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Geburtstag August 24, 2013, 23:39

Posted by Lila in Kinder, Uncategorized.
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Jeder Geburtstag eines meiner Kinder ist denkwürdig. Primus war der Erste, alles war neu und beglückend… und seine Geburt hat mich zur Mutter gemacht (keine Ahnung, was ich vorher war – ein verrücktes Huhn? dann bin ich jetzt eine verrückte Glucke, ist das ein Fortschritt?). Secundus´Geburt war leicht und geradezu angenehm und er selbst ein sehr pflegeleichtes Baby, das war die reinste Idylle. Quartas Geburt war die schwerste und letzte, und ich hatte danach wirklich das Gefühl: ich muß das nicht noch mal haben.

Aber Tertia? Mein Gott, Tertia. Eigentlich war ihr Geburtstag ja für Oktober vorgesehen. Ich weiß noch, wie ich im Kreißsaal lag, in einem abgeteilten Intensiv-Zimmerchen, und um jeden Tag betete. Ich wollte es unbedingt bis Goethes Geburtstag schaffen, doch da wurde nichts draus, sie kam vier Tage früher bzw mußte geholt werden. 1200 Gramm, mager wie ein Spatz, aber schon unglaublich niedlich wegen dieser riesigen Augen. Ich durfte erst zwei oder drei Tage nach der Geburt aufstehen und sie sehen. Das hilflose Gefühl, als ich über diesem offenen Wärmetisch stand, auf dem sie lag, an alle möglichen Apparate angeschlossen, werde ich nie vergessen. Sie hat es nicht leicht gehabt in ihren ersten Monaten, im ersten Jahr, und auch danach noch oft genug mit Asthmaanfällen im Krankenhaus gelegen. Wo alle uns kannten, weil wir so oft da waren. Ach, bis sie die vier Stunden Pause zwischen zwei Inhalationen schaffte! Wie lange dauerte das jedesmal.

Mein Schwiegervater, der ein sehr lieber Opa ist, erinnert sich noch, wie er uns mal im Krankenhaus besucht hat, als sie noch klein war, aber schon sprechen konnte. „Na, Tertia“, fragte er sie, „was würdest du denn gern essen?“, und Tertia antwortete, „Hühnchen zuhause“. Sie war nicht so oft zuhause in der Zeit. Primus war drei Jahre alt, als sie geboren wurde, Secundus anderthalb. Ja waren wir denn wahnsinnig? Wir waren es vermutlich, aber es fiel uns gar nicht auf. Ich weiß noch, wie ich mal bei Regen durch den Kibbuz lief, Tertia vor den Bauch gebunden, Secundus auf einer Hüfte und Primus im Wagen. Und eine ältere Frau fragte mich, wie ich es denn durchhalte, es muß ja so schwierig sein und so. Ich habe sie nur blöd angeguckt. Meistens kam es mir nicht schwierig vor, nur wenn Tertia krank war oder ich im Flugzeug mit allen drei Kindern allein war und sie alle drei gleichzeitig aufs Klo mußten bzw trockengelegt werden. Im Sinkflug.

Ach, meine Tertia. Von klein auf wußte sie immer genau, was sie wollte und was nicht. Es hat nie jemand fertiggebracht, sie von etwas zu überzeugen, das sie ablehnt. Ihr Motto war: ALLEIN! Sie wollte alles allein machen. Wenn sie ALLEIN morgens in den Kindergarten stapfte, schlich ich hinterher und die Kindergärtnerin lauerte hinter Büschen, wenn sie kam (waren ja ca. drei Fußminuten). Wehe, sie sah uns.

Sie ist auch öfter mal ausgebüxt. Wenn sie einen Ausflug machen wollte, zum Skulpturengarten z.B., dann ging sie einfach. Gott sei Dank haben nette Kibbuzniks sie immer wieder zurückgebracht, bevor ich vor Sorge wahnsinnig werden konnte. Wenn ich mich recht erinnere, haben sie aber vorher Tertia dahin mitgenommen, wo sie hinwollte.

Jetzt ist sie schon zwanzig Jahre alt! Eigentlich wollte ich ja mit ihr ins Krankenhaus Nahariya gehen, wo sie geboren wurde, und dort nochmal Danke sagen, vielleicht die Hebamme finden, die mich damals unterstützt hat und deren Namen Tertia trägt. Aber daraus wurde nichts, denn die Familie kam zu Besuch und Tertia ist nicht so sentimental wie ich. Sie ist charakterlich ganz und gar ihr Vater, mit viel Humor und Sinn fürs Lächerliche gesegnet, und einem sehr sachlichen, objektiven und oft auch kritischen Blick auf die Welt. Niemand kann meiner Tochter was vormachen.

Jedes Kind ist ein Geschenk und ein Wunder, da gibt es keine Unterschiede. Aber der Weg, den meine Tertia zurückgelegt hat, war besonders lang und steinig. Ihr ist gar nicht bewußt, daß sie in allerfrühstem Alter bereits Willenskraft bewiesen hat, die in keiner Relation zu ihrer Winzigkeit stand. Darum habe ich für dieses Kind von Anfang an eine Extraportion Respekt verspürt.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.

Kommentare»

1. wollecarlos - August 25, 2013, 0:03

„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.“
Und von ganzem Herzen kommender Glückwunsch an die Mutter!

2. Hein - August 25, 2013, 0:18

Ich schließe mich gerne an. Herzlichen Glückwunsch Tertia! (Meine Mutter hat es mit mir bis Goethes 200. Geburtstag geschafft, aber ich glaube es war ihr nicht bewusst -mich hat erst mein Deutschlehrer darauf aufmerksam gemacht)
Und Primus, Secundus, Quartär, Y und Lila Glückwünsche zum Nicht-Geburtstag!

3. Carina - August 25, 2013, 1:53

Yom huldet sameah!!!!!

4. A.mOr - August 25, 2013, 8:21

Massl tow Süße! 😉

5. A.mOr - August 25, 2013, 8:29

Nicht mißverstehen bitte 😀 aber zum Geburtstag –

Ist eben einfach schön. 😉

6. willow - August 25, 2013, 9:49

Herzlichen Glückwunsch ! Auch von D. und den „Jungs“ 🙂

7. grenzgaenge - August 25, 2013, 19:36

Herzlichen Glückwunsch 🙂

8. Paul - August 26, 2013, 8:15

Herzliche Glückwünsche zum Geburtstag auch von mir.
Gottes Segen und gute Gesundheit. Ach so: Und immer einen Schekel mehr im Portemonnaie, als sie gerade braucht.

Das finde ich besonders schön:

Herzlich, Paul

9. Marlin - August 27, 2013, 23:21

*schnief* Sie werden so schnell groß. Wieder eine schöne Geschichte.

Alles Gute auch verspätet von mir.


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