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Dienstag – Schwienstag Juli 26, 2013, 5:28

Posted by Lila in Presseschau.
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(der ursprüngliche Titel war schlicht „Judensau“, aber da ich niemandes Gefühle verletzen will, habe ich den Titel nachträglich abgeändert)

Erst gestern habe ich in einem Vortrag die berüchtigte Judensau gezeigt, die an mittelalterlichen Kirchen in Deutschland, doch nicht nur dort, zu sehen ist (eine Liste gibt es hier).

am Regensburger Dom

Luthers Judensau…

…und ihr Vorbild am Wittenberger Dom

Und heute lese ich, daß Roger Waters, der ja nuuuuur gegen den Zionismus ist und garantiert nichts gegen Juden hat….., bei einem Konzert in Werchter, Belgien, einen Ballon in Schweineform losgelassen hat, auf dem Symbole zu sehen waren und das Bild eines Mannes, der einen anderen erschießt. Am deutlichsten ist aber zweifellos der Davidstern.

Mehr dazu im Algemeiner und auf Ynet. Dort auch der Versuch, einige von Waters´Irrtümern richtigzustellen – nicht als ob der Mann sich die Mühe machen würde, sie nachzulesen.

Die Grenze zwischen „legitimer Israelkritik“ und blindem Haß gegen Juden ist notorisch dünn. Rogers hat sie schon längst überschritten. Vielleicht sollte man ihm dankbar dafür sein, daß er es nun auch endlich zugegeben hat und sich damit selbst disqualifiziert hat.

Kommentare»

1. Uri D. - Juli 26, 2013, 8:42

Eine Ergänzung, bezogen auf den Kölner Dom: Der Münchner Aktionskünstler Wolfgang Kastner hat die im Kölner Dom weiterhin befindliche Abbildung der Judensau 2002 und 2005 skandalisiert, s. diesen taz-Beitrag vom 19.11.2005:
http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2005/11/19/a0057

(Und der Dortmunder „Rentner“ vom so. „Palästina-Portal“ hat seinen Hass gegen Israel bzw. gegen „politische Feinde“ in dieser Weise „künstlerisch“ umgesetzt:
http://rogerspricht.files.wordpress.com/2012/11/nr2gerd-buurmann-seine-schweinerein.jpg)

2. A.mOr - Juli 26, 2013, 9:11

Wie gerne ich -schon ’ne Weile her- ‚The Wall‘ rauf und runter hörte, es hat mich ausgeglichen. Und jetzt das!
Soll ich mir ‚The Wall‘ jetzt auch noch als „Israelkritik“ vorstellen?
Oh nein… 😦

3. Lila - Juli 26, 2013, 11:13

4. faehrtensuche - Juli 26, 2013, 12:52

Was ich nicht verstehe ist, warum man diese „Säue“ nicht schon längst entfernt hat!

5. Lila - Juli 26, 2013, 13:16

Weil das eine Geschichtsfälschung wäre. Erklärende Tafeln hinzuzufügen, die diese unleugbare Tradition des Christentums in den richtigen Zusammenhang stellen, halte ich für sinnvoller als Retusche. Allerdings wäre es möglich, die Säue selbst zu entfernen und sie vor der Kirche auszustellen – ebenfalls mit erklärendem Text.

Ich glaube nicht, daß man anders mit solchen Schandflecken umgehen kann als offen und offensiv. Wenn Christen daran erinnert werden, was sich das Christentum hat zuschulden kommen lassen, verhindert das vielleicht Selbstgerechtigkeit.

Aber es ist gut möglich, daß ich zu optimistisch bin.

6. faehrtensuche - Juli 26, 2013, 14:00

Ja, da hast du wohl recht! Erklärende Tafeln wären schon klasse. Erinnerung damit verbunden, dass man sich über die Schandtaten sehr wohl bewusst ist, sie aber nicht gutheißt bzw. sich von ihnen distanziert!
Das ist eine gute, konstruktive Herangehensweise! Danke!
(Optimismus in dieser Zeit ist sehr angebracht! :-))

7. willow - Juli 26, 2013, 15:51

Aber es ist gut möglich, daß ich zu optimistisch bin.

Könnte gut sein … es gibt ja neben diesen Säuen (die heutzutage doch eher schamvoll verschwiegen werden) auch noch diese recht weit verbreiteten Darstellungen von „Ecclesia und Synagoga“ … mal abgesehen von der unschönen „Substitutionstheologie“, die „Synagoga“ wird auch mit den „schönsten“ Attributen geschmückt dargestellt – und steht nach wie vor an prominenter Stelle 😦

8. Caruso - Juli 26, 2013, 16:22

Liebe Lila, ich denke, daß Dein Vorschlag sehr gut ist. Denn die jahrhundertelange Vergiftung der Seelen mit Judenfeindlichkeit bis Judenhaß durch die Kirchen, ist teilweise auf diese Weise geschehen:
Mit schrecklichen Abbildungen von Lügen, Verleumdungen, Verdrehungen etc. von Juden/Judentum. Die immer wiederkehrende Konfrontation mit dieser wahrlich unrühmlicher Vergangenheit würde vielleicht – so hoffe ich! – helfen, die Seelen zu entgiften. Nur: es müßte
s e h r gut gemacht werden, das wäre außerordentlich wichtig.
lg
caruso

9. Frase - Juli 26, 2013, 16:40

Da Christen ja keine Antisemiten sein können, sind diese Darstellungen wohl als freundliche Karikaturen zu interpretieren.
http://www.israelnetz.com/nachrichten/detailansicht/aktuell/papst-christen-koennen-keine-antisemiten-sein/#.UfKIjm0pf3F

*sing* Ich mach‘ mir die Welt
widdewidde wie sie mir gefällt…

10. Lila - Juli 26, 2013, 16:59

In diesem Sinne habe ich den Papst nicht verstanden. Er meint damit, daß, wer sich als Christ versteht, nicht Antisemit sein KANN, und wenn er es trotzdem ist, dann ist er kein Christ, hat das Christentum nicht verstanden, verstößt er gegen Grundsätze des Christentums – und begeht eigentlich eine Sünde.

Der neue Papst ist ein Freund Israels, und zwar auf geradezu atemberaubende Art und Weise. Als sein Freund, der Rabbi Avraham Skorka, ihn im Vatikan besuchte, durfte er ein israelisches Kamerateam mit in die sonst Fremden verschlossenen Räume bringen. Der Papst war herzlich und sehr freundlich zu seinen jüdischen Besuchern und ich glaube ihm, daß er sich dem Kampf gegen Anti-judaismus und Antisemitismus in der Kirche verpflichtet fühlt.

Franziskus hat wirklich über Jahrzehnte hinweg einen Beitrag zum katholisch-jüdischen Dialog geleistet.

http://www.jerusalemonline.com/news/general/pope-francis-and-his-good-friend-the-rabbi-931

In Wittenberg befindet sich wohl in der Nähe der Judensau ein kleines Mahnmal gegen christlichen Antijudaismus (das Wort Antisemitismus bezeichnet ja mehr den „modernen“, pseudo-darwinistischen, rassistisch begründeten Judenhaß, mehr zur Unterscheidung hier: http://juden.judentum.org/antijudaismus/antijudaismus.htm).

http://stevehickey.wordpress.com/2009/07/24/the-anti-semitic-pig-in-wittenberg/

Und in Regensbug existiert die Info-Tafel.

http://www.matthiassuess.de/blog/achives/219-Die-Judensau,-laengst-Vergangenes-und-Papst-Benedikt.html

Ich halte das, wie gesagt, für die beste und ehrlichste Lösung.

11. A.mOr - Juli 26, 2013, 17:23

Zu #3 – Das Video/Interview

Bei „The Wall“ habe ich anno dazumal nicht im Entferntesten an Israel gedacht, ich sehe nur diesen kleinen Jungen, der sich einmauert aufgrund seiner für ihn zu schweren Erfahrung.
Wenn bei ihm dann die Mauer bricht, dann ist das gut!
Endlich frei, endlich leben!

Wenn Roger Waters aber so ignorant das Niederreißen von Mauer und Zaun in Israel fordert, dann ist er ein selbstgerechtes Blindhuhn, dem „Pallywood“ auf den Leim gegangen, oder schlicht dement?, daß er die eigene Botschaft nicht mehr versteht, die ihn bei „The Wall“ anzutrieben schien?
Kann sein, daß ich mich komplett täusche, aber daß er ein Ignorant ist, das ist jetzt wohl klar!

Ich bin enttäuscht, aber das ist zu verschmerzen mit schalwa, sozusagen.
Es sind genau jene, die Roger Waters nun als Opfer sieht, die seinem „Pinky“ in „The Wall“ so schwer zusetzten mit ihrem selbstgerechten und manipulativen und rücksichtslosen Ton.
Roger Waters hat sich selbst verarscht. Er selbst baut nun die Mauer, die er einst -musikalisch- niederreißen ließ.

Lila, Danke für den Hinweis.

Kritik am Moderator:
„Dividing Israeli from Palaestinians“ – wrong!
„Dividing people from people slaughtering!“ – right.

#5 – Lila

Stimmt, ist ein guter Vorschlag erklärende Tafeln anzubringen.
Unter’n Teppich kehren beult nur den Teppich aus, und wenn der dann noch fliegt, man weiß ja nie, was DANN noch so zum Vorschein käme!
Wo Dreck sich ansammelt sammelt sich noch mehr Dreck an.

Schabat schalom.

12. Frase - Juli 26, 2013, 17:45

#10 Lila
Es mag ja sein, dass dieser Papst eine besonderer Freund Isreals ist, das möchte ich Herrn Bergoglio auch gar nicht absprechen.
Trotzdem passen solche Aussagen m.E. nicht zu diesen Darstellungen, egal ob die nun antijudäisch oder -semitisch sind.

Möglicherweise gilt Herrn Bs Aussage aber auch nur für die Neuzeit, wer weiß? Wobei es auch da Probleme gibt, es scheinen noch nicht alle Angestellte von der neuen Marschrichtung gehört zu haben

http://www.spiegel.de/panorama/wuerzburg-bischof-hofmann-erzuernt-ueber-judenwitze-im-priesterseminar-a-903058.html

Passt halt nicht wirklich zusammen, zumindest wenn man die Institution Kirche betrachtet – auch wenn ich, wie bereits gesagt, die lauteren Absichten des Mannes gar nicht in Zweifel ziehe.

13. Eva - Juli 26, 2013, 19:48

Hallo,
Franziskus ist in Bezug auf Israel nun wirklich über jeden Zweifel erhaben … Ich habe seine Aussage genau wie Lila interpretiert – und da bin ich absolut sicher.
Was nun die WÜer Zuständ im hiesigen PS betrifft, hat der Bischof bereits reagiert – in die Kommission wurde u.a. Prof. Karlheinz Müller berufen – ebenfalls über jeden Zweifel erhaben – bitte gockeln …
Viele Grüße aus WÜ, Eva

14. ekkehard schroeder - Juli 26, 2013, 20:35

da es zu meinen „hobby“ wider willen geworden ist wahnsinn zu analysieren (seitdem „linke“ mir das mit den behinderten und dem recht der natur, dem arbeiter dem es besser geht wie der natur usw erklärten) fände ich spannend mehr bilder von der sau sehen.
ich meine man erkennt da sowohl hammer und sichel, dollarzeichen, und gekreuzte hämmer welche im kontext der verwendung sonst wohl juristisch korrekte hackenkreuze sind.
insofern dürfte es sich nicht nur um den rückgriff auf die mittelalterliche judensau gehen, sondern auch den modernen antisemitismus welcher in den gängigen verschwörungstheorien die juden verantwortlich für die moderne macht. vorallem in selbst links verorteten theorien ist es auch üblich hierzu den faschismus zu zälen da die „rothschilds“ irgendwie immer am krieg verdienen.
er wird nicht unbedingt derartiges gelesen haben, aber der ungeist ist doch präsent.
bezeichnend ist ein zitat aus einem zeit-interview:
http://www.zeit.de/2006/08/Traum_2fRoger_Waters/komplettansicht
„Menschenrechtserklärung und die amerikanische Verfassung stellten fest, dass alle Menschen gleich seien. Das war damals revolutionär: zu entdecken, dass alle Menschen Rechte haben, und das auch noch aufzuschreiben. Das war der erste Schritt weg vom Höhlenmenschen. Leider ist der Abstand seit dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgerissen. In Amerika muss jeder selbst sehen, wie er zurechtkommt, es gilt das Recht des Stärkeren.“
Zu deutsch: seit dem -vorallem die USA- den zweiten weltkrieg gewonnen haben ist alles schlechter. nach us-vorbild.
kein gedanke an frühkapitalismus, kolonialismus, der deutsch-französischen dauerfehde mit (post)kaiserlicher reaktion und faschismus.
und zudem keine ahnung weshalb sein vater, welchen er so gerne betrauert, als sozialist und pazifist im weltkrieg als soldat gefallen ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Waters

15. Lila - Juli 26, 2013, 21:07

Eva – okay, WÜ ist bestimmt Würzburg. Und PS – Priesterseminar?

16. Monika Winter - Juli 26, 2013, 22:43

Die „Judensau“ im Kölner Dom: „…Jahrzehnte vor der Judenschlacht von 1349 in Köln wurden die Wangen des Chorgestühls im Kölner Dom mit antisemitischen Schnitzereien versehen. Hierzu Dr. Marc Steinmann, Kunsthistoriker – „Die beiden Vierpässe dieser Wange sind ein unverhohlenes Zeugnis für den mittelalterlichen Antisemitismus in Köln, obwohl die Juden unter dem Schutz des Erzbischofs standen. Links hält ein Jude eine Sau an den Vorderpfoten empor. Ein zweiter Jude füttert die Sau und ein dritter kniet nieder, um an den Zitzen der Sau zu trinken. Im rechten Vierpass wird eine Sau mit drei Ferkeln aus einem Trog gekippt. Von rechts führt ein Jude einen Knaben heran, der durch einen Kreuznimbus ausgezeichnet ist… Neben der Verunglimpfung der Juden durch den Umgang mit dem nach jüdischer Vorstellung unreinem Schwein wird in der Darstellung der Vorwurf des Ritualmordes an christlichen Kindern erhoben…“
Im Dom gibt es neben der „Judensau“ im Chorgestühl auch antijüdische Darstellungen am Dreikönigsschrein. Rausschneiden möchte man entsprechende Stellen aber nicht. „Das ist absurd“ erklärt Domprobst Norbert Feldhoff 2008 dem Kölner Stadt-Anzeiger. „Man ändert nichts an der Gesichte, indem man die Stellen einfach wegmacht.“ Die diskriminierenden Darstellungen sollten vielmehr als Mahnmal fungieren und zur Diskussion und Auseinandersetzung mit der Geschichte einladen.“
Demgegenüber wurde eine weitere „Judensau“, die sich als Steinskulptur am Taufbecken in der katholischen Kirche St.Severin befand, im Jahre 2002 entfernt und in das Kölner Schnütgen-Museum verlegt.
Aus meinem veröffentlichten Buch:
http://www.amazon.de/Die-Klagemauer-In-KLn-Kleidern/dp/1470920077/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1374871350&sr=8-1&keywords=Die+Klagemauer+in+K%C3%B6ln

17. Monika Winter - Juli 26, 2013, 22:44

Sorry, das große Bild wollte ich nicht. Ich hatte nur den Link eingesetzt.

18. G. - Juli 27, 2013, 0:20

Vor ein paar Jahren gab es Führungen der Kölner Synagogengemeinde. Quer durch die Kölner Innenstadt. Zum Thema: „1200 Jahre gelebter Antisemitismus!“ Ein beeindruckendes Bild der Geschichte, kurz angerissen und vermittelt im atemlosen Schweinsgalopp von zweieinhalb Stunden.

Teilweise lustig – in seinen besonders stumpfsinnigen Epochen, sofern man nicht betroffen war. Selbstverständlich ist es die Kirche, die dies ex cathedra gepredigt hat. Jahrhundertelang. Und es sitzt. Archetypisch.

Hierzulande gibt es gewisse Hemmungen, geschichtsbedingt, die resultierende Neigung einzugestehen, offen zu artikulieren. Dies misszuverstehen, davor bewahrt allerdings die augenscheinliche Neigung zu rein negativer Affinität mit dem Gegenstand in jeglicher Hinsicht, nicht wahr?

Doch selbst mir hing die Kinnlade herunter, als Amerikaner sich hier zu dem Thema äusserten. So pur, so bar jeder Reflektion, so ungefiltert war der Hass mir noch nie begegnet. Es sitzt.

Wer nun meint, sich die Lage angenehmer gestalten zu können, indem er Geschichte verfälscht, Spuren unauffindbar macht, der meissele halt. Oder hänge Schilder. Der Antisemitismus sitzt in derart tiefen Schichten unserer Persönlichkeit, er wird davon nicht einmal berührt. Aggressionen mag dies aber durchaus beim ein oder anderen erzeugen.

Ich sehe nicht, wo wir uns weiterentwickelt hätten. Nicht diesbezüglich. Da ist nichts Neues.

Und Du, @lila, vergisst womöglich die Ursache. Es kann nur einen geben. Die schon frühchristliche Quelle allen Leids. Franziskus steht dafür ein. Judenmission. Ausdrücklich. Und er ist nicht als Verwalter gekommen. Er lebt vor. Ein Agitator, im Rückblick … lange … ohne seinesgleichen. Dein Freund? Du strickst mit an einem positiven Bild Franziskus bezüglich dem Judentum? Kann ich mir nicht erklären.

Das nun ausgerechnet Roger Waters in dies Horn stossen musste, tut mir leid, wenn dem so ist. Ich erinnere eine Zeile meiner Lieblingsplatte mit dem gleichnamigen Song „sheep“. Angesicht dieser stoisch anmutenden Wiederkäuer fiel ihm ein: „Bleating and babbling I fell on his neck with a scream.“ Schade. Aggressionen waren ihm aber nie fremd. Ich höre jetzt ein wenig Pink Floyd. In meiner Kultur geborgen eben.

19. anti3anti - Juli 27, 2013, 11:12

Die Judensauen sind eine grobe öffentliche Beleidigung gegen Juden. Der Grund, warum sie ungestraft weiterhin gezeigt werden, ist zum einen die Tradition, zum anderen die Akzeptanz.
Der Papst kann nicht alles alleine tun. Wenn selbst Juden die Sauen nicht nachvollziehbar akzeptieren, warum sollen dann Antisemiten deren Entfernung fordern?

20. Arthur - Juli 28, 2013, 10:27

Also ich finde diese Bilder und den titel dieses Posts peinlich.

21. A.mOr - Juli 28, 2013, 12:37

#19 – anti3anti

„Wenn selbst Juden die Sauen nicht nachvollziehbar akzeptieren, warum sollen dann Antisemiten deren Entfernung fordern?“
Ein „anti3anti“ wie man (ich immerhin) ihn zu würdigen weiß! 😉

22. A.mOr - Juli 28, 2013, 12:53

#20 – Arthur

Warum peinlich?
‚Pink Floyd‘ als Band ist Dir bekannt? Die haben viele „große Dinger“ rausgebracht, mich hat in meiner Jugend „The Wall“ sehr beeindruckt. Jugendliche sind leicht zu beeindrucken, aber ich fand die Geschichte auch sehr interessant, die mit dem Album (zwei Langspielplatten) erzählt wird, und auch musikalisch war ich stellenweise sehr angetan.
(Das „hey teacher“ war’s übrigens nicht.)
Du hast sicher Deine Gründe das „peinlich“ zu finden. Ich finde es traurig, daß ein Roger Waters sich als solcher Idiot offenbart. Zitiere ich meins von oben nochmal:
„Roger Waters hat sich selbst verarscht. Er selbst baut nun die Mauer, die er einst -musikalisch- niederreißen ließ.“

(übrigens, Heike -wer auch immer Du bist, und falls Du hier mitliest- so geht das: ich zitiere mich selbst, und sogar das vermerke ich. Fair is fair.)

schawua tow ale.hem.

23. Lila - Juli 28, 2013, 13:16

Arthur meint vielleicht, Rogers war sich bestimmt der Tradition der Judensau nicht bewußt (ich weiß ja auch nicht, ob es Ähnliches auf den britischen Inseln gibt – ich kenn nur ein paar anti-jüdische Manuskriptillustrationen von den Inseln), so daß ich überreagiert habe. Mag sein, aber das war meine erste Assoziation. Jude und Schwein – macht man irgendwie nicht, da hätte Rogers ja auch mal jemanden fragen können. Noch dazu, wo das Konzert in Belgien war, wo man also viele deutsche Fans erwarten konnte. Und sehr viele Deutsche kennen das Motiv der Judensau – es gab ja Proteste gegen dieses Schwein.

Ich finde, diese Tradition drängt sich förmlich auf, wenn man sie kennt. Peinlich oder nicht peinlich.

24. Arthur - Juli 28, 2013, 14:37

Ich finde nicht, dass man diese Tradition hoch halten muss. Je schneller sie vergessen geht, umso besser. Daher würde ich nie einem Blogpost so einen Titel geben.

25. Lila - Juli 28, 2013, 14:50

Ah, verstehe.

Wer die Tradition hochhält, ist Rogers, nicht ich. Ich nenne sie nur beim garstigen Namen. Wenn es Dich stört, bin ich gern bereit, den Titel in „Dienstag – Schwienstag“ umzuändern. Ehrlich gesagt habe ich gezögert, aber dann doch den drastischeren Titel genommen.

Vom Verdrängen wird´s nicht weniger wahr. Antisemitische Stereotypen sitzen ganz, ganz tief in der europäischen Kultur, so tief, daß sie gar nicht mehr wahrgenommen werden.

Nu, besser so?

26. ekkehard schroeder - Juli 28, 2013, 15:00

die tatsache das rogers zu allem was er offensichtlich nicht mag den davidstern dazufügt reicht eigentlich schon. das wäre anfürsich auch schon ohne schwein schlimm genug.
insofern wusste er wahrscheinlich ganz genau was er tat.

27. Arthur - Juli 28, 2013, 15:29

Dass antisemitische Stereotypen ganz, ganz tief sitzen, besonders bei den Deutschen, glaube ich auch. Aber genauso wie ich keine Hakenkreuzen malen würde, würde ich auch diese Bilder nicht veröffentlichen. Nicht aus kunstgeschichtlichem Interesse, und nicht mal mit einer Erklärungstafel versehen. Ich finde all diese Bilder einfach entbehrlich und würde mich nicht zum Werkzeug für ihre Verbreitung machen wollen.

Danke für die Umbennungen des Posts, ich finde es immer noch geschmacklos, aber etwas weniger schlimm als vorher.

28. Lila - Juli 28, 2013, 15:44

Ja, die sitzen tief, so tief, daß sie sich nicht ziehen lassen. Ich erkenne das mehr und mehr. Deswegen kommt so oft das Gerede von der A-Keule, weil die Leute es einfach nicht mal selbst wahrnehmen. Wirklich wie der blinde Fleck, den keiner sieht, obwohl ihn jeder hat. Es ist bitter, und es ging mir besser, als mir das noch nicht so klar wurde. Aber wenn man im Thema drinsteckt, dann sieht man es auf einmal.

Aber nicht ich verbreite diese Bilder. Arthur, das sind wirklich ganz bekannte, ja berühmte Bilder und Darstellunen, um die es viel Streit gegeben hat.

Wie gesagt, ich halte die Lösung mit der Tafel unter lauter schlechten Lösungen für die beste, würde aber auch eine Ausstellung in einem Museum für angemessen halten – und auch im FAlle einer Entfernung dafür pläideren, an der Leerstelle darauf hinzuweisen, was da mal war.

Ich habe mal alte Filmaufnahmen aus der Stadt gesehen, in der ich aufgewachsen bin. Die Adolf-Hitler-Straße heißt längst wieder Große Rurstraße, aber im alten Film hatte sich jemand die Mühe gemacht, die dort fein gehißten Hakenkreuz-Flaggen auszukratzen. Auf den Bilder flimmerten also weiße Flecken und Krakel. Aber statt der deutlichen und klaren Darstellung der historischen Tatsache, daß nämlich die Bürger des Städtchens allesamt ihre Flaggen rausgehängt hatten, sieht man jetzt das beschämt-ungeschickte Leugnen.

Ich halte von solchen weißen Löchern nichts.

Wir Deutschen haben diese Narbe, und ich bin dafür, sie nicht zu überschminken.

Daß es immer noch genügend Idioten gibt, die sich dann denken, ey super, Hakenkreuze… tja, da kann man wohl nichts machen.

Und ich zeige diese Dinge in meinen Vorträgen in Israel, weil ich es unredlich fände, diesen Teil der europäischen Kultur, deren Glanzpunkte ich so gern präsentiere, unter den Tisch fallen zu lassen. Ja, es gibt Rembrandts jüdische Braut, aber es gibt eben auch diese unflätigen und gemeinen Bilder.

29. Arthur - Juli 28, 2013, 16:05

Also ich konnte bis jetzt sehr gut leben ohne diese Bilder gesehen zu haben, und ich brauche diese Bilder auch nicht, um zu wissen, dass es im Europa der Renaissance oder der Neuzeit Antisemitismus gab, oder dass Luther ein Antisemit war, oder dass die Protestanten ebenso antisemitsch sind wie die Katholiken.

Ich frage mich, ob beim Zeigen dieser Bilder – mit adäquaten Erklärungen – nicht immer auch die Lust auf den Tabu-Bruch mitschwingt, und je mehr man sie zeigt, desto normaler findet man das Tabu-Brechen…

30. Lila - Juli 28, 2013, 16:18

Und ich dachte, die Bilder kennt jeder.

Ist schon interessant, daß Du auf mich sauer bist und nicht auf Rogers. Der hat in der Tat ein Tabu gebrochen, indem er so ein Schwein hat entwerfen, bauen, aufblasen und fliegen lassen.

Ich dagegen habe Bilder gezeigt, die es überall zu sehen gibt, und die jeder historisch Interessierte kennt. Oder kennen sollte.

Wenn ich Tabus brechen möchte, wirst Du es schon merken. Diese Bilder sind keine Tabus, sondern häßlicher, allbekannter Teil der europäischen Kulturgeschichte.

31. Arthur - Juli 28, 2013, 16:37

Na ja, dieser Roger Waters ist so peinlich wie die meisten Künstler, die plötzlich finden, sie müssten sich politisch engagieren. Da kann man nur sagen: Schuster, bleib bei deinem Leisten.

Ich habe diesen Namen übrigens auch hier zum ersten mal gelesen, da ich mich für Pop-Musik nicht interessiere, und schon gar nicht für Pink Floyd. Ich fand die einfach nur laut, dissonant und schreierisch und machte einen grossen Bogen um sie. Not my cup of tea.

32. Lila - Juli 28, 2013, 16:44

Na, da habe ich mich ja diesmal BINGO direkt in alle nur möglichen Fettnäpfchen bei Dir gesetzt 🙂

Zu meinem eigenen Unbehagen muß ich gestehen, daß ich die Musik von Pink Floyd nach wie vor gut finde, vor allem die früheren Sachen.

33. A.mOr - Juli 28, 2013, 16:58

#23 – Lila
Denke, man muß nicht die „abwertende Tradition“ kennen um die Assoziation Schwein & Davidstern als ebenso abwertend zu verstehen, ob nun Deutsche oder belgisches Theater im Publikum sind oder nicht.

#24 – Arthur
Bitte erschieß mir nicht den Boten!
Finde den Titel auch nicht schön, aber so spukt’s eben in den Köpfen mancher. Sollen wir uns deshalb den Witz nehmen lassen?
Hauptsache, es geschieht nicht auf deren Bühnen, die zu bauen sie nicht müde werden.

#26 – ekkehard schroeder
So ist es.

#27 – Arthur
Diese Bilder sind entbehrlich, aber wenn wir die Augen schließen dann verschwinden sie trotzdem nicht. Schon garnicht hinter den Stirnen solcher Leute.

#28 – Lila
„…Es ist bitter…“ !!

Die „weißen Flecken“ haben auch wir, nur eben nicht im Vertuschen, sondern als Ergebnis „der Vernichtung!“ Es ist schon eine seltsame Ironie, daß bei den Germanen (soweit mir bekannt) weiße Kleidung den Tod symbolisierte. Keine Ahnung, ob auch Mord, aber dieser Tatbestand ist das, was nicht weiß ist, sondern blutrot. Und die Narben verheilen nicht bis heute! Hinter dem „weiß“ steht unsagbares Leid!

Lila, es ist gut, daß Du „die Narben offen trägst“. Und es ist gut, daß Du Dich der sachlichen Wahrheit verpflichtest. Das schont nicht immer die Gefühle aller, und diese nicht immer aus rationalen Erwogenheiten heraus. Aber nur im „was ist“ sehen wir auch mögliche Lösungsansätze für’s hier und heute. Was war, das können wir nicht ändern und es IST noch immer.
Wir haben beide Antriebe als Menschen, guten und bösen.
Wir besiegen nicht den bösen in uns, indem wir ihn ignorieren.
Wir besiegen keinen Feind indem wir ihn nicht sehen.
Und wir haben nicht die Wahl, wenn wir zu Feinden werden von Leuten, die nicht das geringste von uns verstehen. Wir müssen uns dem stellen.

#29 – Arthur
„…Lust auf den Tabu-Bruch…“
Das finde ich jetzt aber ziemlich pösepöse, Du, echt ey!
Im Ernst, ich finde, daß Du etwas überziehst, wenn Du Lila solches unterstellen willst.
Wo kommt denn das her aufeinmal?
Erkenne den Feind: Augen auf! Nicht blind um sich schlagen. So wird das nichts.
Glaub mir, im Ring siehst Du nicht gut aus mit solchen Scheingefechten, und da gibt’s nur Gegner, denen man hinterher auf die Schultern klopft.

~ * ~

SWouldNR
# 35 bei „was mich nervt“ –
Besser kann man solchen fred wirklich nicht schließen. Herrliches Theater! – SCNR 😉

34. A.mOr - Juli 28, 2013, 17:03

#31 – Arthur
„Na ja, dieser Roger Waters ist so peinlich wie die meisten Künstler,…“
Arthur, Pink Floyd/Roger Waters -ohne Rücksicht auf Deinen Musikgeschmack- spricht sehr viele Leute an. Die sind natürlich selbstverantwortlich, wie sie solche Botschaften aufnehmen, aber es ändert nichts: Roger Waters hat Einfluß auf viele Menschen. Nun zähl mal an den Fingern ab, wieviele darunter seinen Unfug als das entlarven was er ist?

35. Lila - Juli 28, 2013, 17:31

Ich bekenne mich zu einer professionellen Verformung. In meinem Beruf gilt es für nichts, wenn man einfach nur sagt: aus vielfach belegten Beispielen erkennen wir die Virulenz der Kombination von Schwein und jüdischen Symbolen, so z.B. in Wittenberg…

Behaupten kann man vieles. Erst wenn man die Bilder in ihrer ganzen Abscheulichkeit sieht, begreift man auch, auf welche Welle Roger Waters da aufspringt.

Ist zumindest meine Meinung.

Mein oberstes Gebot im Unterricht ist stets: ein Bild, das ich nicht zeigen kann, bespreche ich auch nicht.

Das ist die Frucht eines höchst ärgerlichen Vortrags, den ich mal in einem Museum gehört habe, wohlgemerkt ich war mit einer Gruppe KINDER da! Die Ausstellung war schön, über Straßenkunst, aber die Vortragende stellte sich vor den Kindern auf und laberte ihnen was vor über Handabdrücke in Steinzeit-Höhlen, Keith Haring und Kritzeleien in Pompeii. Das war vollkommen wertlos für die Kinder, denn sie konnten die Bilder nicht SEHEN. Für mich war es interessant, weil ich wußte, wovon sie redete.

In dieser qualvollen halben Stunde reifte in mir für alle Zeiten der Vorsatz: wenn du von einem Bild sprichst, mußt Du es auch ZEIGEN.

Und daß Kunsthistoriker vor nichts zurückschrecken, weiß jeder, der mal Einführung in der Kunst des klassischen Zeitalters belegt hat. Ich höre noch das entsetzte Atemstocken, als die Dozentin, eine würdige Dame mittleren Alters mit gepflegter Aussprache, uns auf die Charakteristika der Faune hinwies, und als Beispiel eine besonders schön gezeichnete Kylix zeigte.

http://www.flickr.com/photos/elissacorsini/3576915401/sizes/m/in/pool-626043@N23/

Von dem Anblick, den unser offen schwuler Dozent für moderne Kunst bot, als er sich vor Courbets Origin du monde stellte und das Dia sein Gesicht ganz bedeckte, möchte ich schweigen 🙂

36. A.mOr - Juli 28, 2013, 17:45

„…und das Dia sein Gesicht ganz bedeckte, möchte ich schweigen…“ LOL
Shvaygn iz a tsoym far khokhme—ober nor shvaygn iz keyn khokhme nit. (Schweigen ist ein Zäumen der Weisheit – aber nur zu schweigen ist keine Weisheit.) 😛 😀

„…daß Kunsthistoriker vor nichts zurückschrecken…“
Stimmt. ‚Ne alte Freundin vo mir schreibt inzwischen die Skripte für „Seifenoper“. 😉

37. Lila - Juli 28, 2013, 17:57

Ehrlich?! Brauchen die vielleicht noch jemand?? 😀

38. A.mOr - Juli 28, 2013, 18:04

Jetzt wird’s schmierig! Oder schwierig, kommt auf’s m an. 😉

39. Marlin - Juli 28, 2013, 18:27

Trotz der Problematik kannte ich das in dieser Form noch nicht, also, danke Lila.

(Wieder ein Puzzleteilchen mehr.)

40. ekkehard schroeder - August 6, 2013, 17:27

http://jungle-world.com/artikel/2013/31/48216.html
Paarhufer und Dollarzeichen. Und plötzlich baumelte da ein aufblasbares Schwein von der Decke. Riesig und fett, schwarz und träge schwebte es über den Köpfen der Zuschauer. Als das Schwein seine Flanke zeigte, staunte man nicht schlecht: Ein großer Davidstern war ­darauf zu sehen. Roger Waters, Gründungsmitglied der Band Pink Floyd, hat zum Start seiner Tour in Belgien ein Zeichen gesetzt. Und bewiesen, wie unbeugsam, aller Kritik zum Trotz, er seiner Linie aus platter Kapitalismuskritik und Antisemitismus folgt. Zu Beginn des Jahrzehnts ließ Waters im Rahmen der »The Wall Live«-Tour Bilder von B-52-Bombern auf den Bühnenhintergrund projizieren. Munter ha­gelte es Bomben. Bomben in Form von Kruzifixen und den Logos von Mercedes und Shell. Genauso wie Bomben in Form von Davidsternen, gefolgt von Bomben aus Dollarzeichen. Es ist hart, aber die guten Shirts von Pink Floyd mit dem »Dark Side of the Moon«-Design müssen leider dem Mülleimer überantwortet werden. oko

41. Uri D. - August 14, 2013, 14:54

Oh, super, so klein ist die Welt. Lieber ekkehard schroeder, wir sind uns mal „in Ihrer/Deiner“ Zeitschrift begegnet, eine Erinnerung von mir an einen besonders mutigen und tollen jüdischen Schriftsteller aus den Niederlanden…
Super!


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