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Das bekannte Muster Oktober 11, 2013, 12:27

Posted by Lila in Presseschau.
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Immer, wenn Friedensverhandlung, ja nur einfache Gespräche, zwischen Palästinensern und Israel anfangen, beobachten wir einen deutlichen Anstieg – Angriffe von Palästinensern gegen Israelis, was wir hier Terror nennen.

Im Juli fingen die Gespräche an. Als Zeichen ihres guten Willens ließ die israelische Regierung über hundert Terroristen frei und versprach die Freilassung weiterer 250. Im Gegenzug versprachen die Palästinenser, mit dem Terror aufzuhören. Oh nein, Spaß-Spaß, das geschah natürlich nicht, im Gegenzug gaben die Palästinenser nichts, sondern verlangten weitere Freilassungen.

Im September kamen beide Parteien überein, die Gespräche zu intensivieren. Ende September lockte der palästinensische Kellner Nidal Amar seinen Kollegen Tomer Hazan, der neben seinem Wehrdienst im gleichen Restaurant jobbte wie Amar, in sein Heimatdorf und ermordete ihn. Wenige Tage später schoß ein palästinensischer Scharfschütze den Soldaten Gal Kobi tot – man mag sich auf den Standpunkt stellen, daß ein Schuß auf einen Soldaten kein Terror ist, sondern legitime Gegenwehr. Aber der Scharfschütze schoß nicht im Rahmen irgendwelcher Auseinandersetzungen, sondern einfach so – um einen israelischen Soldaten zu töten.

Vor ein paar Tagen bemerkte ein kleines Mädchen in Psagot, einer Siedlung in der Westbank, einen Palästinenser, der sich auf die Terrasse der Familie schlich. Sie schrie, der Araber stach auf sie ein, sie wurde verletzt, überlebte aber. Es ist möglich, daß Noams Schreien einen Angriff nach dem Vorbild Fogel verhindert hat.

Letzte Nacht bemerkte ein pensionierter Offizier im Jordantal verdächtige Geräusche vor seinem Haus. Er ging nach draußen und wurde dort von zwei Palästinensern mit Eisenstangen und einer Axt erschlagen. Seine Frau konnte sich retten, obwohl die Angreifer nach ihr suchten. Die Polizei ermittelt noch und es ist noch nicht sicher, ob es sich um einen Terror-Akt oder „normale“ Kriminalität handelt.

Aber das sind alles so Ereignisse, die ihren Weg nicht in die Weltpresse finden. Es ist leicht für die Ashtons und Kerrys und Barrosos und Westerwelles dieser Welt, Friedensgespräche anzumahnen. Und zweifellos ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben, das streite ich gar nicht ab. Aber der Preis? Den Preis zahlen Namenlose. Und zurück bleiben Familien, deren Leben zerstört ist. Auch das sollte man bedenken.

Soll Israel wirklich weitere Terroristen freilassen?

 

Update:

Daß diese Friedensgespräche sich inzwischen zu einem Fetisch ausgewachsen haben, der höher steht als Menschenleben, machen die deutschen Schlagzeilen klar:

Nahost-Konflikt: Mord an Siedler gefährdet Friedensprozess

Der Mord an einem jüdischen Siedler im Westjordanland droht, die Friedensgespräche zwischen Israel und Palästina zurückzuwerfen: Mitglieder der Regierung von Premier Netanjahu fordern, die Konfrontation mit den Palästinensern zu suchen. Dabei ist ein politisches Motiv des Mordes noch nicht bewiesen.

Daß der sogenannte Friedensprozeß Menschenleben gefährdet, ist demgegenüber nur sekundär. Es sind ja nur „Siedler“.

Israelische Regierungsmitglieder stellen Friedensgespräche in Frage

Mitglieder der israelischen Regierung haben Premier Netanjahu aufgefordert, die Friedensgespräche zu überdenken. Anlass ist der Mord an einem Siedler im Westjordanland.

Die wohlkonditionierten deutschen Leser reagieren dann auch, wie nicht anders zu erwarten war.

Für die Falken dort hätte auch ein umgekippter Sack Reis ausgereicht um einen Boykott der Verhandlungen durchzusetzen. Nicht das ich Mord gutheißen würde, aber nach der Denke braucht wohl im Nahen Osten niemand mit niemandem mehr reden, denn beim gegenseitigen Umbringen steht doch die eine Seite der anderen in nichts nach, außer in den Methoden.

Die einen sprengen sich samt Auto in die Luft, die anderen ballern mit „Präzisionswaffen“ auf alles das irgendwie verdächtig aussieht… Die Palästinenser haben nur keine Holocaustkeule die sie schwingen können wenn jemand berechtigterweise etwas an ihrem Handeln kritisiert.

 

Hardliner in Israel haben aber ein besonderes Interesse im Kreise der erlauchten und gut bezahlten Parteimitglieder der rechten zu bleiben, warum keiner auch nur einen Tag ohne neue diskriminierende und feindliche Handlungen vergeht. Auch wenn Israel das nicht hören mag, es ist und befeuert täglich ein Unrechtsregime und macht keinerlei Anstalten für menschliche Annäherung.

 

Es gibt keine Friedensgespräche mit dieserRegierung in Israel.

Seine eigene Familie würde ihn ausstossen und seine Freunde würden ihn davonjagen, wenn Netanjahu Frieden mit den „unwerten“ Arabern schließen würde.

Das wäre so als wenn der Chef der NPD Deutschland Frieden schließen würde mit den hier lebenden Sinti und Roma.

Und so weiter und so fort. Daß Israel Terroristen freigelassen hat – daß jedesmal parallel zu Friedensgesprächen die Gewalt steigt – daß der Siedlungsbau eingefroren ist – alles egal.

Die Vorwürfe gegen Israel in diesen Leserkommentaren sind irrational und hysterisch. Ein Menschenleben ist ein Sack Reis, Israel ist ein Unrechtsregime und Netanyahu erinnert an die NPD. Bravo. Was sich da austobt, stinkt wirklich gen Himmel.

Kommentare»

1. Silke - Oktober 11, 2013, 13:14

… und nicht zu vergessen, die von John Kerry per diplomatischer Meisterleistung erzwungene Einleitung einer Versöhnung mit der Türkei per IMHO vollkommen ungerechtfertigter Entschuldigung (ohne Gegenleistung) von Israel für Mavi Marmara wird von Gül, Davutoglu und Erdogan reihum als zu spät, finanziell zu unzureichend und überhaupt und sowieso rumgetönt.

Der „Westen“ sollte endlich aufhören, Israel zu Demutsgesten zu zwingen gegenüber Leuten, die derzeit solcher Spässkes verdächtig sind und die natürlich immerzu tönen, Palästinenser seien Engel. Nicht zuletzt schneidet der „Westen“ sich damit ins eigene Fleisch u.a. weil er zeigt, wie er’s mit Verbündeten so hält, sofern er die Macht hat, selbige zu was zu zwingen.

Meanwhile Davutoğlu, who has lost much of his luster in the eyes of the world, is trying to convince everyone that Turkey did not support al-Qaeda affiliated groups in Syria.

http://www.hurriyetdailynews.com/the-new-threat-to-turkeys-security.aspx?pageID=449&nID=55983&NewsCatID=416

(Hurriyet soll ein regierungsfreundliches Blatt sein, sagt, glaube ich, Claire Berlinski)

2. Silke - Oktober 11, 2013, 14:58

PS:
alles in allem erinnert mich „unser“ Umgang mit Israel oft in bestürzender Weise daran, wie die Kolonialmächte die „Hilfsbedürftigen“ sahen.

Das ist ziemlich verwirrend, weil oft aus der gleichen Ecke der Dummsprech von Israel’s Imperialismus kommt.

Es ist als könne man sich nur per Israelkritik selbst überzeugen, daß man sich von jeglichen pfuibaba und/oder igitt Gedanken befreit hat.

3. nussknacker56 - Oktober 11, 2013, 22:59

Tja, was bei unseren meinungsbildenden Blättern wie Zeit, Spiegel so als „Meinung“ durchgeht ist auf eine bestimmte Weise faszinierend. Letztlich bin ich jedoch nicht davon überzeugt, dass es irgendeinen pädagogischen Nutzen hat, die Möglichkeit anzubieten, sich anonym öffentlich auszukotzen zu können. Mir ist dabei durchaus klar, dass diese Stimmen in der Konsequenz nicht plötzlich verschwunden sind.

4. Lila - Oktober 11, 2013, 23:10

Die meisten dieser Kommentatoren schreien: selbst schuld! Siedlungen! Besatzung!

Keiner von ihnen scheint auch nur zu WISSEN, daß es Terror von Arabern gegen Juden, von Moslems gegen Juden spätestens seit den 20er Jahren gab. Lang vor Staatsgründung und Sechstagekrieg.

Das historische Wissen ist nicht da, statt dessen tiefschwarzes Ressentiment, ja Haß gegen Israel. Null Ahnung, viel Meinung.

Man kann, wenn man diese hämisch-gemeinen Äußerungen liest, zu keinem anderen Schluß kommen. Es ist der Bodensatz der deutschen Seele, die sich da ans Licht wagt. Und oh wie das stinkt.

5. Silke - Oktober 12, 2013, 0:36

… es ist die Pallywood-isation unserer „Experten“.

… und drum fand und finde ich P.Breit interessanter als die vielen anderen seiner Couleur, die Du, Lila, uns früher präsentiert hast.

Er/sie ist ein unkritisch Glaubender jeglicher Pallywood-isationen.

Ich stelle mir vor, daß in den Watering Holes (Kneipen) der westlichen Korrespondenzen die Emissäre von Pallywood Kontakte knüpfen. Wie ich aus vielen anderen Berichten aus aller Welt gelernt habe, basieren die sehr weitgehend auf dem, was Taxifahrer so erzählen i.e. Taxifahrer die einzigen Locals (Einheimischen), mit denen der normale Auslandskorrespondent spontanen Kontakt hat. Ich habe den dringenden Verdacht, daß dies beim normalen Israelkorrespondent-in ergänzt wird durch den Saufbruder/schwester.

„Wirklichen“ Israelis scheint es für den „ich bin Dein Saufbrucer-Job“ an Opferbereitschaft zu mangeln.

6. Silke - Oktober 12, 2013, 0:37

… nicht Opferbereitschaft – Leidenswilligkeit

7. Caruso - Oktober 12, 2013, 12:09

Mich überraschen diese Kommentare nicht. Fast jeden Tag lese ich solche dutzenderweise in Spiegel, Zeit, Süddeutsche, Welt. In Österreich: Die Presse, Standard, Kleine Zeitung usw. Es ist erschreckend, was in diesen beiden Ländern an Ressentiment, an Haß gegen Juden und /oder Israel in der Bevölkerung wohnt. Daran sind die Print-und andere Medien in hohem Maß schuld, was diese natürlich leugnen. Sie sind ja nur „kritisch“. Eine Saubande, diese Meinungsbildner.
lg
caruso

8. Ludwig - Oktober 12, 2013, 14:09

Lila,

wie schon mal gesagt, ich verstehe nicht, wer mit diesem 1920-Argument, wovon überzeugt werden soll. Ob man den Siedlern auf der emotionalen Ebene mit Hilflosigkeit, Häme oder aber Empathie begegnet, funktional gesehen, ist das Siedlungsprojekt jenseits des Sicherheitszaunes mit der Zweiten Intifada gescheitert. Seine Weiterführung verursacht unnötige „Kollateralschäden“ an Zivilisten und macht aus Erez Israel schrittweise ein Land ohne Hoffnung.

Mit Ausnahme des Heckenschützen von Hebron hatten die palästinensischen Morde und Angriffe der letzten Wochen nach meinem Eindruck den Charakter eines „Volksterrorismus“ bzw. scheinen mir eine extreme Form von Hassverbrechen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie israelische oder PA-Sicherheitskräfte diese Form von Gewalt verhindern wollen, solange Siedler und Palästinenser in hasserfüllter Nachbarschaft leben, Hügel an Tal, Tal an Hügel.

Ron Ben-Yishais Einschätzung einer „Intifada Light“ kann ich nachvollziehen: http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4439443,00.html Dabei scheint mir, dass diese „Intifada Light“ schleichend nach dem letzten Gaza-Krieg begonnen hat.

Ob sich die Lage entsprechend des von Dir beschriebenen „bekannten Musters“ entwickelt, ist möglich, es gäbe auch andere Interpretationen. Anzeichen für eine durch palästinensische extremistische Organisationen gesteuerten Terrorkampagne, um den bisher leider kaum aussichtsreichen „Friedensprozess“ zu zerstören, kann ich jedenfalls nicht so recht erkennen.

Parallel ist die israelische Regierungskoalition aus innenpolitischen Gründen weiterhin nicht in der Lage das Siedlungsprojekt ausdrücklich zu stoppen oder gar abzuwickeln. Stattdessen bleibt die extreme Rechte anscheinend davon überzeugt, dass es der Zukunft von Erez Israel zuträglich ist, wenn mehr und mehr israelische Zivilisten jenseits des Sicherheitszaunes politisch und strategisch als menschliche Schutzschilder gegen einen palästinensischen Staat agieren.

Als Vorgriff auf eine Debatte:

„Eure“ üblichen Entgegnungen auf Thesen, wie meine, nutzen meist ein bekanntes Sortiment von historischen, ethischen, rechtlichen und psychologischen Argumenten, die dann je nach Tagesform mit Polemik, Strohmann-Argumenten und persönlichen Angriffen untermauert werden.

Mit Blick auf eine gesicherte Zukunft eines jüdischen und demokratischen Staates Israel, und auf einer realpolitischen oder funktionalen Ebene, habe ich an diesem Punkt der Diskussion bisher wenig Überzeugendes gelesen.

Wenn „Ihr“ wollt, könnt „Ihr“, was ich sage, als empathielose Häme interpretieren und darauf mit den bekannten Mustern antworten. Das ist „Eure“ Entscheidung. Bei mir würde sich so mein Unverständnis verstärken.

9. Wolfram - Oktober 12, 2013, 22:10

Auf dem pro-israelischen Auge sind sie alle blind. Sogar taub noch dazu.
Allerdings mache ich einen Unterschied zwischen Taten von Soldaten und Mitgliedern der staatsähnlichen Strukturen (etwa: Scharfschütze, Hamas-Offizier) und Taten, die zunächst mal Initiative des Einzeltäters sind. Letztere leiten sich zwar zweifellos aus der seit Jahrzehnten geschürten Israelhaß-Atmosphäre in Gazastreifen und Westjordanland her, aber nicht ohne weiteres aus direkter Verantwortung und Initiative der Regierung oder was deren Stelle einnimmt. Die Frage ist dann, wie sich diese Regierung dazu stellt, ob sie den Täter verfolgt oder schützt. Aber eine Regierung ist nicht verantwortlich für alle Gedanken, Worte und Werke eines jeden Bürgers ihres Landes. (Wem wäre dann eigentlich Cohn-Bendit anzulasten? 😉 )

10. Silke - Oktober 12, 2013, 22:22

Ludwig

Du hast geographisch vergessen …

wohlweislich? oder weil Du glaubst, daß Martin van Creveld Recht hat?

11. wollecarlos - Oktober 12, 2013, 22:38

@ 9. Wolfram – Oktober 12, 2013, 22:10

„Aber eine Regierung ist nicht verantwortlich für alle Gedanken, Worte und Werke eines jeden Bürgers ihres Landes.“

Damit haben Sie selbstverständlich Recht.

Aber es kommt auf die „Atmosphäre“ an, in der diese „Gedanken, Worte und Werke“ gedeihen.

Und dafür ist eine Regierung sehr wohl verantwortlich!

Ich brauche sicherlich nicht besonders auf die Schulbücher in den palästinensischen Gebieten hinzuweisen, oder?

Und dies ist ja nur EIN Beispiel von Hunderten!

Wolfram - Oktober 13, 2013, 9:35

Ich wüßte nicht, Wollecarlos, daß ich das Gegenteil behauptet hätte. Aber ehrlicherweise muß man auch zugeben, daß eine Änderung dieser Atmosphäre (das Wort zitieren Sie ja aus meinem Text) nicht von jetzt auf gleich gelingen kann. Deutschland, Frankreich, Großbritannien arbeiten seit Generationen daran und kommen nicht zum Ziel – und ausgerechnet die Palästinenser sollten es in wenigen Wochen schaffen?

12. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev - Oktober 13, 2013, 16:03

[…] Das bekannte Muster – „Friedensgespräche“ verstärken den Terror, Israels Gesten des guten Willens (werden nicht anerkannt), alles drischt auf Israel ein es wolle keinen Frieden, sei Nazi – wird von Lila einmal mehr gut beschrieben und belegt. […]

13. willow - Oktober 13, 2013, 18:43

@8. Ludwig :

Gegenüber Typen, die versuchen, einen kaltblütigen Mord an einem kleinen Mädchen schönzureden – selbst Schuld, warum lebt dieses Judenblag auch! – ist wohl jedes weitere Wort verschwendet … 😦


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