jump to navigation

Vater, Mutter Oktober 31, 2013, 16:46

Posted by Lila in Muzika israelit.
trackback

So viele hebräische Lieder über Vater und Mutter habe ich schon gehört… ach was, in allen Sprachen werden sie doch bestimmt so ausdauernd besungen. Das sind nun mal die fundamentalsten Beziehungen, und vielleicht die schwierigsten, und egal wie gut man sich löst – man trägt sie doch immer mit sich. Jeder auf seine Art.

Ich weiß wirklich nicht, ob es auch so viele deutsche Mutter-und-Vater-Lieder gibt. Allerdings habe ich ja immer Lacherfolge zuhause, wenn ich mal anfange, deutsche Kinderlieder zu singen.

„Die Mutter klopft das Fell ihm aus bis daß es trocken war“ (klopft mit der entsprechenden Handbewegung…)

„Was machen die Gänse am Martinstag, gi-ga-gick? – Man führt uns aus dem Stall hinaus zu einem fetten Martinsschmaus – gi-ga-gick, und bricht uns das Genick“

„Kleiner Schelm bist du, weißt du, was ich tu, ich steck dich in den Hafersack und bind ihn oben zu. Wenn du dann noch schreist, ach laß mich bitte raus, dann bind ich ihn noch fester zu und setz mich oben drauf…“

„Da kam ein junger Jääägersmann -simsalabasaladusaladim – der schoß den armen Kuckuck tot…“

„Gänsebraten, Gänsespeck, weiche Federn für das Bett – freun sich alle Kinder…“

„Der Hahn ist tot… er kann nicht mehr singen kockodi-kockoda…“

Irgendwie sehr gemütvoll, nicht wahr? Dazu noch Grimms Märchen von der Räuberbraut, der das tote Fingerchen in den Schoß springt, oder dem Blaubart, oder Fitchers Vogel… und der Daumenlutscher mit den blutenden Daumen und das verbrannte Paulinchen…

Ja, das kommt Menschen wie Y., die nicht von klein auf daran gewöhnt sind, merkwürdig und sehr komisch vor. Wir haben uns mal am Tisch unterhalten und diese Lieder gesammelt. Y. und die Kinder haben sehr gelacht. Y. fing an zu schmettern:  „kommt wir marschieren in Norwegen ein, in Griechenland und Schweden…“, woraufhin ich rief: „aber in Schweden sind wir nicht einmarschiert“ und er, „na schön – in Griechenland und Polen…“

Doch zurück zur israelischen Liedkultur, aus der mir ähnlich kernige Sicht der Welt nicht bekannt ist, aber vielleicht fehlt mir da ja einfach die Kenntnis. Fiel mir nur gerade so ein. Bestimmt singen heutige Mütter nur noch Lieder von Rolf Zuckowski, wo sich alle liebhaben. Dann mecker ich ja auch. Also vergeßt das. Wir reden ja auch nicht nur von Kinderliedern.

Gerade weil die Ima-Lieder so populär sind, fange ich mit dem Aba an. Wir fangen mit einem Kinderlied an und werden immer orientalischer – Vorsicht also, wer das nicht vertragen kann 🙂

Yaffa Yarkoni, Le aba sheli yesh sulam – Mein Papa hat eine Leiter

Was gibt es vom Papa zu erzählen? Er ist der Größte, hat die höchste Leiter, er kann Englisch, Französisch und sogar Mathe, aber wenn das Kind ihm was vorsingt, schläft er ein…

Eviatar Banai, Aba (hebräischer Text hier)

Shlomi Shabat, Aba

Sarit Hadad, Aba

Dudu Aharon, Aba, verzeih mir

Mir war gar nicht so klar, daß die Lieder an die Väter so fest in orientalischer Hand sind.  Es gibt sogar eine Fassung, die von Vater und Sohn gesungen wird – die mir beide kein Begriff sind, Ishai und Shir Levy. Das ist aber schon Hardcore.

Das einzige Lied, von dem ich mich richtig persönlich angesprochen fühle, ist von Miri Mesika.

Miri Mesika, Achshav ata choser bechasera – Und jetzt kommst du zurück

Wenn ich ein Lied für meinen Vater und mich wählen müßte – das wäre es. Nur daß mein Vater nie den Weg zurück in unser Leben gefunden hat.

Bei den Ima-Liedern fangen wir am besten auch mit einem Kinderlied an – dem Klassiker am Muttertag.

Ist das Chani Nachmias? Ima yekara li – Meine liebe Mama

Das ist doch wirklich nicht fair. Beim Kinderlied um den Papa geht es um groß, stark und klug – beim Lied für die Mama um Liebe. Sie hat mich lieb, ich hab sie lieb. Die Mama muß nichts bringen, nichts können, keine Leitern bis zum Himmel anstellen, sie ist auch so die liebste, beste. Tja. Die Erwachsenen-Lieder zeigen dann, daß auch das Verhältnis zum Vater ein emotionales und schwieriges ist.

Doch zurück zur Mutter. Ein paar klassikot zu Anfang.

Ohne das jiddische Lied von der jiddischen Mame geht es nicht – das war das Lieblingslied von Y.s Großmutter, die ihre geliebte Mutter im Warschauer Ghetto verlore und nie darüber wegkam. Der Name dieser Urgroßutter kehrt in der Familie in vielen Abwandlungen immer wieder. Als die Großmutter selbst starb, sangen ihre vier Kinder ihr das Lied über dem Grab.

Regine Zylberberg, Jidische Mame

Arik Einstein, Ima

Shula Chen, Ima

Ruhama Raz, Boi ima – Komm, Mutter

Amir Benayoun, Boi ima

Das ist die orientalische Interpretation. Überhaupt scheint jeder orientalische Sänger ein Lied für jedes Elternteil parat zu haben.

Dudu Aharon, Ima yekara – Liebe Mutter

Moshe Peretz, Ima

Maor Edri, Ima sheli – meine Mutter

Ethnix, Ima

Harel Moyal liebt seine Mutter.

Harel Moyal, Ima

Und auch Töchter besingen ihre Mütter.

Riki Gal, Ilu yacholit – wenn ich könnte

Sarit Avitan, Ima

Sarit Hadad, Ima

Meine Güte, was für eine Menge von Liedern an die Mutter! Nur shalom ist wohl beliebter als ima – ich verweise auf meine alte Sammlung zum Thema. Glaubt nur ja nicht, daß das schon alles war. Es gibt noch viel mehr, aber ich kann nicht mehr.

Als Digestif nach so viel Gefühl, Liebe, Dankbarkeit, Sehnsucht und unbewältigten Konflikten – Rami Heuberger und Keren Mor. „Die polnische Mutter“. Das legendäre Kammerquintett, vor 20 Jahren gesendet und doch unvergessen. (Wer Hebräisch versteht und einmal anfängt, sich in Szenen der Chamishia hakamerit zu verfangen, der nimmt sich am besten ein paar Stunden frei von der Welt.)

Ist was passiert? Warum rufst du an? Wo bist du? Sag schon, was ist los? Nu, wie geht es Etti? Und den Kindern? Warum rufst du aus dem Büro an? Ist was passiert?

Egal was er antwortet – der Sohn kann es nur falsch machen. Dann begeht er den Fehler zu sagen, er muß schnell weg, zur Beerdigung.

Was für eine Beerdigung? Was, die Mutter von dem und dem? Der Arme ist ja nun Waise, die Mutter war ja noch eine ganz junge Frau. Ja, 93 Jahre alt. So, und da hast du dich daran erinnert, daß du auch eine Mutter hast, hm? Und warum rufst du an? Nun sag schon – was ist los? 

Kommentare»

1. Jack - November 2, 2013, 12:21

Ich wünsch‘ Dir Liebe ohne Leiden, wünscht Vater Udo Tochter Jenny. Und umgekehrt.
Schön war die Zeit. Und die Frisur. 🙂

2. levrak - November 2, 2013, 21:02

In Deutschland hat man’s nicht so mit Eltern… 🙄
http://m.youtube.com/watch?v=jf3iWc6krj8

A.mOr. 😛

PS/
Roggenmehl nehmen, ein Eigelb und bissele Kardamom, ist Dir das Hilfe? 
Ach, Familie… 😉


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s