie jegliche andere „Rassen“diskriminierung auch und ist somit verurteilenswert.

Antizionismus – d.h. eine sich wach wähnende Geisteshaltung gegenüber zionistischem Besatzergebaren in Israel – ist jedoch nicht nur noch wie vor, sondern besser, mehr denn je – SEHR WOHL berechtigt.

Victim blaming.

Es verwundert mich ehrlich gesagt, dass mehrere Studien einen vermehrten Anstieg an Antisemitismus zeigen. In meinem direkten Umfeld ist mir tatsächlich nie so etwas untergekommen. Vielleicht ist mein Umfeld auch einfach nicht repräsentativ, wie auch immer. Jedenfalls stimme ich zu, dass man zwischen Israel und dem Judentum differenzieren muss. Man kann nicht schlicht und ergreifend jeden Juden für Israels Politik gegenüber Palästina verantwortlich machen, dass ist blanker Unsinn. Allerdings muss gleichzeitig ein Organ wie der Zentralrat der Juden vorsichtig sein, nicht selber zu dieser unglückseeligen Entwicklung beizutragen. Denn man kann auch nicht Israelkritik mit Antisemitismus gleichsetzen.

Immer derselbe unreflektierte Mist. Nur schnell den Vorwurf loswerden. Nur schnell die Möglichkeit wegwischen, daß vielleicht nicht die Juden schuld sind, daß Israelkritik und Antisemitismus vielleicht doch Verwandte sind. (Schon mal was von Belgienkritik, Türkeikritik, Polenkritik, Nigeriakritik, Australienkritik als Weltanschauung gehört? Immer diese Juden mit ihren Extrawürsten…)

Was liest man denn in den Foren, was sind die „Klischees“, die offenbar nicht genannt werden dürfen ohne sich den reflexartigen Vorwurf des Antisemitismus einzuhandeln? „Den Juden“ wird ein (zu) großer Einfluß in unserer westlichen Gesellschaft unterstellt. Dieser Einfluß ist nicht zu leugnen – nicht in den Medien, der Wissenschaft, der Finanzen und der Politik.

Israel ist heute Realität, in den Augen vieler ein Unrechtsstaat. Dieser Staat hat – dieser Meinung sind auch viele jüdische Gläubige – nichts mit der Religion zu tun, sondern mit den Machtverhältnissen der USA. Deshalb ist es so wichtig, dass der Nahe Osten endlich Frieden findet.

Und noch einer. Gern zitiert man auch Juden als Kronzeugen.

Später dann spielte Neid eine zunehmend große Rolle, am meisten bei den Nazis. Die jüdische Kultur legt seit jeher sehr viel Wert auf Bildung. In Folge davon, waren und sind Juden in vielen Ländern sozio-ökonomisch besser gestellt als die restliche Bevölkerung. In Berlin erreichen vor dem Krieg 90% aller jüdischen Schüler das Abitur – Jungen wie Mädchen -, aber nur 20 Prozent der Bio-Deutschen. Das löste bei vielen Neidgefühle aus.

Als Thomas Mann 1929 den Nobelpreis für Literatur gewonnen hat, hatten die Nazis Schaum vor Mund vor Wut, anstatt sich zu freuen. Sie waren neidisch, dass ausgerechnet ein Jude die höchste literarische Auszeichnung für Deutschland holt und kein „Arier“.

Das ist echt ein Knüller. Thomas Mann als Jude.

Es ist beschämend wie heute die Opfer des Holocaust mit solchen Handlungen verunglimpft werden, weitaus schlimmer als Antisemiten es je könnten. Was ist wohl schlimmer? Eine nicht ernst zu nehmende Minderheit die Juden auf rassistischer Basis Eigenschaften zuschreibt oder aber eine traurige Mehrheit, die mittlerweile aufgrund fehlgeleiteter Political Correctness so ziemlich alles was auch nur im Entferntesten in der Hinsicht Juden betrifft als antisemitisch bezeichnet?

Die Leidtragenden sind die heute lebenden Juden, aber vor allem die damaligen Opfer des Holocaust, die mit jeder solcher Äußerungen relativiert werden!
Damit verkommt die eigentliche Intention, nämlich die Verhinderung eines weiteren Völkermordes zu einer Farce. Und leider muss ich sagen, dass vor allem die israelische Regierung hier einen großartigen Beitrag geleistet hat, neben solchen Leute wie Bode oder Knobloch.

Die Juden sind selbst schuld. Warum haben sie auch den Antisemitismus erfunden?

Tatsache ist aber auch, dass nicht überall Antisemitismus drin steckt, wo Zeitungen über Antisemitismus schreiben oder es von vermeintlichen Opfern behauptet wird. So wie die Beschneidungsdebatte gezeigt hat, dass Wissenschaftlichkeit keine Rolle spielt, wenn es um Anklagen gegen Muslime und Juden geht, hat auch der Verleumdungsversuch des Simon Wiesenthal Zentrums gegen Augstein gezeigt, dass ver der Verleumdung andienende Antisemitismusbeschuldigungen systematisch in Medien gegen jene eingesetzt werden, die die Völkerrechtsverbrechen Israels ansprechen.

Sicher werden die Israelischen Verbrechen und Israels Kampf gegen das Existenzrecht Palästinas auch von Antisemiten ausgenutzt, um Hassattacken gegen Juden auszuleben, so wie das kriminelle Verhalten sozial benachteiligter kriminalisierter jugendlicher Ethnomoslems ausgenutzt wird, gegen Moslems zu hetzen.

Aber leider werden auch sehr viele Menschenrechtler systematisch als Antisemiten verleumdet

www.youtube.com/watch?v=L…

sodass man bei steigendem Antisemitismus in Umfragen erst schauen muss, ob nicht wieder israelische Verbrechen beschützt werden.

Ja ja…

Wie mans nimmt. Ich begreife eigntlich sehr gut, aber bezüglich der Definitionen im Umfeld des Judentums weigere ich mich, so manches zu begreifen.

Von einer Idee (nichts anderes ist eine Religion) stammt man einfach nicht ab.
Da hat man höchstens kulturelle Wurzeln.
Da macht auch das Judentum keine Ausnahme.

Mag sich pedantisch anhören, ist es aber keinesfalls.
Ich gestehe es keiner Religion zu, dass sie lediglich geistig verbundene zu ihrem Volk und damit ihrer Abstammung annektiert.

Er gesteht es den Juden nicht zu, sich als jüdisches Volk zu sehen. Oh weh, was nun? Wie ist es mit Drusen, Tscherkessen und anderen ethno-religiösen Gruppen, gesteht er es ihnen zu?

…es gibt leider immer wieder Menschen, die eine diesbezügliche Kritik an das Verhalten Israels als Antisemitismus bezeichnen. Dabei hat man den Eindruck, es geschieht absichtlich falsch, um eine Kritik an israelischer Politik ganz generell zu unterbinden.

Und wenn die EU nunmehr Juden nach ihren Erfahrungen mit Antisemitismus befragt, was natürlich okay ist, dann sollte sie auch eine Gegenprobe bei der übrigen Bevölkerung machen, bevor sie die Aussage tätigt, der Antisemitismus habe stark zugenommen. Für mich ist eine solche Behauptung ganz einfach falsch und ‚betriebsblind‘! Für 99,9% der Bevölkerung ist Antisemitismus lediglich ein Fremdwort, über das es sich nicht lohnt zu reden, weil sie damit ’nichts am Hut haben‘ (siehe Rede Martin Walsers 1998 anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Paulskirche Frankfurt).

Sie wollen sich die Israelkritik einfach nicht nehmen lassen.

Wer jeden Mikroschritt im Friedensprozess mit Siedlungsbau auf Land quittiert, das ihm nicht gehört, der muss sich dafür auch Kritik anhören lassen. Das hat nichts mit Antisemitismus zu tun, das ist gesunder Menschenverstand. Ich bin auch nicht Antipalästinensisch, wenn ich den Beschuss Israels durch die Palästinenser kritisiere.

Das hier bei Kritik am Siedlungsbau von Leuten wie Knobloch, Friedmann oder Henryk M. Broder – also Personen die entweder Vertreter der jüdischen Gemeinde sind oder so wahrgenommen werden – regelmäßig die Anti-Keule ausgepackt wird, ist wenig hilfreich. Gibt es eigentlich auch jüdische Organisationen, die die Besatzung kritisch sehen? Oder sind alle auf der Netanjahu-Linie?

Ich habe nichts gegen Juden und gegen Israel, mir gehen nur Fanatiker auf den Geist.

Ach Gott. Ich bin auf Seite 13 von 15. Ich laß es. Das hält ja kein Mensch aus. Vorgefertigte stereotype Redewendungen. Aus dem Wörterbuch des als Israel-Kritiker verkleideten Antisemiten. Alle plappern sie dasselbe.

Sagt mir nicht, daß das nicht der deutsche Mainstream ist.

Er ist es. In Reinkultur.

Kommentare»

1. Jack - November 9, 2013, 18:36

Ist er nicht, Lila.
Immer diese Extreme, selbst bei Dir, schwarz oder weiss. Der Mainstream liest überhaupt nicht DIE ZEIT. Der Mainstream popelt vielleicht in Nase, solche Sachen halt. Ich will einen wieder aufkommenden Antisemitismus gar nicht leugnen oder verharmlosen, gerade in einigen Ländern wie offensichtlich Ungarn, das würde mir fern liegen, aber ich frage mich trotzdem, ob er tatsächlich die letzten Jahre angestiegen ist oder die Möglichkeiten der neuen Medien, sich derart laut äußeren zu können, in immer neuere und schnellere Dimensionen vorstößt. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem. Dagegen ist anzugehen, aber weniger durch eine Dramatisierung, sondern mit Engagement und Aufklärung. Da kann jeder was tun. Und das tun auch viele.

Ein anderes Beispiel: Ich glaube auch nicht, dass die Mehrheit der Deutschen so jämmerlich beleidigt ist wegen der NSA-Sachen wie die sich allzu gern wichtig nehmenden Journalisten. Ich denken vielmehr, dass tatsächlich viel mehr Menschen eine eine recht nüchterne Sicht auf diese Dinge haben, ähnlich wie es hier wunderbar erfrischend von (öffentlich-rechtlich!) Dagmar zu lesen ist.
http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/kommentare/usa523.html
Oder anders gesagt, guck mal auf das Foto. Die meisten Menschen sehen nämlich eher aus wie Dagmar, halt normal aus dem Leben heraus und nicht so arrogant, schnöselig und klugscheisserisch abgehoben wie z.B. Jacob der Augstein. Oder so wie einige der DIE ZEIT-LeserInnen in ihren riesigen Hamburger Altbauwohnungen mit hübschen Lampen und hohen Decken.
In diesem Zusammenhang :-), ist Dir schon mal aufgefallen, das viele alte Häuser mit Altbauwohnungen nachträglich Fahrstühle eingebaut bekommen haben, selbst wenn sie nur vier Stockwerke haben. Wenn Du mich fragst, das lässt tief blicken. Die DIE ZEIT-LeserInnen-BewohnerInnen dort drinnen wissen alles besser, sind aber selbst zu faul auch nur zwei Stockwerke die Treppe hoch oder runter zu gehen.
Oh man, ich bin selbst erstaunt und begeistert, wie sehr ich meine Vorurteile pflege. In diesem Sinn dann doch gerne schwarz oder weiss. 🙂

2. willow - November 9, 2013, 19:55

Schon klar Jack, Zeit-Leser sind durchweg reiche alte Spießer … aber seltsamerweise sieht es weder beim Spiegel noch bei der TAZ (reden wir nich über „Neues Deutschland“ die „Jungen Welt“) eher nicht besser aus.

PS: Übrigens, im ach so schlimmen Ungarn war es überhaupt kein Problem, mit hebräisch bedruckten Klamotten herumzulaufen – im ach so unproblematischen Deutschland dagegen kriege ich da regelmäßig eklige Bemerkungen … seltsam, nich?

PPS: wenn du es richtig eklig magst, dann geh doch einfach mal auf die Facebookseite von Gregor Gysi und lies dir die Kommentare zum 9.11. durch …

3. grenzgaenge - November 9, 2013, 20:24

Ach ja, leider darf ich hier ja keine Körperflüssigkeiten verteilen (Jack).

Ob der Mainstream die Zeit liest, finde ich ziemlich unbedeutend. Die Kommentare sind jedenfalls Mainstream. Leider auch, mehr und mehr, in konservativen Kreisen der Bevölkerung. Das es noch viel schlimmer geht, stimmt natürlich …

Aber es ist ja schön das heute der 9. November ist. Da können die ganzen Mainstreamer dann ihre Tränchen über die armen toten Juden weinen, die sie am liebsten in Israel, nun: nicht vergast, sehen würden. Das sagen unsere korrekten Pathologen heute ja nicht mehr.

Ein kleiner, süsser, kollektiver Suizid im Mittelmeer, vorzugsweise in der Region Tel Aviv, ist doch auch viel netter.

Da kann man dann ein hübsches Freudenmal (Sorry: Mahnmal) hinbauen und, medienwirksam, ein paar Tränchen vergiessen, bevor man den vollendeten Holocaust, zusammen mit den Freunden in Gaza, feiert.

4. Jack - November 9, 2013, 20:39

Willow, die meisten Leute die DIE ZEIT kaufen, die machen das wegen der Stellen-Anzeigen. Das war mal das Ergebnis einer Umfrage von vor 20 Jahren oder so, das fand ich damals echt witzig und hab’s nicht vergessen. 🙂

Und reiche Alte sind meist viel weniger Spießer als die heutzutage viel jüngeren angepassten oberen Mittelschicht-Leute bzw. solche, die sich dazu zählen. Denn das sind oft die, die gerne austeilen, aber nichts abgeben. Ist wohl Angst oder so. Oder typisch. 🙂

5. Lila - November 9, 2013, 20:47

Zweifellos besteht ein Unterschied zwischen den Abonnenten der alten gedruckten ZEIT (die ich ja auch jahrzehntelang gelesen habe und deren Stellen-Anzeigenteil wirklich beeindruckend war) und der ZEIT online, wo sich weniger bildungsbürgerliches Gesocks, äh, Publikum rumtreibt.

aber daß mindestens die Hälfte der Kommentare vollkommen unreflektierte Abwehr darstellen, ist kein Zufall.

Du bist ein Glückskind und kennst nur nette, kluge Leute, die nciht einfach nachplappern, was sie selbst entlastet und „den Juden“ die Schuld selbst für ihren eigenen Antisemitismus aufbürdet.

Nicht jeder hat so viel Glück.

6. grenzgaenge - November 9, 2013, 21:02

„Nicht jeder hat so viel Glück.“ -> Tja, liebe Lila, was soll ich sagen ??

7. Jack - November 9, 2013, 21:07

Lila, wie stellst Du Dir eigentlich vor? Dass z.B. hier in Deutschland von 80 Millionen Menschen, was weiß ich, zieh 20 Millionen Kinder und so ab, also dass 60 Millionen vorm Computer hocken und nichts besseres zu tun haben, als dort, so wie ich gerade, etwas reinzuschreiben.
So sieht die Wirklichkeit nicht aus und auch nicht Mehrheit. Zudem glauben Menschen auch nicht alles was andere schreiben und behaupten. Mit Glückskind hat das wenig zu tun, du brauchst dieses Bild nicht bemühen.

Und selbst wenn mein Liebling, König Richard, schreibt, dass das Erinnern bzw. Gedenken an den 9 November jedes Jahre mehr oder weniger routiniert durchgewunken wird, so ist es gerade in diesem Jahr irgendwie anders. Wenn mich nicht alles täuscht ist diese Datum gerade dieses Jahr viel präsenter in den Medien. Vielleicht oder wahrscheinlich gerade auch wegen des aufkommenden Antisemitismus. Und das ist doch aus dem Negativen heraus ein positives Signal. Und das zählt, ist schon mal ein Punkt.

8. Jack - November 9, 2013, 21:42

grenzgaenge,
was denn für Körperflüssigkeiten? Was darfst Du nicht? Möchtest Du mich gerne anspucken und anpinkeln?
Oh, das geht nicht, ist ein Computer. Guck mal genau hin. Partly truth and partly fiction. Hör ruhig mal rein. 🙂

9. nussknacker56 - November 10, 2013, 0:04

Lila, lassen Sie es. Es ist nicht zum Aushalten.

Die Zeit ist z.B. der SZ bei weitem vorzuziehen. Doch Zeit.online ist – zumindest bei mir – übelst beleumdet. Dabei finde ich ein „betreutes“ Forum im Prinzip gut und richtig. Ich verstehe auch, dass es dabei immer wieder zu Konflikten kommt und kommen muss.

Doch mein sich wiederholender Eindruck ist, dass bei Zeit.online die betreuenden Personen eine stark tendenziöse Ausrichtung haben. Das ist ein schlimmer Vorwurf, den auszusprechen ich jedoch einigen Grund habe.

Auffällig ist, dass beim Thema Israel, Antisemitismus jeder Auswurf veröffentlicht wird, hierbei also eine große „Toleranzbreite“ herrscht. Beim Versuch zu kontern, muss, in auffälligem Gegensatz dazu, äußerst sorgfältig darauf geachtet werden, dass man „beim Thema“ bleibt, ansonsten erfolgt die Löschung des Beitrags.

Selbst eine formale Bitte, einen Thread zu schließen, weil ein sich nachträglich einklinkender Forist nach Abflauen der Hauptphase, zwei Tage später, die Gelegenheit nutzen wollte, einige weitere Unflätigkeiten abzusondern wurde lediglich mit folgendem Kommentar bedacht:

Kritik an der Moderation können Sie gerne an community@zeit.de richten. Darüber hinaus bitten wir darum, zum konkreten Artikelthema zu diskutieren. Danke, die Redaktion/jk

Ein monierter Beitrag wurde zwar gelöscht, meine Bitte mit Begründung jedoch gleichfalls. Passiert ist nichts, der Pöbler konnte ungehindert weitere Beiträge lancieren.

Ich habe mir deswegen vorgenommen, bei Zeit.online meine ohnehin schon recht spärlichen Kommentare einzustellen – aber auch gleichzeitig meine „Besuche“ dort stark einzuschränken.

10. Aristobulus - November 10, 2013, 0:35

Jack hat überhaupt keine blasse Ahnung davon, dass irgend Gedenkveranstaltungen wegen toter Juden nichts, aber auch gar nichts mit dem Antisemitismus gegen lebende Juden und mit der Dämonisierung Israels zu tun haben, und er will auch nicht wissen, dass er darüber weder eine Ahnung noch überhaupt einen Draht zu dem Thema hat.

Komisch, obgleich Jack gern viele Worte macht und seine Aussagen gern verabsolutiert (Achtzigerjahre-Volldurchblicker), kann er nicht mitspüren. Was fehlt ihm, das z.B. Nussknacker 56 sehr ausgeprägt besitzt? Warum sieht Jack nie hin, meint aber laufend, er habe am Besten von allen längst dem Volk aufs Maul gesehen?
Und warum behauptet Nussnkacker 56 nie, dass er alles wisse, indem er jedoch sehr gut Bescheid weiß?

11. Wolfram - November 10, 2013, 1:05

Ich hab ungefähr bei der Hälfte aufgehört zu lesen. Da krieg ich Sodbrennen.
Nur eine Anmerkung: natürlich findet man in Gaza jede Menge Rassismus – oder gibts da irgendwo einen jüdischen Menschen, der dort friedlich leben könnte?
Nu aber Schluß, sonst werd ich noch zynisch.

12. Lila - November 10, 2013, 5:51

Jack, der Grenzgänger fängt gern schon mal an, öffentlich zu kotzen, das schränkt er bei mir rücksichtsvollerweise ein, und ich weiß das Opfer zu schätzen.

Was stört Dich? Daß ich mir mal so einen Kommentarstrang angucke? Gestern nacht waren es 15 Seiten, ich habe nicht alle 15 durchgeackert. Großzügig berechnet waren zwei Drittel davon verhüllt oder unverhüllt mit antisemitischem Gift versetzt, also nach Nathan Sharanskys 3-D-Test: demonization, deligitimation, double standard. Dazu noch in speziell deutscher Manier victim blaming und Abwälzen der eigenen Schuld auf anderer, und als Gipfel Rollentausch als eigentliches Opfer.

Mir ist klar, daß solche Artikel besonders ein bestimmtes Ressentiment-geladenes Publikum anziehen, aber dezidiert anti-antisemitiische Reaktionen kamen nur vereinzelt.

Wenn ich mir in den Zeitungen gleich die Bilder angucke von den ersten Deutschen, die des 9.11. gedenken und sich dabei in Selbstgerechtigkeit und wohlabgewogener Trauer wälzen, dann möchte ich keiner Täuschung unterliegen und mir denken, wie ich jahrelang gedacht habe: ach, sie haben sich doch geändert, WIR haben uns doch geändert.

Ein Teil von uns, ja. Aber wenn die Zahlen der Studien stimmen, dann ist es bis zu einem Drittel von Menschen, bei denen antisemitischer Bodensatz vorhanden und nachweisbar ist.

Und warum genau sollte ich davor die Augen verschließen? Weil ich glücklicher war, als ich es noch nicht so kraß sehen konnte? Schön wär´s, wenn ich dahin zurück könnte. Aber das geht leider nicht.

13. Jack - November 10, 2013, 17:40

Lila, stören tust mich nicht. Du verwunderst mich manchmal nur. Ich mein, ich glorifiziere ja gerne Menschen die ich mag und steigere mich mit Wonne und Liebe in wunderbar glückliche Sphären der Personenhuldigung hinein. Das macht mir Spass und lenkt mich ab. Denn ernst ist anders.

Bei Dir, es sei Dir unbenommen so wie mir :-), steigert sich Deine Dir eigene Arte der Glorifizierung mitunter nur allzu gerne ins Negative hinein. Dass Du offensichtlich anhand von ZEIT-Online Kommentaren und anderen Zeitungsfuzzis-Seiten schlussfolgerst, der deutsche Mainstream (in Reinkultur!) ist der als Israel-Kritiker verkleidete Antisemit – also bei allem Respekt, der dann jedoch zu bröckeln anfängt – das zu behaupten ist wirklich absurd. Und das weißt Du auch, erzähl mir nichts anderes.

Wenn, also wenn dem wirklich, also wirklich so wäre, dann würde ich von hier tatsächlich schon lange weggezogen sein, statt mir das nur (wegen des Wetters und der vielen furchtbar humorlosen und überernsten Leute) immer wieder vorzunehmen.

Ich versuch’s Dir mal anders zu erklären anhand einer realeren Realität. Neulich, da bin ich mit zwei mir lieben Menschen zum Essen gegangen. Das Restaurant am Sonntag abend war sehr voll, so dass man im Foyer von der Empfangsdame erzählt bekam, dass wir ein wenig warten müssen bis ein Tisch frei wird. Da standen wir nun zusammen mit einigen anderen Leuten, alles kein Problem und entspannt. Und dann kam da eine Frau mit Mann und dem offenbar fast schon erwachsenem Sohn, alle drei vom Gesichtsausdruck sich wie ein Ei dem anderen gleichend Typ DIE ZEIT-Leser. Und ich brauchte auch nicht lange warten um mich bestätigt zu fühlen, das ging gleich Schlag auf Schlag. Nachdem die Empfangsdame den Dreien mitteilte, dass sie wegen des starken Andrangs warten müssten, meinte die Frau mit humorlos-ernst-besserwissersicher Ton ’wie lange es denn dauern würde’ und die Empfangsdame meinte ’das könne sie nicht sagen’, worauf die Frau in noch mehr humorlos-ernst-besserwisserischem Ton herabblickend bellte ’SIE MÜSSEN DOCH WISSEN WIE LANGE ES UNGEFÄHR DAUERT’ um daraufhin demonstrativ und abrupt mit Mann und Sohn das Restaurant zu verlassen.
Verstehst Du was ich meine? Das Verhalten dieser drei Menschen, speziell das der Frau, war typisch deutsch. Wirklich typisch typisch typisch deutsch, Aber, und das ist entscheidend, es ist nicht der deutsche Mainstream. Die Drei und speziell die Frau sind nur als typisch deutsch aufgefallen, weil wir und die anderen nicht so sind. Nie so waren und nie so werden. Und doch war es typisch deutsch. Diesen Widerspruch zu ertragen, das müssen wir aushalten können. Und dürfen uns von denen nicht ins Absurde treiben lassen.

Oder nimm grenzgeange. Er hat kein blasse Ahnung wer ich bin, was ich bin und wie ich bin, er liest mich hier nur. Aber er bildet sich eine Meinung mich offenbar anspucken zu müssen. Das ist so absurd wie schon lustig und man hat das Gefühl, er meint es auch noch ernst. Aber so kann man im übertragenen Sinne keine Politik betreiben.
Verstehst Du, Kerry und Obama werfen sich den Iranern nicht in die Arme, auch dann nicht, wenn Du das so schreibst.

14. arabrabenna - November 10, 2013, 18:39

Meiner Beobachtung nach ist der Antisemitismus in D latent da. Er kommt jetzt vermehrt an die Oberfläche. Wenn 5. Klässler als Schimpfwort „du Jude“ benutzen frage ich mich, woher das kommt! Wenn jüdische Gemeinden permanente Polizeipräsenz vor ihren Synagogen brauchen spricht das für mich Bände. Selbst Juden, die „Christen“ geworden sind (sie nennen sich Messianische Juden, weil sie ihr Jüdischsein bewußt leben) müssen sich Äußerungen wie: „Jesus war kein Jude, er hat sich doch taufen lassen!“ von den „lieben“ christlichen „Geschwistern“ anhören. Leiedr ist der Antisemitismus erst durch Christen, vor langer, langer Zeit und ich schäme mich deswegen, denn ich bin Christ. Mir wurde das bewußt, als ich mein erstes mal in Yad Vashem war. Dort hat mich diese Ekenntnis schwerst getroffen! Damit geht es mir gar nicht gut!
Ich weiß nicht, ob vor allem wir Deutschen dazu neigen, gerne Kommentare abzugeben, auch wenn wir keine Ahnung von dem Thema haben, sondern nur was gehört haben von jemandem der gehört hat der jemanden kannte, der z.B. schon mal einen Juden kannte oder gar mal in Israel, pardon Palästina war?

15. grenzgaenge - November 10, 2013, 21:02

„Jack, der Grenzgänger fängt gern schon mal an, öffentlich zu kotzen, das schränkt er bei mir rücksichtsvollerweise ein, und ich weiß das Opfer zu schätzen.“

Nu, Lila, zum Eigenkotzen gibt es die Grenzgänge. Da brauche ich auch keine Eimer. Selbst schuld, wer drauf ausrutscht 🙂
Was nun die Thematik angeht: Es scheint mir ein gutes Zeichen zu sein, das die Gespräche mit dem Iran gescheitert sind. Aber ob München 1938 damit, in unserer Zeit, abgewendet ist, wage ich zu bezweifeln. Zu viele Idioten meinen, noch immer, Appeasement Politik, betreiben zu müssen. 1938 mit Deutschland, 2013 mit dem Iran. Der gute Unterschied ist nur das es einen Staat für das jüdische Volk gibt. Daran wird Obamas Speichellecken in Teheran auch nichts ändern. Bald ist ja wieder Shutdown in Washington. Hoffentlich verlischt der schwarze Stern des Herrn Obama dann endgültig. Das wäre eine wirklich gute Nachricht. Frau Ashton braucht wohl leider ein paar Sterne mehr. Unser Sigmar Gabriel als Vizekanzler und Steinmeier, wieder einmal, als Aussenminister … Ach ja, schwarze Wolken, schwarze Wolken.

Das Gute zum Schluss …

16. Aristobulus - November 12, 2013, 1:58

Was wohl Jacks Beispiel (13) von ein paar Leuten im Restaurant nützen soll?, es hat doch gar nichts mit dem Thema zu tun.

Es hätte freilich damit zu tun, wenn er diese Leute (egal, wen mit welchem Gedichtsausdruck oder welchem Zeitempfinden) gefragt hätte, was sie von Israel hielten. Siebzig Prozent hätten sofort geantwortet, dass Israel den brüchigen Weltfrieden gefährdet und dass „die Besatzung“ irgendwie nazi sei, und knapp ebenso viele hätten geantwortet, dass die Juden in Amerika zuviel Einfluss hätten und dass „Berlin sich beugt, wenn Jerusalem anruft“.

Aber das interessiert Jack nicht. Für ihn ist die Welt der Restaurants und großen Vorgärten 1) eben so eine, und 2) ist alles in bester Ordnung.


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