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Die Ghetto-Arbeiter März 22, 2013, 4:16

Posted by Lila in Presseschau.
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Ich habe schon ich weiß nicht wie oft alten Menschen geholfen, die seitenlangen Formulare auszufüllen, mit denen sie sich um eine Rente bewerben. Obwohl die meisten von ihnen Deutsch verstehen und manche Formulare zweisprachig sind, finden sie sie verwirrend. Dabei höre ich dann ihre Geschichten. Es sind ausnahmslos Menschen über 80, die für die Zeit, in der sie für die deutsche Wirtschaft gearbeitet haben, und das unter schwersten, unmenschlichen Bedingungen, eine Rente beantragen. Und sie meist nicht bekommen.

Ehrlich, ich schäme mich dafür. Ich bin froh, daß es im SPon endlich mal einen Artikel darüber gibt, aber mir graut schon wieder vor den Kommentaren. Ja, ja, die raffgierigen Juden, die hätten gern, was ihnen zusteht, und warten seit vielen Jahrzehnten darauf. Die redlichen Deutschen dagegen, die warten mit der Lösung, bis der letzte Überlebende den 120. Geburtstag feiert. Dann wird bestimmt eine großzügige Lösung gefunden, in deren Genuß leider keiner mehr kommt. Eine Moralpredigt kriegt Israel dann bestimmt noch gratis mit dazu.

Kommentare»

1. Georg - März 22, 2013, 4:30

Warum, um Gottes Willen, liest du SPON-Kommentare? jaja, ich weiß, von wegen Überblick verschaffen usw. – Willt du ständig einen Blick und ein Ohr an deutsche Absackerkneipen haben? Das lohnt nicht, es macht nur die Nerven kaputt.

Die Einwände … jaja … aber so viele Menschen lieben dich! So etwas ist wichtiger.

2. Lila - März 22, 2013, 4:55

Och, Georg, die ersten Kommentare sind doch unter den Artikeln sichtbar. Und dann gilt:

Gräßlich, aber man guckt trotzdem…

3. eran1 - März 22, 2013, 9:37

Die damalige industrielle (End-) Lösung wurde von der jetzigen biologischen Lösung ersetzt.

4. Verres - März 22, 2013, 9:54

Das eigentlich beschämende ist das jüdische, russische etc. Zwangsarbeiter wie Bittsteller um ihre Ansprüche kämpfen müssen. Der dänische SS Soldat hingegen bekommt ganz selbstverständlich seine Rente vom deutschen Staat für seine „Leistungen“. Da kann einem wirklich schlecht werden.

Manche Sachen werden allerdings auch ausgenutzt. Bekannte habe ein Häusschen in Italien und leben dort jetzt die meiste Zeit. Beim Arzt war es wohl anfangs schwierig die Kostenübernahme für Rezepte zu regeln. Glücklicherweise leben in dem Ort ehemalige jüdische KZ Überlebende deren Medikamente und Behandlungen der deutsche Staat zahlt. Der findige Mediziner rechnet daher schon eine Weile die Kosten besagter Bekannter über diese jüdischen Patienten ab, macht er für seine italienischen Patienten wohl auch schon mal… Mir wäre das als deutscher ziemlich unangenehm davon zu profitieren. Aber generell finde ich es sehr gut das es sowas überhaupt gibt.

5. Lila - März 22, 2013, 10:04

Ja, und trotzdem sitzt Deutschland moralisch auf dem hohen Roß, ganz besonders Israel gegenüber. Ehrlich zum Kotzen.

Verres: Mißbrauch gibt´s überall. Wenn man ihn auf Null drücken will, muß man jede Art solcher Leistungen ersatzlos streichen und leben wie im alten Rom. Ich meine, es gibt eine ganze Menge Subventionen und Transferleistungen, die ich streichen würde, bevor ich die Renten ehemaliger Zwangsarbeiter antaste. Daß das ganze Thema über Jahrzehnte gar nicht diskutiert wurde, ist beschämend genug.

6. Miriam Woelke - März 22, 2013, 11:09

B“H

Alle reden vom Geld, doch an all die ermordeten Menschen denkt keiner mehr. Tote stellen keine Fordeungen und man kann sie leicht als „Betriebsunfall“ abschreiben.

7. Saskia - März 22, 2013, 12:33

Was mich bei all dem am meisten trifft ist, dass andauernd von Wiedergutmachung und Freundschaft geschwafelt wird. Diese Scheinheiligkeit geht mir so auf den Zeiger. Für den Berliner Flughafen setzt man mal eben kurz Milliarden in den Sand, aber wenn es um die Renten und Entschädigungen von Zwangsarbeitern geht, tut man so als müsse man jeden Vorgang mindestens 20 Jahre lang genauestens prüfen. Ich hasse diese stinkende Ungerechtigkeit!

8. Silke - März 22, 2013, 12:36

… und nicht zu vergessen: das „hübsche“ Thema Provenienzforschung – hier ist ein Interview mit Horst Seemann zum Thema, der mich mit Klartext erfreut hat

http://www.podcast.de/episode/206584498/Provenienzforschung%2Bder%2BKlassik%2BStiftung%2BWeimar/

——

und da wir’s kürzlich so mit Geheimdiensten hatten – hier ist der Chef des deutschen BND – erstaunt hat mich die absolute Sicherheit, mit der er zu verkünden scheint, daß Nord-Korea derzeit noch? nicht atombomben kann.

Falls das iranische Know-How von A.Q.Khan über Nord-Korea kommt, gekommen ist, bedeutet das auch was für den Iran?

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/idw_dlf/2043386/

Die Überschrift ist an Dämlichkeit kaum zu überbieten – jedes Regime hat noch immer am Ende verloren …

In der Zwischenzeit glaubt der BND allerdings gräßlicherweise das hier:

Und wenn sich die Rahmenbedingungen also nicht ändern, dann kann man befürchten, dass so eine Art „Irakisierung“ kommt, also zu einer Zersplitterung in verschiedene Gruppierungen. Und das wäre sicherlich keine gute Entwicklung für Syrien.

PS: für mich klang er sehr stolz darauf, daß er die Parlamentarier besser informiert als seine Vorgänger. Hoffentlich ist der BND dabei ähnlich zugeknöpft, wie in diesem Gespräch.

9. faehrtensuche - März 23, 2013, 13:42

Seit Juni 2012 beschäftigt mich das Thema „Ghettorente“! Ein beschämendes Kapitel deutscher Erinnerungskultur! Der Link dazu: https://faehrtensuche.wordpress.com/2012/07/12/ein-unbequemer-richter-auf-der-suche-nach-wahrheit-jan-robert-von-renesse/
LG


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