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Unberufen Juli 19, 2013, 6:44

Posted by Lila in Land und Leute.
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Der 2. Libanonkrieg ist sieben Jahre her. Wirklich schon so lange? 2006, tatsächlich, sieben Jahre. Die Hisbollah, die arabische Welt, Beobachter – sie alle meinen, Israel hätte damals eine demütigende Niederlage eingesteckt. In der Tat hat das Versprechen der internationalen Gemeinschaft, die Hisbollah an der Wiederbewaffnung zu hindern, ungefähr so lange gehalten wie eine Melone in unserem Kühlschrank. Doch die scharfe Reaktion Israels auf den Beschuß von Zarit und Shtula hat anscheinend genügend deutlich gemacht, daß sich das nicht lohnt.

Daß in den internationalen Medien dieser brutale Angriff auf friedliche, winzige Moshavim an der Grenze praktisch ignoriert wurde, wundert mich bis heute. Da wird ja meist als Kriegsgrund die Entführung der zwei Soldaten genannt. Es war meiner Meinung nach gerechtfertigt, darauf mit Einsatz vno Waffen zu reagieren, denn von allein hört solcher Beschuß ja unserer Erfahrung nach nicht auf. Es war also nicht nur die Entführung von Udi Goldwasser und Eldad Regev von israelischem Gebiet – es war der schwere Beschuß auf Wohnhäuser zur Vorbereitung dieser Entführung, die man nicht anders als casus belli definieren konnte. Fünf verwundete Zivilisten, insgesamt acht tote Soldaten.

Alon Ben Davids erste Berichte vom Angriff auf die Orte im Norden – noch per Telefon, nach 5 min zeigt die Karte Shtula und Zarit, Channel 10

Ich wünsche niemandem, unter einer Regierung zu leben, die sowas einfach hinnimmt. Ich habe im Internet die Aufnahmen nicht finden können, von dem Jungen aus Zarit, der aus dem Haus seiner Eltern den Beschuß filmte, bis er in den Schutzraum floh. Das war eine Kriegserklärung. Oft und lange genug hat die israelische Regierung hingenommen, daß die Bevölkerung der sog. Peripherie als Geisel genommen wird – Sderot, Kiriyat Shmona, die Liste der immer wieder beschossenen Orte ist lang. Doch am 12. Juli 2006 war es einfach zu viel.

Alon Ben David und Yoav Limor melden den Tod von sieben Soldaten und die Entführung von zweien, Channel 10

Der erste Kriegstag in Channel 2

Ob und wie man den Krieg anders hätte führen sollen – darüber wird hier, wie nach jedem Krieg, lebhaft diskutiert. Die vielen Toten – einige bittere Fehlentscheidungen – keiner kann sich an diesen Krieg mit Genugtuung erinnern. Und mit Toten meine ich nicht nur die gefallenen Soldaten, sondern auch die die Zivilisten. Auch um die unschuldigen Toten im Libanon tut es mir leid. War es das wert? Nein, die Hisbollah hätte sich den Angriff auf Israel einfach sparen sollen, dann wäre das alles nicht passiert.

Schon immer fühlte ich mich innerlich vom Norden unwiderstehlich angezogen, aber ich wußte nicht, wie wir unser Leben umtopfen sollten. Es hat dann noch vier Jahre gedauert, bis wir innerlich so weit waren, uns vom Kibbuz zu trennen. Aber wo wir hinziehen sollten, wenn der Schnitt mit dem Kibbuz wirklich ansteht – daran war von Anfang an kein Zweifel und nach 2006 noch weniger. So weit in den Norden und so nah an die Grenze wie möglich, in Sehweite des Meers. Israel ist klein genug. Und nah an die Grenze zu ziehen bedeutet, zu unterstreichen, daß das Land wirklich bis an diese Grenze reicht.

Jetzt wohnen wir also wie geplant nah an der Grenze, in Sichtweite. Das ist gewissermaßen unsere persönliche Konsequenz aus dem letzten Libanonkrieg.

Die Diskussionen, wann der nächste Krieg ansteht, beunruhigen mich nicht mehr als alle anderen Israelis. Im nächsten Krieg ist es vollkommen irrelevant, wo man wohnt – solange es in Israel ist, ist man automatisch gefährdet. Hier werden uns wohl eher die Raketen in Richtung Tel Aviv über den Köpfen hinwegfliegen – aber Nasrallah hat auch angekündigt, daß er Galiläa „zurück“erobern will. Vermutlich werden wir im Falle eines Kriegs mit der Hisbollah evakuiert, wenn es wirklich dazu kommen sollte, daß sie über die Grenze kommen.

Aber ehrlich gesagt – das sehe ich nicht am Horizont. Ich glaube, trotz aller Siegesposen ist der Hisbollah klar, daß sie nicht allein gegen Israel Krieg führen kann. Und ob der Rest der libanesischen Bevölkerung von einem offenen Bündnis Iran-Hisbollah als Kriegspartei gegen Israel angetan wäre? Sie haben so schon einen schweren Preis für die Abenteuer der Hisbollah gezahlt, nicht nur in Bezug auf Israel, sondern auch als Folge der Positionierung der Hisbollah an der Seite Assads.

Kurz, die Hisbollah hat seit sieben Jahren still und heimlich aufgerüstet. Sie steht längst nicht mehr nördlich vom Litani, sondern wieder ganz nah an der Grenze – Secundus hat sie mit bloßem Auge sehen können, ich auch, als ich das letzte Mal die Grenze entlanggefahren bin. Aber obwohl sie also die UN-Vereinbarungen unterlaufen, wagen sie sich nicht in einen offenen Kampf mit uns. Die Katyushas, die seitdem hier gelandet sind (die letzte ist anderthalb Jahre her, November 2011, und fiel in Netoa), wurden von irgendwelchen Splittergruppen, meist palästinensischen, abgefeuert, und es waren Einzelfälle.

Und das Wichtigste: die Armee, die in den Jahren vor 2006 Manöver und Übungen gestrichen hatte, hat sie alle wieder eingeführt. Wenn Secundus erzählt, was sie täglich üben, und wie jeder genau weiß, was er in Fall A, B oder C zu tun hat, dann nickt sein Vater und meint: genau so muß es sein. Die Armee ist mehr als wach und auf alle Fälle vorbereitet – soweit so etwas menschenmöglich ist.

Sieben Jahre nach dem Konflikt fühlen wir uns nicht als Verlierer. Wir danken Nasrallah immer noch für die Ohrfeige, die er uns damals verpaßt hat, die uns gut bekommen ist, ihm weitaus weniger.

Nichts im Leben ist 100%ig sicher, und man soll nichts berufen. Aber die Grenze zum Libanon ist so sicher, wie sie nur sein kann, solange es im Libanon noch Kräfte wie die Hisbollah gibt. Wir fühlen uns sicher. Relativ sicher. Nicht so sicher wie die Leute in Oberpfalz und Unterfranken, aber sicher genug.

Und das verdanken wir unter anderem dem Krieg vor sieben Jahren.

 

Kommentare»

1. Rolf Graf - Juli 19, 2013, 9:50

Hallo,
darf ich ein Trost für sie ihrer Familie mit in den Shabbat geben? Auch wenn der Alltag in Israel und die Feinde Israels wie Goljat aussehen. >Siehe der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.Denn ein heiliges Volk bist du für den HERRN, deinen Gott; dich hat der HERR, dein Gott, aus allen Völkern erwählt, die auf Erden sind, damit du ein Volk des Eigentums für ihn seist.

Nicht deshalb,weil ihr zahlreicher wärt als alle Völker,hat der HERR sein Herz euch zugewandt und euch erwählt – denn ihr seid das Kleinste (geringste) unter allen Völkern (0,2% der Erdbevölkerung) -, sondern weil der HERR euch liebte und weil er den Eid halten wollte, den er euren Vätern geschworen hatte,…..< 5 Mose 7 Verse 6-8a

Einen gesegneten Sabbat ! Mir helfen diese zusagen schon seit 21 Jahren wo Gott persönlich Sprach !!! und legte mir sofort die Liebe zum Volk Israel ins Herz! Auch die Heutige Aktuelle Lage in Israel und den Nahen Osten plus Weltweit hat mit Israel zu tun.
Es steht so viel in Gottes Wort der Bibel (auch schon in der Thora-fünf Bücher Mose) das die vielen Prophetien nemals zufall sein können die genauso heute Eintreffen!

2. Paul - Juli 22, 2013, 1:06

Liebe Lila,
nachdem ich soeben bei heplev den Bericht über das Waffenarsenal der Hisbollah gelesen habe, bewundere ich Deine Haltung noch mehr als bisher schon.

Auf der anderen Seite, was bleibt Dir auch anderes übrig?

Mit meinen Gedanken, Wünschen und Gebeten bin ich an Eurer Seite. Mit „Eurer“ meine ich ganz Israel.

Herzlich, Paul

PS: Nur um sicher zu stellen, dass Dir dieser Artikel von Yakkov Lozowick nicht entgeht, verlinke ich ihn hier.
http://heplev.wordpress.com/2013/07/17/ende-des-konflikts/

Ein, wie ich finde, sehr interessanter Artikel. Leider hat er wohl recht.


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