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Ein Unglück Juli 9, 2013, 20:53

Posted by Lila in Persönliches.
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hat sich heute in der Firma ereignet, wo mein Mann arbeitet. Bei einer Übung der Feuerwehr wurden Teile der Fabrik unter Lösch-Schaum gesetzt. Der Schaum stieg viel höher als geplant, und viel schneller. Er stieg teilweise über fünf Meter hoch.

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Erst füllte sich die Halle, die durch diesen Schaum im Brandfall geschützt werden soll. Dann stieg der Schaum so hoch, daß er sich durch eine Öffnung unter dem Dach in einen schmalen Hof ergoß.

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Das ging in Windeseile. Y., der nur zum Zusehen dabei war, begriff sofort, was passiert, und während andere Mitarbeiter sich in Sicherheit brachten, liefen er und ein junger Kollege in Richtung Zuleitungen, um den Schaumfluß zu stoppen. Der Schaum stand schon höher als ihre Köpfe, als es ihnen gelang, die Hähne zu schließen. Y. versichert mir, daß er ja die vier Meter hohe Leiter, die neben den Zuleitungen steht, kennt, und daß er sich nicht in Gefahr gebracht hätte. Wenn ihm die Luft ausgegangen wäre, bevor die Leitungen geschlossen waren, wäre er hochgeklettert. Er hat auch vom Tauchen und Schwimmen wirklich kräftige Lungen. Er war bis oben voll Schaum, als er die Leiter hochkletterte.

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Sein Kollege war auf eine vier Meter hohe Mauer gegenüber geklettert und begann, Wasser auf den Schaum zu spritzen, um ihn zu vertreiben.

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Einer der Männer vom Amt, die dieses neue System prüfen und abnehmen sollten, hatte von einem sicheren, geschlossenen Raum die Übung überwacht. Aus unerfindlichen Gründen lief er, während der Schaum so schnell stieg, aus diesem Raum hinaus in die Halle. Er war eigentlich der einzige, der wußte, wie sich dieser Schaum verhält. Er hatte die Anordnungen gegeben. Er kannte sich aus. Warum er in den rasend schnell steigenden Schaum lief, weiß keiner.

Als überprüft wurde, ob alle Anwesenden sich retten konnten, fehlte er. Es dauerte lange Minuten, bis mit vereinten Kräften der Schaum so weit beseitigt war, daß man den Mann suchen konnte. Er war schon zyanotisch, ohne Puls und Herzschlag, als Y. und die Kollegen ihn fanden. Sie fingen sofort mit der Reanimation an, die Rettungskräfte kamen kurz darauf, aber es war umsonst. Er war im Schaum erstickt, ertrunken.

Mir graut, wenn ich an diesen Tod denke, und mir graut, wenn ich an seine Familie denke.

Kommentare»

1. grenzgaenge - Juli 9, 2013, 21:06

Oh, Shit ! So eine Tragödie … Meine Gebete und Gedanken sind bei Dir/Euch. Grüsse Y. bitte von mir. Sei herzlich gegrüsst (liebe Lila) vom Grenzgänger !

2. Lila - Juli 9, 2013, 21:38

Nana 10 gibt den Vorfall nicht ganz korrekt wieder – wobei die junge Journalistin die Tochter einer guten Freundin ist, die ich kenne, seit sie im Kindergarten war.

http://pelephoneportal.invokemobile.com/nana/iarticle.aspx?ServiceID=126&ArticleID=990194

3. esther - Juli 9, 2013, 21:59

Lila, ich bin ich Gedanken sowohl bei euch, aber vor allem bei der Familie des Verstorbenen!
esther

4. A.mOr - Juli 9, 2013, 23:02

E M R
Mein Beileid der Familie.
Ein Glück, daß nicht noch mehr Menschen (…)
Und bitte begrüße mir auch Deinen Helden Y.

5. Carina - Juli 9, 2013, 23:10

Liebe Lila, ich bin Sprachlos! Auch ich werde ein Gebet sprechen und denke an euch.
Ich hoffe dass es Y. bald wieder besser geht. Es ist wirklich sehr sehr traurig. Man weiß nie was man in solch einer Situation sagen soll. Ich denke an euch.
Carina

6. Paul - Juli 9, 2013, 23:14

Der HERR gib dem so tragisch ums Leben gekommenen die Ewige Ruhe und das Ewige Licht leuchte ihm. Er tröste die Angehörigen in ihrem Schmerz.
Ich werde für alle beten.

Ein Dankgebet für Y. und seinen beherzten Kollegen. Durch ihr mutiges Eingreifen haben sie sicherlich eine größere Katastrophe verhindert.

Herzlich, Paul

7. Lila - Juli 10, 2013, 5:39

Ich bete auch für die Familie. Man ist wirklich jeden Tag so nah dran an der Katastrophe, und ohne das zu verdrängen könnte man vermutlich nicht überleben.

Y. hat in seinem Leben schon so viele Male gesehen, wie es andere erwischt, während er knapp davonkommt. Er hätte die Birkat ha-Gomel, den Segen und Dank für Errettung, schon viele Male sagen müssen, was er nicht tut, oder nur auf seine Weise.

Der Kollege, dem Y. gefolgt ist und der auf die Mauer geklettert ist, ist in der Fabrik für den Feuerschutz zuständig und wußte am besten, was zu tun ist. Für die anderen war das beste, sich in Sicherheit zu bringen. Alle grübeln nun, warum dieser erfahrene Mann vom Amt, der zahllose solche Übungen in den letzten Jahrzehnten angeordnet, überwacht, geprüft und beurteilt hat, den sicheren Raum verlassen hat.

Y. sagt, es war wirklich schrecklich, als sie ihn suchten und dann endlich fanden. Das steckt man nicht einfach weg.

Jetzt kommt natürlich eine polizeiliche Untersuchung, ob es irgendwo eine Fahrlässigkeit gegeben hat, und wer sie verursacht hat.

8. Culatello - Juli 10, 2013, 8:08

Das Tragische daran ist ja, dass dieses Unglück ausgerechnet während einer Übung – die ja eben solche Unglücke verhindern soll – passiert ist.

9. A.mOr - Juli 10, 2013, 13:54

#8 Culatello
Es gibt keine Übung, nur die Illusion es als solche zu betrachten, und die Notwendigkeit.
Du hast schon recht. Trotzdem.
Vielleicht einfach hätten wir die „Messung der Zeit“ nicht erfinden sollen? 🙄

Diese, wie sich die Situation darstellt, wirft Rätsel auf. Warum verließ jener Mann den Raum, der ihm das Leben bewahrt hätte, wie wir annehmen? Beherztheit? Wer weiß.
Vielleicht wird es noch enträtselt vielleicht nie.
B“H ist’s schon kein Rätsel mehr. Wenn auch uns hier auf Erdenrund.

Lila,
natürlich ist das auch für Y. schwer zu nehmen. Und doch, wie es sich darstellt, was hätte er tun können, hat er nicht das Beste getan? Ich denke schon. Schöne Grüße, kol hakawod!

Und Du, es ist sicher auch schwer für Dich. Umarme Deine Kinder und Deinen Mann, das Leben ist ein Segen, gelebt, mit viel Herzlichkeit. Und das, gute Frau, schmerzt hin und wieder.
Mögen meine Worte Dich und euch umarmen wie ein frischer Wind in schwüler Hitze.

Gebete, oren hat seine Bedeutung, ist gut und richtig.
Aber was ist’s?
Ist’s nicht das Schlagen des Herzens, das Atmen selbst?
Wie zum Beispiel das Rauschen des Meeres.
Fand ich dies. 😉

(Jeder kennt jeden auf dieser Erde um drei Handschläge, hörte ich mal irgendwo die Weise. Sage so meinen Dank einer Hand, die das Meer berührte. Gebe meine Hand für diese Zeilen. Sollen sie mehr sein als „nur“ Worte, sollen sein Trost und Mut und Segen, den beherzten Helden, den sorgenden und liebenden Müttern und den guten Kindern, die sich daran vortreffliches Beispiel nehmen. Das wir per Handschlag einmal um die Welt uns eine entscheidende Gemeinsamkeit aus- und andrücken: Herzschlag.)

10. lalibertine - Juli 10, 2013, 19:56

Oh Gott, wie furchtbar! Wie furchtbar für den armen Mann und seine Familie und wie furchtbar für Y, dass er so etwas miterleben musste. Sein Mut und seine Geistesgegenwart sind unglaublich beeindruckend, nicht viele Menschen hätten so gehandelt.

11. Aristobulus - Juli 10, 2013, 20:15

Uh. Kol tuv unbekannterweise an den Y.!, und DER Tastsinn, um komplett unter fiesem Schaum irgendwelche Hähne zu schließen und es dann schnell über die Leiter und so

12. Lila - Juli 10, 2013, 21:33

Der andere Kollege hat einen viel weiteren Weg zurückgelegt. Y. war nah genug an den Hähnen und hat die Leiter ganz nah dabei gehabt. Er hat Glück gehabt, daß er die Leitung schließen konnte und die Leiter hochklettern und noch genug Luft hatte. Der Schaum hat seine Augen gereizt und die Kopfhaut. Aber sonst ist er okay.

Bevor sie wußten, daß einer unter dem Schaum liegt, haben sich Y. und ein Kollege gegenseitig fotografiert, von oben bis unten mit Schaum beschmiert und feixend.

Andere Kollegen haben sich wohl um andere Dinge gekümmert, einander gesucht, Türen überprüft etc.

Y. ist kaltblütig. Ich habe ihn bei einem Brand gesehen, als er einfach mit dem Schlauch so nah aufs Feuer zumarschiert ist, wie er gehen konnte, ohne sich zu gefährden. Bis die Feuerwehr kam, hat er die Stellung gehalten. Ich habe versucht ihn zu überzeugen, daß er sich in Sicherheit bringt, aber er hat gar nicht auf mich gehört. Er hat schon so oft Brände gelöscht, daß er nicht so leicht Angst hat.

Oft und oft habe ich ihn im Kibbuz losziehen lassen, mit einer Feuerpatsche, wenn das Gestrüpp auf den Hügeln brannte. Aber wenn ein Haus brennt – das ist noch mal was anderes.

Egal was ist – Y. ist der Mann, den seine Verwandten rufen, wenn jemand einen Unfall hat oder schwer krank ist oder im Sterben liegt. Y. ist immer der Erste, den sie rufen.

Mein Stiefvater war auch so. Ein Mann, der anderen Vertrauen einflößte, weil er Nerven aus Stahl hatte.


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