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„Soldaten durchsuchen Gelände“ Mai 27, 2013, 13:35

Posted by Lila in Land und Leute, Persönliches, Uncategorized.
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Wirklich, es ist wie verhext mit Secundus. Egal wo er gerade eingesetzt ist – dort wird es unruhig. Als er in Hebron diente, war Hebron täglich in den Schlagzeilen. Und als in Hebron die Lage sich entspannte, saß Secundus an der Grenze zum Gazastreifen. Als er die Golanhöhen abkommandiert wurde, dachte ich, „na toll, da ist es wenigstens ruhig“ – und schon fielen syrische Geschosse und verletzte Rebellen mußten versorgt werden. Als er jetzt die letzte Runde seines Wehrdiensts antrat, Bewachung der Grenze westlich von Metulla, war ich mir sicher, daß dort nichts, nichts passieren kann. Doch der Junge war die ganze Nacht auf den Beinen, nach dieser seltsamen Rakete suchen, die vielleicht überhaupt auf libanesischem Boden gefallen ist. Ich hoffe, nicht nur Secundus wegen, daß sich die Spannungen hier im Norden nicht heftig entladen. Gestern Grads in Dachiya, der Hisbollah-Hochburg Beiruts, letzte Nacht der Abschuß einer Rakete aus dem Libanon. Dauernd passiert hier irgendwas, und Battalion Shaham ist immer dabei. Ist das fair? In Israel ist es doch sonst so ruhig…

Kommentare»

1. Alonso - Mai 27, 2013, 14:55

Wenn Israel nicht mitschießt, dann hört man von keinem Konflikt, der mit Israel zu tun hat, etwas hier in Deutschland. Sobald auch nur eine israelische Kugel abgefeuert wird, berichten umgehend darüber alle Medienkanäle und an der Spirale der Gewalt wird wieder gedreht. Es droht eine Eskalation. Waffenstillstandabkommen ist gebrochen.
Also: ja, bezüglich Israel ist es hier in Deutschland sehr ruhig.

2. Hadassa - Mai 27, 2013, 16:18

Ach Mensch… Ich hoffe mit dir.

3. Gingit - Mai 27, 2013, 17:55

Liebe Lila,
da hatten wir ja alle mal wieder eine unruhige Nacht… Es hat wohl ziemlich gescheppert gestern, selbst die coolen Metullatim waren kurzfristig recht nervös. Hoffentlich bleibt’s jetzt bei dem einen Knall…
Als ich eben gelesen habe, dass Secundus nun in Metulla seine Runden dreht, war mein erster Gedanke: Der Junge braucht jetzt den berühmten Soldatenkuchen der Schwiegermutter, quasi als Revanche für den wunderbaren Schoko-Kirsch-Kuchen, den du gezaubert hast 😉
Drücke die Daumen, viele Grüße!

4. Lila - Mai 27, 2013, 18:14

Vermutlich kommt er an Schwiegerelterns Haus und Garten vorbei… sein „kav“ ist zwischen Metulla und Kibbuz Yiftach, allerdings ist Secundus selbst beim medizinischen Team und ist entweder im Rettungswagen oder der Klinik anzutreffen.

Ja, das Geräusch muß eklig gewesen sein. Aber soweit ich weiß, haben die Soldaten nichts gefunden. Ob auf der libanesischen Seite gesucht wird, weiß ich nicht. Den Libanesen kann es ja auch nicht recht sein, daß nun der Syrienkrieg immer mehr zu ihnen rüberschwappt.

5. Marlin - Mai 27, 2013, 18:31

Alles Gute für Secundus. Ich hoffe, er hat das Finalspiel seines Clubs gesehen? Hat er sich gefreut?

Und alles Gute weiterhin an Dich und Euch, natürlich.

6. Gingit - Mai 27, 2013, 18:37

Jo, dann fährt er durch Schwiegerpapis Felder und am Garten vorbei… Die Family vermutet, dass ‚es‘ eher aus Kfar Kile kam, weil man es auf Har Hatzfia besser hören konnte als in Downtown. Man weiß es nicht. Tfu tfu tfu dass es das war…
Ach, was die libanesische Armee macht oder nicht macht bzw überhaupt machen kann, wer weiß das schon noch. Wenn man sich die Hügelketten da im Norden anschaut, wo Hizbollah-Stellungen einträchtig neben Armee-Posten und UNO liegen, glaubt man doch an nichts mehr, schon gar nicht an Logik.
Fiese Lage, wirklich…

7. Claudio Casula - Mai 27, 2013, 18:38

Ist Secundus privat auch so ein Unruhestifter? ;o)

8. Lila - Mai 27, 2013, 18:50

Wir haben das Spiel zusammen geguckt, es war ein schönes Spiel und es tat uns allen leid für Dortmund. Selbst Secundus meinte, er würde Lewandowski ein schönes Tor gönnen. Nach dem Debakel gegen Chelsea letztes Jahr war der Bayern-Sieg eine Erlösung, aber wir hätten nicht bedauert, wenn die Dortmunder es geschafft hätten. Die traurigen Gesichter im Ruhrpott taten uns sehr leid.

Ich würde ja immer am liebsten alle gewinnen lassen – außer den Foulern. Riberys Foul trübt die Freude dann doch. Ich weiß nicht, warum der Schiedsrichter nicht strenger gepfiffen hat.

Besonders gefallen haben mir die beiden Torhüter. Sie haben wirklich beherzt und präzise gearbeitet. Es ist mir ja immer unverständlich, wie ein Torhüter abschätzt, wann er wo in Bereitschaft gehen muß. Selbst wenn man den Gegner so gut kennt wie diese beiden Mannschaften, ist das vermutlich auch einfach Begabung, Ballgefühl, Spielgefühl. Ich sehe es immer gern, hab immer ein Auge auf die Torhüter.

Secundus jedenfalls bemerkt sehr deutlich das steigende Ansehen des deutschen Fußballs auch in Israel. Früher war er immer der einzige, der „für“ Deutschland oder eine deutsche Mannschaft war. Inzwischen ist die Bundesliga geradezu populär, und der deutsche Fußball hat einen sehr guten Namen. Wenn ich zurückblicke, kam der Umschwung mit Klinsmann.

Der israelische Fußball ist leider noch weit davon entfernt, dem Zuschauer solchen Respekt einzuflößen.

Welcher deutsche Kommentator war übrigens besser? Wir haben natürlich die israelische Übertragung gesehen. Die Aussprache der deutschen Namen hat sich übrigens in den letzten Jahren auch sehr verbessert, sie klingen fast richtig. Lamm ve-Shvaynshtaigär 🙂

(Ich werde ja nie vergessen, wie Yoram Arbel an Hitzlsberger verzweifelte und ihn schließlich ha-Itzl-Pitzl nannte 😀 ). Bei den polnischen Namen kann ich es nicht beurteilen.

9. Lila - Mai 27, 2013, 18:56

Secundus ist privat, was der Rheinländer einen „stillen Vertreter“ nennt 🙂 Außer daß er nickelig zu seinen Schwestern ist, ist ihm eigentlich nichts vorzuwerfen.

Vermutlich liegen meine Nerven wirklich einfach blank. Fünf Jahre bin ich jetzt schon Soldaten-Mutter, ich bin gegen meinen Willen zur Fachfrau geworden. Ich nehme an, daß in meinem Gehirn der Sorgen-Lappen irreversibel hypertrophiert ist 😦

10. Arthur - Mai 27, 2013, 20:59

Na wenigstens ist es jetzt bald vorbei, zumindest für Secundus…

11. Arthur - Mai 27, 2013, 21:14

Off topic: mit der schönen Eintracht in der Koalition scheint es für’s erste vorbei zu sein… und das schon bei einem Thema, über das man sich eigentlich einig war…

http://www.timesofisrael.com/peri-panel-at-loggerheads-over-penalties-on-draft-dodgers/

12. julia - Mai 27, 2013, 22:11

Naja, aber Lewandowskis Foul war mindestens genauso „rotwürdig“ wie das von Ribery, insofern hat es sich ausgeglichen.

13. Culatello - Mai 28, 2013, 7:25

#1 Alonso
„Wenn Israel nicht mitschießt, dann hört man von keinem Konflikt, der mit Israel zu tun hat, etwas hier in Deutschland.
…………………..Also: ja, bezüglich Israel ist es hier in Deutschland sehr ruhig.“

Na sicher, Alonso.
Ignoriere ruhig die Berichte im (oben verlinkten) Spiegel online sowie im Focus, im Handelsblatt, im Stern, in der Welt, in der Zeit, im n-tv.
Eine google-Suche mit den Stichworten ‚Rakete-Libanon-Israel‘ ergibt 333.000 Treffer, aber: im bösen antisemitischen Deutschland wird – jedenfalls deiner Meinung nach – NICHT darüber berichtet.
Jeder pflegt halt seine Vorurteile.

14. Lila - Mai 28, 2013, 8:05

Es wird über Syrien berichtet, sogar sehr viel. Aber auch mich wundert die Gleichgültigkeit den vielen Tausenden Opfern gegenüber. Culatello, sag selbst – wo ist die Empörung, die sich bei jedem Angriff Israels lauthals Bahn bricht? Wo sind die Demonstrationen, Mahnwachen, Leserbriefe, die nach zwei Jahren endlich fordern, daß eine politische Lösung in Syrien gefunden wird, ohne Gewaltanwendung von irgendeiner Seite?

So viele Staaten mischen inzwischen in Syrien mit, daß es wie ein kleiner Weltkrieg auf begrenztem Territorium ist. Wo ist die Solidarität mit den Opfern, egal welcher Seite? Oder gibt es die nur, wenn die Opfer amerikanischen oder israelischen Waffen zum Opfer gefallen sind?

Ich erinnere mich nur zu gut an die emotionale Anteilnahme und Wut auf die Angreifer, als es um den Irak, Libanon oder Gaza ging.

Wie überzeugend ist eine moralische Empörung, die so selektiv vorgeht?

In Ynet schreibt ein Kommentator über die selektive Empörung in der arabischen Welt. Dem Blutvergießen in Syrien sieht man mit Gleichmut zu, aber die Angriffe Israels auf Waffentransporte sind auf einmal eine riesige Katastrophe und Gefahr.

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4382172,00.html

Ron Ben Yishai im Gespräch mit ARD-Schneider gibt in holperigem Englisch mit Gebärdensprachen-Gestik seine Einschätzung ab, daß solche Bombardierungen Israels unklug sein können,

http://www.tagesschau.de/videoblog/zwischen_mittelmeer_und_jordan/videoblogschneider286.html

Auch Ehud Yaari hat zu bedenken gegeben, daß Israel damit ein Risiko eingeht und Assad praktisch zwang, Stellung zu beziehen und seinerseits zu drohen.

Es ist also durchaus diskutabel und kritikabel, ob die Güterabwägung zu einer richtigen Entscheidung geführt hat.

Aber wenn Du in Deinem Freundeskreis mal fragen würdest, Culatello, wer mehr Dreck am Stecken hat, Assad oder Israel, welche Antwort würdest Du kriegen…?

15. Arthur - Mai 28, 2013, 9:13

„Aber wenn Du in Deinem Freundeskreis mal fragen würdest, Culatello, wer mehr Dreck am Stecken hat, Assad oder Israel, welche Antwort würdest Du kriegen…?“

Wurde zwar nicht gefragt, aber ich würde eindeutig „Assad“ zur Antwort kriegen, und zwar nicht erst seit zwei Jahren. Das ist doch bekannt, dass schon Vater Assad eine Diktatur mit gut funktionierenden Geheimdiensten hatte.

16. Paul - Mai 28, 2013, 9:21

Vielen Dank, liebe Lila, für Deinen Bericht und Kommentierung.
Es ist immer interessant einiges über Hintergründe zu erfahren, die sonst unbekannt bleiben.
Liebe Grüße auch an Secundus. Mit meinem Gebet bin ich bei Ihm.
Dazu ist mir wieder eine gute Anmerkung „über den Weg gelaufen“.
Von Dietrich Bonhoeffer:
„Das Gebet ersetzt keine Tat, aber es ist eine Tat, die durch nichts zu ersetzen ist.“
In diesem Sinne: Gott möge Secundus auch weiterhin begleiten und ihn schützen.

Zu unseren Medien:
Mein Eindruck ist, dass sie sich fast ausschließlich in links-roter-grüner Hand befinden. Da ist Israelfeindlichkeit vorprogrammiert und es darf auch schon mal ruhig antisemitisch werden. Das wirkt sich leider auf viele Bereiche der Politik aus. Mein Eindruck: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“
Es ist zum verzweifeln.
Auch in Deinem Blog tauchen immer wieder solche Vertreter auf.
„C’est la vie“, wie der Lateiner 🙂 sagt.
LG, Paul

17. Lila - Mai 28, 2013, 9:21

Das sollte bekannt sein. Vater Assad hatte ja auch schon mehrere Tausend seiner Landsleute auf dem Gewissen. Seltsamerweise erfreuten sich die Assads trotzdem eines guten Rufs bei vielen Deutschen, und tun es noch. Der Ruf der Alawiten als gebildet, nicht fanatisch und relativ westlich geprägt wird das seinige dazu getan haben.

Ich würde mal schätzen, daß im Bekanntenkreis meiner Mutter die Kritik Assad gegenüber deutlich zugenommen hat, aber daß die emotionale „Betroffenheit“ den Opfern gegenüber immer noch geringer ist als den Opfern Israels gegenüber.

Auf die Einladung zu einer Syrien-Mahnwache der evanglischen Kirchengemeinde jedenfalls, die 2006 schon in der zweiten Kriegswoche kam, wartet meine Mutter immer noch.

18. Arthur - Mai 28, 2013, 9:34

Ach so? Ich wusste gar nicht, dass die Deutschen die Syrer so toll finden! – abgesehen von den geflüchteten Nazis, das ist ja bekannt, dass die nicht nur in Argentinien, sondern auch in Syrien Zuflucht gefunden haben.

Irgendwie komme ich doch nie aus dem Kopfschütteln raus…

@paul:
„Mein Eindruck ist, dass sie sich fast ausschließlich in links-roter-grüner Hand befinden.“

Mein Eindruck ist, dass ich diesen Spruch schon irgendwann einmal gehört habe, nur dass „jüdisch“ durch „links-rot-grün“ ersetzt wurde.

„Da ist Israelfeindlichkeit vorprogrammiert und es darf auch schon mal ruhig antisemitisch werden.“
Diese Meinung teile ich überhaupt. Ich fühle mich von einem Spruch wie „Zeitungen in links-rot-grüner Hand“ stärker antisemitisch berührt als von der durchschnittnlichen deutschen Zeitschrift. Aber vielleicht lese ich die ja auch nicht genug, einfach weil es mich nicht brennend interessiert und die welt ja auch nicht nur aus deutschland besteht…

19. Lila - Mai 28, 2013, 10:26

Über „die“ Deutschen maße ich mir kein Urteil an, die allgemein eher pro-Assad tendierenden Leserkommentare in deutschen Zeitungen sind vermutlich vielleicht hoffentlich nicht repräsentativ. Ich habe ausdrücklich mein Heimatmilieu im Auge, das tendenziell grün-linke gehobene Akademiker-Milieu.

Ein Blick in die NZZ zeigt übrigens keine gravierenden Unterschiede dem Nahen Osten gegenüber, weder in der Berichterstattung noch den Leserkommentaren. Mir ist auch nicht bekannt, daß Schweizer Politiker oder Regierung sich deutlicher als Merkel an Israels Seite positioniert hätten. Das kann natürlich eine Bildungslücke meinerseits sein.

20. Paul - Mai 28, 2013, 10:44

Zu 18. Arthur

Hallo, lieber Arthur,
da ist er ja wieder, der Nazivergleich. Wozu sich lange mit Argumenten aufhalten, wenn es doch Godwin’s law gibt?
Old Shatterhand (Karl May) hat mit dem berühmten „Schläfenschlag“ alle Gegner kampfunfähig gemacht.
Das kann man auch verbal erledigen. Man muss dann auch nicht lange diskutieren.
Zum Nachlesen für Sie:
http://de.wikipedia.org/wiki/Godwin%E2%80%99s_law
Alles Gute auch weiterhin.
Herzlich, Paul

21. Arthur - Mai 28, 2013, 12:23

@paul: wieso Nazis? ich sprach von stinknormalen 08-15-Antisemiten. Von denen sich nicht wenige als Philosemiten verkleiden. Aber wenn die Juden dann mal nicht genau das machen, was sie von ihnen wollen, dann werden sie mächtig böse, siehe Luther… Aber im Augenblick finde ich deinen Philosemitismus nur etwas klebrig und unangenehm, noch nicht wirklich antisemitisch.

22. Arthur - Mai 28, 2013, 12:25

@lila: Na wenn das schon deine Analyse für dein Bildungsbürger-Milieu ist, dann kann es bei den übrigen Deutschen wohl nicht besser sein…

23. Arthur - Mai 28, 2013, 12:35

…übrigens ist das, was du, Lila, hier beobachtest vielleicht auch das Syndrom des umgedrehten Philosemiten. Ich nehme an, diese wohlmeinenden evangelischen Kirchgemeinden sind dieselben, die sich von den 60ern bis in die 80er für „Aktion Sühnezeichen“ eingesetzt haben und ihre Kinder nach Israel in den Kibbutz geschickt haben, um die Shoah wieder gut zu machen (oder wie das in Deutschland heisst).

24. Culatello - Mai 28, 2013, 13:39

#14 +19 Lila

„Es wird über Syrien berichtet, sogar sehr viel. Aber auch mich wundert die Gleichgültigkeit den vielen Tausenden Opfern gegenüber.“

Wie kommst du denn darauf, dass deutsche Menschen den syrischen Opfern gegenüber gleichgültig sind?
Du scheinst die Meisten von uns für absolut abgestumpfte und verrohte Monster zu halten.

Dass keine klare und abgegrenzte Meinung über Syrien besteht liegt aber vielmehr an der Tatsache, dass es sich um einen landesinternen Krieg handelt. Mal ehrlich: wer blickt da schon genau durch? Beide Seiten geben sich doch viel Mühe um zu täuschen und Nachrichten zu manipulieren.

„….die allgemein eher pro-Assad tendierenden Leserkommentare in deutschen Zeitungen sind vermutlich vielleicht hoffentlich nicht repräsentativ.“

Wieso werden die „Rebellen“ von euch eigentlich so belobhudelt?
Die Politiker und die veröffentlichte Meinung geben sich große Mühe, das bewährte Schema Gut + Böse darzustellen:
Die Guten sind natürlich die „Rebellen“. Allein schon die Bezeichnung als Rebell: ach, da weht ein Hauch von Freiheits-Sehnsucht, vom Befreien aus der Unterdrückung und dem Streben nach Glück herüber……die Lichtgestalten der Rebellen führen ihr Volk zur Sonne, zur Freiheit…! *schluchz*
Tja, das wäre so schön und gerne würde ich von hehren Gefühlen überwältigt mitschluchzen.
NUR :
Diese ‚Rebellen‘ sind ganz fiese Dschhadisten, aus aller Herren Länder – auch aus Europa – rottet sich die gewalttätige Extremisten-Brut zusammen, um ein Kalifat nach ihrem Geschmäckle zu errichten, in welchem Frauen wie Vieh gehalten werden sollen.

http://www.focus.de/politik/ausland/krise-in-der-arabischen-welt/syrien/radikale-islamisten-aus-europa-hunderte-dschihadisten-kaempfen-in-syrien_aid_970320.html

Assad mag ein selbstgerechter Diktator sein, jedoch gegenüber diesem fanatischen (nein, NICHT Rebellen- sondern Terroristen-)Pack ist er auf jeden Fall das kleinere Übel.
Und diesem Pack werden nun durch England und Frankreich nach Nichtverlängerung des Waffenembargos auch noch Waffen geliefert!
Die Politiker, die dieses veranlasst haben, das sind die wahren verrohten Monster und nicht wir Normalos.

25. willow - Mai 28, 2013, 13:48

Aber nein Lila, die Schweiz ist schon etwas weiter … Plakat am Zürcher Hauptbahnhof

26. Lila - Mai 28, 2013, 14:43

Culatello, da muß ein Mißverständnis vorliegen. In Syrien spielt sich eine Verschiebung ab, die für den gesamten sog. Arabischen Frühling festzustellen ist. Egal woher sich der Protest gegen die Regierung anfangs speiste – die Islamisten übernehmen und vereinnahmen ihn.

Israel verhält sich auch deswegen so zurückhaltend, weil vollkommen klar ist, daß wir auf jeden Fall Feindbild Nr.1 sind, egal ob Assad oder ein al-Qaida-Vertreter Syrien führt. Mit Assad, wie in noch stärkerem Maße mit Mubarak, war ein berechenbarer Faktor in der Region, eine ruhige Grenze und eine Art modus vivendi.

Danach werden wir uns noch sehnen.

Daß Assad sen. und jun. brutale Diktatoren sind und das Blut ihrer Landsleute an ihren Fingern klebt, wissen wir. Auch Mubarak hat sein Land mit Brutalität und Korruption geführt. Von Ghadafi ganz zu schweigen. Ich gönne den Bürgern dieser Länder Freiheit, demokratische Rechte, Zugang zu Bildung und Gesundheitswesen. Leider sehe ich nicht, daß sie sich diesen Idealen nähern.

Ich staune manchmal, wenn ich Leserkommentare in den Zeitungen lese, in denen davon die Rede ist, daß Israel all diese Umsturzbewegungen angezettelt, ferngesteuert, unter Kontrolle hat. Welches Interesse hat Israel an weiterer Instabilität in der Region? Nicht das geringste.

Im Falle Mubarak nahmen viele Beobachter es Israel übel, daß sich die Regierung nicht offen gegen Mubarak wandte – es gab ja sogar Gerüchte, daß er sich nach Israel geflüchtet hätte. (Ähnliche Gerüchte gab es auch über Ghadafi, der hätte sich unter Berufung auf seine jüdische Großmutter am Ende noch in einem Ulpan wiedergefunden.)

Aber Israel kann gar nichts tun. Wenn Israel einen Protagonisten unterstützt, hat der in Augen seines Volks schon verloren. Israel hält sich am besten raus und schützt seine Interessen, so gut es geht.

Mir ging es nicht um die Opfer der einen oder anderen Seite, als wären die besser als die anderen. Sowohl Assad als auch seine Gegner sind von einer Brutalität, für die mir die Worte fehlen. Bestialisch würde die Tierwelt kränken, barbarisch die Barbaren.

Mich wundert allein, bzw es wundert mich überhaupt nicht, daß in den Tagen nach Israels Gegenwehr nach den Angriffen der HIsbollah im Sommer 2006 ebenso rasch wie anno 1990-91, beim Eingreifen der Amerikaner im Irak, sich eine deutliche, meinungsstarke Öffentlichkeit in Deutschland formierte.

Auch die neun Toten von der Mavi Marmara haben riesige Protestwellen geschlagen, auch international. Selbst wenn alle diese Proteste von Palästinensern in Deutschland organisiert waren – sie haben doch viele Teilnehmer gehabt.

Vielleicht spinne ich ja. Aber ohne Partei zu ergreifen, könnte man ja mal gegen Kindermörder anderer Nationalitäten auf die Straße gehen. „Stoppt den Krieg jetzt sofort, Krieg ist Terror, Krieg ist Mord“ – das muß man auch gegen andere schreien als nur gegen Israel. Im Falle Syrien sind beide Seiten Mörder.Ein Land zerstört sich selbst, vor den Augen der Welt.

So kann man nur zu einem Schluß kommen: Tote, die nicht von Israel verursacht werden, sind keine Demo wert. Neun Tote auf der Mavi Marmara machen monatelang, jahrelang Schlagzeilen, 70.000 oder mehr Tote in Syrien – tja, bedauerlich.

Humanitäre Hilfe ist wichtig, und ich weiß, daß Deutschland sie leistet. Ich verstehe auch, wenn Menschen dem Leid anderer gegenüber Schutzfunktionen wie Verdrängen oder Weggucken an den Tag legen – anders kann man nicht überleben.

Vielleicht fehlt ein eindeutiger Bösewicht im Falle Syrien, vielleicht sind alle zu schuldig, als daß es einen aus dem Sessel triebe. Ich weiß es nicht. Ich will auch niemandem was unterstellen. Ich gucke mir das halt nur so an.

27. Culatello - Mai 28, 2013, 15:32

„Culatello, da muß ein Mißverständnis vorliegen. In Syrien spielt sich eine Verschiebung ab, die für den gesamten sog. Arabischen Frühling festzustellen ist. Egal woher sich der Protest gegen die Regierung anfangs speiste – die Islamisten übernehmen und vereinnahmen ihn. “

Ein Mißverständnis wird es wohl sein.
Israel hat den Arabischen Frühling mit Mißtrauen betrachtet und damit Recht behalten.
Lila, wie gerne hätte ich den Demonstranten und vor allem den Demonstrantinnen des Arabischen Frühlings ein wenig Freiheit, Selbstbestimmung und Glück gegönnt.

Und was ist dabei herausgekommen??

Dieses so unaussprechlich Böse und Grauenhafte :
http://www.handelsblatt.com/politik/international/massenvergegwaltigung-auf-dem-tahrir-platz-platz-des-schreckens/7700094.html

Dieser weitverbreitete und irrationale Frauenhass ist so grausig, dass mir die Worte fehlen.

28. Lila - Mai 28, 2013, 15:41

Ja, ich auch. Wer konnte kühl bleiben, als die Demonstranten nach Freiheit riefen – obwohl sie gar keine Freiheit kennen. Ich habe sehr gehofft, gegen meine eigene Skepsis, daß ein Wunder geschieht und wirklich eine arabische Aufklärung, eine arabische Französische Revolution ohne Terror stattfindet. Schöne Illusionen.

Mir fällt immer wieder ein, was mir ein Nachbar erzählt hat, der lange in Jordanien und Ägypten gelebt hat. Er hat gesagt, daß gebildete, im Westen ausgebildete Ägypter ihm erklärt haben, daß viele Ägypter nicht zwischen Demokratie und Anarchie unterscheiden können. Freiheit bedeutet für sie, daß jeder tut, was er will. Demokratie, daß man sich nicht an Regeln halten muß, die einem nicht passen.

Es scheint hoffnungslos, auf eine wirkliche Revolution dort zu hoffen. Wer gegen Gewaltanwendung ist und darauf verzichtet, seine Gegner umzubringen, der verschwindet von der Bühne.

Es ist zum Verzweifeln.

Nein, ich habe keine Sympathien für irgendeine Seite, außer die der Zivilisten, die irgendwie überleben wollen und sich in irgendeinem Folterkeller wiederfinden, nur weil sie die falsche ethnische oder religiöse Zugehörigkeit haben. Ein Albtraum.


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