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Vor einem Jahr März 25, 2013, 13:15

Posted by Lila in Presseschau.
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haben wir hier über die Beduinen auf dem Sinai diskutiert. Damals waren Raketen auf Eilat der Anlaß. Ich habe damals gesagt:

Im Sinai muß aufgeräumt werden, aber wir können das nicht machen. Das müssen die Ägypter anpacken. Sonst entsteht ihnen da ein beduinischer Freistaat, der nur von Menschen-, Waffen- und Drogenschmuggel lebt, von Unterstützung des Terrorismus jenseits der Grenzen, und in dem kein Gesetz herrscht.

In Camp David haben die Ägypter den Sinai von Israel zurückbekommen. Es wäre schön, wenn sie ihn so in Ordnung halten würden, daß Ägyptens Nachbarländer ihn nicht fürchten müssen. Vielleicht sollten die USA, die den Vertrag damals vermittelt haben, die Ägypter mal sanft daran erinnern, daß das ihre Verantwortung ist.

Die Kommentare sind leider ziemlich entgleist, und ich würde sie gern nachträglich etwas souveräner umfälschen 🙂 … aber heute fiel mir dieser Wortwechsel wieder ein.

Der Sinai, der Ägypten mit Israel verbindet, ist zum Ort des Martyriums für Tausende Migranten aus Subsahara-Afrika geworden. Sie kommen aus Eritrea, Somalia und dem Sudan und hoffen auf ein besseres Leben in Israel oder Europa. Unterwegs werden sie gekidnappt, festgehalten, gefoltert. Kriminelle Beduinen erpressen Lösegeld von den Familien der Geiseln in deren Heimatländern. Nicht selten quälen sie die Afrikaner bis zum Tod. Die Regierung in Kairo ignoriert die grausamen Verbrechen.

Es ist fast unerträglich, diesen Bericht zu lesen, so grausam sind die Verbrechen, die dort begangen werden, jenseits aller Rechtsstaatlichkeit. Israel warnt davor schon länger, und Israel nimmt auch Flüchtlinge auf. Der Artikel vergißt zu erwähnen, daß in Israel inzwischen Zehntausende Flüchtlinge leben, besonders in ohnehin schon sozial schwachen und armen Gegenden.

Wenn einer von ihnen ein Verbrechen begeht (was mit erschreckender Regelmäßigkeit geschieht, besonders Vergewaltigungen haben in letzter Zeit von sich reden gemacht), dann protestieren die Anwohner dagegen, werden aber mit dem Vorwurf des Rassismus abgespeist. Richtige Vorstellungen, was der Staat Israel tun soll, um diesen Menschen wirksam zu helfen und sie nicht nur einfach abzuschieben in das Elend, aus dem sie kamen, hat keiner, die Frage ist auch, ob Israel das kann, soll, ob es nicht nur weitere Hoffnunglose auf eine Odyssee lockt, die grauenhaft enden kann.

Kurz, wir haben dieses Problem vor der Haustür. Meine beiden Söhne waren bei Einsätzen dabei, um solche Flüchtlinge an der Grenze aufzupicken und zu retten, bevor sich von ägyptischen Soldaten erschossen werden konnten, und Secundus hat die Todesschreie eines Mannes gehört, der es nicht geschafft hat.

Vielleicht nimmt es ja jetzt auch mal jemand anders zur Kenntnis. Oder fragt sich mal, wie es kommt, daß Sudanesen und Eritreer, Moslems wohlgemerkt, ausgerechnet nach Israel fliehen wollen, in diesen brutalen Apartheids- und Polizeistaat. Und ob Israel wirklich moralisch so verkommen ist, wenn es Menschen aufnimmt, und sie nicht vor Lampedusa ertrinken läßt.

Es kann jedenfalls nicht so weitergehen. Und ich sage das ohne eine Spur von Rassismus.Falls ich das noch mal unterstreichen muß.

 

 

 

Kommentare»

1. Marlin - März 25, 2013, 19:52

Ich denke, auch dort schlägt die linksgrüne Traumwelt zu. Was nicht sein darf, kann auch nicht. Leute, denen es gut geht und die nicht betroffen sind, haben immer leicht reden (bestes Beispiel: Politiker). Bei so einem kleinen Land ist das aber noch unbegreiflicher.

Es bleibt ein Dilemma, aber davon habt ihr ja mehr als genug.

2. flx - März 25, 2013, 21:09

Warum, warum findet man auf Seiten, die sich mit polarisierenden Themen wie Israel beschäftigen eigentlich immer dieses idiotische Schubladendenken? Können manche Leute das einfach nicht anders? Für die einen sind alle Rechten dann Faschisten und die Linken Träumer und Fantasten. Versucht doch wenigstens mal euch nicht wie Lappen zu benehmen und ein bisschen außerhalb der gängigen Klischees zu denken oder wenn das nicht möglich ist, es wenigstens sachlich zu schreiben. „linksgrüne Traumwelt“ das hat für mich keine Aussage, außer dass da ein Feindbild geschaffen werden soll.

3. Silke - März 25, 2013, 22:27

wenn fix recht hat, hat er recht

ich würde zwar von Claudia Roth einer in meiner Wahrnehmung allgegenwärtigen tonmitangebenden Politikerin annehmen, daß sie Bewohnerin einer (der vielen?) linksgrünen Traumwelten ist, doch sie abzuwatschen, weil sie zu vertraut mit dem iranischen Botschafter „erwischt“ wurde, finde ich angesichts der „Diener“, die Barack Obama vor dem saudischen König und dem japanischen Kaiser machte, maßlos übertrieben.

Schließlich hat auch G.W. Bush schon mal mit jemandem Händchen gehalten, über dessen PC-Status lieber geschwiegen werden sollte.

und hatten wir nicht einen Kanzler, der Putin irgendwas mit lupenrein nannte?

Will sagen, es gibt viele Traumwelten und mir scheinen sie sich ziemlich gerecht zu verteilen. Nur das mit der Israel-Abneigung scheint doch im Schnitt zum links-grün-Lastigen zu neigen.

4. Silke - März 25, 2013, 22:31

PS: daß es unamerikanisch eines Republikbürgers unwürdig ist, sich vor Royalty zu verbeugen, lerne ich regelmäßig bei Miss Manners von der Washington Post

http://www.washingtonpost.com/lifestyle/style/miss-manners-our-leaders-arent-royalty-so-theres-no-need-to-fawn/2013/03/06/2b356bf0-8372-11e2-8074-b26a871b165a_story.html

noch’n PS: andererseits glaube ich, daß Miss Manners Barry eben so sehr daneben finden würde, aber den Standpunkt hält sie sicher nur so lange aufrecht, bis sie Jack begegnet sein wird.

5. Paul - März 25, 2013, 23:19

Das ist doch mal ein Thema, das Israelis und Deutsche gemeinsam haben.
Auch wir wissen nicht, wie wir mit diesen „Einwanderern“ umgehen sollen.
Lila, ich bin genau Deiner Meinung und bin deshalb mal ein Rechter und mal ein Rassist. Jedenfalls bezeichnen mich manche Deutsche so.

6. ekkehard schroeder - März 26, 2013, 2:18

Hoffe mein Computer macht keine komischen Sachen mehr.
hallo,
vor einigen Tagen stand was ähnliches im Tagesspiegel.
http://www.tagesspiegel.de/politik/flucht-ueber-den-sinai-von-hoelle-zu-hoelle/7109234.html:

„Das ist die einzige Demokratie in der Gegend. Deshalb bin ich hier“, sagt ein junger Mann aus Eritrea, der in einem Tel Aviver Restaurant als Hilfskraft arbeitet. Vorher lebte er als Fremdarbeiter im Nachbarland. „Doch die Ägypter sind keine guten Menschen, die Israelis schon“, berichtet er mit bebender Stimme. „Sie schlagen, betrügen und töten uns.“ Seine Familie sei in der Heimat von Regierungsleuten umgebracht worden. Nur weil er in der Schule war, entkam er dem Gemetzel. Wo seine drei Geschwister sind, weiß er nicht. „Ich habe kein anderes Land mehr, in dem ich sein kann. Dies ist jetzt meine Heimat.“

ich fand es vor allem bemerkenswert das Leute die WIRKLICH unter Kriegsverbrechen aller Art leiden ausgerechnet nach Israel, dem angeblichen Apartheids-, Besatzungsstaat usw reinwollen.
anscheinend scheint der r
Ruf Israels doch nicht so schlecht zu sein, zumindest wenn es ganz real an den eigenen Kragen geht.
Und wahrscheinlich würden diese Menschen es gerne sehen wenn ihre „Heimat“ von Israel oder einer anderen westlichen Macht besetzt werden würde wie eskürzlich erst in Mali der Fall war.

Ansonsten bleibt eben die bittere Erkenntnis das archaische Gesellschaftsformen (was sind „Familienclans“ usw anderes) mitunter archaische Sitten hervorbringen. Da hilft auch kein angeblicher Antirassismus, welcher den Völkerzoo erhalten will der um in einer Analogie zu schreiben, die Kraft und Schönheit des Raubtieres bewundert, aber nicht sehen will wie es die Beute reißt. Und letztendlich reduzieren Leute die derartige gesellschaftliche Zustände nicht kritisieren wollen die Betroffenen zu Tieren da sie ihnen unterstellen das sie weder Fähig sind oder (zumindest in unterprivilegierter Postion, z B. Frauen) es nicht wünschen in besseren Verhältnissen zu Leben.
In der Konsequenz sind diese Traumtänzer die Rassisten.
Insofern ist das mit rechts und links und den zugehörigen Schubladen anders als man denkt und mancher würde sich wundern was die Urväter der jeweiligen Denktradition geschrieben haben: Marx hatte nichts für die vormoderne übrig, und die antimoderne erschuf die Mär vom „edlen Wilden“. Hoffe mein Computer macht keine komischen Sachen mehr.
hallo,
vor einigen Tagen stand was ähnliches im Tagesspiegel.
http://www.tagesspiegel.de/politik/flucht-ueber-den-sinai-von-hoelle-zu-hoelle/7109234.html:

„Das ist die einzige Demokratie in der Gegend. Deshalb bin ich hier“, sagt ein junger Mann aus Eritrea, der in einem Tel Aviver Restaurant als Hilfskraft arbeitet. Vorher lebte er als Fremdarbeiter im Nachbarland. „Doch die Ägypter sind keine guten Menschen, die Israelis schon“, berichtet er mit bebender Stimme. „Sie schlagen, betrügen und töten uns.“ Seine Familie sei in der Heimat von Regierungsleuten umgebracht worden. Nur weil er in der Schule war, entkam er dem Gemetzel. Wo seine drei Geschwister sind, weiß er nicht. „Ich habe kein anderes Land mehr, in dem ich sein kann. Dies ist jetzt meine Heimat.“

ich fand es vor allem bemerkenswert das Leute die WIRKLICH unter Kriegsverbrechen aller Art leiden ausgerechnet nach Israel, dem angeblichen Apartheids-, Besatzungsstaat usw reinwollen.
anscheinend scheint der r
Ruf Israels doch nicht so schlecht zu sein, zumindest wenn es ganz real an den eigenen Kragen geht.
Und wahrscheinlich würden diese Menschen es gerne sehen wenn ihre „Heimat“ von Israel oder einer anderen westlichen Macht besetzt werden würde wie eskürzlich erst in Mali der Fall war.

Ansonsten bleibt eben die bittere Erkenntnis das archaische Gesellschaftsformen (was sind „Familienclans“ usw anderes) mitunter archaische Sitten hervorbringen. Da hilft auch kein angeblicher Antirassismus, welcher den Völkerzoo erhalten will der um in einer Analogie zu schreiben, die Kraft und Schönheit des Raubtieres bewundert, aber nicht sehen will wie es die Beute reißt. Und letztendlich reduzieren Leute die derartige gesellschaftliche Zustände nicht kritisieren wollen die Betroffenen zu Tieren da sie ihnen unterstellen das sie weder Fähig sind oder (zumindest in unterprivilegierter Postion, z B. Frauen) es nicht wünschen in besseren Verhältnissen zu Leben.
In der Konsequenz sind diese Traumtänzer die Rassisten.
Insofern ist das mit rechts und links und den zugehörigen Schubladen anders als man denkt und mancher würde sich wundern was die Urväter der jeweiligen Denktradition geschrieben haben: Marx hatte nichts für die vormoderne übrig, und die antimoderne erschuf die Mär vom „edlen Wilden“.

Es bleibt zum Wohle aller Beteiligten nur die geringe Hoffnung das der arabische Frühling noch lange nicht zu Ende ist.

7. Silke - März 26, 2013, 12:56

Und wahrscheinlich würden diese Menschen es gerne sehen wenn ihre “Heimat” von Israel oder einer anderen westlichen Macht besetzt werden würde wie eskürzlich erst in Mali der Fall war.

Die Menschen vermutlich schon, doch die „ich will die Nr. 1 sein Typen“ nicht und drum wird der Frieden nur ganz kurz halten, dann werden die sich-Beklager die Oberhand gewinnen oder an die Kandarre genommen werden müssen.

Und irgendwie scheint an dem Punkt, wo die, die Macht haben, sich zwischen Kumbaya und NEIN sagen entscheiden müssen, ziemlich regelmäßig was schief zu gehen.

8. Marlin - März 26, 2013, 20:28

Nee, flx, wenn man diese Probleme offen ansprechen will, dann ist man verkappter Nazi oder mindestens Rassist. Das passiert Sarrazin (zu dem kann man stehen wie man will) und es passiert ebenso Buschkowsky, der damit noch viel intensiver zu tun hat als erstgenannter. Lösungsvorschläge werden nur von einer gewissen „Schublade“ weder gewollt noch gebracht.

Die anderen, die es wenigstens ansprechen oder versuchen, werden diffamiert. Es geht ja sogar Leuten aus den Milieus so wie Kelec oder .. wie hieß sie noch, die aus Holland nach USA gemacht hat. Die haben eine Position vertreten, die niedergebrüllt wurde, von einer Seite. Rate welche. (Falscher Applaus von der anderen ist leider nur schlecht zu vermeiden.)

Dass Du jetzt denkst, dass ich für Schubladen stehe, kann ich dir nicht nehmen, aber dieses Thema berührt ja nicht nur Israel, ich nehme mir nur die Freiheit, hier öfter zu schreiben als anderswo.

Wenn es in Israel so schlecht läuft, ist es noch unmittelbarer für mehr Menschen als für mich, der ich bisher noch Glück habe. Aber die Sachen gehen alle an. Irgendwann, wenn es wohl zu spät ist, kann sich keiner mehr um das Thema herumwinden.

K. A., was ich damit sagen wollte, aber egal.

9. Ludwig - März 27, 2013, 2:33

Lila,

Dein ursprünglicher Beitrag enthielt durch seinen etwas hemdsärmeligen Stil einige Trigger, die glaube ich zur Entgleisung des Threads beigetragen haben, ganz unabhängig davon, dass Du recht hast: viele politische Flüchtlinge und Armutsmigranten haben ein grauenvolles Schicksal, im Sinai und anderswo. Dieses umformulierte Zitat zeigt, was ich meine:

In der Westbank muß aufgeräumt werden, aber wir können das nicht machen. Das müssen die Israelis anpacken. Sonst entsteht ihnen da ein binationaler Staat, der nur durch Abschreckung und Repression lebt, von Unterstützung des Siedlungsirrsinns, und in dem zweierlei Gesetz herrscht.

Fühlt jemand den Drang in Kampf-Kommentar-Modus zu schalten und hart in die Tasten zu hauen? Dann habe ich eine Eskalationsspirale begonnen, die nach dem Motto „Einfach Schießen, keine Fragen mehr stellen“ bis zur Threadsperre weiterführen kann.

Grandios komisch fand ich diesen Beitrag zum Thema „Israel-Kommentare für Dummies“. Da kann man noch viel lernen 😉

http://blogs.timesofisrael.com/the-idiots-guide-to-internet-talkbacks-in-israel/

@flx – 2
Die Asyl- und Migrationsdebatten in Deutschland sind auch voller Klischees. Was bei Israel/Palästina noch stärker polarisiert sind Versuche den Nahostkonflikt mit dem Keyboard zu gewinnen. Da wird dann Semantik als Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln gesehen und des geht nicht mehr ums Verstehen sondern ums Besiegen der anderen Meinung bzw. des „Gegners“.

10. Lila - März 27, 2013, 5:13

Ah, der Benji, den kenn ich sogar um ein paar Ecken 🙂

Ob meine Hemdsärmligkeit mir unbedingt die Bezeichnung „Rassistin“ eintragen mußte, was für mich die übelste Beleidigung überhaupt ist, denn sie beinhaltet gleich ein ganzes Bündel anderer, wage ich zu bezweifeln.

Man tut dem Kampf gegen wirklichen Rassismus keinen Gefallen, in dem man jeden, der mal ohne hundert Defaults formuliert, gleich so nennt. So wie ich auch eine inflationäre Benutzung des Worts Antisemitismus für schwachsinnig halte.

Weißt Du, wie viele Trolle ich habe, die mich als Antisemitin beschimpfen, weil ich ihre Kommentare nicht durchlasse und sie sich als jüdisch ausgeben oder es vielleicht wirklich sind? Du würdest staunen, da kommt im Laufe der Zeit was zusammen.

Aber schlichten Gemütern fällt es wohl schwer, komplexe Problembereiche im Auge zu halten, in denen Beduinen sowohl eine Minderheit mit inneren und äußeren Problemen in Israel auftreten, als auch als ethnische Zugehörigkeit brutaler krimineller Banden im Sinai, und in denen afrikanische Flüchtlinge gleichzeitig die Opfer dieser Beduinen sind als auch Auslöser sozialer Probleme in Armutsvierteln in Tel Aviv, weil ein Teil von ihnen (und zwar meiner Einschätzung nach unproportional viele) kriminell werden.

In den deutschen Medien wurde es nicht erwähnt, aber gestern wurden ein junger Mann aus Nazareth (Araber, Christ) und seine norwegische Freundin unter tätiger Mithilfe der Behörden und Knesset-Mitglieds Ahmed Tibi aus den Fängen einer solchen beduinischen Bande im Sinai befreit.

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4361062,00.html

Wie man den Sinai wieder unter Kontrolle bekommt, wie man das Problem der afrikanischen Flüchtlinge löst – keine Ahnung, wenn ich es wüßte, wäre ich Offizierin bei der Polizei oder Beamtin irgendwo, und nicht Lehrerin. Aber daß dort dringender Handlungsbedarf besteht, und zwar zum Besten aller, ist ja wohl seit Jahren klar.

Daß Ägypten diesen Teil seiner Friedensverpflichtungen nicht erfüllt, mißfällt Israel. Immerhin gab es diese Probleme nicht, als der Sinai unter israelischer Besatzung war.

Daß ausnahmslos Gewalt, Terror und Kriminalität in von Israel geräumte Gebiete eindringen, auch nach den Osloer Verträgen in Städte und Dörfer der Westbank – das ist eines der ganz, ganz großen „Friedenshindernisse“. Nur eines, das viel weniger plakativ zu verwursten ist als „Siedleraktivitäten“.

11. Ludwig - März 28, 2013, 18:50

Lila,

ohne die „Defaults“ steigt einfach das Entgleisungsrisiko. Und: Ich kann mir wahrscheinlich nicht vorstellen, was für irre Kommentare in Deinem Filter oder der Moderation hängenbleiben.

Migration an den Grenzen der entwickelten Welt ist überall ein Riesenproblem. Zwischen Mexiko und den USA werden beispielsweise Menschen und Drogen in die eine Richtung, automatische Waffen in die andere Richtung geschmuggelt, dabei ist seit 100 Jahren Frieden zwischen beiden Ländern. Resultat ist u.a. ein verheerender Drogenkrieg in Mexiko. Da haben wir in Deutschlands es wirklich leicht: Mit der Abschiebung von Asylbewerbern in „sichere Drittstaaten“ und dem „Schutz“ Europas vor „Menschenschmuggel“ durch das Mittelmeer und an den EU-Ostgrenzen, haben wir viele Migrationsprobleme elegant ins Ausland verlagert. Teile der Diskussion in Israel erinnern mich übrigens an die Debatten um die Änderung des Asylrechts 1992. Da ging es oft auch sehr schrill und populistisch zu, was natürlich wenig hilft, wenn es um so komplexe Fragen wie Migration, innere Sicherheit und Grundrechte geht.

Den Artikel von YNET zu der Entführung finde ich spannend, weil er zwischen den Zeilen Geschichten erzählt, die ich nicht ganz greifen kann.

Zur allgemeinen Dynamik des Konfliktes: Mir scheint Israels Gegner suchen sich jeweils die schwächsten und verletzlichsten Punkte, so haben sich Methoden und Organisationsformen über die Jahre weiter entwickelt: Viele Palästinenser fliehen nach Jordanien und greifen Israel von dort an. Vertreiben die Haschemiten die PLO, taucht sie im Libanon wieder auf. Bekriegt Israel sie dort, gründen die Shiiten die Hisbollah. Werden Flugzeugentführungen zu riskant, kommen Selbstmordanschläge in „Mode“. Hat sich der anti-israelische Schwung des marxistisch geprägten Pan-Arabismus verbraucht, kommt der Islamismus. Etablieren sich islamistische Regierungen und übernehmen Verantwortung, finden sich Salafisten, die noch extremistischer sind. Usw. Usw.

Dieser schwächste Punkt können Gebiete sein aus denen Israel gerade abgezogen ist, weil dort ein Sicherheitsvakuum entsteht, genauso wie es nach dem Sturz Mubaraks plötzlich im Sinai entstanden ist. (Ich habe übrigens den Eindruck, dass Morsi seit dem letzten Gaza-Krieg seine Grenze zu Gaza schärfer kontrolliert als es die Übergangsregierung vor einem Jahr getan hat.) Oder der schwächste Punkt sind Verkehrsflugzeuge, Juden im Ausland, öffentliche Verkehrsmittel. Oder Israels politische Isolation, sein schlechter Ruf im westlichen Ausland und sein geringer Einfluss in der UNO-Vollversammlung usw. usw. So entsteht ein Handlungssystem in dem die Summe der Probleme insgesamt konstant bleibt, was aber alle paar Jahre Katastrophen produziert, wie den Yom-Kippur-Krieg, die Intifadas oder eben die Raketenangriffe. Ich sehe nicht, wo Israel in den letzte Jahren die Initiative ergriffen hätte, um die Logik des Konfliktes so zu beeinflussen, dass er weniger gewalttätig abläuft.

Ob man die Siedlungen plakativ oder differenziert diskutiert, sie bleiben das größte Hindernis, was Israel einem Friedensprozess in den Weg stellt. Solange die Siedler eine Sperrminorität in der Regierung haben, wird Israel, glaube ich, handlungsunfähig bleiben und sich international weiter isolieren. Dazu kommen als unmittelbare Kollateralschäden des Siedlungsprojektes, die Opfer der Konflikte niedriger Intensität zwischen Siedlern, IDF und militanten Palästinensern. Mit dem Spielraum der letzten und der aktuellen Koalition kann Eure Regierung die Palästinenser bestenfalls davon überzeugen, dass es aussichtsreicher ist mit der Internationalen Gemeinschaft zu verhandeln, als direkt mit Israel. Ich befürchte dieser Stillstand durch Israels politische Handlungsunfähigkeit geht weiter, bis die Situation „Euch“ mal wieder auf die Füsse fällt, was dann eine neue Dynamik auslösen könnte.

Und das, obwohl optimistisch gerechnet nur 1% der israelischen Bevölkerung, also Siedler, die für eine Zweistaatenlösung evakuiert würden, ein existentielles Interesse an der bestehenden Einstaaten-Situation haben. So sieht es jedenfalls Shaul Arieli, einer der ehemaligen israelischer Unterhändler, die noch an eine Verhandlungslösung glauben: http://972mag.com/the-israeli-negotiator-who-thinks-the-two-state-solution-is-still-possible/68259/

12. Silke - März 29, 2013, 19:47

der Spiegel hat einen Artikel, der’s auch bis in den English-Newsletter geschafft hat … und ich frage mich, ob ich froh sein soll, daß nicht drin steht, daß viele in Israel ein vielleicht prekäres aber unverhaftet-seiendes Leben führen? Würde das noch mehr von denen anlocken, „ursprünglich gar nicht nach Israel wollten“. Ich liebe diese subkutanen Spitzen – wer kann schon freiwillig nach Israel wollen? das kann doch außer zionistisch indoktrinierten Bekloppten nu wirklich kein Mensch wollen¿

http://www.spiegel.de/politik/ausland/menschenschmuggel-grausame-methoden-der-geiselnehmer-auf-dem-sinai-a-878452.html

13. Caruso - März 29, 2013, 19:57

Ich denke nicht, daß die Siedlungen das größte Hindernis sind. Das
größte Hindernis ist m.E., daß die palästinensischen Araber Israel nicht als jüdischen Staat anerkennen bzw. sie kein Israel wollen. Ich denke, das ist der springende Punkt. Etliche Hamas-Führer haben das mehrmals sehr deutlich ausgeführt.
lg
caruso

14. Silke - März 29, 2013, 21:16

EoZ hatte das hier verlinkt

http://www.thecommentator.com/article/3082/hamas_and_human_organ_trafficking

Frederik Pleitgen ist der Sohn von Fritz Pleitgen

– ich will seinen Originalbericht gar nicht lesen, aber wenn da wirklich organ trafficking stattfindet, dann kann das ja wohl nur so funktionieren, daß der/die „donor“ lebend zu einem entnahmetauglichen Platz aka ein high-tech Krankenhaus geschafft wird. unglaublich aber auch unmöglich?

Ob Jenny Tonge wohl was dazu zu sagen haben wird?

15. ekkehard schroeder - April 1, 2013, 1:04

hallo marlin (nr. 8) und rest
wenn man sich auf sarrazin beruft ist man zielmlich auf dem holzweg:
sarrazin ist schlichtweg sozialeugeniker.
sie zb hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Sarrazin-Gen#Eugenik_und_Biologisierung_des_Sozialen

so macht er intilligenz usw an den genen -anstatt ideen und sozialen umständen- fest. somit sind probleme letztendlich nicht vom menschen geschaffen und somit überwindbar, sondern in der biologie der jeweiligen betroffenen fixiert. menschenfeindlichkeit ist letztendlich die konsequenz.
und dies trifft nicht nur muslime, sondern zb auch sozial schwache indigene deutsche usw. schlagzeilen machte sein geschwafel vom „juden-gen“ usw. insofern ist es mir schleierhaft wieso man sich immer wieder auf ihn meint beziehen zu müssen, und eine katastrophe das er so grosse resonanz findet.
einer seiner wesentlichen ideen ist es neben allerlei „schikanen“ zb auch die fortpflanzung von „leistungsträgern“ zu fördern anstatt von „kopftuchmädchen“ und sozial schwachen.

er ist der rechte rand der „neuen mitte“, welche sich von ehemals sozialdemokratischen projekten wie durchlässige bildungspolitik, sozialpolitik usw zugunsten der brutaliät des marktes entgültig verabschiedet hat.

16. willow - April 1, 2013, 9:18

Jaja, gut und links ist nur, wer die revolutionären Ideen des großen Genossen Lyssenko vertritt und solch reaktionären, faschistischen Unfug wie „Vererbung“ und „Gene“ vehement ablehnt … ach, was waren das für Zeiten, als man Feinde der sozialistischen Wissenschaften (nur Umwelt und Erziehung formen den Menschen!) für ihre Ketzereien noch ins Gulag stecken konnte …

http://de.wikipedia.org/wiki/Trofim_Denissowitsch_Lyssenko

17. Silke - April 1, 2013, 11:34

willow

nach obigem nehme ich an, daß Du Akademikerin bist. Andernfalls müßte es Dir doch mißfallen, daß Sarrazin Deine eventuellen Kinder für nicht förderungswürdig befindet (bei Ingo Kahle in Zwölfzweiundzwanzig) da Du nicht geeignet wärst high-achievers heranzuziehen.

Ich habe Sarrazin’s berühmtes Buch nach ca. einem Viertel abgebrochen, weil seine Lehre von den langen stabilen Zeiten so fatal an Schulaufsätze erinnerte und zwar solche, die zu meiner Zeit vor Erreichen der Oberstufe gefragt waren. Das mit Verlaub war zu weit unter meinem Niveau. (daß es nach dem Zerfall des Römischen und vor den Muslimen das sehr stabile Byzantinische Reich gab, verschweigt er schlicht, weil es in seiner Theorie nicht vorkommt. Die Byzantiner aka Ostrom hatte man in meiner und also vermutlich auch in Sarrazin’s Schulzeit überhaupt nicht auf der Latte. Ich frage mich warum, weil man der SU das Erbe nicht gönnte, weil die Katholen keine Konkurrenz zu Rom wollten, oder weil den Lehrern die Geographie da zu kompliziert war?)

Buschkowsky habe ich gern und mit großem Nutzen gelesen, in Heisig bin ich mittendrin mit großem Interesse – beide sind diskussionswürdig für mich. Sarrazin ist es nicht. Der Mann ist nach meinem Wertesystem für Autoren ein Blender und ein Dummschwätzer und ein Angeber.

Bloß weil ein System Mist gebaut hat, muß nicht alles in dem System Mist gewesen sein.

und hier ist ein Gespräch zu Lysenko
http://www.bbc.co.uk/programmes/b00bw51j

und hier ist ein Vortrag zu Hayek, in dem sehr Erleuchtendes zu gedanklichen Monokulturen und deren Folgen gesagt wird. Bronk ist wie ich der Meinung, daß Marktabsolutisten auf die gleiche Weise in die Irre laufen wie es Commies taten und tun.

http://www2.lse.ac.uk/newsAndMedia/videoAndAudio/channels/publicLecturesAndEvents/player.aspx?id=1475

… und ansonsten ist es mir vollkommen wurscht, ob und wie viel von dem Angeborensein stimmt oder nicht, meine Vorstellung vom Menschen und damit von mir selbst ist, daß ich niemanden klassifiziere, einsortiere für fähig oder unfähig erkläre, basierend auf den Genen, die er aus dem Pool seiner Vorfahren gefischt hat.

JedeR hat viele Wege, auf denen er eventuell angeborene Talente entfalten kann, das glaube ich und das glauben Buschkowsky und Heisig und wenn das „wissenschaftlich“ falsch sein sollte, so ist das zumindest ein Glaube, mit dem ich mich gern im Spiegel ansehe.

Hier ist Götz Aly in einem Gespräch zu seinem neuen Buch zu Euthanasie – entsprach das Verhalten der Lysenko-Gläubigen da ihrem Dogma oder verhielten sie sich ebenso unmenschlich wie „wir“, Kirchen inclusive, was mich nicht wundert, denn falls ich Jan Assmann richtig verstehe, ist sortieren eine zwangsläufige Folge des daneben riesige Vorteile bietenden Monotheismus.

http://www.ndr.de/ndrkultur/audio153143.html

18. willow - April 1, 2013, 13:05

Silke, zu diesem Herrn S. läßt sich sicher ne Menge Kritisches sagen, ich halte auch sein Buch nicht für die „absolute Wahrheit“, aber das ist schon etwas Anderes, als diesen Herrn zu einer Art „Gottseibeiuns“ zu diffamieren.

Im Übrigen, dieses sozialistische „Umwelt und Erziehung sind alles, die Erbanlagen sind nichts“ wurde -ich war dabei!- schon in der DDR in den späten 70er jahren in die Mottenkiste verbannt … man ging z.B. vorsichtig dazu über, nicht nur „Arbeiterkinder“ studieren zu lassen, sondern zu schauen, ob die Kinder begabt und willens sind 😉

19. Silke - April 3, 2013, 13:04

willow

dieser Herr S. und die ihn hochgejubelt habende Medienmeute ist zu nem großen Teil daran schuld, daß heute Mario Draghi und nicht Axel Weber den EZB-Vorsitz inne hat und das betrifft mein ganz persönliches finanzielles Wohlergehen. Axel Weber hat auf mich bei der LSE trocken unbrillierend gewirkt, genau wie ich es gern an der Spitze der EZB gehabt hätte.

Zur Entlastung von Herrn S. kann ich nur anführen, daß er in unserem bekloppten Ernennungssystem für den Bundesbankvorstand nicht dank besonderer Qualifikation dahin gekommen ist, sondern einfach „dran“ war.

Und wenn er nur auf einem einzigen internationalen Treffen solche Dönnjes wie im dradio erzählt haben sollte, wie „genial“ er bei der Vereinigung die Bundesbank AUSGETRICKST habe, dann war das mehr als ausreichend, um Weber’s Aussichten heftigst zu schmälern, denn wer solch einen wie Herrn S. nicht im Zaum halten kann, leidet an einem Mangel an Führungsqualitäten, sagen die Lobbyisten des Konkurrenten und das dringt dank Wahrscheinlichkeit voll durch, denn daß Weber Herrn S. aller Wahrscheinlichkeit nach einfach ans Bein gebunden bekam, interessiert international keine Sau.

Genauso wie Herrn S. unser aller Wohlergehen oder zumindest der gute Ruf seines Arbeitgebers am A… vorbeigeht, Hauptsache er kann den Genialen geben.


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