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Was mich nervt Juli 24, 2013, 18:51

Posted by Lila in Presseschau.
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Das Wort Bankiersgattin als Bezeichnung für das Mordopfer Maria Bögerl. Die Frau war Sonderschullehrerin, mit einem Sparkassendirektor verheiratet. Bankiersgattin – das suggeriert eine superreiche, verwöhnte Frau, deren hauptsächliche Aufgabe im Leben Gattin ist, und deren Mann  Bankier ist, also eine Bank und riesiges Privatvermögen besitzt. Aber doch kein Angestellter. Bei dem momentanen miesen Image der Banken (jetzt mal außer Acht lassend, ob das verdient ist oder nicht) kommt einem dabei fast der Verdacht, als würde bei Bankiersgattin ein negativer Unterton mitschwingen.

Ich hasse es wirklich, wenn in den Medien diese maulfaulen Etikette benutzt werden. „Der Engel mit den Eisaugen“ ist auch so ein Klischee, über das ich mich jedesmal ärgere. Irgendein Journalist erfindet eine dämliche Formulierung, und alle, alle beten sie nach.

Wäre es nicht angebracht, aus Rücksicht auf das tragische Schicksal Frau Bögerls und ihrer Familie, auf das ungenaue Klischee einfach zu verzichten?

Kommentare

1. A.mOr - Juli 24, 2013, 19:02

Es wäre gewiß angebracht, auf dieses „ungenaue Klischee“ zu verzichten.
„Bankiersgattin“ indes ist wohl noch die Sprachregelung Deutschlands vor den „Erfolgen“ der Frauenbewegung.
Da schrieb wohl jemand aus „Alter Schule“?

2. A.mOr - Juli 24, 2013, 19:03

Auch der “Der Engel mit den Eisaugen” kommt einer Vorverurteilung nahe. Der Fall ist noch nicht restlos aufgeklärt, oder?

3. Saskia - Juli 24, 2013, 19:04

Du sprichst mir aus dem Herzen. Oft reichen diese wenigen Begriffe aus, um bei den Lesern eine nachhaltige Meinung zu formen. Wenn ich mir die mainstream Medien anschaue, klingt auch alles nach Copy&paste

4. A.mOr - Juli 24, 2013, 19:05

Es wird nicht informiert sondern manipuliert.

5. wollecarlos - Juli 24, 2013, 19:14

d’accord!

Nur eine kleine „Entschuldigung“ für die Journaille:
Eine Sonderschullehrerin hätte man wohl nicht entführt und nicht 300.000€ zu erpressen versucht.

Die bedauernswerte Frau hat eben als „Bankiersgattin“ fungiert.

Aber nichtsdestotrotz, bei Frau Furtwängler schreibt man ja auch nicht, wenn man ihre künstlerischen Fähigkeiten meint, „die Verlegergattin“.

6. Lila - Juli 24, 2013, 19:26

Daß die Journalisten den Blickwinkel der Erpresser übernehmen, spricht ja schon für sich.

„Gattin“ klingt heute überhaupt nicht mehr gut. Ich habe, als ich mal im akademischen Außenamt gearbeitet habe, öfter den spöttischen Ausdruck „Gattinnenprojekt“ gehört. Das waren Projekte, die eine Gattin als Galionsfigur hatten. Die hatten unter Leuten vom Fach von vornherein weniger Prestige als Projekte, die von Leuten mit Kompetenz geführt wurden.

Fairerweise sollte man sagen, daß auch eine Gattin kompetent sein kann (Laura Bush mit ihrem Alphabetisierungsprojekt kommt mir in den Sinn – sie ist gelernte Bibliothekarin).

Aber Frau Bögerl wird durch diese Bezeichnung auf etwas reduziert, das sie nicht war.

7. Alonso - Juli 24, 2013, 20:17

Wer keine Zeitung liest ist uninformiert, wer Zeitung liest ist desinformiert.

8. Roland Kaufhold - Juli 25, 2013, 0:19
9. Piet - Juli 25, 2013, 13:42

Oh Gott Alonso, aus welchem schlechten Weisheiten-Kalender ist das denn?! Desinformiert ist nur, wer seinen Kopf nicht zu gebrauchen weiß.

@Lila:
Ich sehe das in diesem Falle anders: Frau Bögerl wird nicht auf die Bankiers-Gattin reduziert, sondern der Blickwinkel auf die Tatsache, dass sie Ehefrau eines Bankiers war, konzentriert. Das ist etwas anderes, weil hier ein Sachzusammenhang hergestellt wird.

Klar war sie auch Lehrerin, vielleicht (wer weiß) sogar eine begnadete Shakespeare-Kennerin und charmante Gastgeberin, aber all das hat nichts mit der Entführung zu tun. Die Tatsache, dass sie Ehefrau eines mutmaßlich wohlhabenden Mannes war, schon.

Ginge es nicht um den Entführungsfall, sondern eine umfassende Biografie der Frau Bögerl, gäbe ich dir aber uneingeschränkt Recht.

10. Lila - Juli 25, 2013, 14:50

Aber Thomas Bögerl war eben kein Bankier. „Ehefrau eines Sparkassendirektors“ wäre präziser, ist aber nicht so ein schönes Klischee.

11. A.mOr - Juli 25, 2013, 15:03

#9 und #10

Nuja, wird eben aufgebauscht (letztlich zu diesem Zwecke gelogen) weil sachliche Information (man könnte als Nachrichtenmagazin bestimmt auch sachlich unterhaltsam schreiben?) nicht „spektakulär“ genug ist. In dem Fall ist es schon so, daß mit der Umgestaltung des „Sparkassen-Direktors“ zum „Bankier“ dem Verbrechen halbwegs der Weg ausgeblümt wird. Einen stinkreichen Bankier, den muß man doch berauben, sonst ist man doch ein Unterstützer des Systems!

12. A.mOr - Juli 25, 2013, 15:04

Achja, die Frau ermorden…
lassen wir das, ist zu traurig das.

13. wollecarlos - Juli 25, 2013, 15:20

Ein Sparkassendirektor wird von einer Gebietskörperschaft bestellt.
Ein Bankier wird von der Hauptversammlung der Aktien-Gesellschaft bestellt.
Sonst noch Unterschiede?

14. wollecarlos - Juli 25, 2013, 15:22

verkürzt geschrieben…
Ein Bankier wird vom Aufsichtrat der Aktien-Gesellschaft bestellt, der wiederum von der Hauptversammlung…

15. Lila - Juli 25, 2013, 15:52

Klingt für Dich nach einem minimalen Unterschied: „Bankiersgattin“ oder „Frau eines Sparkassendirektors“?

Na ja, dann sind wir verschiedener Meinung.

16. Piet - Juli 25, 2013, 15:57

Ah, okay. Dann scheint der präzisere möglicherweise dem eleganteren Ausdruck gewichen zu sein.

Oder meinst du, dass in den Begriffen Sparkassendirektor vs. Bankier mehr Bedeutung steckt, i.S. des anständig erarbeiteten Wohlstandes eines Sparkassendirektors gegenüber dem reichen Bankier, der das Geld für sich hat arbeiten lassen?

17. Lila - Juli 25, 2013, 16:28

Im allgemeinen Sprachgebrauch nennt man Bankiers Leute, die eigenes Vermögen haben. Ein Sparkassendirektor dagegen ist ein Angestellter, der bestimmt gutes Geld verdient, aber eben nicht unbedingt Privatvermögen hat.

Spinne ich?

Ich gucke mal bei Wikipedia nach.

Bankier (aus dem französischen Banquier) oder Privatbankier, veraltet auch Geldhändler,[1] ist ein Unternehmer des privaten Bankgewerbes, der mit eigenem Kapital, unbeschränkter persönlicher Haftung und alleiniger Entscheidungsbefugnis Bankgeschäfte betreibt. Das Bankunternehmen eines oder mehrerer als Partner zusammengeschlossenen Bankiers ist in Form eines Einzelunternehmens oder einer Einzelfirma bzw. einer Kollektiv- oder Kommanditgesellschaft organisiert.

Bisweilen werden darüber hinaus, unabhängig von der persönlichen Haftung oder den gesellschaftsrechtlichen Beteiligungsverhältnissen, auch hochrangige Manager einer Bank als Bankier bezeichnet. So definiert beispielsweise der Duden den Begriff als „Inhaber oder Vorstandsmitglied einer Bank“[2].

Ich kenne den ersteren Sprachgebrauch. Ich würde den Filialleiter meiner Bank nicht als Bankier bezeichnen. Den Inhaber dagegen schon.

18. wollecarlos - Juli 25, 2013, 17:48

Friede
Freude
Eierkuchen

Nun haben wir alle Recht gehabt und sind um eine Information reicher.

Aber was ist mit der „Gattin“?
Auch da hilft WIKIPEDIA weiter.

19. A.mOr - Juli 25, 2013, 17:53

Herzliche Grüße von einem Freund!

Lachen ist so wichtig und wertvoll!
Frejlicher sol sajn!
Und dann kann man gestärkt wieder zum Ernst. Denn der ist, ernsthaft.

20. Jack - Juli 25, 2013, 19:19

Was mich nervt sind Männer in Dreiviertel-Hosen. Und überhaupt, der Sommer bringt heute all das ungenierte Schreckliche an Menschen-Figuren zum Vorschein. Von Jahr zu Jahr wird das schlimmer, ich mag kaum noch hingucken. So maßlos statt maßvoll. Das war doch früher nicht so, als ich jünger war, oder?
Hilfe!

Winter, komm bitte zurück. 🙂

21. Silke - Juli 25, 2013, 23:05

die Sparkassen waren (bis jetzt?) in keinen einzigen der „Krisen“skandale verwickelt ….

Bis jetzt waren es immer nur Banken …

ich weiß nicht genau, worin sich Sparkassen (und Volksbanken) und Banken in Deutschland unterscheiden, aber daß sie es tun ist gewiss.

22. wollecarlos - Juli 26, 2013, 9:55

@ 21. Silke – Juli 25, 2013, 23:05

SPARKASSEN gehören in der Regel einem Kommunalverbund (Landkreis, Stadt, Gemeinde..)

VOLKSBANKEN gehören den eingetragenen „Genossen“, sie sind eben „Genossenschaften“.

Die Eigentümerverhältnisse dieser beiden „Institutsformen“ beginnen allerdings langsam zu verschwimmen.

BANKEN gehören den Aktionären.

Alle drei Formen unterliegen den gleichen Gesetzen und Gesetzmäßigkeiten und sind hinsichtlich wirtschaftlichem Erfolg / Mißerfolg gleichermaßen an ihren Bilanzen und G&V-Rechnungen zu messen.

23. Silke - Juli 26, 2013, 11:32

Alle drei Formen unterliegen den gleichen Gesetzen und Gesetzmäßigkeiten und sind hinsichtlich wirtschaftlichem Erfolg / Mißerfolg gleichermaßen an ihren Bilanzen und G&V-Rechnungen zu messen.

ach ja? und nicht daran, wie sie sich ansonsten benehmen? den superreinen free marketeer markieren, weil sie gleichzeitig ohne Staatsknete den Bach runtergegangen wären?

Daß Sparkassen und Volksbanken vermutlich nicht mehr lange nicht mitmachen werden, ist mir auch klar, aber bei Schweinereien wie dem LIBOR waren sie ja wohl in echt nicht dabei und bei anderem auch nicht

http://www.rollingstone.com/politics/blogs/taibblog
http://www.newyorker.com/online/blogs/johncassidy/

es ist eine beliebte Schleier-Werf-Taktik von Missetätern, die anderen sind doch auch nicht anders sich gaaanz ich bin klein, mein Herz ist rein zu machen

24. Silke - Juli 26, 2013, 11:34

PS:
will sagen, Frau des Sparkassendirektors hat noch nicht das gleiche Geschmäckle wie Bankiersgattin (banker’s spouse or bankster’s spouse)

25. wollecarlos - Juli 26, 2013, 12:18

@ 23. Silke – Juli 26, 2013, 11:32

„ach ja?“

ja !

Da schreiben Sie „ich weiß nicht genau, worin sich Sparkassen (und Volksbanken) und Banken in Deutschland unterscheiden, aber daß sie es tun ist gewiss.“

Also: Sie wissen nichts, aber dennoch sind Sie in Ihrem Nichtwissen gewiss.

Auch eine Form der Diskussion…..

26. Silke - Juli 26, 2013, 14:02

… wenn ich genug Radio- und Zeitungsberichte von allen möglichen Seiten inhaliert habe, merke ich hin und wieder, daß etwas anders ist, ohne daß ich in die Details einsteigen muss.

Welche Sparkasse, Raiffeisenbank Volksbank hat bei LIBOR mitgetan?

ich habe bis jetzt noch nix mitgekriegt, welche von denen ist aus-ge-bailed worden?

27. wollecarlos - Juli 26, 2013, 17:20

Tscha, Silke, Sie lesen eben zuviel… und dann vielleicht noch das Falsche?

Über die Straf- und Schadensersatzzahlungen können Sie sich ganz leicht im Netz kundig machen.

Und dann besteht ein Unterschied zwischen den Banken, deren Mitarbeiter den Libor-Zinssatz manipulierten und zwischen den Banken selber.

Auch darüber können Sie sich schlau machen, es ist einfacher, als hier Sprüche abzulassen.

28. Lila - Juli 26, 2013, 17:31

Wollecarlos, ich kann verstehen, daß jemand, der in der Materie drin ist, wie Du es zu sein scheinst, nicht versteht, worum es mir geht. Genau um das von Silke genannte „Geschmäckle“, um das assoziative Bild, das durch die jeweilige Bezeichnung beim Leser hervorgerufen wird.

Die Frau wurde entführt und grausam ermordet, weil die Entführer sie wohl für eine steinreiche Bankiersgattin hielten, wie man sie aus Filmen etc kennt. Das war sie jedoch nicht. Ihre Kinder kränken sich darüber, daß die Medien diese leicht abfällig klingende Bezeichnung einfach übernommen haben.

Darum geht es mir, nicht um den legalen Status verschiedener Geldinstitute. Sondern darum, wie Menschen Etikette angeklebt werden, die eine bestimmte Assoziation hervorrufen.

29. wollecarlos - Juli 26, 2013, 17:46

Liebe Lila,

ich wiederhole, was ich mit dem ersten Wort in meinem Beitrag unter # 5 schrieb.

Alles Andere, vor allem, was Silke schrieb, hat -meiner Meinung nach- nichts mit dem von Ihnen angerissenen Thema zu tun.

„Die Frau wurde entführt und grausam ermordet, weil die Entführer sie wohl für eine steinreiche Bankiersgattin hielten…“

Das ist der Kern, alles Andere ist hinein-Interpretation, jeweils „nach eigenem Geschmäckle“.

30. Silke - Juli 26, 2013, 21:39

Und dann besteht ein Unterschied zwischen den Banken, deren Mitarbeiter den Libor-Zinssatz manipulierten und zwischen den Banken selber.

der Fisch stinkt vom Kopfe her …

31. wollecarlos - Juli 27, 2013, 12:50

OMG !

32. Arthur - Juli 28, 2013, 10:02

Ah, Silke ist zurück, und schon entsteht wieder aus den harmlosesten Bemerkungen eine seitenlange Polemik.

Silke, kannst du nicht noch etwas länger beleidigt sein?

33. Silke - Juli 28, 2013, 15:18

beleidigt ???????

lustvolles Schweigen ist näher dran und a bisserl Verwunderung, wie es geschehen konnte, daß ich so lange Zeit z.B. Dich meiner Aufmerksamkeit für wert befand.

34. Arthur - Juli 28, 2013, 15:30

Na dann geniesse das lustvolle Schweigen noch ein wenig länger…

35. Lila - Juli 28, 2013, 15:33

Liebe Kinder, erwachsene Teilnehmer der Diskussion, das Thema ist durch, nicht wahr?

PS: News flash: nicht alle Kinder sind MEINE Kinder.


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