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Und sonst? Mai 6, 2013, 15:35

Posted by Lila in Persönliches.
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Sonntag

Ja un wie is et sonst? Wie sonst. Erst war Quarta krank, dann ich, jetzt wieder Quarta, das hält uns auf Trab. Arbeit bis über beide Ohren, ich krieg es einfach nicht auf die Reihe, IMMER bleibt was liegen, ich hasse es. Zwischendurch Geburtstag, meine Güte, immer noch nicht 50? Nächstes Jahr. Irgendwann im April war auch mein 10jähriges Blog-Jubiläum – ich weiß noch, daß ich kurz vor meinem 39. Geburtstag damit angefangen habe. Hätte ich gedacht, daß ich das zehn Jahre lang, wenn auch mit Pausen, weiterführe? Nein. Irgendwann schreib ich mal was dazu.

Was ich zu den Angriffen auf syrische Waffentransporte an die Hisbollah sage? Nun, wenn schon die oft beschworene „internationale Gemeinschaft“ die Bewaffnung der Hisbollah nicht verhindert, wiewohl sie es versprochen hat, dann nimmt Zahal das eben selbst in die Hand. Es ist ein bißchen schwierig, aus der Ferne zu verstehen, wie unangenehm es sich anfühlt, all diese Raketen direkt vor der Nase zu haben und immer wieder zu hören, was Nasrallah uns wünscht und wie er sich das vorstellt.

Ich weiß, in Deutschland sind das keine Nachricht wert, Nasrallahs Gerede, klar, ist ja auch weit weg, aber wir hören ihn eben regelmäßig und haben oft genug von der Hisbollah auch mehr als nur Worte frei Haus geliefert bekommen. Es ist ja auch immer lehrreich, zu hören, wie jemand wie Nasrallah tickt. Damit man von Illusionen geheilt wird wie „wenn Israel nur noch mehr Gebiete räumte…“, „wenn Israel nur gesprächsbereiter wäre…“, „wenn Israel nicht auf Stärke, sondern auf Kompromißbereitschaft setzte…“. Lauter Illusionen, von denen auch ich regelmäßig geheilt werden muß. Nasrallah nimmt diesen Job auf sich, danke sehr.

Mit dem Bürgerkrieg in Syrien, der unübersichtlich und blutig ist und der in Israel mit großer Besorgnis gesehen wird, hat diese Aktion meinem Verständnis nach eher wenig zu tun. Ich nehme an, Bibi weiß so gut wie ich, daß bei den Assad-Gegnern immer mehr die Islamisten überhand nehmen – wie im Iran und in Ägypten beerbt der politische Islam die Demonstrationen und Proteste für mehr Bürgerrechte und -Freiheiten (vorgestern oder gestern war eine hochinteressante Reportage über Israel, den Schah und den Unwillen Israels, zu begreifen und zu akzeptieren, daß sich mit dem Fall des Schah die Beziehungen geändert, ja erledigt hatten). Keiner dort ist ein Freund Israels, und ohne Waffenlieferungen an die Hisbollah würde Israel sich gänzlich raushalten.

Mir persönlich wäre es lieber, es würde gar nicht zu solchen Eskalationen kommen. Aber das ist natürlich schwachsinnig, denn jede Rakete, die uns jetzt durch die Lappen geht, die von Damaskus über die libanesische Grenze in die Hände der Hisbollah gerät, die wird später ihren Weg nach Israel finden. An der Bereitschaft der Hisbollah, irgendwann in den herbeiphantasierten Krieg zur Vernichtung Israels einzusteigen, besteht ja kein Zweifel. An der Bereitschaft des Iran, uns anzugreifen, besteht ebenfalls kein Zweifel – sie haben es oft genug schon getan.

Ich kann nicht behaupten, daß mich die Lage kaltläßt, und es ist schrecklich, daß bei dem israelischen Angriff Menschen ums Leben gekommen sind – aber ich glaube nicht, daß der nächste Krieg vor der Tür steht. Die Syrer haben einen großen Teil ihrer Armee in Syrien selbst gebunden, und ein sehr gutes Bild gibt sie im Kampf gegen die Rebellen aller Arten nicht ab. Wer weiß, wie Syrien aus diesen Kämpfen hervorgeht. Hoffentlich hören die Waffenlieferungen an die Hisbollah auf. Hoffentlich wird es in Syrien zu einem Waffenstillstand und zu einer politischen Lösung kommen.

Montag

Gestern nachmittag bin ich nicht mehr dazu gekommen, noch mehr zu schreiben. Es klingelte an der Haustür, und meine kranke Quarta (der es wirklich miserabel ging) wollte nicht aufmachen. Ich lief schnell auf den Balkon, um zu gucken, wer da klingelt. Der Nachbar stand auf der Straße. „Yossi, hast du geklingelt?“ „Neee, ich glaube, das war dein Sohn!“ Mein Sohn? Secundus? Wie das?

Ich fegte die Treppe runter, und da stand Quarta, strahlend vor Glück, in Primus´festen Armen. Primus! Er hat mich vollkommen überrascht. Niemand hat ein Wörtchen verlauten lassen. Er fängt in zwei Wochen an zu arbeiten, bevor es mit dem Studium losgeht, und hat die kleine Pause benutzt, um kurz nach Hause zu fliegen. Im Gepäck hatte er zwei Kilo Spargel, viel besser als alles, was wir hier kaufen können.

Secundus und Tertia wissen noch nicht, daß er hier ist, er will sie überraschen, und ich bin so froh. Deutschland gefällt ihm gut, alles läuft wie geplant, er ist zufrieden. Ich bin heute den ganzen Tag unterwegs, Primus kümmert sich um Quarta, die immer noch wacklig auf den Beinen ist.

Hoffentlich komm ich auch wieder zum Bloggen in den nächsten Tagen. Hier läuft jedenfalls alles normal, keine Panik, keine Sorge.

Ich sitze im Lehrerzimmer, bin froh, daß Primus sich zuhause um meine arme kranke Quarta kümmert, und gehe gleich zu einer Ausstellungseröffnung. Der israelische Künstler Erez Israeli, den ich seit seiner Beuys-Arbeit interessant finde, ist mit einem Video vertreten, in dem er Kleists Anekdote mit dem Tambour interpretiert.

So läuft der Alltag weiter. Richtig Zeit zum Bloggen habe ich eigentlich nicht, aber von Zeit zu Zeit muß ich doch mal von mir hören lassen…

Kommentare»

1. Rika - Mai 6, 2013, 15:46

Lila!
Schön, etwas von dir zu lesen! Glückwunsch zum Jubiläum und natürlich TUSCH UND TROMMELWIRBEL :
Alles, Alles Gute zum Geburtstag (das genaue Datum weiß ich leider nicht 😉 )!!! Bleib gesund, lass dir die Arbeit nicht über den Kopf wachsen, behalte deine Freude am Leben, am Bloggen und vor allem an der Familie!
Wie schön, dass alle deine Kinder bei dir sind!
Friede und Segen….Dir und Euch!

2. Margot - Mai 6, 2013, 17:04

Liebe Lila,
ich wundere mich sowieo, wie Du das alles (Beruf, Familie und Blogschreiben) immer so unter „einen Hut“ bekommst.
Nachträglich die besten Geburtstagswünsche, vor allem Gesundheit und viel Schwung für all Deine Vorhaben. Möge die Zukunft eine friedliche Zeit für Dich, Deine Familie und natürlich ganz Israel bringen.
10 Jahre Blog-Jubiläum ist eine reife Leistung! Du schreibst immer sehr interessant und ich freue mich stets auf Deine Beiträge. Pausen müssen jedoch auch mal sein, dafür sollten alle Verständnis aufbringen.
Quarta übrigens gute Besserung!
Schalom, Margot

3. janina2212 - Mai 6, 2013, 18:01

Liebe Lila, allerliebste nachträgliche Geburtstagsgrüße, viel Glück und vor allem Gesundheit! Ebenso herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum des Blogs! Bitte weiter so!

Viele Grüße aus Haifa (zweite Station nach Tel Aviv – es ist alles noch schöner und aufregender und besser als gedacht!)!

4. rogawordpress - Mai 6, 2013, 18:52

Ich finde das Wunder-bar wie Israel sich mit des Allmächtigen Hilfe Verteidigt. Ja das kann man sich aus der Ferne nicht vorstellen wie es ist bedroht zu werden…
….obwohl ich oft den Eindruck habe das man Kalkuliert ohne sich selbst die Hände schmutzig/Blutig zu machen,das sich das „Problem Israel“ von selbst Erledigt. David gegen Goljat gibt es aber immer wieder! Gott hat es ja Israel versprochen! Und als Christ sehe ich Erstaunt wie es Stimmt!

Shalom Israel! Shalom Yeruschalajim!

5. Marlin - Mai 6, 2013, 19:36

Schön wieder was zu lesen..

und nächstes Jahr 50, hm? Das wär doch mal ein geeigneter Anlass für mich…

6. Piet - Mai 6, 2013, 22:44

Ach wie schön, dass es euch gut geht! Es ist ja doch so, dass ich mir den einen oder anderen Gedanken mache, wenn ich von Nasrallah lese, den Muskelspielen der Hisbollah im Süden, Iron Dome (Gott sei Dank) und Syrien, ich schließe euch zumindest stets in meine Gebete ein.

Auch an dieser Stelle noch einmal alles Liebe und Gute zu deinem Geburtstag, und deiner Quarta gute Besserung! (Genießt den Spargel! *yummi*)

7. wollecarlos - Mai 6, 2013, 23:12

Wieder ein herrlich schöner -weil so einfach aus dem Herzen geschriebener- Beitrag, den man gerne mehrmals liest!

Wird Ihr Sohn in Deutschland studieren?

Wenn Ja, was und wo?

Vielleicht kann man sich ja mal treffen, wenn die Götter gewillt sind!

8. Saskia - Mai 7, 2013, 11:30

Liebe Lila,
wow, 10 Jahre, was für ein riesiges Jubiläum! Herzlichen Glückwunsch! Ich lese Deinen Blog wahnsinnig gerne und freue mich jedes Mal aufs Neue über Deine interessanten Artikel!
Deshalb wünsche ich mir, dass Du auch die kommenden 10 Jahre hier weiterschreibst 🙂
Liebe Grüße aus Givatayim

9. Paul - Mai 11, 2013, 6:49

Talkshows sehe ich mir im Fernsehen fast nie an.
Am 8.5. machte ich eine Ausnahme.
Das Thema war Syrien und die Präventivmaßnahmen von Israel.
Avi Primor und Wolffsohn haben die Befürchtungen Israels eindrucksvoll und fundiert dargelegt. Das war für mich ein richtiger Lichtblick.
Die Moderatorin, Anne Will, wurde zeitweilig zur Interventorin. Aber ganz besonders Wolffsohn war in seinem Element und ließ ihr wenig Raum.
Das war mal eine Ausnahme, wenn auch sicherlich eine ungewollte, in unserer Medienlandschaft.

Ach so, beinahe vergessen: Herzlichen Glückwunsch zum 10-jährigen und weiter so.
Ad multos annos, wie der Berliner sagt. 😉

10. ente - Mai 11, 2013, 14:52

Na ja, eigentlich dachte ich, ständig vom Erfahrungsschatz gleichaltriger nur woanders lebender Menschen zu zehren und dann dies: Ein Jungspund erzählt wie das Leben ist. Uns trennen knapp über ein halbes tausend Tage Lebenswirklichkeit Sollte ich mich damit wirklich weiter beschäftigen? Sehe ja auch nicht ständig die Next irgendwas Shows. 🙂

Herzlichen Glückwunsch nachträglich!

11. Morgan R. Terrell - Mai 16, 2013, 6:52

israel steht mit syrien im Krieg – völkerrechtlich betrachtet. Die Kriegserklärung der Syrier von 1949 wurde nie rückgängig gemacht. Rein völkerrechtllich also handelt es sich um einen ganz normalen Kriegsakt. Ebenso steht Israel seit 1949 mit dem Irak im Krieg, daher war der Angriff Israels auf den Irak völkerrechtlich vollkommen „in Ordnung“. Ob das politisch, menschlich oder überhaupt klug war, ist eine Sache, welche hoch auch in Deutschland immer emotionell diskutiert wird. So schlimm es um die Palästinenser steht, im Vergleich zu sehr vielen anderen Völkern auf dieser Welt, geht es ihnen noch recht gut. Nur – niemand macht um sie grosses Aufheben. Oder werden die tausende von Morde, welche die Guatemaltekische oder die mexikanische Regierung jedes Jahr an den Ureinwohnern des amerikanischen Kontinents vornimmt irgendwo diskutiert? Das nur ein Beispiel, es liessen sich viele, viele bringen.


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